Commerzbank: Systemrelevanz kostet den Staat viel Geld

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.02.2011

Die Commerzbank wird sich wohl auf der Liste finden, die internationale Regulierer aus den systemrelevanten Finanzhäusern der Welt zusammengestellt haben. Tagesschau.de bezeichnet dies als einen „Ritterschlag“ – doch dieser Schlag könnte sehr schmerzhaft sein: Die höheren Kapitalanforderungen an derartige Finanzhäuser könnten den Steuerzahler erneut zur Kasse bitten, denn die Commerzbank wird massive finanzielle Hilfe brauchen.

Manche bezeichnen es als Ehre, dass sich neben der Deutschen Bank und der Allianz nun auch die Commerzbank als drittes deutsches Finanzhaus auf der Liste internationaler Regulierer (das International Stability Board) befinden wird, die insgesamt 30 bis 35 Finanzhäuser umfasst. Die Commerzbank ist systemrelevant, ein Zusammenbruch könnte die Welt also wieder in einen Abgrund á la Lehman Brothers stürzen – welch eine Ehre!

Doch noch ist die Liste nicht fertig, noch ist nicht sicher, ob die Commerzbank sich darauf befinden wird. Doch für die meisten Medien ist die Aufnahme in den erlauchten Kreis derjenigen Banken, ohne die gar nichts geht, so gut wie beschlossen. Die Bedeutung der Liste dieser als „too big to fail“ bezeichneten Banken ist enorm: Denn ihnen drohen höhere Kapitalanforderungen, damit sie im Pleitefall nicht die gesamte Branche in den Abgrund reißen.

Das ist der Grund, weshalb die Freude in Berlin eher gedämpft als euphorisch ist: Sollte die Commerzbank auf der Liste der systemrelevanten Banken landen, bedeutet dies hohe Kosten für die Commerzbank – und damit auch für den deutschen Staat. Die Teilverstaatlichung der Bank hat den Staat mit ins Boot geholt – und so werden wir nun zahlen dürfen für die systemrelevante Commerzbank.

Die Höhe des Kapitalaufschlags der wichtigen Institute dürfte zwischen zwei und drei Prozent betragen, zusätzlich zu den bereits verschärften Eigenkapitalregeln, die mit Basel III gültig wurden. Für die Commerzbank könnte dies nach Berechnungen von Merck-Finck-Analyst Konrad Becker einen zusätzlichen Kapitalbedarf von bis zu knapp neun Mrd. Euro bedeuten.

Die Commerzbank ist jetzt schon schwer am kämpfen: die milliardenschwere Übernahme der Dresdner Bank ist noch lange nicht verdaut, auch bei der Erfüllung der Vorgaben durch Basel III hat das Geldhaus schon schwer zu kämpfen. Basel III sieht vor, dass alle Banken ab 2019 bereits drei Mal mehr Kernkapital vorhalten müssen als bisher. Damit soll die Kernkapital-Quote auf sieben Prozent steigen.

Nun hofft die Bundesregierung wohl darauf, dass die Commerzbank nicht auf die Liste der systemrelevanten Banken gesetzt wird, um so nicht wiederum mit neuem Kapital einspringen zu müssen. Doch die Chance ist niedrig, dass dies passiert, denn die Commerzbank gilt, trotz relativer Unwichtigkeit auf dem Weltmarkt, als einer der wichtigsten Kreditgeber in Deutschland – und damit der größten Volkswirtschaft Europas. Sollte die Commerzbank auf die Liste gesetzt werden, bedeutet dies, dass die Commerzbank „noch lange für den Steuerzahler ein Systemrisiko sein wird“, sagte Frank Schäffler, Finanzexperte der FDP.

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