Sprott: Fiatwährungen auf dem Scheiterhaufen

Eric Sprott, Zerohedge.com, 26.10.2010

Die weltweiten Regierungen können zurzeit einfach nicht davon lassen miteinander in Konflikt zu geraten. Jetzt haben sie sich darauf zurückgezogen sich gegenseitig mit dem Drucken von Geld zu bekämpfen. Das Abwertungsrennen ist im vollen Gange und es ist wirklich schwer auf dem Laufenden zu bleiben, wer gerade die Oberhand gewinnt. Für Investoren ist dies natürlich einfach nur traumhaft. Nicht nur, dass sie mit Zinssätzen von 0% zu kämpfen haben, jetzt müssen sie auch noch eine erhöhte Währungsvolatilität und mögliche mit Inflation in Zusammenhang stehende Probleme umschiffen.

Gold und Silber profitieren von diesem „Währungskrieg“ außerordentlich, da sich die Investoren nach einem sicheren Hafen in harter Währung sehnen. Wir können nicht behaupten, dass wir überrascht sind zu sehen, wo Gold und Silber nun stehen, aber es ist durchaus überraschend mitzuerleben, wie bereitwillig die Regierungen den Wert ihrer eigenen Währung vernichten. Obwohl wir vollstes Vertrauen darin haben, dass die Ökonomen der verschiedenen Zentralbanken genau wissen, was sie hier tun, sind wir unterdessen glücklich darüber Edelmetallinvestments zu besitzen, bis der Tag kommt, an dem ein endgültiger Gewinner des Währungskrieges bekannt gegeben wird.

Nur um sicher zu gehen, dass Sie bezüglich der Währungskriegsnachrichten auch auf dem Laufenden sind: Der letzte Abwertungsschuss wurde von der Federal Reserve am 17.08.2010 abgefeuert, als sie die permanenten Offenmarktoperationen (POMO) einleitete, um die wirtschaftlichen Aktivitäten zu beleben. Die Zentralbank gab ihre Absicht bekannt die Einkünfte aus ihren fälligen hypothekarisch besicherten Wertpapierbeständen in US-Staatsanleihen zu reinvestieren. In Verbindung mit den jüngsten Kommentaren des Offenmarktausschusses (FOMC) bezüglich einer ansteigenden US-Inflationsrate (durch die Gelddruckerei), sahen sich die Regierungen dieser Welt zur Einleitung von Maßnahmen gezwungen.

Sie wären verdammt, wenn Sie es zuließen, dass die USA gegenüber ihren eigenen Währungen abwerten würden und damit ihre Exporte schlechtmachten – also werten jetzt alle gleichzeitig ab. Es handelt sich hierbei buchstäblich um einen „Abwärtswettlauf“, bei dem alle großen Währungen zum Richtblock für Fiatwährungen geführt werden.

Nach unserer Zählung haben seit dem 21.09.2010 nicht weniger als 23 verschiedene Länder auf irgendeine Art im Währungsmarkt interveniert. Das Ziel all dieser Ländern ist es die Geldmengenversorgung ihrer eigenen Papierwährung zu erhöhen, um sie so im Wert fallen zu lassen. In den Fällen, wo die Länder nicht direkt in der Lage waren mehr Geld zu drucken, intervenierten sie in Form von Kapitalkontrollen oder „offenen Mund Operationen“ (z. Bsp. die eigene Währung bei politischen Treffen schlechtmachen usw.).

Beide Ansätze führten zu einer bedeutenden Volatilität an den Währungsmärkten. Die Ankündigung Japans am 05.10.2010 eines „neuen Fonds“ ins Leben zu rufen, um Vermögenswerte wie Staats- und Unternehmensanleihen aufzukaufen, hat andere Länder dazu gezwungen derselben Strategie nachzugehen. Jetzt wartet die Welt auf ähnliche Ankündigungen von den Vereinigten Staaten und Großbritannien in Form neuer Programme der quantitativen Lockerung.

Die Investoren sind jedoch nicht ahnungslos und viele von ihnen verschieben gerade ihr Kapital, um sich zu schützen. Eine große Zahl an Rohstoffen profitiert jetzt von der durch das Abwertungsrennen geschaffenen Unsicherheit. Gold, Silber, Öl, Kupfer, Weizen, Zucker und Platin befinden sich alle im Anstieg und es ist noch nicht einmal über Inflation berichtet worden! Ruhm und Ehre den Zentralbanken, die es schafften dieses Wunder zu orchestrieren.

Völlig ungeachtet dessen, was der Verbraucherpreisindex sagt, ist es nichtsdestotrotz völlig klar, dass sich die Investoren gerade proaktiv auf die weiteren Gelddruckmaßnahmen vorbereiten, und Gold und Silber scheinen dabei die beliebtesten Entscheidungen für Investoren zu sein, die nach einem sicheren Hafen Ausschau halten.

Falls Sie beim jüngsten Anstieg von Gold nicht dabei gewesen sein sollten, brauchen Sie sich nicht ärgern, denn der ganze Spaß geht gerade erst los.

Während physisches Gold und Silber seit dem 01.01.2010 um 20% bzw. 32% gestiegen sind, hängen die Goldaktien – welche durch den Market Vectors Gold Miners ETF (GDX), den Philadelphia Gold und Silver Index (XAU), den NYSE Arca Gold Bugs Index (HUI) und den S&P/TSX Global Gold Index repräsentiert werden – der Entwicklung des Goldpreises um ein Jahr hinterher.

Im Grunde genommen haben diese Firmen bei einem Goldpreis von USD 1.300 pro Unze buchstäblich eine Lizenz zum Gelddrucken. Gibt es einen besseren Wirtschaftsbereich, in dem man sich gegenwärtig aufhalten könnte? Es handelt sich hierbei um Firmen, die eine Unze Gold für USD 800 aus dem Boden holen können, um sie dann für USD 1.300 weiterzuverkaufen, und das praktisch ohne jedes Verkaufsrisiko. In welchem anderen Investmentbereich kann man in diesem Umfeld mit einer derartigen Gewinnmarge aufwarten?

Wir sind der Meinung, dass die Goldproduzenten aktuell eine exzellente Investmentmöglichkeit darstellen.

Um zu erklären warum, nehmen wir hier einmal den Arca Gold Bugs Index (HUI). Der HUI-Index ist ein in Dollar gehandelter Index von Firmen, die im großen Stil im Goldminengeschäft sind. Der HUI-Index wurde geschaffen, um Investoren eine Absicherung vor kurzfristigen Goldpreisschwankungen zu ermöglichen, und konzentriert sich auf Firmen, die ihre Goldproduktion nicht länger als anderthalb Jahre vor- bzw. leerverkaufen.

Der HUI-Index wurde im März 1996 mit einem Basiswert von 200 ins Leben gerufen und beinhaltet einige der größten Goldminenfirmen der Welt. Obwohl der Goldpreis seit März 2008 um 35% angestiegen ist, hat sich der HUI-Index praktisch überhaupt nicht bewegt. Wie Sie anhand nachfolgender Grafik erkennen können, wird dieser Goldaktienindex gegenwärtig auf demselben Niveau gehandelt, wie zu dem Zeitpunkt, als der Preis für die Unze Gold bei knapp über USD 1.000 lag.

Die gegenwärtige Bewertung des HUI-Index spiegelt die operative Wirkung, welche ein Anstieg des Kassapreises um USD 350 möglicherweise auf die Gewinne haben könnte, überhaupt nicht wider – was uns zu einem wichtigen Punkt führt, der von Investoren bei Goldaktien oftmals übersehen wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Kosten des Goldabbaus Fixkosten sind, weshalb jeder Preisanstieg, der über die Gesamtabbaukosten pro Unze hinausgeht, bedeutende Auswirkungen auf die prozentualen Nettoerträge der Goldproduzenten hat.

Stellen Sie sich einen hypothetischen Goldproduzenten vor, der betriebliche Kosten von rund USD 500 pro Unze hat, was ungefähr im Branchendurchschnitt liegt. Bei einem Goldpreis von USD 1.000 generiert diese Firma ein EBITDA von USD 500 pro abgebauter Unze. Das ist leicht nachvollziehbar.

Die meisten Minenfirmen haben jedoch noch zusätzliche Kosten, die zu ihren betrieblichen Kosten hinzukommen. Für ein neues Goldprojekt belaufen sich diese zusätzlichen Ausgaben typischerweise auf weitere USD 300 pro Unze. Für jede Unze, die abgebaut wird, generiert unsere Firma nun basierend auf den Betriebskosten und einem Goldpreis von USD 1.000 eine Gewinnmarge von USD 200. Mit USD 1.350 pro Unze und derselben Kostenstruktur bei den Betriebskosten in Höhe von USD 500 und den zusätzlichen Kosten in Höhe von USD 300 hat unsere hypothetische Goldfirma ihre Gewinnmarge nun von USD 200 auf USD 550 pro Unze erhöht, ein Anstieg von 175%!

Wir sind nicht der Meinung, dass die gegenwärtigen Bewertungen der Goldaktien diesen potentiellen Gewinnanstieg in irgendeiner Weise darstellen, glauben jedoch, dass dies schon bald der Fall sein dürfte. Eine Neubewertung dürft kurz bevorstehen.

Die positive Situation für Goldaktien ist sogar noch überzeugender, wenn man den historischen Trend bis ins Jahr 2000 mit einbezieht. Die nachfolgende Grafik zeigt den HUI-Index in Goldpreisen. Wenn die Rate steigt, bedeutet dies, dass der HUI-Index Gold übertrifft und wenn die Rate fällt, bedeutet dies, dass Gold den HUI-Index überflügelt.

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Wie Sie erkennen können haben wir seit kurzem eine relative Minderleistung von Gold. Diese entspricht jedoch nicht dem historischen Trend. Goldaktien werden aktuell auf demselben relativen Bewertungsniveau gehandelt, wie zu dem Zeitpunkt, als der Goldpreis bei USD 313 pro Unze lag! Wir investieren seit 2003 in Goldaktien und sind nicht der Meinung, dass sie hoch bewertet sind. Wir glauben, diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass Goldaktien noch Spiel zur Aufwertung haben, um die jüngsten zu Grunde liegenden Leistungen des Metalls widerzuspiegeln.

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Für die eher technisch ausgerichteten Leser unter Ihnen sei gesagt, dass der HUI-Index einen sehr positiven Aufwärtstrend signalisiert. Um hierzu eine weiterführende Bestätigung zu erhalten, baten wir unseren besten technischen Analysten, Ross Clark von CIBC Wood Gundy, das technische Muster des HUI-Index zu überprüfen. Ross lieferte unserer Meinung nach immer eine sehr genaue Perspektive zum Goldmarkt. Er erklärte:

„Der Kapitulation des Dollars (01.10.2010) folgt im Allgemeinen ein Rückgang bei den Minenaktien innerhalb von sechs Wochen. Wenn der HUI-Index durch neue Bestmarken bricht (wie wir es diesen Monat sahen), ist es normal für ihn zu pausieren und eine Korrektur von drei bis vier Wochen zu durchlaufen. Wenn er sich im mittleren 400er Bereich halten kann, können wir mit einem viermonatigen Run und einem Anstieg von 80% bis 90% rechnen. Damit liegt das Ziel für den HUI-Index Ende des ersten Quartals über der 800er Marke.“

Es ist sehr selten eine fundamentale und technische Analyse zu erhalten, die sich mit der Vorhersage einer derart starken Bewegung im Aktienbereich deckt.

Jetzt ist der Zeitpunkt Goldaktien zu besitzen. Die meisten Goldfirmen werden Ende Oktober ihre Gewinne für das dritte Quartal melden. Aufgrund eines im Jahresvergleich höheren durchschnittlichen Kassapreises für Gold – der im dritten Quartal 2010 mit USD 1.228 pro Unze im Vergleich zu USD 961 pro Unze im dritten Quartal 2009 um 27,8% zulegte – sagt jetzt praktisch jede Edelmetallfirma voraus, sie würde bei den Reinerträgen ein beträchtliches Wachstum erzielen.

Diese fantastischen Ertragsergebnisse werden durch höhere Preise der Nebenprodukte nur noch verstärkt. Der durchschnittliche Preis für Silber, Kupfer und die Zinkpreise stiegen im Jahresvergleich um 28,7%, 24,2% bzw. 14,8%, was den Einkommenszuwächsen im Jahresvergleich ebenfalls den Weg bereiten dürfte.

Eines der besten Axiome zu investieren, ist absolut offenkundig, wird jedoch oftmals seitens erfahrener Investoren ignoriert: Es geht nur um Erträge. Erträge sind es, die die Aktienkurse langfristig antreiben. Investoren sollten daher, wo immer es geht, nach Ertragswachstum streben, und wir können uns keinen anderen Aktienbereich vorstellen, der im Jahresvergleich ein besseres Wachstumspotenzial bei den Erträgen vorweisen kann als die Goldproduzenten.

Trotz der ganzen Aufregung, die Sie in den letzten 2 Monaten rund ums Gold hörten, haben die Aktien darauf überhaupt nicht reagiert. Wir rechnen damit, dass sich dies innerhalb der nächsten zwei Quartale ändern wird, da die Investoren begreifen, um wie viel höher die Gewinne bei den Goldproduzenten bei einem Goldpreis von USD 1.350 ausfallen werden. Da die Länder sich dafür entschieden haben ihre Währungen im Abwertungsrennen abzufackeln, reagierte Gold darauf, und nun wird dies auch durch die Produzenten vollzogen. Wir sind glücklich, die Gewinne einstreichen zu dürfen.

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