Ron Paul: Zentralbankwesen und Fiatgeldsystem sind nicht reformierbar!

Ron Paul, Ron Paul.com, 14.11.2010

Das bemerkenswerte Aufeinandertreffen der jüngsten Ereignisse hat zu einer beispiellosen, jedoch sehr willkommenen Aufmerksamkeit gegenüber der US-Geldpolitik wie auch der generellen weltweiten Wirtschaftspolitik gesorgt.

Zunächst gab der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Beranke, bekannt, dass die US-Notenbank eine weitere Runde der Geldlockerung einleiten würde, indem sie USD 600 Milliarden an US-Staatsschulden aufkauft. Das ist im Grunde genommen ein Eingeständnis, dass die Märkte bezüglich unserer Lasterhaftigkeit nun die Geduld verloren haben und unsere Zentralbank bei den US-Staatsschulden jetzt buchstäblich als Käufer der letzten Instanz auftreten muss.

Als nächstes ging der Weltbankpräsident Robert Zoellick mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, dass Gold bei einem globalen Geldsystem eine nützliche Rolle spielen könnte, indem man das gelbe Metall gegenüber den volatileren Fiatwährungen als Referenzgröße einsetzt. Wenn so etwas von einem neokonservativen Globalisten wie Herrn Zoellick kommt, kann man es fast als Häresie bezeichnen. Der Vorschlag deutet auf eine offenkundige, aber nicht öffentlich ausgesprochene Wahrheit hin, den Gräuel der Politiker wie auch der Zentralbanker – nämlich, dass man Gold auch als Geld ansehen könnte.

Und zu guter Letzt nahm Herr Obama vergangene Woche am G20-Treffen in Südkorea teil und stellte fest, dass seine Vision von einer amerikanischen Wirtschaftpolitik von den anderen Konferenzteilnehmern nur sehr kühl aufgenommen wurde. Obama argumentierte für ein weltweites Konjunkturprogramm durch die fortwährende Abwertung des US-Dollars, welche der Stützung amerikanischer Exporte dienen soll. Mehrere mächtige europäische und asiatische Finanzminister lehnten diesen Ansatz jedoch kurzerhand mit der Begründung ab, dies sei nichts weiter als ein Währungskrieg. Während sie sich in ihren Heimatländern gerade um Austeritätsmaßnahmen bemühen, wollen sie nicht, dass die USA ihre vergangenen Sünden einfach auf ihre Kosten monetisiert.

All diese Ereignisse gipfelten in einer enormen politischen und medialen Skepsis gegenüber der US-Notenbank. Die gewöhnlichen Amerikaner verlangen Antworten und Rechenschaftspflicht und setzen ihre politischen Repräsentanten in Washington unter Druck, der kuschelig angenehmen Unabhängigkeit der US-Notenbank, die sich seit so langer Zeit der Kontrolle des Kongresses entzieht, ein Ende zu bereiten.

In den 35 Jahren, in denen ich die Geldpolitik untersucht, über sie gesprochen und geschrieben habe, habe ich noch nie erlebt, dass der US-Kongress oder die Finanzpresse der FED derart viel Aufmerksamkeit schenkte. Geldpolitik wurde im Kapitol immer als etwas Langweiliges betrachtet, etwas, das man besser den sich vom Dunstkreis der Politik des Präsidenten oder des Kongresses weit entfernten Politikstrebern überlässt. Der Kongress war stets darum bemüht, die Gouverneure der FED ohne Kontrolle oder Rechenschaftspflicht in Ruhe zu lassen, solange sie nur mitspielten und die wachsenden Haushaltsdefizite übertünchten.

Aber es ist wirklich erstaunlich, was ein weltweiter wirtschaftlicher Abschwung in der politischen und medialen Landschaft alles zu leisten vermag. In gerade einmal zwei kurzen Jahren wurde die FED zu einem heißen Eisen und zu einem Blitzableiter für Kritik. Während es genugtuend ist mitzuerleben, wie so viele zuvor uninteressierte Politiker, Ökonomen, TV-Moderatoren und TV-Experten sich plötzlich daran machen die FED zu attackieren, muss man sich doch fragen, ob sie wirklich verstehen, dass das Zentralbankwesen mit unserer Verfassung und einer freien Marktwirtschaft grundsätzlich nicht zu vereinbaren ist.

Mit anderen Worten: Es ist nicht genug seine Empörung über die jüngsten Aktionen der FED zum Ausdruck zu bringen oder über die relativen Vorteile von Herrn Bernanke im Vergleich zu seinen Vorgängern zu diskutieren. Um unseren Dollar und unser Wirtschaft zurückzugewinnen, müssen die Amerikaner per se gegen das Zentralbankwesen Widerstand leisten. Fiatwährungen können nicht reformiert oder verwaltet werden. Sie sind grundsätzlich den ruinösen Entwertungsgefälligkeiten gegenüber der politischen Klasse und der herrschenden Klasse unterworfen. Die Geschichte zeigt, dass dies für alle Länder und zu allen Zeiten gilt.

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