Die Attraktivität von Gold hängt mit den Zinssätzen zusammen

Michael Pento, Euro Pacific Capital, 17.11.2010

Der anhaltende Bullenmarkt beim Goldpreis ist in den letzten 10 Jahren eines der Hauptgesprächsthemen der Finanzmedien gewesen. Aber während dieses Zeitraums ist praktisch kein Konsens darüber erzielt worden, wie dieses Phänomen erklärt werden könnte. Wenn man zehn Experten an Wall Street bittet, die Aufwärtsbewegung des Goldpreises zu erklären, dann wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zehn verschiedene Antworten erhalten.

Während es am logischsten ist, die weltweiten Währungsabwertungen als Hauptursache zu identifizieren, erklären andere, dass Gold von der Angst nach oben getrieben wird: Angst vor wirtschaftlichen Unsicherheiten, dem Horten von Gold durch Zentralbanken, internationalen politischen Konflikten oder dem auf und ab der Hochzeitssaison in Indien. In Wirklichkeit begründet sich die Entwicklung des Goldpreises durch das Niveau und die Ausrichtung des realen Zinssatzes sowie den intrinsischen Wert des US-Dollars.

Die meisten Menschen (außerhalb Washingtons) verstehen, dass die Gelddruckerei zu einer Verwässerung der Währung führt. Wenn eine Währung fällt, steigt der nominelle Wert der in dieser Währung denominierten Vermögenswerte gewöhnlich. Ganz so einfach ist das Verhältnis zwischen Gold und einer monetären Ausdehnung jedoch nicht.

Wenn eine Zentralbank vorübergehend Geld druckt, fallen dadurch auch die nominellen Zinssätze, während man zur selben Zeit Inflation schafft und den intrinsischen Wert der gedruckten Währung absenkt. Der um die Inflationsrate geschmälerte nominelle Zinssatz führt somit zu einem Absinken des realen Zinssatzes. Wenn der reale Zinssatz ins Negative kippt, verschwindet auch für die Anleger das Argument, warum man Gold, das keine Zinsen abwirft, nicht halten sollte. Umso stärker die realen Zinssätze fallen, umso größer ist der Anreiz für Investoren Gold zu besitzen.

Manchmal kommen jedoch noch andere Faktoren hinzu, die verhindern, dass eine abwertende Währung ihren Wert gegenüber anderen Währungen verliert. Hierbei hängt alles von den Maßnahmen ab, die seitens der anderen Zentralbanken ergriffen werden. Daher sind Investoren auch nicht in der Lage, die Kursentwicklung von Gold alleine aufgrund der Ermittlung der nominalen Zinssätze in den USA oder des relativen Wertes des US-Dollars gegenüber anderen Währungen zu bestimmen.

Das wirft zwei Fragen auf: Sollten Goldbesitzer Angst vor steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen oder vor einem Anstieg des US-Dollars haben, sagen wir einmal gegenüber dem Euro? Die Antworten auf diese Fragen erhält man, wenn man untersucht, ob der Anstieg des nominellen Zinssatzes auch mit einem Anstieg des realen Zinssatzes einhergeht und prüft, ob sich der Anstieg des Dollars durch einen Rückgang der Geldmengenversorgung begründet.

Im Januar 1977 begann beispielsweise ein gewaltiger Goldbullenmarkt, der im Februar 1980 wieder endete. Gold stieg während dieser drei Jahre rasch von USD 135 pro Unze auf knapp USD 860 pro Unze. Diese Entwicklung fand während eines raschen Anstiegs der nominellen Zinssätze statt. Die Rendite für die zehnjährige US-Staatsanleihe schnellte von 7,2% im Januar 1977 auf 12,4% im Februar 1980 in die Höhe. Es handelte sich hierbei jedoch um einen rein nominellen Renditeanstieg, da die jährliche Veränderung des Verbraucherpreisindexes von 5,2% im Januar 1977 auf 14,2% im Februar 1980 anstieg. Während dieses Goldbullenmarkts fiel der reale Zinssatz für zehnjährige US-Staatsanleihen von 2% auf -1,8%, und das trotz der Tatsache, dass die nominellen Zinssätze während dieses Zeitraums um 520 Basispunkte stiegen.

Die gestrige Veröffentlichung der US-amerikanischen Behörde für Beschäftigungsstatistik (BLS) zeigte, dass der Herstellerpreisindex im Oktober um 0,4% anstieg und im Jahresvergleich um 4,3% nach oben schnellte. Die US-Notenbank wird sich jedoch aller Voraussicht nach den Vormonatsvergleich der Kernrate zu Eigen machen, wo man ein Rückgang von 0,6% verzeichnete. Bernanke wird den größten Anstieg des Herstellerpreisindexes im Vorjahresvergleich seit Mai dieses Jahres einfach übersehen, und sich stattdessen um eine bei den Kernpreisen vermutete Deflation sorgen. Auf diese Art hat er einen Vorwand, um mehr Geld zu drucken, wodurch er – zumindest bis auf Weiteres – verhindert, dass es zu raschen Anstiegen bei den nominellen Zinssätzen kommt, während die Inflation gleichzeitig weiter vorangetrieben wird. Aufgrund dessen sollten die realen Zinssätze weiter fallen, was dafür sorgen dürfte, dass sich der lang anhaltende Bullenmarkt bei Gold auch weiterhin fortsetzt. Meiner Meinung nach besteht nur wenig Gefahr, dass die nominellen Zinssätze den Anstieg der Inflationsrate übersteigen werden, solange die US-Notenbank nicht damit beginnt ihre Bilanz zu verkürzen, so wie dies unter Paul Volcker vor 30 Jahren der Fall war.

Auch deutet ein Anstieg des Dollarwertes gegenüber anderen Währungen eher darauf hin, dass die Zentralbanken der anderen Länder ihre realen Zinssätze ebenfalls absenken, und sie die Kaufkraft ihrer Währungen sogar mit einer noch höheren Geschwindigkeit verringern, als die FED dies tut. Das muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass die Geldmenge des US-Dollars zurückgeht oder der intrinsische Wert unserer Währung gestiegen ist.

Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem die US-Notenbank mit einer massiven durch Inflation verursachten Vertrauenskrise gegenüber unseren Anleihemärkten und unserer Währung konfrontiert sein wird. Ein plötzlicher und dramatischer Anstieg der nominellen Zinssätze würde zu einem Anstieg der realen Zinssätze führen und in den meisten Märkten, auch dem Goldmarkt, für Verwüstung sorgen. Da die FED auf eine derartige Krise jedoch aller Voraussicht nach mit der Schaffung von noch mehr Inflation reagieren würde, dürften jegliche Rücksetzer bei Gold im Vergleich zu Aktien, Anleihen und anderen Rohstoffen eher verhalten ausfallen.

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