Finanzarmageddon – US-Staatsanleihen im Kreuzfeuer

10 Anzeichen, dass das Vertrauen in US-Staatsanleihen schwindet und eine finanzielles Katastrophe droht

The Economic Collapse, 13.12.2010

Der Verkauf von Staatsschulden ist nichts weiter als ein gigantischer Schwindel. Seit Jahrzehnten haben Investoren auf der ganzen Welt riesige Mengen an US-Schulden mit unglaublich niedrigen Zinssätzen angehäuft, da sie der Meinung waren, diese würde mit Sicherheit wieder zurückgezahlt werden, und dass man damit einen kleinen Gewinn machen könnte.

Unglücklicherweise hat sich die Situation jetzt jedoch geändert. Das Vertrauen in US-Staatsanleihen und in US-Regierungsschulden im Allgemeinen bricht gerade in sich zusammen, und es könnte sein, dass wir nun irgendwann buchstäblich ein finanzielles Armageddon erleben werden.

Aber warum ist das so? Nun ja, wenn die Welt das Vertrauen in US-Staatsanleihen verliert, ist das US-Finanzministerium gezwungen, die Zinsen immer stärker anzuheben, und zwar solange, bis sich genügend Investoren finden, welche die Papiere dann wieder aufkaufen. Höhere Zinssätze bedeuten aber auch, dass auf die Staatsschulden wesentlich höhere Zinsen zu zahlen sind, was wiederum zu einer Vergrößerung des Haushaltsdefizits führt. Im Gegenzug kommt es dann zu einem weiteren Vertrauensverlust gegenüber den US-Staatsanleihen.

Am Ende haben wir dann einen Teufelskreis aus Vertrauensverlust und steigenden Zinssätzen, der schließlich zur Hyperinflation führen könnte, da die US-Regierung und die US-Notenbank das System in diesem Falle mit einem endlosen Betrag an Geld fluten würden, um es zahlungsfähig zu halten.

Das Vertrauen in US-Staatsanleihen ist daher von absolut entscheidender Bedeutung, wenn daran gelegen ist, dass das Weltfinanzsystem auch weiterhin stabil funktioniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg sah man US-Staatsanleihen gemeinhin als das allersicherste Investment an. Wenn es also soweit kommen sollte, dass der Markt für US-Staatsanleihen vollständig zusammenbricht, hätte dies ein beispielloses und vollständiges finanzielles Chaos zur Folge.

Der weltweite Derivatemarkt, der bereits zum jetzt völlig labil ist, würde mit Sicherheit implodieren. Auf der ganzen Welt würde es zu Verwerfungen an den Kreditmärkten kommen.

Das wird (hoffentlich) nicht über Nacht passieren. Vielmehr dürfte es sich beim Vertrauensverlust in US-Staatsanleihen um etwas handeln, das wahrscheinlich Monate oder sogar Jahre braucht, bis es seine Wirkung vollständig entfaltet. Ist dieses Vertrauen jedoch erst einmal verschwunden, lässt es sich nicht so einfach wiederherstellen.

Man kann es auch so sehen: Hat man ein Auto erst einmal die Klippe hinuntergestürzt, lässt es sich auch nicht mehr einfach so wieder in Stand setzen. Und genau das ist die Stoßrichtung, in die sich US-Staatsanleihen gegenwärtig bewegen.

Aktuell flutet die US-Notenbank das System mit neuen US-Dollars, während Barack Obama und der US-Kongress fest entschlossen zu sein scheinen, neue Steuergeschenke zu verabschieden, die nicht mit entsprechenden Haushaltseinsparungen einhergehen, und daher für eine weiteren Aufblähung des US-Haushaltsdefizits sorgen werden. Darüberhinaus gibt es gegenwärtig auch einen massiven Vertrauensverlust der politischen Führer in den Vereinigten Staaten und des Federal Reserve Systems.

Jetzt verliert auch der Rest der Welt den Glauben daran, dass die USA in der Lage sein werden, die von ihnen aufgetürmten Schulden bewältigen zu können. Es könnte als sein, dass wir den „Wendepunkt“ schon bald erreichen werden.

Im Folgenden finden Sie 10 Anzeichen, die darauf hindeuten, dass das Vertrauen in die US-Staatschulden wegbricht:

1. Die Finanzgemeinde ist extrem besorgt darüber, dass die neue, gegenwärtig von Obama vorangetriebene Steuerregelung das US-Haushaltsdefizit innerhalb der nächsten zwei Jahre massiv aufblähen wird. Am Montag warnte die Kreditratingagentur Moody´s davor, dass sie schon bald gezwungen sein könnte, das Kreditrating für US-Staatsschulden abzusenken.

2. Es gibt bereits Hinweise, dass sich nun einige Anleiheinvestoren von US-Staatsanleihen verabschieden. Vergangene Woche kam es bei US-Staatsanleihen zu dem stärksten zweitägigen Abverkauf seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008.

3. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen erreichte am Montag ein Sechsmonatshoch, bevor sie wieder leicht absank. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Renditen für Staatsanleihen in den kommenden Wochen bedeutend ansteigen werden.

4. Der Trend steigender Renditen zeichnet sich bereits seit geraumer Zeit ab. Tatsache ist, dass die Renditen für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit seit dem 07.10.2010 fortwährend angestiegen sind.

5. Bereits vor Verkündung der neuen Besteuerungsregelungen gab es beunruhigende Hinweise bezüglich des Wachstums der US-Staatsverschuldung. Das Haushaltsdefizit der US-Regierung belief sich allein im November dieses Jahres auf USD 150,4 Milliarden – das ist das größte US-Haushaltsdefizit, das jemals in einem November verzeichnet wurde.

6. Es sind aber nicht nur die Steuergeschenke, welche die Investoren auf der ganzen Welt in Angst und Schrecken versetzen. Fakt ist, dass die Investoren bereits außerordentlich negativ reagierten, als die Federal Reserve im November dieses Jahres eine weitere Runde der quantitativen Lockerung bekanntgab. Die US-Notenbank flutet das System gerade mit Liquidität, während der Rest der Welt ganz und gar nicht erfreut darüber ist.

7. Das Vertrauen des amerikanischen Volks gegenüber der US-Notenbank und dem Finanzsystem befindet sich auf einem Allzeittief. Beispielsweise ergab eine jüngst von Bloomberg durchgeführte landesweite Umfrage, dass die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung sich dafür ausspricht, die Federal Reserve einer stärkeren Rechenschaftspflicht zu unterziehen oder gleich vollständig abzuschaffen.

8. Die internationalen Investoren beginnen gerade aufzuwachen und zu begreifen, dass das amerikanische Schuldenproblem überhaupt nicht lösbar ist. David Bloom, Währungschef bei HSBC, sorgte für Verwunderung, als er kürzlich erklärte: „Wenn die Renditen steigen, weil die Menschen glauben, die fiskalische Situation Amerikas sei nicht tragbar, dann ist das ein Armageddon.“

9. Unter den Investoren macht sich auch zusehends die Auffassung breit, dass sich die Federal Reserve um Inflationsgefahren schlichtweg nicht kümmern würde, was zu einer zunehmenden Nervosität unter den Haltern von Anleihen führt. Stephen Lewis von Monument Securities fasste diese Ängste wie folgt:

„Es gibt die Auffassung, dass sich die FED um Inflation überhaupt keine Gedanken macht, ja in Wirklichkeit sogar noch mehr davon haben will, und das ist mit Sicherheit nicht im Interesse der Anleihehalter.“

10. Innerhalb der kommenden 12 Monate muss die US-Regierung neben der aufzunehmenden Neuverschuldung auch Billionen US-Dollars an bestehenden Schulden überrollen. Fakt ist, dass die US-Regierung irgendwie eine Möglichkeit finden muss, um in 2011 Schulden zu finanzieren, die 27,8% des Bruttosozialprodukts der USA entsprechen.

Jahrelang erklärten uns die Politiker, dass die „Defizite egal sind“, in Wirklichkeit sind sie jedoch von entscheidender Bedeutung. Die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten ist jetzt mit Abstand die größte in der gesamten Menschheitsgeschichte, und dennoch scheinen die meisten Amerikaner immer noch nicht zu begreifen, dass uns als Nation der absolute finanzielle Albtraum erwartet.

Am Ende handelt es sich bei Schulden immer um eine schmerzhafte Angelegenheit. Natürlich kann es eine Menge Spaß machen, wenn man einfach loszieht, sich ein wunderschönes neues Haus und ein paar brandneue Autos kauft, und seine Kreditkarten bis zum Maximum ausreizt – am Ende holt ein das aber wieder ein. Und genau das passiert gerade auf nationaler Ebene.

Wir gelangen nun an einen Punkt, an dem wir nicht einmal mehr in der Lage sein werden, die bereits angehäuften Schulden zu bedienen. Wenn das passiert, haben wir nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder wir erklären den Staatsbankrott oder wir versuchen uns mithilfe der Hyperinflation aus den Problemen zu befreien.

Unterdessen stirbt die einst große US-amerikanische Wirtschaftsmaschinerie. Der einzige Grund, warum wir in der Lage gewesen sind, derartige Schuldenstände überhaupt so lange zu überleben, bestand darin, dass wir über eine leistungsfähige Wirtschaft verfügten.

Die großen globalen Konzerne, die nun unsere Wirtschaft dominieren, haben in den vergangenen Jahrzehnten zig tausende Fabriken und Millionen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Die mächtige Wirtschaftsmaschinerie, die eigentlich dazu da sein sollte, die Gelder bereitzustellen, mit denen man die ganzen Schulden dann wieder abbezahlt, wird gerade vor unser aller Augen auseinandergenommen.

Selbst wenn unsere Wirtschaft brummen würde und sich bester Gesundheit erfreute, gäbe es trotzdem keine Möglichkeit die US-Staatsverschuldung zu bewältigen. Die traurige Wahrheit ist, dass die US-Staatsverschuldung aktuell rund 13 Mal höher ist, als noch vor 30 Jahren.

Aber jetzt, wo die „Realwirtschaft“ einen elenden Tod stirbt, gibt es überhaupt keine Hoffnung mehr, dass sich die Situation noch einmal zum Besseren wenden könnte. Das einzige was noch verbleibt, ist darauf zu wetten, wann der Zusammenbruch stattfinden wird.

Bei diesem ganzen Blödsinn rund um die „große Steuerreduzierungsdebatte“, der sich aktuell in Washington D.C. abspielt, handelt es sich um nichts weiter als um einen Haufen unfähiger Politiker, die wild an Bord der Titanic umherrennen, um dort die Sitzreihen umzugruppieren. Vielleicht sorgen die Steuerreduzierungen ja sogar für genügend kurzfristigen wirtschaftlichen Auftrieb, um sicherzustellen, dass viele der jetzigen Kongressmitglieder in 2012 wiedergewählt werden – die langfristigen Probleme verschlimmern sich jedoch weiterhin.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass Barack Obama in wirtschaftlichen Fragen völlig ahnungslos ist, was aber noch trauriger stimmt, ist die Tatsache, dass der „hochgebildete“ Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, fast ebenso ahnungslos zu sein scheint.

Bedauerlicherweise sind die Amerikaner mittlerweile so verblödet, dass sie noch nicht einmal begreifen, wie inkompetent ihre politischen Führer sind. Tatsache ist, so traurig es auch sein mag, dass die meisten Amerikaner noch nicht einmal wissen, was US-Staatsanleihen sind.

Wollen wir hoffen und beten, dass sich die weltweiten Investoren wenigsten noch ein wenig länger ihr Vertrauen in US-Staatsanleihen bewahren. Wenn das „finanzielle Armageddon“ schlussendlich eintritt, wird dies für niemanden von uns eine angenehme Veranstaltung werden.

Also genießen Sie diese glücklichen wirtschaftlichen Zeiten, solange es Ihnen noch möglich ist – irgendwann wird die Situation nämlich bedeutend schlimmer werden.

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