Die Derivatebombe – Ein billionenschweres Finanzcasino in den Händen internationaler Großbanken

Eine elitäre Gruppe aus Vertretern internationaler Bank-Giganten trifft sich einmal im Monat im Geheimen, um ihre riesigen Profite im größten und kontroversesten Finanzcasino der Menschheitsgeschichte zu schützen

The Economic Collapse, 13.12.2010

Wenn man unter Amerikanern eine Umfrage durchführen würde, und sie fragte, was sie als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft erachteten, wie viele von ihnen würden dann Ihrer Meinung nach erklären, dass es „Derivate“ sind?

Fakt ist, dass Derivate im Zentrum der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 standen, und wenn es zu einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise kommen sollte, werden Derivate dabei zweifelsohne wieder eine außerordentlich bedeutende Rolle spielen.

Was sind „Derivate“ eigentlich? Nun ja, Derivate sind im Grunde genommen Finanzinstrumente, deren Wert sich vom Preis eines anderen Vermögenswertes her ableitet. Ein Derivat selbst hat keinen ihm innewohnenden Eigenwert. Eigentlich handelt es sich bei den Derivaten um Nebenwetten.

Das heutige Weltfinanzsystem hat sich in ein gigantisches Casino verwandelt, wo praktisch auf alles, was man sich nur vorstellen kann, Wetten abgeschlossen werden, mit denen die großen Wall Street Banken Unmengen an Gewinnen einfahren. Das System ist in weiten Teilen völlig unreguliert und wird vollumfänglich durch die großen internationalen Banken beherrscht.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie groß der weltweite Derivatemarkt in Wirklichkeit ist, aber bei den meisten Schätzungen wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass der nominelle Wert aller weltweit ausstehenden Derivate irgendwo im Bereich von einer Billiarde US-Dollar liegt. Sollte diese Zahl stimmen, dann ist der weltweite Derivatemarkt 20 Mal größer als das Bruttosozialprodukt des gesamten Planeten. Man kann sich die Zahl von USD 1.000.000.000.000.000 praktisch überhaupt nicht vorstellen.

Würde man zum Zählen dieser Geldmenge einen US-Dollar pro Sekunde veranschlagen, bräuchte man 32 Millionen Jahre um auf eine Billiarde zu kommen.

Und wer kontrolliert dieses gigantische Finanzcasino? Würde es Sie überraschen, wenn sich herausstellt, dass die großen internationalen Banken dahinterstecken?

Die New York Times veröffentlichte vor kurzem einen Artikel mit dem Titel „Eine geheime Bankenelite herrscht über den Derivatehandel“. In diesem schockierenden Artikel enthüllte die bedeutendste Zeitung in den Vereinigten Staaten, wie die großen Wall Street Banken mit eiserner Hand über den Derivatehandel herrschen:

„Am dritten Mittwoch eines jeden Monats treffen sich neun Mitglieder einer elitären Wall Street Gesellschaft im Zentrum Manhattans. Die Männer eint ein gemeinsames Ziel; die Interessen der großen Banken im riesigen Derivatemarkt zu schützen, einer der profitabelsten – und kontroversesten – Bereiche der Finanzwirtschaft. Sie eint auch ein gemeinsames Geheimnis; die Details ihrer Treffen, ja sogar ihre Identitäten sind einer strengen Geheimhaltung unterworfen.“

Das hört sich doch alles ein bisschen fragwürdig an, oder nicht? Tatsache ist, dass es überhaupt keine Übertreibung darstellt zu behaupten, dass sich diese Treffen sehr stark nach einer „Verschwörung“ anhören.

Die New York Times benennt in dem Artikel auch einige der involvierten Wall Street Banken: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America und Citigroup.

Warum scheint es so, dass im Finanzwesen am Ende stets alle Spuren zu diesen monströsen Finanzinstitutionen zurückführen?

Das vielgepriesene und vor kurzem verabschiedete Gesetz zur „Wall Street Reform“ wird einige kleine Veränderungen im Hinblick auf den Handel mit Derivaten zur Folge haben, aber diese Wall-Street Giganten versuchen gegenwärtig mit aller Macht, selbst diese winzigen Neuerungen zu ändern. In der New York Times heißt es dazu:

„´Die Umsätze, welche die Händler mit Derivaten machen, sind sehr hoch, weshalb der Anreiz, diese Umsätze zu schützen, ebenfalls extrem hoch ist.` so Darell Duffie, Wirtschaftsprofessor an der Stanford University, der zu Beginn des Jahres gemeinsam mit Forschern der Federal Reserve die Derivatemärkte untersuchte. ´Für die Händler wird es schwer sein, ihre Marktanteile zu halten, wenn es jedem, dessen Kreditwürdigkeit geprüft wurde, erlaubt werden sollte, in das Geschäft einzusteigen. Also finden Sie Argumente dafür, dass anderen der Zugang nicht erlaubt werden sollte.`“

Und warum sollten wir über all das eigentlich so besorgt sein? Nun ja, weil es eine Tatsache ist, dass die von den Derivaten ausgehende Gefahr so groß ist, dass diese Finanzinstrumente von Warren Buffet einst als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet wurden.

In einem vorangegangenen Artikel beschrieb ich, dass Derivate während der Finanzkrise beim Beinahe-Zusammenbruch des Versicherungsgiganten AIG eine zentrale Rolle spielten:

„Die meisten Amerikaner haben auch überhaupt keine Vorstellung davon, dass Derivate bei der Finanzkrise 2007 und 2008 eine entscheidende Rolle spielten.

Erinnern Sie sich noch daran, wie AIG damals eine ganze Weile ständig in den Nachrichten war? Nun ja, AIG befand sich nicht deshalb in finanziellen Schwierigkeiten, weil der Konzern vielleicht reihenweise schlechte Versicherungspolicen ausgestellt hatte. Vielmehr war es so, dass eine Tochtergesellschaft von AIG mehr als USD 18 Milliarden Verluste mit Credit Default Swaps (Kreditausfallderivaten) machte und sich bereits weitere durch Derivate verursachte Verluste abzeichneten, die den Versicherungsgiganten komplett in den Abgrund gerissen hätten. Also sprang die US-Regierung ein und rettete AIG – natürlich auf Kosten der US-Steuerzahler.“

Wie die jüngste Debatte zur Wall Street Reform veranschaulichte, ist es eine traurige Wahrheit, dass der US-Kongress niemals einschreiten und den Derivatemarkt ernsthaften ordnungspolitischen Regelungen unterwerfen wird.

Das bedeutet, dass die USD 1 Billiarde Derivateblase auch weiterhin über der US-Wirtschaft thront, und eines Tages platzen wird. Und wenn das passiert, wird es auf der gesamten Welt nicht genügend Geld geben, um das Problem zu beheben.

Unterdessen machen die Banken mit dem größten Casino, das die Menschheit jemals zu Augen bekam, einfach weiter. Billionen US-Dollars schwirren in immer schwindelerregenderen Geschwindigkeiten umher, bis es eines Tages zu Störungen in der Weltwirtschaft kommt, die bedeutend genug sind, um die ganze Sache zum Einsturz zu bringen.

Der weltweite Derivatemarkt beruht hauptsächlich auf Kredit und ist rund 10 Mal größer, als dies noch in den 90er Jahren der Fall war. In der Geschichte der Menschheit hat es noch nie irgendetwas in dieser Größenordnung gegeben.

Was passiert also, wenn die Derivateblase platzt? Werden die US-Steuerzahler wieder einmal die Scherben einsammeln müssen? Wird die US-Notenbank ganz einfach hunderte von Billionen US-Dollars aus dem Hut zaubern, um jeden zu retten?

Wenn Sie lediglich einen Indikator verfolgen wollen, der darauf hindeutet, wann es nun genau zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch kommen wird, dann schauen Sie besser auf den Derivatemarkt. Wenn die Derivate einbrechen, ist es an der Zeit in Deckung zu gehen und sich hinzukauern. Ein wirklich schlimmer Derivate-Crash entspricht im Grunde dem Abwurf einer Atombombe auf das gesamte Weltfinanzsystem. Wollen wir hoffen, dass dies in nächster Zeit nicht eintritt – aber wir sollten dennoch alle gewappnet sein, falls dies doch der Fall sein wird.

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