Schuldenkrise: Deutschland hängt tief mit drin

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.02.2011

Deutschland hängt mitten drin in der europäischen Schuldenkrise: Zwar ist Deutschland noch nicht ins Visier der Finanzmärkte geraten, sondern wird weltweit für seinen Sonderweg bewundert. Doch betrachtet man das finanzielle Engagement Deutschlands in den Staaten, die unter der Euro-Krise ächzen, wird klar: Die deutsche Zukunft ist eng mit dem Schicksal dieser Länder verwoben. Über 500 Milliarden Dollar wurden verliehen. Ein Ausfall dieser Schulden käme Deutschland teuer zu stehen.

Eine halbe Billion Dollar, das ist eine stattliche Summe. So hoch belaufen sich die Forderungen, die deutsche Banken und Anleger an die europäischen Schuldenstaaten haben. Das berichtet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Es geht dabei um die Länder Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, die mit etwa 513 Milliarden Dollar (388 Milliarden Euro) bei Deutschland in der Kreide stehen.

Eine „irrsinnige Summe“, so urteilte der Focus richtig – für Deutschland steht viel auf dem Spiel. Eine Pleite eines oder gar mehrerer dieser Länder würde deutschen Banken und Anlegern gigantische Verluste bringen. Nicht nur das deutsche Bankensystem wäre dann wieder bis zum Hals in Problemen, ein Zahlungsausfall würde das gesamte Finanzsystem wieder kräftig ins Wanken bringen, wahrscheinlich bis zum Kollaps.

Deutschland ist ja nicht der einzige Gläubiger dieser Länder. Die „Zentralbank der Zentralbanken“, wie die BIZ auch genannt wird, sieht die Gesamtforderungen auf der Welt an diese vier Länder für das zweite Quartal 2010 bei 2,2 Billionen Dollar. Aufgeschlüsselt liege der Anteil der grenzüberschreitenden Forderungen zwischen 60 Prozent im Falle Portugals und 76 Prozent im Falle Irlands. Für Griechenland und Spanien lag der entsprechende Anteil bei 64 und 69 Prozent.

Gerade die Zukunft Spaniens wird entscheidend sein, nicht nur für den Euro-Rettungsschirm, sondern auch für Deutschlands ausstehende Forderungen. Ein Zahlungsausfall Spaniens träfe die deutschen Banken besonders hart, 216,6 Milliarden Dollar steht das Land bei den Deutschen in den Miesen. Irland hat 186,4 Milliarden Dollar Schulden in Deutschland und bildet damit das zweite Schwergewicht. Die 65,4 Milliarden Dollar, die Griechenland an Schulden hat, oder die 44,3 Milliarden von Portugal, nehmen sich da schon etwas weniger erschreckend aus.

Diese Zahlen machen klar, wie tief Deutschland mit in der Krise des Euros und den Schuldenproblemen der oben genannten Länder drin hängt. Ein Staatsbankrott würde auch das deutsche Finanzsystem hart treffen, mit genug Potenzial für einen Crash. Über die gigantischen Forderungen des deutschen Finanzsystems an die Schulden geplagten Staaten wird es dem Virus unseres maroden Geldsystems gelingen, auch hierzulande der Krise einen weiteren Schub zu geben.

Das Wohl und Wehe der deutschen Staatsfinanzen scheint damit untrennbar mit dem weiteren Schicksal des Euros verwoben. Momentan hält Deutschlands Wirtschaftsleistung noch den Karren in Schwung – doch was passiert, wenn dem Zugpferd die Kräfte ausgehen, weil die ihm aufgebürdete Ladung zu schwer geworden ist?

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