Staatsanleihen bringen Banken in Probleme

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.02.2011

Die europäische Schuldenkrise wirft alte Gewohnheiten über den Haufen: Die Investition der Geldhäuser in Staatsanleihen galt bis vor kurzem noch so sehr als sichere Sache, dass die Banken sie als risikolos in ihren Bilanzen stehen haben konnten. Doch diese Zeiten sind vorbei: Ökonomen und Analysten fordern, dass die Anleihen der Banken einer Neubewertung unterzogen werden sollen. Als Folge werden entweder die Banken darunter leiden – oder der Euro.

Die Überlegungen der Finanzaufseher machen den europäischen Banken Sorgen: Die bisher noch risikofreie Bilanzierung von Staatsanleihen aus dem Euro-Raum in den Büchern der Finanzinstitute soll abgeschafft werden. Die aktuelle Schuldenkrise der Euro-Staaten hat immer mehr Experten bewogen, diese Meinung zu vertreten: Staatsanleihen sind nicht mehr das, was sie einmal waren.
Die Neubewertung wird zur Folge haben, dass die Banken mehr Kapital als geplant zurücklegen müssen. Eine andere Alternative wäre, den Bestand an Staatsanleihen zu reduzieren. Beides hat schwerwiegende Folgen: Eine Kapitalerhöhung würde den Banken enorme Kosten verursachen, ohnehin haben die Banken mit den neuen Kapitalanforderungen durch Basel III schon zu kämpfen. Würden sich die Banken stattdessen entscheiden, Staatsanleihen zu verkaufen, würde sich die Euro-Krise verschärfen.

Die Euphorie bei der Gründung der Währungsunion ist mit daran schuld, dass man nun in dieser Lage steckt. Damals haben die Finanzminister entschieden, dass Staatsanleihen der Euro-Staaten als risikolos einzustufen sind – sämtliche öffentlichen Schulden wurden als risikolos eingestuft. Das konnte nicht gutgehen, doch damals schien es ein gutes Geschäft, denn die Banken mussten weniger Kapital beriet halten und die Euro-Staaten konnten billig Schulden machen.

Nun rächt sich diese Euphorie: Diese Regelung entpuppt sich als ein fataler Fehler. „Dieser Schritt hat wesentlich zur Euro-Krise beigetragen“, sagt ein Experte. Den Banken ein Null-Risiko-Geschäft vorzuschlagen, musste dazu führen, dass die Geldhäuser übermäßig in Staatsanleihen der Euro-Länder investierten – ohne diese Regelung wäre eine solch ausgeweitete Investition wohl nicht vorgekommen.

Selbst Banker räumen das ein: Das einheitliche Risikogewicht von null Prozent habe direkt dazu beigetragen, dass Banken den Bestand an Staatsanleihen niedriger Qualität „exzessiv“ ausgebaut hätten, sagte Commerzbank-Vorstand Achim Kassow dem Europäischen Parlament. Deutsche Banken haben nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mehr als 200 Milliarden Dollar in Griechenland, Irland und Portugal investiert.

Die immensen Posten an Staatsanleihen bedrohen das gesamte europäische Bankensystem. Ein Zahlungsausfall würde sich wohl wie ein Erdbeben auswirken, mit der Folge, dass reihenweise Banken in die Pleite getrieben werden würden. Gerade die deutschen Geldhäuser wären von einer derartigen Entwicklung schwer betroffen: „Nach dem Konkurs von Lehman Brothers haben insbesondere deutsche Banken viele Anleihen und Finanzinstrumente vom Handelsbuch in das Bankbuch verschoben“, sagt Christine Schmid, Bankenanalystin bei der Credit Suisse. Im Handelsbuch müssen die Anleihen zu Marktpreisen bewertet werden, im Bankbuch gibt es mehr Bewertungsfreiheiten.

Die Schuldenkrise wirft alte Gewohnheiten über den Haufen: Einst (vermeintlich) risikolose Anlageformen entpuppen sich in der heutigen Zeit der Krise als gefährlicher Sprengstoff für das gesamte Bankensystem. Ein schmerzhafter Anpassungsprozess an die neue Wirklichkeit unter den Zeichen der Krise ist nötig und wird noch viele Beben in das Finanzsystem hineintragen. Stellen Sie sich darauf ein, dass schon bald wieder die Krise ein weiteres Mal zuschlagen wird.

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