Die wirklichen Silberbestmarken – der Silberbullenmarkt steht noch ganz am Anfang

Die Massenmedien und Wall Street beschwören das Ende der Silber-Hausse, aber die Realität spricht eine ganz andere Sprache

Adam Hamilton, Zeal Intelligence, 07.01.2011

Dank der fantastischen Herbstrally hat sich Silber in der Rohstoffwelt in so etwas wie einen Rockstar verwandelt. Investoren und Spekulanten sind von diesem Metall jetzt in seinen Bann gezogen worden. Aber da Silber jüngst neue 30-Jahres-Bestmarken durchbrach, gehen zahlreiche Beobachter an Wall Street davon aus, dass Silber das Ende des Bullenmarkts erreicht hat. Schaut man sich die jüngere Geschichte jedoch in realen inflationsbereinigten Zahlen an, dann scheint der säkulare Silberbullenmarkt noch recht jung zu sein.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass man bei Langzeitvergleichen bei der Preisentwicklung, also bei Vergleichen von mehr als 10 Jahren, eine Inflationsbereinigung vornimmt. Die US Federal Reserve schafft fortwährend neue Fiat-Dollars aus dem Nichts, und verbilligt damit die bereits existierenden. Wenn die Geldmengenversorgung schneller ansteigt als die verfügbare Menge an Waren, Dienstleistungen und Investments, die man dafür kaufen kann, kommt es zu einem nominellen Preisanstieg. Eine relativ höhere Zahl, die mit relativ weniger Dingen im Wettbewerb steht, sorgt daher für eine Preiserhöhung.

Sie sind vielleicht alt genug, um sich an das Jahr 1980 zu erinnern, als der letzte säkulare Bullenmarkt endete. Damals als Silber sein nominelles (nicht inflationsbereinigtes) Hoch von USD 48 pro Unze erreichte, lag das durchschnittliche US-Einkommen unter USD 18.000. In den USA kostete ein Eigenheim im Schnitt USD 76.000, während man für ein neues Auto weniger als USD 6.000 hinlegte! Ein Schokoriegel ging für 25 Cents über den Tresen. Es ist offensichtlich, dass man damals mit einem Dollar viel weiter kam als heute. Die Inflation der US-Notenbank hat die reale (inflationsbereinigte) Kaufkraft eines jeden Dollars gnadenlos zunichte gemacht.

Wenn man also den heutigen Silberpreis von USD 30 mit dem Preis im Januar 1980 in Höhe von USD 48 vergleicht, dann ist das extrem irreführend, und hat noch nicht einmal im Ansatz etwas mit einem legetimen Vergleich zu tun. Wir müssen die früheren Preise daher einer Inflationsbereinigung unterziehen, um so ihren damaligen Wert in heutigen Dollars zu ermitteln, den einzigen Dollars unter denen wir uns auch etwas vorstellen können. Der einfachste Weg dies zu tun, ist, die früheren Preise an das Wachstum der Geldmenge der Federal Reserve anzupassen und das Wirtschaftswachstum dann davon abzuziehen. Wenn die Geldmenge in irgendeinem Jahr um 8% steigt und die US-Wirtschaft um 3% wächst, dann liegt die tatsächliche Inflation wahrscheinlich in der Nähe von 5%.

Aber bedauerlicherweise wird die alleinige Verwendung der Geldmenge als Stellvertreter für die Inflation von den gewöhnlichen Analysten als zu aggressiv angesehen. Wenn ich analytische Arbeiten mache, versuche ich daher immer die konservativsten Analysemethoden zu verwenden. Auf diese Art stellen die Leute, die meine Untersuchungen wiederholen und die Daten eigenständig berechnen, fest, dass meine Zahlen eigentlich ziemlich konservativ sind. Diese Untertreibung führt in der Regel dazu, dass die Glaubwürdigkeit des Gesagten unterstreichen wird.

Wall Street glaubt immer noch an Washingtons kreative Fiktion, die unter dem Namen Verbraucherpreisindex (VPI)bekannt ist, und hält ihn für den ultimativen Inflationsmesser. Der VPI ist in allen möglichen Bereichen entsetzlich fehlerbehaftet. Die meisten Nahrungsmittel- und Energiepreise werden einfach herausgerechnet – also die Preise der wichtigsten Dinge, die wir tagtäglich kaufen. Bei der Ermittlung des VPI werden auch sogenannte „Preisbereiniger“ verwendet, die steigende Preise hinter einem Anstieg der Lebensqualität verstecken. So ist dann beispielsweise ein Computer, der einst USD 3.000 kostete und jetzt für USD 500 zu haben ist, auch 6 Mal so nützlich. Ist doch logisch, oder? All diese Manipulationen dienen dazu, die Inflation herunterzuspielen.

Und Washington hat auch einen guten Grund dafür, die gemeldeten VPI-Zahlen zu verringern. Hohe VPI-Zahlen verschrecken die Aktienmärkte, was zu Abverkäufen an den Märkten führt, durch welche wiederum die Wähler verschreckt werden. Ein hoher VPI zwingt die Regierung zu höheren Zahlungen im staatlichen Wohlfahrtsbereich, wodurch dann weniger Geld für die Lieblingsprojekte der Politiker übrig bleibt. Er treibt die Zinssätze in die Höhe, was Washington dazu zwingt, für seine gigantischen langfristigen Schulden mehr zu zahlen. Er macht die Amerikaner darauf aufmerksam, um was es sich bei der Inflation in Wirklichkeit handelt – um eine räuberische und versteckte Steuer auf ihre Ersparnisse. Die Regierung will also den geringstmöglichen VPI haben.

Obwohl dieser Index die wirkliche Inflation in unserer Wirtschaft immer bedeutend kleiner darstellt, als diese in Wirklichkeit ist, verwende ich bei meinen inflationsangepassten historischen Untersuchungen ausschließlich diesen Index. Wenn ich dies nicht täte, würden gewöhnliche Investoren und Wall Street Analysten meine Arbeit umgehend als radikales Randgruppenzeug abstempeln. Da der VPI jedoch derart konservativ ist, muss jeder die sich daraus ergebenden realen Preise ernst nehmen. Also habe ich die Silbergrafiken an den VPI angepasst.

Obwohl die seit dem Jahre 2001 anhaltende Bullenmarktrally bei Silber sehr eindrucksvoll gewesen ist, erscheint sie doch ziemlich winzig, wenn man sie in realen Preisen mit dem säkularen Bullenmarkt der 70er Jahre vergleicht. Die blaue Linie ist der VPI-bereinigte reale Silberpreis, während der nominelle Silberpreis zum Vergleich in rot dargestellt wurde. Stellt der Silberpreis mit USD 30 pro Unze in heutigen Dollars und im historischen Kontext betrachtet einen sehr hohen Kurs dar? Wohl kaum! Der Silberpreis hat zum jetzigen Zeitpunkt gerade erst einmal damit begonnen, den Chart hinaufzuklettern.

Am 21. Januar 1980 belief sich das Allzeithoch nominell auf USD 48, was in heutigen Dollars einem Wert von USD 135 pro Unze entspricht. Mit anderen Worten: Man bräuchte heute USD 135 um dieselbe Kaufkraft zu erzielen, die USD 48 vor drei Jahrzehnten besaßen. Mit dem künstlich niedriggerechneten VPI braucht man heutzutage also USD 2,81, um sich dasselbe kaufen zu können, was man damals für einen Dollar erhalten hat. Bedanken Sie sich bei der Federal Reserve, die seitdem mit dieser versteckten Steuer das von Ihnen angesparte Kapital zunichte gemacht hat.

Der aktuelle Silberpreis in Höhe von USD 30 pro Unze entspricht gerade einmal 22% des parabolisch verlaufenden Höhepunkts des säkularen Bullenmarkts Anfang der 80er Jahre. Anders gesagt: Der Silberpreis müsste jetzt noch um 350% explodieren, um sein Allzeithoch zu durchbrechen. Also obwohl sich USD 30 pro Unze mit Sicherheit hoch anfühlt, wenn man diesen Preis mit der jüngeren Preisentwicklung bei Silber vergleicht, ist er im Vergleich zum Ende des gewaltigen säkularen Bullenmarkts Anfang der 80er noch relativ niedrig.

In heutigen Dollars stand Silber von August 1979 bis April 1981 praktisch durchweg über USD 30 pro Unze! Jeder Preis, der über 19 Monate gehalten wird, liegt noch nicht einmal im Ansatz in einem Preisbereich, der sich als ein Bullenmarkt beendendes Niveau beschreiben ließe. Während des weitverbreiteten Silberfiebers, das Silber Ende 1979 in die Stratosphäre schoss, kam es in gerade einmal 20 Handelstagen zu einem Anstieg von real über USD 100, und es gab insgesamt nur 4 Handelstage, an denen Silber real mit über USD 125 aus dem Handel ging. Die Argumente Wall Streets, die nahe legen, dass USD 30 extrem hoch sei und der Bullenmarkt nun vorbei wäre , sind einfach falsch und historisch gesehen kurzsichtig.

Nichtsdestotrotz ist Silber heute mit USD 30 auch nicht mehr billig. Gemessen an den silbereigenen Bullenmarktstandards ist das weiße Metall seit Anfang November extrem überkauft. Als die FED verkündete, dass sie riesige Mengen zusätzlicher US-Staatsschuldentitel monetisieren, also aus dem nichts neue Dollars schaffen würde, um Washingtons Schulden aufzukaufen, kam es zu einem starken Anstieg des Silberpreises. Wenn der Kurs während eines derart kurzen Zeitraumes so hochgetrieben wird, bedeutend dies, dass eine typische und scharfe Korrektur sehr wahrscheinlich ist. Diese gesunden Kursrückgänge sind gewöhnlich stark und gehen schnell von statten, wobei es innerhalb von 6 Wochen zu Preiseinbrüchen von 25% bis 33% kommen kann!

Der oben aufgeführte Langzeit-Chart kann natürlich nicht dafür herhalten, die technischen Daten, dass Silber aktuell überkauft ist, einfach zu ignorieren – die Grafik kann aber mit Sicherheit dafür genutzt werden aufzuzeigen, dass der säkulare Bullenmarkt bei Silber fernab davon ist, von extremer Natur zu sein. Obwohl Silber während seiner Rally zwischen Juli und Dezember 2010 um 76% stieg, zeigt dieser jüngste Anstieg überhaupt keine Charakteristika einer durch einen Wahn getriebenen parabolischen Preisexplosion. Zwischen August 1979 und Januar 1980 kam es während eines vergleichbaren 5-Monatszeitraums zu einer Silberpreisexplosion, die um 450% höher war! Man kann den legendären parabolischen Preisanstieg Anfang der 80er Jahre und die Herbstrally des Jahres 2010 also nicht miteinander vergleichen.

Immer wenn ich mich intensiver mit Silber beschäftige, kann ich einfach nicht widerstehen, mir den Superbullen der 70er Jahren in realen heutigen Dollars anzuschauen. Während es sich bei Silber im Verlaufe eines säkularen Bullenmarkts im Edelmetallbereich in der Tat um ein großartiges Investment handelt, werden die Erinnerungen daran, was während der 70er Jahre tatsächlich geschah, immer wieder in bedeutendem Umfang verzerrt. Silber-Enthusiasten neigen – gewöhnlich unabsichtlich, manchmal aber auch absichtlich – dazu, die tatsächlichen Ereignisse zu verdrehen, wenn es darum geht, was sich beim letzten säkularen Bullenmarkt exakt abspielte.

Warum verfügt Silber heutzutage über eine derart mächtige Anziehungskraft? Einer der wichtigsten Gründe hierfür liegt in der nominellen Preisexplosion in Höhe von 3.627%, die während des Zeitraums von November 1971 (USD 1,29 pro Unze, USD 6,89 in heutigen Dollars) und Januar 1980 zustande kam! Sein Kapital mit einem einzigen Deal und in einem einzigen säkularen Bullenmarkt um einen Faktor von 37,3 zu vervielfachen, ist mit Sicherheit einfach nur atemberaubend. Welcher Investor oder Spekulant träumt nicht von derart gigantischen Gewinnen?

Bedauerlicherweise ist es jedoch so, dass im Laufe der Zeit ganz vergessen wurde, wie sich diese Gewinnentwicklungen nun genau abspielten. So kam es ganz sicher nicht zu netten und sanften Zugewinnen, bei denen Silber jedes Jahr so gestiegen wäre, als hätte man seine Uhr danach stellen können. Die roten Prozentsätze der obenstehenden Grafik zeigen die nominellen kalenderjährlichen Zugewinne bei Silber, und sie unterstreichen eindrucksvoll die launische Natur des letzten säkularen Bullenmarkts. Der überwiegende Teil der Zugewinne wurde jedoch lediglich während der parabolischen Anstiege zu Beginn des Jahres 1974 und Ende 1979 realisiert.

Aufgrund der Sommerflaute bei Edelmetallen – ein Phänomen, das sich durch die bedeutenden saisonalen Unterschiede bei der Investmentnachfrage nach Gold begründet – tendiert auch Silber dazu, seine Tiefststände im Sommer zu erzielen. 1973 wurde dieser Tiefststand mit USD 2,55 (realen USD 12,34) erst etwas später, Mitte September erreicht. Danach war Silber nicht mehr zu halten. Bis Ende Februar 1974 ist der Silberpreis um 163% auf USD 6,70 pro Unze (reale USD 31,06) explodiert. Während eines 27 Monate anhaltenden Bullenmarkts verbuchte Silber also ganze 75% seiner Zugewinne während des parabolischen Anstiegs in den letzten 5 Monaten!

Eine Sache, die Silberinvestoren verinnerlichen müssen, ist, dass die Zugewinne nicht auf bequeme und sanfte Art daherkommen, sondern vielmehr launischer Natur sind. Das meiste spielt sich während sehr kurzer Zeiträume ab, und dann testet Silber wieder die Geduld des Investors, indem es über lange Phasen hinweg eine lustlose Seitwärtsbewegung zwischen den Kursspitzen hinlegt. Nach dem frühen parabolischen Anstieg im Jahre 1974 bewegte sich Silber 4 oder 5 Jahre lang seitwärts – je nachdem wie man es bemisst. Der Höchststand von Februar 1974 ist real dann erst wieder im August 1979 durchbrochen worden!

Und danach kam es zu einer ähnlichen Episode parabolischer Zugewinne, dieses Mal jedoch in bedeutend größerem Umfang. Im August 1979 erreichte Silber einen Tiefststand von USD 8,74 (real USD 25,90). Innerhalb der nächsten 5 Monate schoss Silber um 450% in die Höhe, und erreichte so sein Allzeithoch von USD 48,00 (in heutigen Dollars USD 134,99). Also obwohl der berühmte säkulare Silberbullenmarkt insgesamt über 8 Jahre anhielt, wurden atemberaubende 80% der gesamten Zugewinne gerade einmal in den letzten 5 Monaten erzielt! Die gesamten 70er Jahre war Silber mehr oder weniger unspektakulär, eine außerordentlich wichtige Wahrheit, die heutzutage kaum Berücksichtigung findet.

Ich bin ein großer Fan von Silber. Ab November 2001 empfahlen wir unseren Abonnenten, physische Silbermünzen zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt lag Silber mit USD 4,20 pro Unze darnieder. In unserer Hauptpublikation, dem monatlichen Rundbrief, verfolgen wir seit 2002 48 Silberaktien und erzielten damit im Durschnitt ein jährlichen Gewinne von 54,1%. Während des letzten Jahrzehnts habe ich dutzende Abhandlungen über Silber und Silberaktien geschrieben und Investoren und Spekulanten dabei geholfen, bei diesem volatilen Metall riesige Profite zu generieren.

Aber Silber ist immer superriskant gewesen, und das wird sich auch nicht ändern. Investoren und Spekulanten müssen daher vollumfänglich verinnerlichen, worauf sie sich hier einlassen. Einige Randgruppen verehren Silber bis zum Punkt der Anbetung. Über die Jahre habe ich mit einer überraschend großen Zahl an Investoren gesprochen, die nichts außer Silber besitzen. Sie sind fanatisch in ihrer Hinwendung zu Silber. Ich bewundere ihre Begeisterung und ihre Entschlossenheit, aber oft führt dies dazu, dass die Risiken von Silber in starkem Umfang unterschätzt und die möglichen Belohnungen wild überschätzt werden, was neue Silberinvestoren in die Irre führt.

Die Zugewinnentwicklung in einem Silberbullenmarkt verläuft spitzförmig. Es handelt sich hierbei um ziemlich seltene und rasche Anstiege inmitten eines riesigen Sees aus lang anhaltenden und langweiligen Konsolidierungsphasen. Es bedarf großer Geduld und einer sehr hohen Toleranz bezüglich der Schwankungen, um von den Phasen zu profitieren, in denen der Silberpreis dann endlich stark ansteigt. Man kann Silber (und in geringerem Maße gilt dies auch für Silberaktien) buchstäblich über Jahre hinweg besitzen, ohne dass irgendetwas passiert. Und dann kann der Silberkomplex plötzlich so schnell durch die Decke schießen, dass die Gesamtgewinne die durch das lange Warten entstandenen Gelegenheitseinbußen bei Weitem übersteigen.

Zum Glück ist der gegenwärtige säkulare Bullenmarkt bei Silber bisher wesentlich gleichmäßiger gewesen, als sein Vorläufer in den 70er Jahren, obwohl er sich immer noch als sehr volatil und psychologisch herausfordernd beschreiben lässt. Während wir immer noch regelmäßig wiederkehrende parabolisch verlaufende Anstiege erleben, wo plötzlich all die Zugewinne inmitten eines Ödlands aus Konsolidierungsphasen verbucht werden, verläuft der Vormarsch von Silber dieses Mal jedoch wesentlich gleichförmiger. Sie können das sehen, wenn Sie die jährlichen Zugewinne der nachfolgenden Grafik mit denen der 70er Jahren vergleichen.

Seit Beginn des säkularen Bullenmarkts im Jahre 2000 hat Silber mehr der ihm charakteristischen parabolischen Anstiege verzeichnet, als dies in den 70er Jahren der Fall gewesen ist. Es gibt mehr Kursspitzen, während die Zeit der Konsolidierung zwischen diesen Spitzen geringer ist – das ist eine willkommene Veränderung. Und einmal abgesehen von der Aktienmarktpanik im Jahre 2008 liegen die kalenderjährlichen Gewinne wesentlich enger beieinander und sind auch weniger launisch als in den 70ern. Die Standardabweichung dieser jährlichen Zugewinne ist zurückgegangen.

Ich gehe davon aus, dass sich einer der wichtigsten Gründe für diesen sanfteren Bullenmarkt mit den technologischen Entwicklungen begründen lässt, die an verschiedenen Fronten zugunsten von Silber agierten. Im Vergleich zu den 70er Jahren, ist es durch das Internet für neue Investoren nun bedeutend einfacher, sich mit den Sachverhalten über Silber auseinanderzusetzen. Damals musste man entweder jemanden persönlich kennen, der bereits in Silber investiert war, oder man musste einen der relativ obskuren Rundbriefe abonnieren, um Informationen über das Metall zu erhalten. Heute kann sich jeder ganz einfach mithilfe des Computers über den Silberbullenmarkt, die ihm zu Grunde liegenden Faktoren und darüber, wie man profitabel in Silber investiert, informieren.

Darüberhinaus ist es heutzutage aufgrund der Technologie bedeutend leichter in Silber zu investieren. Während ich persönlich physische Münzen vorziehe, schlagen sich die meisten Investoren nicht mit den damit verbundenen hohen Transaktionskosten herum. Sie haben keine Lust, nach einem ehrbaren Münzhändler vor Ort zu suchen, sie wollen nicht herausfinden, welche Art von Silber man kaufen sollte, und sind auch nicht daran interessiert, die hohen Aufschläge zu zahlen, die beim Erwerb von Münzen notwendigerweise anfallen. Für diese Mainstream-Investoren ist der SLV Silber ETF ein Geschenk des Himmels gewesen. Für triviale Kommissiongebühren ist es ihnen möglich, umgehend an Silber zu partizipieren, während sie, so oft sie wollen, den Markt effizient betreten und wieder verlassen können.

Der SLV wurde im April 2006 mit gerade einmal 21 Millionen Unzen ins Leben gerufen, wobei die Silberbestände für die Aktienbesitzer treuhänderisch gehalten wurden. Wie erwartet, bescherte der Silberfonds dem physischen Silbermarkt einen riesigen neuen Zugang zu traditionellem Aktienmarktkapital. Umso mehr Aktieninvestoren SLV kaufen, umso mehr Silber müssen die Treuhänder dieses Rohstofffonds kaufen, um es beiseite zu legen, wobei sich dieser zusätzliche Kaufdruck direkt auf das dem Fonds zu Grunde liegende Metall überträgt. Vergangenen Monat erreichten die SLV-Bestände ein neues Rekordhoch von 353 Millionen Unzen!

Um sich hier einmal die Relationen zu vergegenwärtigen: 2009 belief sich die weltweite Silberproduktion auf rund 700 Millionen Unzen. Dank des riesigen Kapitals der Aktieninvestoren ist so alleine durch den größten US-amerikanischen Silber-Rohstofffonds die Hälfte der weltweiten Silberproduktion absorbiert worden! Diese neue Kapitalquelle hat den Silberbullenmarkt beschleunigt, während er ihn darüberhinaus wesentlich gleichförmiger verlaufen lässt, als den der 70er Jahre, da die Dollarzuflüsse nun konstanter sind. Obwohl der Silberkurs immer noch spitzförmig verlaufende Bewegungen aufweist, waren diese im bisherigen Bullenmarkt jedoch nicht so stark ausgeprägt.

Und mit einem nominellen Anstieg von gerade einmal 660% liegt der heutige Silberbullenmarkt auch nirgendwo im Bereich der Extremen 3.627%, die wir im Bullenmarkt der 70er Jahre sahen. Dies ist ein weiter Hinweis darauf, dass dieser säkulare Bullenmarkt wesentlich jünger ist, als Wall Street glaubt. Ein säkularer Bullenmarkt schießt erst dann parabolisch durch die Decke und endet, wenn die allgemeine Öffentlichkeit von den Anlagewerten, die diesem Bullenmarkt zu Grunde liegen, völlig in den Bann gezogen wurde. Um sich einen berühmten Wahn zu vergegenwärtigen, braucht man nur an die Technologieaktien Ende 1999 und Anfang 2000 zu denken.

Wenn die allgemeine Öffentlichkeit in den Markt strömt, wird das Fieber angeheizt, und alle reden dann darüber, was es doch für eine heiße Anlage sei. Menschen, die nie zuvor investiert haben, fangen auf einmal an, irgendwelches Zeug zu verkaufen, ihre Häuser als Kreditsicherheit einzusetzen und zu versuchen, irgendwie an Geld zu kommen, um dann mit diesem Geld dem Wahn entgegenzustürmen. Kellner, Hausfrauen und Leute, die sich nie zuvor für Märkte interessierten, prahlen eifrig darüber, wie gut ihr neues Investment läuft. Silber steht heute noch nicht einmal im Ansatz davor, unter den gewöhnlichen Amerikanern an Popularität zu gewinnen. Ich wette, dass weniger als 10% aller Investoren überhaupt irgendwelches Silber besitzt, von der nicht investierenden Öffentlichkeit mal ganz abgesehen.

In realen inflationsbereinigten Zahlen ist Silber mit USD 30 pro Unze überhaupt nicht als extrem zu bezeichnen. Diese Einschätzung geht auch mit meinen Untersuchungen einher, die ich vor ein paar Wochen bezüglich der relativen „Bewertung“ von Silber gegenüber Gold durchgeführt habe. Interessanterweise stimmt der heutige Silberpreis von USD 30 mit der historisch starken Beziehung dieser zwei Edelmetalle perfekt überein. Also all dieses Wall Street Gerede darüber, dass der Silberbullenmarkt vorbei sei, da Silber seine nominellen 30-Jahres-Höchststände durchbrochen habe, ist im besten Falle als uninformiert zu bezeichnen. Im historischen Kontext sind die heutigen Silberpreise keineswegs übertrieben…

Das Entscheidende ist, dass Silber trotz seiner großen Herbstrally in einem inflationsbereinigten historischen Kontext in Wirklichkeit nicht auf besonders hohem Niveau gehandelt wird. Betrachtet man es in heutigen Dollarwerten, dann befand sich Silber in der Endphase des Bullenmarkts der 70er Jahre 19 Monate lang über dem heutigen Preisniveau. Während Silber mit USD 30 pro Unze sicherlich nicht billig ist, ist Silber im Hinblick auf den realen Wert des US-Dollars immer noch weit davon entfernt, irgendwo in einem Bereich zu liegen, der auf ein Ende des Bullenmarkts hindeutet. Eine vernünftige Gegenüberstellung deutet vielmehr darauf hin, dass der aktuelle Silberbullenmarkt immer noch sehr jung ist.

Und selbst wenn der Höhepunkt des aktuellen Bullenmarkts aus irgendeinem Grund nicht so heftig ausfallen sollte, wie der parabolische Anstieg Ende der 70er Jahre, ist für Silber immer noch genügend Spiel, um weiterzusteigen. Der aktuelle Silberpreis könnte sich beispielsweise verdreifachen, und wäre vom Niveau seines Allzeithochs trotzdem immer noch weit entfernt. Basierend auf der tatsächlichen inflationsbereinigten Geschichte der Kursentwicklung von Silber, ist ein Preis von USD 30 pro Unze alles in allem überhaupt keine große Sache. Nominelle Preisvergleiche über Jahrzehnte hinweg sind hingegen kurzsichtig und irreführend.

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