Immer neues Geld: Es ist wie eine Sucht

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.02.2011

Die Mahnungen werden lauter und häufiger: Immer mehr Ökonomen warnen öffentlich vor dem Kurs der Notenbanken weltweit, die Krise mit immer neuem Geld überschwemmen zu wollen. Dass dies zu immer neuen Krisen führen wird, befürchtet auch der Schweizer Ökonom Hans Christoph Binswanger. Ohne radikale Reformen, so der Ökonom, wird der Crash verheerend ausfallen. Lesen Sie hier seine Meinung zu diesem Thema.

Die Lernfähigkeit der Menschen ist langsam: Binswanger glaubt, dass wir erst noch ein bis zwei weitere schwere Beben der Weltwirtschaft brauchen, bis endlich allgemein klar wird, dass wir auf dem falschen Weg sind. Ernste Probleme erwarten uns, doch bisher scheint die Mehrzahl der Verantwortlichen blind zu sein.

Hauptursache für die Misere ist laut Binswanger die unendliche Geldvermehrung. „Der moderne Kapitalismus basiert in immer stärkerem Maße auf dem Prinzip der Geldschöpfung“, erklärt Binswanger. Mit der Verabschiedung der Goldbindung in den 1970ern wurde der unendlichen Geldvermehrung Tür und Tor geöffnet. Unbegrenzte Kreditvergabe erschafft Buchgeld, über das heute nahezu jeder verfügt. Dadurch ist die Geldmenge rasant angestiegen, Binswanger schätzt, dass nur noch fünf Prozent des Geldes Banknoten der Notenbanken sind.

Diese Unmengen von Geld wandern um den Globus und sorgen für Spekulationsblasen, Rivalitäten und Krisen. Der größte Teil des Geldes fließe nicht in die reale Wirtschaft, sondern in die Finanzwirtschaft, wodurch spekulative Blasen entstünden. Der Profit liegt eben auch dort:

„Noch im Jahr 1980 lag das Verhältnis der Einkommen eines Arbeiters zu den höchsten Einkommen in den USA bei 1:41. Heute beträgt es 1:560. Die uferlose Geldschöpfung hat vor allem jenen genutzt, die im Finanzsektor engagiert waren.“

Binswanger verurteilt die aktuelle Geldpolitik der Notenbanken als falsch: Der endgültige Absturz wurde damit zwar kurzfristig verhindert, doch langfristig werden die Probleme nur noch größer werden. Durch das immer neue Geld, so Binswanger, werde die Abhängigkeit vom Geldtropf immer höher. Binswanger bringt das Beispiel eines Alkoholkranken, der durch Entzugserscheinungen gequält wird. Sollten die Notenbanken uns also das Geld wieder entziehen durch höher Zinsen und weniger Geldschöpfung, würde die Welt Qualen erleiden, das System würde kollabieren.

Darin sieht der Ökonom den Grund, warum die Zentralbanken gezwungen sind, immer mehr Geld bereit zu stellen. Ein Teufelskreis, denn dadurch wird das System noch labiler, und der finale Crash wird dadurch noch heftiger. Weitere Blasen werden sich bilden, die jede für sich allein schon Potenzial genug hat, die Weltwirtschaft in die Knie zu zwingen. Gemeinsam werden sie einen ungeheuren, unvorstellbaren Crash auslösen.

Wir befinden uns in einer Situation, in der es kaum noch einen Ausweg gibt. Das viele neue Geld ist in der Welt, es abzuziehen ist sehr schwierig, denn damit wird der Kollaps riskiert. Binswanger sieht eine Möglichkeit in der Entschuldung, bei der die Gläubiger einen Teil ihres Geldes verlieren würden. Ein erster Schritt, der helfen würde, die Menge des fiktiven Geldes zu reduzieren – denn reale Werte sind schon lange nicht mehr mit diesem Geld repräsentiert. Ein erster Schritt – aber mehr leider nicht. Und es sieht nicht so aus, als ob Politik und Zentralbanken bereit wären, überhaupt diesen einen Schritt zu gehen. Stattdessen lautet die Parole weiterhin: Wir drucken Geld bis zum Untergang.

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