US-Staatsverschuldung: Die Schlinge zieht sich zu

Wealth Cycles, 12.01.2011

Während die USA bei ihren Staatsschulden im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt immer schneller der 100% Marke entgegenjagen – aktuell beläuft sich dieses Verhältnis auf 95,5% – stellt sich die Frage, ob es sich bei dieser untragbaren Schuldenlast um ein chronisches Problem handelt, das die USA noch auf Generationen hinaus verfolgen wird. Jedes Mal bevor der US-Kongress der Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze zustimmt, zelebriert er eine einzigartige Tradition der Selbstdarstellung. Aber stand wirklich jemals ernsthaft zur Disposition, die Schuldengrenze ein weiteres Mal anzuheben?

Wenn wir diese 100% Marke überschreiten, dann gesellen wir uns Italien, Japan, Griechenland und Irland hinzu, einigen der verschwenderischsten Länder der Welt – und setzen damit das wirtschaftliche Wohlergehen künftiger Generationen aufs Spiel.

Das Schuldenproblem ist im Kern ein philosophisches Problem: Sollten die Leiden und Probleme privater Organisationen von der Gesellschaft getragen werden? Bei WealthCycles.com haben wir keine wirkliche Antwort auf diese philosophischen Fragen, aber wir können die Tatsachen benennen und auf Möglichkeiten und Tücken hinweisen.

Für jeden objektiven Beobachter ist es ein Leichtes festzustellen, dass der Wirtschaftszyklus in den vergangenen paar Jahren einen Negativtrend aufwies – fallende Immobilienpreise, Verluste im Aktienmarkt und Arbeitslosigkeit. Was jedoch als negativer Wirtschaftszyklus seinen Anfang nahm, ist mittlerweile in eine Staatsschulden- und Währungskrise mutiert, deren Höhepunkt in nicht allzu ferner Zukunft liegt.

Ganz gleich, ob die Antwort auf die philosophische Frage nun positiv oder negativ ausfällt, die Vereinigten Staaten haben sich jedenfalls einhellig dafür entschieden, die wirtschaftlichen Leiden der Privatwirtschaft allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft aufzubürden, ob der Steuerzahler dies nun gut findet oder nicht.

Aufgrund der Größe, des Reichtums und der politischen Stabilität der USA (letzteres kann von inländischen Beobachtern durchaus angezweifelt werden) sowie einer 200-jährigen Geschichte der (meist) pünktlichen Bezahlung von Rechnungen, wurden den Vereinigten Staaten seitens der Kreditgeber auch weiterhin Kredite gewährt. Darüberhinaus kontrollieren die USA den US-Dollar – die Weltreservewährung und bedeutendste Handelseinheit.

Aber diese besondere Qualität der Kreditwürdigkeit bricht nun gerade in sich zusammen. Geldgeber aus dem Ausland und dem Inland fangen jetzt damit an, den fieberhaften Wahn der Vereinigten Staaten, Geld auszugeben und den Dollar zu missbrauchen, zu hinterfragen. Die US-Staatsverschuldung beläuft sich auf USD 14 Billionen, steigt weiter, und beginnt gerade damit, die USA immer weiter einzuschnüren, da die Last der Kredittilgung immer näher rückt.

Die nachfolgende Grafik zeigt, dass – obwohl die USA nicht die höchsten Schuldenstände der Welt haben (die blauen Balken) – die durchschnittliche Fälligkeit von US-Staatsanleihen tiefer abgesunken ist als die irgendeines anderen Industrielandes. Sie beläuft sich aktuell im Schnitt auf 4,4 Jahre (die roten Punkte).

Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten das Land sind, dem die wenigste Zeit zur Verfügung steht, bis die Hauptforderungen auf die USD 14 Billionen fällig werden. Während Großbritannien noch 13 Gnadenjahre hat und Spanien fast 7, zieht sich die Schlinge bereits um den Nacken der USA.

Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen ist von 2,38% Anfang Oktober 2010 auf heute 3,34% angestiegen. Ein Prozentpunkt mag sich vielleicht nicht viel anhören, aber wenn die Zinssätze steigen, muss die US-Regierung (also der Steuerzahler) mehr zahlen, um die Schulden zu unterhalten.

Als die Investoren im Jahre 2010 durch das Chaos in Griechenland verschreckt wurden, verkauften sie die griechischen Staatsanleihen en masse, was zur Folge hatte, dass die Rendite für 10-jährige griechische Staatsanleihen in einem einzigen Monat von 6% auf 13% nach oben schnellte. Würden die Zinssätze in den USA um 7% hochschnellen, wäre der Steuerzahler gezwungen zusätzlich fast USD 1 Billion an Zinsen zu zahlen. Selbst wenn die Zinssätze in den USA insgesamt auf gerade einmal 7% steigen würden – was dem durchschnittlichen Zinssatz 10-jähriger US-Staatsanleihen seit 1970 entspricht – würden alleine die Zinszahlungen 45% der gesamten US-Steuereinnahmen verschlingen.

Während die Schulden immer weiter anwachsen, wird nicht nur die Lage der Vereinigten Staaten immer bedenklicher, sondern es verschlechtert sich auch die Situation des Dollars – und die Situation der Welt, die vom US-Dollar abhängig ist.

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