Zentralbanktsunami – Eine Monsterwelle aus Papierfetzen zur Rettung eines bankrotten Systems

The Daily Bell, 14.01.2011

„Der Vorsitzende der FED Ben Bernanke erklärte, dass die Wirtschaft in 2011 ein Wachstum von 3% bis 4% erleben würde, was aber nicht zu einem beschleunigten Abbau der Arbeitslosigkeit führt.

´Wir erleben wie die Wirtschaft erstarkt. In den letzten paar Monaten trat eine Besserung ein.` so Bernanke. ´Wir gehen davon aus, dass eine Wachstumszahl von 3% bis 4% für 2011 realistisch erscheint…Das wird die Arbeitslosigkeit nicht mit der Geschwindigkeit reduzieren, die wir gerne sehen würden, aber es dürfte mit Sicherheit gut sein, zu sehen, dass die Wirtschaft wächst, und das bedeutet mehr Verkäufe und mehr Geschäft.`

Bernanke machte diese Kommentare während seiner Teilnahme an einem kleinen Unternehmensforum, wo er über Themen sprach, die von der Verfügbarkeit von Krediten für kleine Unternehmen bis hin zur Notwendigkeit eines besonnenen Bankenwesens reichten.

´Die Probleme haben wir ja überhaupt erst dadurch bekommen, dass wir zu viele Kredite vergeben haben, oder nicht. Man muss also gute Kredite vergeben. Wir brauchen kreditwürdige Kreditnehmer.`“ ABC News, 13.01.2011

Vorherrschendes soziales Thema: Die Situation wird jetzt wesentlich besser werden.

Freimarktanalyse: Sehr interessant. Die Wirtschaft wird in 2011 um 3% bis 4% wachsen, so der Vorsitzende der Federal Reserve Ben Bernanke, wobei uns die Arbeitslosigkeit jedoch erhalten bleiben wird. Unterdessen dürfte die Gefahr der Deflation laut Bernanke für den Moment erst einmal abgewendet worden sein. Und die Banken würden nun endlich wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren und jetzt „besonnene Kredite“ vergeben, anstatt unüberlegte, die zu den „Schwierigkeiten“ in 2008 führten. Aber jetzt mal im Ernst Leute, was hat dieser Typ denn geraucht?

Unseres Erachtens entfernen sich die Realität und Bernanke immer weiter voneinander. Dafür gibt es drei Gründe. Zunächst einmal sind die geschätzten US-Wachstumszahlen höchst fragwürdig, im Grunde genauso fragwürdig wie die „Arbeitslosenrate“. Zweitens ist die Deflation wahrscheinlich garnicht das wirkliche Problem, mit dem die USA künftig konfrontiert sein werden. Drittens waren es nicht die Banken, die durch ihre schlechte Kreditvergabe die systemischen Probleme des Jahres 2008 auslösten, sondern die endlosen monetären Belebungsmaßnahmen der letzten drei Jahrzehnte, die zu den untragbaren Marktverzerrungen führten.

Das müssen Sie uns nicht glauben. Hier ist ein Auszug eines bei Forbes erschienenen Leitartikels von Reuven Brenner, Wirtschaftsprofessor an der McGill´s Desautels Faculty of Management, mit dem Titel „Ben Bernankes Allheilmittel: Zusammengewürfelter monetärer Nonsens“:

„Die langfristigen Auswirkungen von dem, was Ben Bernanke tut, sind verheerend für die Vereinigten Staaten. Seine Strategien sorgen dafür, dass der Dollarwert der Vermögensanlagen in den Bankenbilanzen nicht einbricht, womit er armselig geführte Banken am Leben erhält. Diese Strategie zieht den Dollar nach unten, verlängert die Krise und verlangsamt die US-Erholung.

Es besteht hier garnicht die Notwendigkeit in irgendwelches makroökonomische Fachchinesisch sowie in technische Vokabularien der quantitativen Lockerung und der Geldpolitik einzutauchen, um das verstehen zu können. Und es besteht auch nicht die Notwendigkeit, sich in ausweichende Debatten zu flüchten, was die Zentralbanker wohl ausgerechnet damit meinen, wenn sie unentwegt davon sprechen, die undefinierten ´Risiken` abzumildern…

Mit den gegenwärtigen Strategien der FED wird eins erreicht: Sie halten die Banken im Geschäft, indem sie den nominellen Dollarwert der Vermögenswerte der Bank aufrechterhalten. Schließlich gibt es nur zwei Wege, um den Dollarwert von Vermögenswerten in den Bankenbilanzen zu bewahren (oder zu erhöhen)…

Aktuell verhindert die Federal Reserve, dass der Dollarwert der Anlagen in den Bankenbilanzen einbricht; das gilt besonders für Immobilien, aber auch für am Aktienmarkt gehandelte Wertpapiere. Das ist es, was mit der Nullzinsrate erreicht wird: Es erlaubt den Banken solvent zu bleiben und verhindert, dass die nominellen Werte in ihren Bilanzen einbrechen…

Eine Nebenwirkung der Nullzinspolitik der FED ist, dass sie den Wert des Dollars vermindert. Das Land wird in Wirklichkeit ärmer. Noch schlimmer: Die Banken werden nicht auf eine solidere Grundlage gestellt…Obwohl die FED das Kapital der Banken wiederherstellt, kann sie mit dieser Strategie keine kompetenten Banker erschaffen.“

Brenners Diagnose fällt düster aus, und er ist der Meinung, dass die FED es den anderen Ländern wie Russland und Brasilien, ja ganzen Regionen wie der Europäischen Union durch ihre geldpolitischen Strategien leichter gemacht hat, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Das ist ein gutes Argument.

Die Ökonomie des Zentralbankwesens gibt es nun auf der ganzen Welt, und im Grunde genommen sind jetzt alle Regionen an einem „Abwärtswettlauf“ beteiligt, bei dem sie ihre Währungen durch das Drucken von zu viel Geld entwerten, um so zu verhindern, dass die Währung zu stark wird und den Handel behindert.

Natürlich ist geteiltes Leid halbes Leid, was aber nicht notwendigerweise dazu führen muss, dass es dadurch auch abgemildert wird. Die FED ist aber immer noch die Zentralbank, die hier als Anstifterin agiert. Die jüngsten Prüfungsberichte zeigen, dass die FED Billionen druckte und dieses Geld dann nicht nur an US-Unternehmen, sondern auch an ein weites Spektrum von Finanzinstitutionen und Konzernen im europäischen Ausland, ja sogar in Asien weiterreichte.

Wir haben bereits vielfach darauf hingewiesen, dass das aktuelle Wirtschaftssystem ein angloamerikanisches ist und die FED zur Rettung eilte, als es in 2008 zusammenbrach.

Täuschen Sie sich nicht: Das Dollarreservesystem starb 2008. Nicht nur die Banken, nicht bloß die multinationalen Konzerne, ja nicht einmal nur die Länder – die gesamte auf Dollar basierende Welt stand im Grunde genommen vor einer verschleppten Insolvenz. Das passiert nun einmal, wenn die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zu stark ausufern und die finanzwirtschaftlichen Verzerrungen untragbar werden. Und das war der Grund, warum die US-Notenbank Geld druckte – und die anderen Zentralbanken taten es auch.

Zum damaligen Zeitpunkt schätzten wir, dass sich der Gesamtbetrag der durch die Zentralbanken gedruckten Gelder zur Rettung des Systems am Ende auf USD 100 Billionen belaufen könnte und alleine die FED bereits um die USD 20 Billionen in die Weltwirtschaft gepumpt hatte. Außerhalb der US-Notenbank kann dies jedoch niemand mit Sicherheit sagen.

Wenn wir die Gesamtmenge an gedrucktem Geld der anderen Länder, die dasselbe taten, zu den monetären Maßnahmen der FED mit hinzurechnen, kommen wir auf eine Summe von USD 50 Billionen, die bis jetzt von den Zentralbanken dieser Welt gedruckt worden ist, um das System wieder in Gang zu bringen. Wir befinden uns also gerade einmal auf halbem Wege.

Und es ist auch völlig klar, dass das alles Konsequenzen hat. Wir erinnern uns daran, wie Paul Volcker in den 70er Jahren den Vorsitz der US-Notenbank antrat und die Zinssätze auf fast 20% trieb, um die ungezügelte Preisinflation des Landes unter Kontrolle zu bringen. Volcker musste sich jedoch nicht mit USD 50 Billionen an überschüssigem Papier herumschlagen, das gegenwärtig über die Welt schwappt.

Es wird sich zwangsläufig als unmöglich herausstellen, diese gigantischen Geldmengen „zu sterilisieren“, also unschädlich zu machen. Am Ende wird es nicht die Preisdeflation sein, um die sich Bernanke Sorgen machen muss, sondern um die Preisinflation, und zwar um eine sehr schwerwiegende.

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts entspricht einer aufgeputschten Version der 70er Jahre. Damals brauchte man einen Zinssatz in Höhe von 20%, um die amerikanische Wirtschaft einzufrieren und den Zyklus der Preisinflation im Jahre 1981 auszubremsen. Die daraus resultierende Rezession war die schwerwiegendste in der jüngeren Geschichte, an die sich die Amerikaner erinnern können.

Aber womit wird man die aktuelle Preisinflation aufhalten? Zinssätze von 50%? Unserer Meinung nach stellt dies eine fast unlösbare Aufgabe dar. Bernanke rechnet für 2011 mit einem „moderaten Wachstum“ in den USA. Aber das ist ungefähr so, als würde man einen sonnigen Tag am Strand vorhersagen, während sich draußen auf dem Meer bereits eine Monsterwelle gebildet hat, die sich gerade in Richtung Küste bewegt.

Die von der aktuellen Gruppe an Zentralbankern fabrizierten Dinge, haben auch noch weitere Auswirkungen. Bernanke und seine Kollegen haben das System nicht gerettet, sondern es lediglich über Wasser gehalten. Und was haben sie damit erreicht?

Das Bankwesen bleibt dadurch einfach in der größten Blase der Welt gefangen. Das Zentralbankwesen ist ja selbst eine Blase, obwohl die Leute das anders sehen – aber diejenigen, die die Gelder drucken, entscheiden dann auch darüber, welche Branchen expandieren dürfen, und kein Zentralbanker, der etwas auf sich hält, wird es zulassen, dass das Verteilsystem der Zentralbanken, die Geschäftsbanken, in einen Deflationsprozess gerät. Daher wird das Bankwesen lediglich immer größer und größer.

Es gibt jedoch überhaupt keinen Grund für ein derart großes Bankenwesen. Tatsache ist, dass es sich bei Banken im Grunde genommen um nichts weiter als Geldläger handelt. Während der industriellen Revolution wurde die Finanzierung von Unternehmen oft kommunal über größere Familien und Partnerschaften organisiert. Aber unsere moderne Wirtschaft funktioniert anders.

Die Zentralbanken der westlichen Welt schufen eine riesige Bankeninfrastruktur, die sie zur Finanzierung riesiger multinationaler Konzerne nutzten, was im Ergebnis zu einer Art von Markenimperialismus der Anglosphäre führte.

Coca-Cola und Kentucky Fried Chicken findet man nun überall auf dem Planeten. Die Welt käme vielleicht auch ohne Coca-Cola aus, das mächtige Dollarreservesystem hat die Allgegenwart von Coke jedoch erst ermöglicht.

Wie wir anmerkten, war das industrielle System des Westens – besonders das Amerikas – 2008 bankrott gewesen. Das Drucken von weltweit bis zu USD 50 Billionen hat diese Insolvenz zwar abgemildert, am zu Grunde liegenden Problem, den wirtschaftlichen Verzerrungen, jedoch überhaupt nichts geändert.

Heutzutage gibt es keine Möglichkeit mehr festzustellen, welche Unternehmen zu Recht existieren und tatsächlich ein Bedürfnis des Marktes befriedigen und welche Firmen einfach nur aufgrund der Finanzierung durch das Zentralbankwesen im Geschäft sind.

Beispielsweise könnte man fragen, ob General Motors ein funktionsfähiges Unternehmen ist. Der Konzern erhielt seitens der Regierung und durch Aktienemissionen Finanzierungshilfen in Milliardenhöhe – aber dienen all diese Gelder nun dem Wiedererstarken eines erfolglosen Unternehmens, oder wird hier lediglich ein unvermeidlicher Niedergang ein wenig länger hinausgezögert?

Das ist auch der Grund dafür, warum die Arbeitslosigkeit in Amerika und Europa weiterhin hoch ist. Nur Wenige sind gewillt, Kredite zu vergeben, da es nicht möglich ist herauszufinden, welche Unternehmen gesund sind. Das ist kein örtlich beschränktes Phänomen. Die Wirtschaft des Zentralbankwesens der Anglosphäre hat ihre Verzerrungen über die Kontinente hinweggetragen.

Das Problem der Arbeitslosigkeit wird dieses Mal also nur schwer wieder in den Griff zu bekommen sein, da das System selbst massiv verzerrt worden ist und es Jahre brauchen wird, hier wieder Ordnung zu schaffen.

Das Spiel wird solange weitergehen, bis die Währungsinflation beginnt, sich bemerkbar zu machen, zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wirtschaften gerade „erholen“. Die Zentralbanker werden das Unvermeidliche tun und die Zinsen anheben. Im Ergebnis werden wir dann einen neuen Abschwung oder eine galoppierende Preisinflation bekommen.

Aber wir gehen davon aus, dass dieses Mal jede dieser beiden Alternativen bei Weitem extremer ausfallen dürfte, als dies in den 70er Jahren der Fall war, da der jetzige Zusammenbruch bedeutend größer gewesen ist und das Heilmittel – die Gelddruckerei – gigantische Ausmaße angenommen hat.

Schlussfolgerung: Letztendlich ist Bernanke zufrieden damit, dass sich die „Wirtschaft“ wieder erholt. Unserer Meinung nach, hat er lediglich die Fiatgeldblase wieder aufgeblasen und das unmöglich aufgeblähte Bankensystem und seine multinationalen Anhängsel in die Lage versetzt, weiterhin funktionieren zu können. Die wirtschaftlichen Verzerrungen bleiben gemeinsam mit der Inflation weiterhin bestehen.

Hören Sie die das Grollen des Tsunami? Wenn ja, dann sollten Sie besser in Gold und Silber Zuflucht suchen.

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