Das Ende des Euros? Quatsch…Irland druckt sein Geld jetzt selber!

Während Griechenland die Stiefel des Internationalen Währungsfonds lecken muss, druckt sich die irische Zentralbank ihre Euros einfach selber. Deutschland und andere nördliche Mitgliedsländer der Eurozone werden sich über die Preisinflation freuen

The Daily Bell, 18.01.2011

„Im Dezember gingen die Notfallkredite der Europäischen Zentralbank an irische Banken zurück, das ist der erste Rückgang seit Januar 2010, aber nur, weil die irische Zentralbank einschritt und den Banken half.

Wie der Irish Independent vergangene Nacht herausfand, finanziert die irische Zentralbank gerade ein Notfallkreditprogramm in Höhe von EUR 51 Milliarden, indem sie ihr eigenes Geld druckt. Die Kreditverbgabe der EZB an irische Banken fiel von EUR 136,4 Milliarden im November auf EUR 132 Milliarden Ende Dezember, so Zahlen, die gestern seitens der irischen Zentralbank veröffentlicht wurden. Zur selben Zeit erhöhte die Bank ihre Notfallkreditvergabe um EUR 6,4 Milliarden, wodurch die Gesamtmenge geschuldeten Geldes auf EUR 51 Milliarden ansteigt.“ – Irish Independent, 17.01.2011

Vorherrschendes soziales Thema: Zum Teufel mit der Einheitswährung! Oder wartet, eigentlich kann ja auch jeder sein Geld selber drucken.

Freimarktanalyse: Ist das nun die Woche, an dem der Euro sein Leben aushaucht und die EU buchstäblich das Handtuch wirft? Die Analyse von vorherrschenden sozialen Themen der Anglosphäre ist keine leichte Nebenbeschäftigung, und wir sind dabei immer auf der Suche nach dokumentierbaren Durchbrüchen.

Glücklicherweise waren wir während des noch jungen Bestehens von The Daily Bell immer wieder in der Lage, einige solcher Durchbrüche aufzuspüren, aber wir natürlich auch immer auf der Suche nach weiteren. Das Drucken von Euros durch die Iren scheint nach diesen Kriterien – also Informationen, die einen wirklich aufhorchen lassen – nachweislich ein sehr bedeutendes Ereignis zu sein.

Eines weiteres dieser bahnbrechenden Ereignisse, das unserer Meinung nach in letzter Zeit besonders hervorstach, war der Auftritt der Generalinspektorin der Federal Reserve, Elizabeth Coleman, bei einer Anhörung des US-Kongresses.

Vielleicht war es sogar die allerschlechteste Einzelleistung, die in der Geschichte derartiger Auftritte je von einem Staatsdiener abgeliefert wurde. Das Auftreten Colemans ließ keinerlei Zweifel daran, dass die FED überhaupt keine Ahnung hat, wie sie eigentlich mit den negativen Auswirkungen ihrer verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen umgehen soll. Der entsprechende Artikel trägt den Namen „Der Anfang vom Ende: Die Federal Reserve kann nicht erklären, wo USD 9 Billionen hingekommen sind“.

Und jetzt ist Irland an der Reihe. In den Nachrichtenmeldungen, die bisher kaum Aufmerksamkeit auf sich zogen, heißt es, dass die irische Zentralbank aus dem nichts Euros druckte, um so ihre abstürzenden Banken zu retten.

Für diese Maßnahmen wird ganz Europa in Form einer steigenden Preisinflation in der Eurozone zu zahlen haben. Wir haben keine Ahnung, wie die Reaktionen von Deutschland dazu ausfallen werden, sollten diese Maßnahmen weiter anhalten – obwohl die irischen Aktionen aus Sicht der Europäischen Union völlig legal sind, solange die Europäische Zentralbank zuvor „informiert“ wurde und ihre Zustimmung dazu gab.

Wie es so oft der Fall ist, zweifelten wir an unseren eigenen Reaktionen bezüglich dieser Neuigkeiten, weshalb wir das Internet durchwühlten, um herauszufinden, ob unsere instinktive Reaktion – dass es sich hierbei um extrem schlechte Nachrichten für den Euro handeln würde – von irgendjemanden geteilt wird. Im Folgenden lesen Sie einen Kommentar, den wir dazu fanden:

„Kleinen Moment mal…bin ich jetzt gerade in ein Paralleluniversum gerutscht? Ist das so eine Art vorzeitiger Aprilscherz? Wird dadurch nicht der ganze Sinn der Einheitswährung und der EZB zunichte gemacht? Wurden hier im Stillen die Regeln geändert, ohne dass es irgendjemand mitbekam?

Griechenland…Griechenland wird fuchsteufelswütend werden. Sie wurden dazu gezwungen, beim Internationalen Währungsfonds betteln zu gehen…Wenn das griechische Volk herausfindet, dass man es der irischen Zentralbank erlaubt, einfach Geld zu drucken, dann wird es zu Aufständen kommen und man wird Steuersenkungen, eine Erhöhung bei den Zuwendungen riesigen Ausgaben fordern.

Die Deutschen…nun ja, die Deutschen werden komplett ausrasten. Ihnen wurde erklärt, dass sie höhere Steuern zahlen sollen, um den PIIGS zu helfen – und jetzt erklärt man ihnen, dass die PIIGS sich die Euros nach Gutdünken selber drucken können?

Die Bedeutung dessen kann garnicht überschätzt werden…das war´s…das Spiel ist aus. Der EU bleiben noch Wochen, vielleicht nur noch Tage. Wenn das wirklich stimmt, dann ist es die größte Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und könnte sogar zum Dritten Weltkrieg führen.“ – (RufflesTheGuineaPig@houspricecrash.co.uk)

Sehen Sie, verehrter Leser, es gibt tatsächlich auch andere, die unsere umgehende Reaktion teilen (selbst wenn sie „Struppel das Meerschweinchen“ heißen).

Das bestätigt auch unsere Auffassung, dass es zu Zeiten des Internets vielleicht garnicht mehr nötig ist, die Transparenz auf Seiten der Regierung zu erhöhen. Das Internet erledigt das von ganz alleine. Brauchen Sie Nachschlag? Hier sind weitere Neuigkeiten aus Irland:

„Dem Mitarbeiterstab der Bank of Ireland [die Bank of Ireland ist nicht die irische Zentralbank, sondern eine privatwirtschaftliches Institut] sind seit der Einführung der Bankengarantie Millionen Euro an Boni ausgezahlt worden. Die Regierung bestätigte gestern, dass eine Untersuchung zu den Zahlungen eingeleitet worden ist, nachdem Vertreter der Bank einräumten, dass sie falsche und irreführende Informationen zu den Mitarbeiterboni an das irische Abgeordnetenhaus übermittelt hatten. Leitende Beamte beim Finanzministerium werden ebenfalls eine sechsstellige Bonuszahlung untersuchen, die an einen Geschäftsführer der Vermögensabteilung der Bank of Ireland gezahlt wurde.

Die von den Steuerzahlern geretteten Banken haben seit der Staatsgarantie insgesamt EUR 45 Millionen an Boni ausgezahlt, dazu gehören auch EUR 20 Millionen an Mitarbeiter der gescheiterten Anglo Irish Bank. Als der Finanzminister Brian Lenihan im Dezember die Bonuszahlungen erörterte, belief sich die Summe für die Bank of Ireland auf null. Nun ist jedoch an die Öffentlichkeit gelangt, dass Boni gezahlt wurden. Der gezahlte Betrag ist bisher noch nicht bekannt, wird jedoch im Rahmen der Untersuchung des Finanzministeriums offengelegt werden und sich im Millionenbereich bewegen.“ Irish Independent, 15.01.2011

Das sind die Themen, mit denen die Eurokraten zu kämpfen haben werden, während ihr heutiges Treffen bezüglich der Ausdehnung des EU-Rettungspaketes zu Ende geht. Aber ganz egal, was die EU tut, man wird jetzt davon ausgehen, dass sie sich gemeinsam mit den großen Banken gegen die Bevölkerungen stellt.

Da die Eurokraten alleine 50 Jahre damit zugebracht haben, die lächerliche Idee in die Welt zu setzen, dass die EU für den durchschnittlichen Europäer eine tolle Sache sei, können wir uns nicht vorstellen, wie sich dieses Konzept nun im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit jemals wieder erholen soll.

Die Eurokraten haben sich gegen die Bürger gestellt – und das auf eine Art, die bereits zu verdeckten Gewaltausbrüchen führte.

Es gibt jedenfalls kein Treffen der EU-Mitgliedsländer, wo man die Misere des unter Austerität leidenden gewöhnlichen Arbeiters besprechen würde. Keine Hauptbeschäftigung, außer Europa selbst, ist so wichtig wie der Schutz des Bankensystems.

Associated Press meldet, dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Verstärkung des Rettungsfonds erlauben wird, so dass dieser „die angepriesenen 750 Milliarden (USD 1 Billion) auch tatsächlich als Kredite ausgeben kann – was gegenwärtig aus technischen Gründen nicht möglich ist.“

Andere hatten auf eine Verdopplung des Fonds gehofft. Auch Portugal und Spanien sollten in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Bezahlt man die Rechnung des einen, bleibt für den anderen nichts mehr übrig.

Ist es wirklich möglich, dass der Fonds vergrößert oder effizienter gestaltet wird, und wenn ja, wird dies dann das Ende der Fahnenstange sein?

Frankreich und Italien sind zwei weitere Länder, die als Kandidaten für die Rettungsgelder genannt worden sind.

In Wirklichkeit gibt es sogar die Hypothese, dass die französischen Politiker den Rettungsfonds entscheidend vorangetrieben haben, weil Frankreich den Fonds am Ende ebenfalls wird anzapfen müssen. Die deutsche Beteiligung am Fonds wird gegenwärtig immer noch gerichtlich angefochten und Umfragen zeigen, dass sich das Deutsche Volk mit der Vorstellung, das Vermögen Deutschlands der EU zur Zahlung der PIIGS-Renten zur Verfügung zu stellen, nur schwer abfinden kann.

Merkel hat aufgrund ihrer Unterstützung des EU-Rettungspakets bereits an politischer Macht eingebüßt, was mit Sicherheit auch der Hauptgrund dafür ist, dass Deutschland sich aktuell bezüglich weiterer Veränderungen des Rettungsfonds noch zurückhält.

Die Deutschen sind bezüglich dieses Themas gut informiert, was die Eurokraten alle gleichsam ärgern dürfte. Wir haben in der Vergangenheit bereits vielfach darauf hingewiesen, dass die Erweiterungspläne der EU in Zeiten einer Wirtschaftkrise bei Weiten reibungsloser vonstatten gegangen wären, würde es das Internet nicht geben.

Aber die Elite hat jetzt einen sehr schlechten Stand. Es ist ihr nicht möglich, das Internet direkt zu verbieten, da dies weder praktikabel noch bedacht wäre. Und dennoch: Mit jedem Tag, an dem sich dieses neue Kommunikationswerkzeug weiter ausbreitet, brechen die angstbasierten Propagandakampagnen der Elite weiter in sich zusammen.

Was Irland gerade tut, ist nichts weiter als ein Notbehelf. Zweifelsohne findet die Gelddruckerei aufgrund der Liquiditätskrise der EU und der offenkundigen Probleme statt, die zum Tragen kämen, würde man sich einfach am EU-Rettungsfonds bedienen.

Jetzt, wo Irland den Präzedenzfall geschaffen hat, müssen wir uns dennoch fragen, wer der nächste sein wird.

Werden auch die Griechen und die Portugiesen damit anfangen, einfach Euros zu drucken, wenn das EU-Rettungspaket nicht vergrößert wird oder sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern?

Was werden Deutschland und die anderen nördlichen EU-Länder von all dem halten? Derartige Aktionen könnten das moderne Grundprinzip der EU völlig untergraben. Das riecht alles sehr nach Hoffnungslosigkeit.

Es sollte an dieser Stelle jedoch auch noch Erwähnung finden, dass die Eurokraten ein starrköpfiger Haufen sind, die 50 Jahre in den Aufbau der EU und von Brüssel investiert haben und durchaus weiter in Richtung Integration marschieren könnten.

Laut der britischen Zeitung Guardian erklärte der französische Premierminister Francois Fillon jüngst: „…um den Euro zu konsolidieren, werden wir unsere Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik schrittweise harmonisieren müssen.“ Er fügte auch hinzu, dass sich Europa aktuell an einem „historischen Wendepunkt“ befände.

Wir können uns nicht vorstellen, dass sich die allgemeine europäische Öffentlichkeit ebenfalls für einen derartigen Schritt in Richtung einer weiteren Zentralisierung ausspricht – angesichts Brüssels antidemokratischer Logik bedeutet dies jedoch einfach nur, dass der Öffentlichkeit nicht das Recht eingeräumt wird, über dieses Thema abzustimmen. Das ist in der Tat echter Treibsand, um darauf eine supraregionale und integrierte Union zu errichten.

Schlussfolgerung: Hat der EU die Stunde geschlagen? Irlands Euro-Notfalldruckmaßnahmen sind vielleicht der erste Glockengong. Wir werden sehen, ob Europa das Läuten vernimmt.

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