Zombiestaaten: Zwischen Diesseits und Jenseits der Märkte

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.02.2011

Ähnlich wie bei Banken, die nur noch mit staatlichen Geldspritzen vor dem Exitus bewahrt werden, kann man auch von durch die Pleite bedrohten Staaten sprechen: Eigentlich wären sie schon längst kollabiert, würden sie nicht durch immer weitere Stützungsmaßnahmen am Schein-Leben erhalten. Der Begriff „Zombie“ passt also auch hier: ganzen Volkswirtschaften droht ein Dasein, das dem der Zombie-Banken sehr ähnlich ist – auch sie funktionieren nur noch dank der Hilfe von außen. Alleine wären sie nicht mehr lebensfähig.

Zombie-Banken zeichnen sich dadurch aus, dass sie überschuldet und nur noch mit staatlicher Hilfe vor dem Kollaps bewahrt werden können. Ihre Zukunft ist eigentlich inexistent, denn sie besitzen kein Kapital, um Investitionen zu tätigen. Potenzielle Geschäftspartner gibt es keine. Zudem strahlen sie eine ständige Gefahr für den helfenden Staat dar, weil sie ihre Funktion der Kreditvergabe nicht mehr erfüllen und die Stabilität der Finanzmärkte gefährden. Schlechte Voraussetzungen für ein Weiterleben – und doch scheuen sich Politiker, Banken dieser Art fallen zu lassen und ihrer Bestimmung zuzuführen, aus Angst vor der öffentlichen Schmach und der zu erwartenden Beunruhigung der Märkte. Es ist ein Leben zwischen Diesseits und Jenseits der Märkte, das die Zombie-Banken führen.

Momentan befinden sich einige Staaten der Euro-Zone in erschreckend ähnlichen Zuständen: eine kaum zu stemmende Verschuldung, Misstrauen der potenziellen Investoren und eine akute Bedrohung der Helfer sind die Kennzeichen eines Zombie-Staates. Ihre immensen Staatsdefizite werden durch Hilfskredite geradeso gebändigt, Maßnahmen wie Ausgabenkürzungen und höhere Steuern sollen ihren Teil beitragen, den Staat wieder funktionsfähig zu bekommen.

Das wird jedoch ein sehr schwieriges Unterfangen: Der Sparkurs und die Verunsicherung von Konsumenten und Investoren wirken negativ auf das doch so sehr erforderliche Wirtschaftswachstum. Das Geld flüchtet oder kommt erst gar nicht mehr, da weitere Verluste drohen. Zombie-Staaten drohen daher, in Lähmung zu verfallen – sie funktionieren nur noch in einem Stand-By-Modus.

Viele sprechen bereits von einem verlorenen Jahrzehnt, das vielen Staaten drohe – die allgemeine Unsicherheit über die nahe Zukunft dieser Länder wirkt wie ein Nervengift auf die betroffenen Volkswirtschaften. Ein Phase der wirtschaftlichen Stagnation droht der Eurozone, eine Stagnation, die sich wohl nicht auf die Länge von zehn Jahren festsetzen lässt, sondern die in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel unseres Finanzsystems und unseres Wirtschaftsgebarens münden wird. Ein Wandel, dem sich auch Deutschland nicht entziehen können wird.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Euro-Staaten einen klaren Schnitt machen werden und eine zwar schmerzhafte, aber nötige Operation vollziehen an den Staaten, die unter ihren Staatsschulden fast erdrückt werden. Anders werden diese Staaten nicht auf die Beine kommen können. Doch für eine derartige Entscheidung fehlen der Mut und die Courage, denn sie bedeutet das Schuldeingeständnis, dass eine Menge Geld verloren gegangen ist.

Wie folgenreich ein derartiges Geständnis sein kann, zeigte die rasante Abwahl der Regierungspartei nach dem Ausbruch der dortigen Schuldenkrise. Es ist also damit zu rechnen, dass die Taktik des Verzögerns um des Erhalts der Macht willen solange weitergeht, bis der Scherbenhaufen aus Schulden alles unter sich begräbt. Solange die Zombie-Staaten weiter durch die Euro-Zone geistern dürfen, wächst die Gefahr immer weiter, dass uns alles am Ende nur umso heftiger ins Chaos stürzen wird.

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