Staatschuldendebakel der westlichen Industrieländer: Die Unannehmlichkeiten fangen gerade erst an

Bob Chapman, The International Forecaster, 05.02.2011

Es wird davon ausgegangen, dass sich die Konjunktur in den von Finanzproblemen geplagten Eurozonenländern – Griechenland, Irland, Portugal, Belgien, Spanien und Italien – durch die Austeritätsmaßnahmen weiter abschwächt, während sie zur selben Zeit jedoch wettbewerbsfähiger werden sollen.

Angeblich will man mit den Austeritätsmaßnahmen eine schnelle Reduzierung des Schuldenüberhangs erreichen, was natürlich eine nicht zu bewerkstelligende Aufgabe darstellt. Auf der einen Seite hat man den Internationalen Währungsfonds, der Austerität fordert, und auf der anderen Seite die EU-Länder, die Wirtschaftswachstum wollen.

Die Probleme der südlichen Staaten Europas ähneln denen der Bundesstaaten und Gemeinden in den USA. Sie haben jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt, was von den Banken auch noch befördert wurde, die genau wussten, dass sie die vergebenen Kredite niemals hätten bewilligen dürfen. Sie können sich weder Geld drucken, um ihre Probleme zu lösen, noch sind sie in der Lage, schnell genug zu wachsen, um die aktuellen Schuldenstände zu bedienen, geschweige denn zusätzliche Schulden zur Ankurbelung des Wachstums.

Sie sind nicht in der Lage, ihre Geldmenge zu manipulieren, da sie keinerlei Kontrolle darüber haben. Sie haben auch keinen Einfluss auf die Zinssätze. Entweder sie finden eine Möglichkeit, ihre Schulden zu begleichen oder sie sind zahlungsunfähig. Die einzige andere Alternative besteht darin, dass sie irgendjemand finden, der ihnen Geld leiht. Gewöhnlich geschieht das dann aufgrund des Risikos für den Gläubiger zu höheren Zinssätzen. Es ist eine wirkliche Zwickmühle.

Jede Nation und jedes Bundesland verfügt über eine ganze Reihe eigener Probleme. Das offenkundigste war, dass sie über ihre Verhältnisse lebten. Einige verfügten über nicht wettbewerbsfähige Wirtschaften und einige litten unter einem einheitlichen Zinssatz – ein Sachverhalt, der arglose Länder verleitete, mehr Geld zu leihen, als sie sich eigentlich hätten leisten können. Einige Länder hatten Immobilien- und Aktienmarktblasen, einige hatten langsames Wachstum aufgrund ausbleibender Produktivitätszuwächse, einige eine geringe Sparquote oder eine Wirtschaft, die auf Kredite der Banker angewiesen war, die für die Kreditvergabe das fraktionale Reservesystem nutzten, und es damit irrtümlich zu weit trieben. So war es und so ist es auch immer noch.

Wir fragen uns, wie es sein kann, dass so viele Länder die gleichen idiotischen Sachen machten, und warum die Banker derart desaströse Niveaus der Fremdkapitalfinanzierung und der Kreditvergabe einsetzten. Sicherlich lässt sich dies nicht ausschließlich auf Gier oder Dummheit zurückführen. Die Banker sind nicht dumm.

Die Strategien, denen diese Länder folgten, wurden von der Federal Reserve und der City of London ausformuliert und dienen dazu, eine Krise zu schaffen, die am Ende zur Weltregierung führt. Das ist es, worum es bei der ganzen Orchestrierung in Wirklichkeit geht.

Während sich der Schuldenstand des US-Finanzministeriums immer weiter der Marke von USD 14 Billionen annähert, kommt erneut die Frage auf, ob der US-Dollar auch in Zukunft seine Rolle als die Weltreservewährung aufrecht erhalten kann. Die FED erklärt, dass sie bis April (oder ist es Juni?) USD 900 Milliarden ausgeben wird. Auf der anderen Seite zwitscherte es von den Dächern, dass die US-Notenbank in ihrer Mission, US-Staats- und Behördenanleihen zu finanzieren, bereits USD 1,7 Billionen ausgegeben hat.

Der US-Gemeindeanleihenmarkt wird – so wie wir es vor drei Jahren voraussagten – gerade abgeschlachtet. Die Renditen sind im Januar erneut um 0,3% gestiegen, nachdem sie im Oktober vergangenen Jahres einen mehrjährigen Tiefststand erreicht hatten. Das Programm mit den steuervergünstigten Gemeindeanleihen namens „Build America Bonds“ ist jetzt ausgelaufen, was die Gemeinden davon abhalten dürfte, weitere Anleihen zu verkaufen. Die Renditen werden in Zukunft bedeutend höher sein – und man nur noch sehr wenige Neuemissionen am Markt sehen.

In Kalifornien plant Gouverneur Jerry Brown die Steuern zu erhöhen, so wie es auch Illinois tat, aber diese schrecklichen Republikaner halten ihn davon ab, da jegliche Steuererhöhung in Kalifornien zuerst seitens des Steuerzahlers bewilligt werden muss.

Wie Ihnen bekannt ist, hat der Vorsitzende der US-Notenbank Ben Beranke eine Rettung der US-Bundestaaten und Gemeinden kategorisch ausgeschlossen. Darüberhinaus treibt der Elitist Newt Gingrich gerade eine Gesetzgebung voran, die es den Bundesstaaten ermöglichen würde, den Bankrott zu erklären. Das bedeutet, dass die Pensionsansprüche und andere Zuwendungen, zu deren Zahlung die Bundesstaaten und Gemeinden verpflichtet sind, einfach ausgelöscht würden.

Sollte der Eindruck entstehen, dass ein derartiges Gesetz den US-Kongress passiert, würde es zu einem erneuten Einbruch bei Schuldtiteln der Bundesstaaten und Gemeinden kommen, da die Anleger in diesem Falle Angst bekämen, dass die vollständige oder teilweise Zahlungsunfähigkeit eintritt.

In Europa haben die Chinesen klargemacht, dass sie europäische Staatsschulden kaufen. Im Ergebnis fielen die Renditen und der Euro legte eine Rally hin und stieg in kürzester Zeit von USD 1,30 auf USD 1,38. Die große Frage ist nun, wie viel die Chinesen künftig noch hinzukaufen werden und ob ihre Käufe überhaupt einen maßgeblichen Einfluss auf die Staatsschulden der Problemländer haben werden.

Wenn wir so darüber nachdenken, begreifen wir nun auch, warum Kanzlerin Merkel so vehement verkündete, dass Deutschland den Euro verteidigen würde. Sie muss gewusst haben, dass die asiatische Kavallerie im Anmarsch war.

Die Federal Reserve wurde 1913 per Gesetz ins Leben gerufen und hat es seit jener Zeit fertig gebracht, den Dollar durch die verschwenderische Ausgabe von Geld und Kredit um 95% abzuwerten. Der ausdrückliche Daseinszweck der FED war es, der Panik an den Märkten, der Depression, der Rezession und den Geschäftszyklen ein Ende zu bereiten. Nichts von dem hat sich erreicht – stattdessen ist die Kaufkraft des US-Dollars zerstört worden.

Diese Dinge sind weit davon entfernt, irgendetwas mit Stabilität zu tun zu haben. Wir fragen uns, was sich das US-Repräsentantenhaus und der US-Senat damals dabei gedacht haben muss, als sie eine derartige Gesetzgebung verabschiedeten, wo doch die US-Verfassung vorschreibt, dass Gold und Silber die einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel in den Vereinigten Staaten sind.

Deshalb war der US-Dollar bis zum 15.08.1971 ja auch goldgedeckt. Die Abkopplung vom Gold begründete sich durch die immer weiter anwachsenden US-Schuldenstände und das gleichzeitig bestehende Recht ausländischer Nationen, ihre durch Handel generierten Dollargewinne in Gold einzutauschen.

Daher ist die Federal Reserve Banknote nun auch eine reine Fiatwährung – die über keinen Wert bzw. keine andere Deckung als die Versprechungen einer Schar von Amerikanern und ausländischer Banker verfügt.

Nach unserem Dafürhalten bestanden niemals Zweifel daran, dass die US-Notenbank verfassungswidrig ist. Innerhalb der letzten 50 bis 100 Jahre hat es nur wenig Protest bezüglich dieser Verfassungswidrigkeit gegeben. In den letzten paar Jahren hat sich das geändert. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 70% der Amerikaner die FED abschaffen wollen.

Warum haben die Menschen so lange gebraucht zu begreifen, dass man hier einer Gruppe von Bankern die Lizenz zum Stehlen gab? Die Antwort darauf muss mangelnde Bildung sein. Es ist ein langer und harter Kampf gewesen, die Menschen darüber zu informieren, wie sie von einer Bande gewöhnlicher Verbrecher um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden.

Was das Volk immer noch nicht vollständig erfasst hat, ist, dass sie und ihr Land im Besitz dieser Banker sind. Erreichen tun sie dies, indem sie 95% der US-amerikanischen Gesetzgeber mit Wahlkampfspenden, Lobbyarbeit und unter Zuhilfenahme anderer gesetzeswidriger Methoden kaufen. Darüberhinaus kontrollieren sie die Konzerne, welche die Arbeitsplätze im Fertigungs- und Dienstleistungsbereich stellen.

Während sie Amerika über so viele Jahre hinweg finanziell kontrollierten, kontrollierten sie gleichzeitig auch den Bildungsprozess. Das ist einer der Gründe, warum nicht über die wirkliche Aufgabenstellung der Federal Reserve gesprochen wird: Die vollständige Kontrolle der amerikanischen Gesellschaft.

Die FED kontrolliert das Geldsystem und spielte bei der Akkumulation von Schulden durch die US-Regierung eine entscheidende Rolle. Sie tut dies, indem sie US-Staats- und Behördenanleihen aufkauft. Das Defizit der US-Regierung dürfte sich zu Ende des Fiskaljahres 2011 am 30.09.2011 auf über USD 2 Billionen belaufen.

Was die meisten Investoren jedoch nicht begreifen, ist, dass die Regierung bei den eigenen Finanzzahlen keinen GAAP-Buchhaltungsstandard verwendet, so wie es börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen abverlangt wird. Die Firmen müssen ihre Bar- und Sachverluste als Verbindlichkeiten in der Bilanz ausweisen. Auf die Regierung umgemünzt hieße dies, dass hier zusätzlich noch nicht finanzierte Verbindlichkeiten wie Sozialhilfe, Rentenzahlungen und Ansprüche aus der staatlichen Krankenversicherung in Höhe von bis zu USD 105 Billionen hinzukämen.

Unglücklicherweise beläuft sich die Finanzierungsrate der FED aktuell auf rund 0%. In 2003 lag sie aus denselben Gründen wie heute – zur Ankurbelung der Wirtschaft – bei 1%. Wenn man Zinssätze von 0% und eine Schaffung bedeutender Mengen an Geld und Kredit zusammennimmt, dann bekommt man eine katastrophale Giftmischung. Das sieht man sehr schön an der Dot.com- und der Immobilienblase. Aufgrund dessen viel der Nettowert der Amerikaner während dieses Zeitraums auch gleich mal um 9%.

Wir schrieben bereits in der Vergangenheit, dass die Wirtschaft und die Bärenmarktrally, in der wir uns gerade befinden, am Ende zusammenbrechen werden. Nur Geduld.

Ja, es ist auch richtig, dass wir uns zu keinem Zeitpunkt aus der Rezession befreien konnten. Das bedeutet, dass man heute zwei Gehälter benötigt, um auf dieselbe Kaufkraft zu kommen, welche die Menschen im Jahre 1971 besaßen. Diese Tatsache wird von der Regierung durch die Veröffentlichung gefälschter Statistiken zum Verbraucherpreisindex, Herstellerpreisindex, zu den Lebenshaltungskosten und der Beschäftigung absichtlich verschleiert. Wir ersparen Ihnen die Details, der Begriff „betrügerisch“ sagt alles.

Die Regierung erklärt, die Inflation läge gemäß dem Verbraucherpreisindex bei 1,5% – wir sagen, sie liegt bei 6,75%. Die Regierung erklärt, dass die U6-Arbeitslosigkeit bei 16,9% liegt – wir sagen bei 22,25%. Wir verlieren also jedes Jahr 7% an Kaufkraft. Daher handelt es sich ja auch bei Denjenigen, die 10-jährige US-Staatsanleihen mit einem Zinssatz von 3,5% kaufen, um absolute Verlierer.

Die Quintessenz des Ganzen ist, dass die Regierung das System eigentlich bereinigen müsste, was sie jedoch nicht tun wird. Das Spiel und die Profite sollen solange als möglich aufrechterhalten werden, so dass man das amerikanische Volk maximal ausplündern kann.

Die USA verfügen nun jedoch nicht mehr über die Wahlalternativen, wie dies noch im Jahre 1982 der Fall war, als die USA der größte Kreditgeber auf dem Planeten waren. Heute sind die Vereinigten Staaten der größte Kreditnehmer der Welt, dessen Schulden sich auf 89% des Bruttosozialprodukts belaufen. Steigende Zinssätze werden da auch nicht helfen, außer sie steigen auf 25% bis 30% und es geht ein wirklicher Reinigungsprozess damit einher. Das ist es, was das System wirklich braucht, aber die Mächtigen sind nicht bereit, dies zu tun. Daher werden wir eine über Jahre anhaltende Depression erleben.

1968 und 1980 stieg die Inflation, Gold, Silber und Aktien stiegen ebenfalls. Dieses Mal wird es jedoch weit höherer Zinssätze bedürfen, um die Inflation zu stoppen. Darüberhinaus könnte es sogar zur Hyperinflation kommen, sollte es eine dritte Runde der quantitativen Lockerung durch die Federal Reserve geben, mit der weitere USD 2,5 Billionen ins System gepumpt würden.

Es dürfte auch nicht mehr allzu lange dauern, bis 25% der US-Steuereinnahmen alleine nur für Zinszahlungen auf Staatsschulden aufgewendet werden müssen. Die Zinssätze sind gerade auf dem Weg nach oben, und diese Zahlen könnten sich im Verlaufe der kommenden Jahre noch deutlich verändern.

Die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe ist bereits von 2,2% auf 3,64% gestiegen. Ja, die Zinssätze steigen, und das obwohl die US-Notenbank massiv langfristige US-Schuldtitel aufkauft.

Die Raten werden also langsam ansteigen, um die künstlich niedrigen Zinssätze und die ungehemmte Ausgabe von aus dem nichts geschaffenen Geld und Kredit, mit denen die FED die Wirtschaft vom Zusammenbruch bewahrte, wieder auszugleichen.

Es gibt Schätzungen, die besagen, dass wir in 2 bis 3 Jahren Zinssätze in Höhe von 10% sehen werden. Wir gehen davon aus, dass dies davon abhängt, wie viel Liquidität innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre ins System gepumpt wird. Die Unannehmlichkeiten haben gerade erst begonnen.

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