Der Große Bernanke: Einige Preise lässt er steigen, andere bleiben unten

Die US-Notenbank trägt die Verantwortung für die Preisexplosion bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln

Wealth Cycles, 04.02.2011

Bei den Vorsitzenden der Federal Reserve gibt es eine lange Historie, wenn es um geheime, sorgsam ausgearbeitete Verlautbarungen und das völlige Ausbleiben von Transparenz geht. Es ist daher auch nachvollziehbar, dass Bernankes jüngste „Pressekonferenz“ beim National Press Club in Washington mit Spannung erwartet wurde.

Nach der Rede von Bernanke durften ihm die Journalisten Fragen stellen. Das, was eine großartige Gelegenheit für Pressevertreter hätte werden können, Bernanke einige harte Fragen über die dubiosen Geschäfte der FED zu stellen, wirkte am Ende dann doch eher so, als hätte man Bernanke bereits vorgefertigte sanfte Fragen serviert.

Eine Frage stach jedoch heraus. Der Vorsitzende des National Press Club fragte Bernanke, ob das Aufkaufprogramm der Federal Reserve irgendetwas mit den weiter zunehmenden politischen Unruhen in Ägypten und in anderen Teilen der Welt sowie den steigenden Nahrungsmittelpreisen zu tun habe, die sich aktuell laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen auf einem Allzeithoch befinden. (Die entsprechende Stelle finden Sie ab der 28. Minute im der C-SPAN-Aufzeichnung.)

Bernanke schlug zurück und behauptete, dass die steigenden Nahrungsmittelpreise weder etwas mit der zweiten Runde der quantitativen Lockerung noch mit anderen Stützungsmaßnahmen der US-Wirtschaft durch die Federal Reserve zu tun haben.

Laut Bernanke haben die steigenden Nahrungsmittelpreise in den Schwellenmärkten vielmehr mit der Zunahme wirtschaftlichen Wohlstands und dem Wunsch nach höherwertigen Nahrungsmitteln zu tun. Er behauptete, die steigenden Nahrungsmittelpreise seien das alleinige Problem der Schwellenmärkte:

„Ich denke, dass es absolut unfair ist, der US-Geldpolitik den überschüssigen Nachfragedruck in den Schwellenmärkten zuzuschreiben, da die Schwellenmärkte all die Werkzeuge haben, die sie brauchen, um die überschüssige Nachfrage in diesen Ländern anzugehen.“

Im Grunde heißt das, dass sie halt einfach damit zurechtkommen müssen.

Vielleicht weiß Helikopter-Ben einfach nicht, dass das Ägyptische Pfund an den Dollar gekoppelt ist. Wenn der Dollar fällt, dann fällt auch das Ägyptische Pfund. Vielleicht hat er keine Ahnung davon, dass diese Währungsbindung damit zusammenhängt, dass die Vereinigten Staaten der größte Exportmarkt Ägyptens sind.

Das bedeutendste ägyptische Exportgut ist Öl. Der Preis von Öl wird in US-Dollar ausgewiesen. Ließe Ägypten eine Aufwertung seiner Währung zu, würden die Einnahmen aus dem Ölexport dadurch praktisch geschmälert. Es hätte auch zur Folge, dass alle ägyptischen Exportartikel teurer würden, auch der Tourismus würde teurer.

Aber die FED behauptet, sie sei für diese Preise nicht verantwortlich.

Andererseits nimmt Bernanke den Anstieg der Preise bei Vermögenswerten wie dem Aktienmarkt sowie die Minderung der „Volatilität“ dieser Märkte voll für sich in Anspruch. Volatilität ist ein in diesem Zusammenhang weithin verwendetes Synonym für Risiko.

Also ist Beranke irgendwie in der Lage Währung zu schaffen, die einige Preise steigen lässt und andere hingegen nicht. Ach ja, und machen Sie sich bloß keine Sorgen – er kann auch kontrollieren, welche Preise steigen!

Der weit gefasste US-Aktienmarktindex S&P 500 ist seit der Verkündung der zweiten Runde der quantitativen Lockerung durch Bernanke um 17,5% gestiegen. Die im CRB-Rohstoffindex erfassten Rohstoffe sind während desselben Zeitraums um 18,8% gestiegen. Ja, die Aktienpreise sind gestiegen, doch stellt man sie den Rohstoffpreisen gegenüber, haben sie an Wert verloren.

Es ist einfach irre zu glauben, die Federal Reserve und Ben Bernanke könnten kontrollieren, welche Preise steigen und welche nicht. Darüberhinaus ist es eine Beleidigung der Intelligenz der freien Märkte, wenn er solche Machtansprüche anmeldet.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Nicht die Nahrungsmittelpreise steigen, die Fiatwährungen brechen zusammen
  • Die Hungerrevolten im Nahen Osten und dem Rest der Welt, können zu einer extremen Schwächung des Dollar-Systems führen. Die ägyptische Geldinflation der vergangenen 15 Jahre zeigt, wie die Währungsabwertung die ärmsten Bevölkerungsschichten am härtesten trifft, und sie der Möglichkeit beraubt, sich vernünftig zu ernähren
  • Aus den ägyptischen Aufständen Lehren ziehen: 10 Dinge, die passieren, wenn Gesellschaften zusammenbrechen
  • Eines Tages wird die Weltwirtschaft vollständig in sich zusammenbrechen, aber nur die wenigsten Menschen bereiten sich darauf vor. Die Aufstände in Ägypten in der vergangenen Woche zeigen, wie tiefgreifend gesellschaftliche Umwälzungen sein und wie rasch sie eintreten können und welche Probleme dabei auftreten
  • Katastrophale Finanzblasen soweit das Auge reicht
  • Bernanke beharrt darauf, dass sein „QEwigkeit“ nicht inflationär sei. Als Beweis dafür, zieht die Fed lächerliche Inflationsindikatoren heran, bei denen die steigenden Nahrungsmittel- und Energiepreise einfach ausgeblendet werden. Doch worüber Bernanke nicht spricht, ist die Inflation bei Rohstoffen und Realwerten.
  • Hyperinflation: Die EZB und die FED spielen mit dem Feuer
  • Die mächtigsten Zentralbanker der Welt bestreiten einen Zusammenhang zwischen den explodierenden Nahrungsmittelpreisen und der Politik des leichten Geldes. Die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve werden die Zinsen trotz stark steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise weiter auf Rekordtiefstständen halten – eine Entscheidung, die sich für die Währungsstabilität des Euros als der finale Sargnagel erweisen und die
  • Globaler Inflationsschock: Preisexplosionen bei Lebensmitteln halten an
  • Die Welt steht vor einer globalen Nahrungsmittelkrise. Einige Beobachter rechnen bereits in 2010 und 2011 mit Verknappungen essentieller agrarwirtschaftlicher Produkte. 75% aller Hungertoten auf dem Planeten sind Kinder, die ihr 5. Lebensjahr nicht erreichen. Schuld daran tragen vornehmlich die skrupellosen Zentralbanken, welche die Gelddruckmaschinen auf Hochtouren laufen lassen, und die nicht minder psychopathische Politiker-Mafia, die