Hyperinflation: Die EZB und die FED spielen mit dem Feuer

Die mächtigsten Zentralbanker der Welt bestreiten einen Zusammenhang zwischen den explodierenden Nahrungsmittelpreisen und der Politik des leichten Geldes. Die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve werden die Zinsen trotz stark steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise weiter auf Rekordtiefstständen halten – eine Entscheidung, die sich für die Währungsstabilität des Euros als der finale Sargnagel erweisen und die Preisinflation extrem anheizen könnte

The Daily Bell, 04.02.2011

„Die Europäische Zentralbank (EZB) ist das strategische Risiko eingegangen, dass es sich bei den gegenwärtigen starken Preisanstiegen bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen nicht um eine Wiederholung des Inflationsvirus der 70er Jahre handelt und diese ohne Geldverknappung wieder abflauen werden.

Jean Claude Trichet erklärte, dass das Anspringen der Inflation in der Eurozone auf 2,4% ein ´kurzfristiger` Effekt steigender Energie- und Rohstoffkosten ist…

Dennoch ist es ein riskanter Schritt, zu einer Zeit, wo gerade ein mächtiger neuer Zyklus des weltweiten Wachstums im Anmarsch sein könnte und der ganze Rohstoffbereich in Flammen steht. Die März-Kontrakte für Brent Rohöl sprangen am Donnerstag mit USD 103 pro Barrel auf ein Zweijahreshoch, während die Tonne Kupfer die Marke von USD 1.000 durchbrach und Baumwolle den höchsten Preis erzielte, seit die US-Konföderation ihre Exporte während des Bürgerkriegs im Jahre 1860 einstellte.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erklärte, ihr Index der weltweiten Nahrungsmittelpreise habe im Januar ein neues Rekordhoch erreicht, während der Landwirtschaftsindex von Goldman Sachs seit Juni um 90% gestiegen ist.“ UK Telegraph, 03.02.2011

Vorherrschendes gesellschaftliches Thema: Wir handeln verantwortungsvoll. Sicherlich könnte dies zur Hyperinflation führen, aber das ist nicht unsere Schuld.

Freimarktanalyse: Die Entscheidungen von Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet, die steigenden Rohstoffpreise zu ignorieren und die Zinssätze niedrig zu halten, könnten den finalen und ausschlaggebenden Fehler des jüngsten katastrophalen Zyklus des Zentralbankwesens darstellen.

Wenn die Geldgeschwindigkeit weiter zunimmt, könnte man den Spitzenbankern durchaus anlasten, dass sie das System absichtsvoll destabilisieren. Derartige Maßnahmen grenzen an Waghalsigkeit. Trichet riskiert mit diesem Schritt, dass es zu einer gravierenden Preisinflation, wenn nicht gar zu einer Hyperinflation kommt.

Die Zentralbanken haben bisher zwischen USD 20 Billionen und USD 50 Billionen in die Weltwirtschaft gepumpt, ein Versuch, die Wirtschaften, die im Jahre 2008 zusammenbrachen, konjunkturell wiederzubeleben. Wenn dieses Geld jedoch erst einmal zu zirkulieren beginnt, muss es ganz zwangsläufig zu einer Preisinflation kommen, außer es wird den Märkten schnellsten wieder entzogen.

Die Zentralbanker haben in der Vergangenheit fortwährend behauptet, dass die überschüssige Währung von den größeren Wirtschaften abgezogen werden könne, noch bevor sie inflationären Schaden anrichtet. Trichets Entscheidung zeigt jedoch, wie schwierig es in Wirklichkeit ist, bereits „gedruckte“ Währung wieder aus dem System abzuziehen. Letztendlich handelt es sich beim Zentralbankwesen um eine Kunst und nicht um eine Wissenschaft.

Jeder der mächtigen Zentralbanker – sei es nun Trichet oder Bernanke – hat die Befugnis, eigenständige Entscheidungen zu treffen, wenn es darum geht, unter Zuhilfenahme verschiedener Aufkaufstrategien Währung aus dem System abzuziehen.

Wir wiesen jedoch bereits vielfach darauf hin, dass das Problem dieser Strategieansätze darin besteht, dass es in Wirklichkeit gar keine mathematische Gleichung gibt, die darüber Auskunft geben würde, wann derartige Maßnahmen zu ergreifen sind. Dieser Sachverhalt wird noch zusätzlich durch die Fragestellung erschwert, wie viel Geld zu viel ist.

Es gibt keine wissenschaftliche Methode, um festzustellen, wie viel Geld eine Wirtschaft benötigt. Es gibt keine wissenschaftliche Methode herauszufinden, wann man Geld aus dem System abziehen muss. Fakt ist, wenn Inflation zu einem sichtbaren Problem wird, ist es wahrscheinlich schon zu spät. Daher ist es auch so wichtig marktwirtschaftliches Geld zu nutzen, so wie es die Ökonomen der österreichischen Schule fordern.

Sind bei einem marktwirtschaftlichen Banken- und Geldsystem zu viel Gold und Silber in Umlauf – was den Preis des Geldes absenkt – sorgen vermehrtes Horten und Minenschließungen dafür, dass Geld dem Geldkreislauf entzogen wird. Steigen die Preise wieder, nimmt auch das Horten ab und das Geld zirkuliert wieder.

Beim Zentralbankwesen hingegen wird das Geld vor marktwirtschaftlichen Einflüssen geschützt. Es kommt zu Preisfestlegungen und Mutmaßungen. Die Ergebnisse sind am Ende immer katastrophal.

Trotz der Hinweise, dass die Preisinflation gerade zunimmt, scheinen die zwei mächtigsten Zentralbanker der Welt – Trichet und Bernanke – diesen Sachverhalt einfach zu leugnen. Die Financial Times meldete, dass Bernanke jüngst energisch bestritt, dass die FED-Strategie des superleichten Geldes irgendetwas mit den weltweit steigenden Nahrungsmittelpreisen zu tun habe. Die Financial Times zitiert Bernanke mit (den nach unserem Dafürhalten rätselhaften) Worten:

„Ich denke, dass es absolut unfair ist, der US-Geldpolitik den überschüssigen Nachfragedruck in den Schwellenmärkten zuzuschreiben, da die Schwellenmärkte all die Werkzeuge haben, die sie brauchen, um die überschüssige Nachfrage in diesen Ländern anzugehen.“

Darüberhinaus erklärte Bernanke laut der Financial Times, dass die steigenden Nahrungsmittelpreise in den Schwellenländern das erhöhte Bevölkerungswachstum vor Ort widerspiegeln würden und in einigen dieser Länder auch auf das Versagen zurückzuführen seien, die Inflation entsprechend anzugehen. Die Zeitung San Francisco Chronicle führte aus, Bernanke

„würde die Zentralbank-Strategie des leichten Geldes in nächster Zeit nicht zurückfahren, und das obwohl man davon ausgeht, dass die Regierung am Freitag bei den Arbeitsplätzen positives Wachstum vermeldet. ´Bis wir nicht eine anhaltende Periode stärkeren Arbeitsplatzwachstums sehen, können wir nicht davon ausgehen, dass die Erholung wirklich Fuß gefasst hat.` so Bernanke. Obwohl es den Eindruck macht, als hätte sich die Erholung in den letzten Monaten verstärkt, ´geschieht dieses Wachstum nicht schnell genug.`“

Bernankes starrköpfige und arrogante Einstellung im Hinblick auf die steigenden weltweiten Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise wird durch sein europäisches Gegenüber noch untermauert. Laut der Zeitung Telegraph versucht Trichet gerade die Erwartungen der Märkte im Zaum zu halten, nachdem diese bereits im Januar als Reaktion auf seine Kommentare zwei Mal Zinserhöhungen mit eingepreist hatten.

Und worüber macht sich Trichet am meisten Sorgen? Offensichtlich darüber, dass es im Rahmen der irischen Bankenkrise zu riesigen Einlage-Abflüssen aus dem irischen Bankensystem kommen könnte.

Aktuell findet ein praktisch ungebrochener Run auf die irischen Bankinstitutionen statt, der darauf hindeutet, dass es tiefgreifende Besorgnisse über die EU-Entscheidungen gibt. Eine Anhebung der Zinssätze (eine Reduzierung der Liquidität) würde Sorgen Irlands nur noch verstärken.

Der Telegraph berichtete, die Strategie der EZB – die steigenden Preisanstiege im Rohstoffbereich einfach zu übergehen – würde dazu führen, dass die EZB nun immer mehr in die Nähe der Bank of England und der US-Notenbank rückt, deren Maßnahmen sich stärker an der Kerninflation orientieren, bei der Nahrungsmittel- und Energiekosten keine Berücksichtigung finden.

Und während sich die zwei mächtigsten Zentralbanker der Welt dafür entscheiden, die Preisinflation zum Wohle des Wirtschaftswachstums und der Schaffung von Arbeitsplätzen einfach zu ignorieren, drängt der Präsident der Weltbank der Vereinten Nationen, Robert Zoellick, wieder einmal darauf, „Maßnahmen gegen die steigenden Nahrungsmittelpreise“ zu ergreifen.

„Die Welt ist mit einem größeren Trend steigender Nahrungsmittelpreise und Rohstoffpreise konfrontiert, und mehr Länder sollten sich der Notwendigkeit gewahr werden, die Preisschwankungen einzudämmen…“ schreibt Reuters.

Reuters meldet, dass Zoellick die G20-Führer von Berlin aus während einer Telefonkonferenz dazu aufforderte, das Problem der „Nahrungsmittel zuerst aufzugreifen“, da die starken Preisanstiege sowie die zunehmende Volatilität die Armen bedrohe und die Inflation in den Entwicklungsländern, hauptsächlich in Asien, anheize. „Wir werden mit einem größeren Trend steigender Rohstoffpreise konfrontiert sein, auch steigender Nahrungsmittelrohstoffpreise. Dies kann für Druck sorgen, aber auch Möglichkeiten eröffnen.“ so Zoellick.

Aufgrund von Nahrungsmittelaufständen kommt es im Nahen Osten und Afrika gegenwärtig bereits zu Beben. Dennoch können wir beobachten, wie die westlichen Vertreter des Zentralbankwesens leugnen, dass es hier ein Problem gibt. Diese Leugnungen sind notwendig, da die westlichen Länder wirtschaftlich immer noch viel zu schwach und zerbrechlich sind, als dass man die Zinssätze anheben oder auf andere Art Liquidität abziehen könnte.

Würde man eine straffere Geldpolitik verfolgen, stünden die Chancen wohl recht gut, dass die Beschäftigung weiter zurückginge und jegliche Zeichen aufkommender Erholung wieder verschwänden.

Die westlichen Zentralbanker sind offensichtlich besorgt darüber, dass die westlichen Wirtschaften wieder in eine schwere Rezession zurückfallen könnten – die dann im Ergebnis zu Bürgerunruhen führt, so wie wir sie im Nahen Osten beobachten konnten.

Trotz der überwältigenden Beweise, dass die Währung gerade damit beginnt, in Umlauf zu gelangen, und sich die Geldumlaufgeschwindigkeit in gefährliche Bereiche aufmacht, wird es hier seitens der Zentralbanker im Grunde genommen eine politische Erklärung geben, um so zu verhindern, dass den überhitzten Wirtschaften Geld entzogen wird.

Normalerweise wären das lediglich schlechte Neuigkeiten – aber angesichts der Menge an überschüssigem Geld, das sich gegenwärtig im System befindet, handelt es sich um ein höchst gefährliches Spiel der Zentralbanker, ein Spiel mit der Hyperinflation.

Die Preisinflation ist schon eine lustige Sache. Hat sie erst einmal ihren Lauf genommen, wirkt sie selbstverstärkend. Die Geldumlaufgeschwindigkeit nimmt dann immer mehr zu, da die Menschen lieber heute kaufen, als morgen eine Abwertung hinnehmen zu müssen.

Ja, und es gibt eine wirkliche Ursache für Preisinflation: Eine sich ausdehnende und zirkulierende Geldmenge sowie psychologische Gründe, welche die Situation rasch verschlimmern können, wenn die Zentralbanker nicht schnell gegensteuern. Natürlich lehrt uns die Geschichte, dass es für die Zentralbanker praktisch unmöglich ist, dies zu bewerkstelligen.

Schlussfolgerung: Es gibt alle möglichen Gründe, auf die Preisinflation erst dann zu reagieren, nachdem diese schon lange zu beißen begonnen hat. Die Hyperinflation, bei der es fast täglich zu dramatischen Preissteigerungen kommt, stellt für jede auf Fiatgeld basierende Wirtschaft die absolute Katastrophe dar. Sie ruiniert die Sparer und macht das Investieren und das industrielle Wachstum praktisch unmöglich.

In dem nun vorliegenden Fall, ist der Schaden durch die Gelddruckerei so ungeheuerlich, sind die damit einhergehenden Gefahren so offenkundig, dass es fast so scheint, als würden die Spitzenbanker des Westens ihre entsprechenden Wirtschaften absichtlich destabilisieren. In diesem Falle wäre die Frage: „Warum?“

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