Staatschuldenkrise: Sie verkaufen jetzt besser all Ihre Staatsanleihen!

Die westlichen Regierungen stehen nun am Rande des Staatsbankrotts. Naturgemäß werden die Staaten rücksichtslos alle ihnen zur Verfügung stehenden propagandistischen und juristischen Machtmittel einsetzen, um das Gros der Bevölkerung vom Gegenteil zu überzeugen. Die USA machen dabei den Vorreiter. Als Investor sollten Sie nun bei jedweder Form von Staatsschulden extreme Vorsicht walten lassen

Martin A. Armstrong, MartinArmstrong.org, 15.02.2011

„Hoheitliche Immunität“ ist ein Begriff, der gegenwärtig bei der Diskussion über Staatsschulden fällt. Die Schuldenkrise ist mittlerweile so schlimm geworden, dass es in Washington bereits Gespräche darüber gibt, ob man das Insolvenzrecht nicht ändern sollte, um es den einzelnen US-Bundesstaaten auf diese Art zu erlauben, den Bankrott zu erklären und die Zahlung gegenüber den Anleihehaltern auszusetzen.

Gevatter Tod spielt nun sein Geigenlied und pirscht sich an alle Regierungen heran, was nur natürlich ist, da sie doch allzu sterblich sind. Doch wie kann es im „öffentlichen Interesse“ sein, die Zahlungsunfähigkeit zu erklären?

Die Anleiheauktion des US-Bundesstaats New Jersey, bei der Gemeindeanleihen in Höhe von USD 2,9 Milliarden zu vergeben waren, wurde mit USD 800 Millionen unterzeichnet. Der Gouverneur erklärte den Bürger, dass der Bundesstaat vor dem Bankrott stünde, außer es würden weitreichende Reformen eingeleitet. Die offizielle Verschuldung von New Jersey beläuft sich aktuell auf USD 32 Milliarden. Hier kommen noch nicht finanzierte Pensionsverbindlichkeiten von New Jerseys Staatsbediensteten in Höhe von USD 54 Milliarden und nicht finanzierte Krankenkassenleistungen in Höhe von USD 67 Milliarden hinzu.

Auch andere US-Bundesstaaten und europäische Länder haben mit derartigen Folgen der Krise zu kämpfen. Die US-Regierung hat sich selbst derart viel Geld für ihre Regierungsangestellten bewilligt, dass sie wohl tatsächlich davon ausgegangen ist, das Problem würde entlang des Weges schon irgendwie angegangen werden. Doch dieser Weg stellt sich nun als Sackgasse heraus.

Der US-Kongress spricht nun darüber, ob man es den Bundesstaaten erlauben sollte, in die Insolvenz zu gehen. Das ist eine Frage des Rechts – die einzelnen Bundesstaaten können nicht pleite gehen. Aber zumindest wäre es eine Alternative zu einer weiteren Runde gigantischer Rettungspakete seitens der Bundesregierung. Was die meisten jedoch nicht begreifen, ist, dass die Chancen, eine solche Gesetzgebung in aller Öffentlichkeit zu verabschieden, praktisch bei Null liegen.

Der 11. US-Verfassungszusatz gewährt den einzelnen Bundesstaaten hoheitliche Immunität, was bedeutet, dass keine Klagen gegen sie vorgebracht werden können. Wenn man es den Bundesstaaten erlaubte, die Zahlungsunfähigkeit auszurufen, um so Rettungsmaßnahmen seitens der Bundesregierung zu vermeiden, hätte man im Endeffekt ein verfassungsrechtliches Problem.

Aber allein schon die Tatsache, dass dieser Umstand überhaupt diskutiert wird, ist eine eindringliche Bestätigung und Warnung vor der Staatschuldenkrise!

Bedauerlicherweise bricht gegenwärtig die gesamte Welt an ihren Fugen auseinander, während unsere großartigen Politiker immer noch versuchen, uns an der Nase herumzuführen und uns weiszumachen, dass wir immer so weitermachen könnten wie bisher.

In Wirklichkeit befinden wir uns jedoch am Rande eines tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandels, und es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die versuchen uns Glauben zu machen, dass hier kein unglaublich böses Monster unter dem Bett auf uns warten würde. Also, träumen Sie süß, die Regierung wird das Licht jedenfalls nicht anlassen.

Es gibt keine Möglichkeit, die gigantischen Defizite der einzelnen Regierungen zurückzufahren. Am Ende werden die Kosten für das fortwährende Überrollen der Kredite die gesamten Staatseinnahmen verschlingen, was im Klartext heißt, dass es kein Entrinnen gibt. Ein Freund von mir arbeitet im US-Kapitol und ließ mich wissen, dass es in Washington auch nicht den Ansatz einer Lösung gäbe, außer es käme zu einer bedeutenden Krise. Dann, und nur dann, würde man das Thema angehen.

Die US-Regierung befindet sich schlichtweg in einem Zustand des Verleugnens. Seit 1896 sind die USA aufgestiegen, damals waren sie ein Pleiteland, und dann kam es 2008, also exakt 112 Jahre später, zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Die US-Regierung wird jeden einsperren, ermorden und diskreditieren, ja alles Erdenkliche mit wem auch immer machen, der es wagt, die Wahrheit zu sagen – da gibt es überhaupt keinen Unterschied zu den Angriffen, unter denen die Presse jüngst in Ägypten zu leiden hatte.

Die Regierung ist genauso rücksichtslos wie immer, ganz entgegen dem, was sie zu sein vorgibt. Bei der Regierung geht es immer um das Eigeninteresse derer, welche über die Macht verfügen, an der Macht zu bleiben.

Im Ergebnis gibt es dann auch nicht viel, was wir tun können, um diesen Irrsinn Einhalt zu gebieten. Sicher, jeder Dreijährige mit Taschenrechner kann den Sachverhalt erfassen und ausrufen: Auweia! Aber warum erhebt sich dann niemand und hilft dem Volk, seine Zukunft zu bewahren?

Die amerikanische Presse berichtet nur über isolierte Ereignisse, ist jedoch außerordentlich zurückhaltend, wenn es darum geht, eine Analyse abzuliefern, bei der all diese Fakten zusammengeführt werden. So berichtete die Financial Times beispielsweise über die gescheiterte Anleiheauktion von New Jersey und die Gespräche des Kongresses bezüglich einer möglichen Insolvenz einzelner US-Bundesstaaten.

Aber warum gibt es keine Medienberichterstattung, wo all diese Fakten zusammengeführt werden und man sich der offenkundig existierenden Problematik der Staatsschuldenkrise annimmt?

Nun ja, dazu müssen Sie wissen, dass die USA die Pressorganisationen einschüchtern, genauso wie wir es in Ägypten beobachten konnten. Hier in den USA wird dies hinter den Kulissen mithilfe von Telefonaten erledigt und mit Methoden ähnlich denen in Russland, wo man den Direktor von Jukos einfach erneut für ein anderes Verbrechen aburteilte.

Die USA besitzen zahlreiche politische Gefangene und sie werden exakt dasselbe tun wie die Russen: Sie werden mithilfe des Strafgesetzes jeden verfolgen, der nicht den Wünschen der Regierung nachkommt. Die Regierung kontrolliert die Presse, indem sie den Nachrichtenagenturen droht. Wenn das nicht mehr funktioniert, kann sie immer noch jeden mithilfe von steuerrechtlichen Straftatbeständen verfolgen.

Es gibt keine Regierung, die sich davor fürchten würde, ihre Macht zur Verteidigung der eigenen Interessen einzusetzen. Der einzige Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Gründungsvater besteht darin, wer gewinnt.

Jefferson ist ein Gründungsvater der USA, weil Amerika gewann. Die Briten wussten, dass er eine Unabhängigkeitserklärung verfasst hatte und sandten daher Truppen aus, um ihn hängen zu lassen. Er entkam nur knapp. Auch Ben Franklin wurde in England vor Gericht gestellt, was bei ihm dann zu einem Sinneswandel führte, so dass er von einem Unterstützer des Königs zu einem Unterstützer der Unabhängigkeit wurde.

John Stuart Mill schrieb in seinem Klassiker „Über die Freiheit“: „Wir sollten uns nicht einreden, dass wir bereits frei von dem Schandfleck der rechtlichen Hetzjagd seien.“ [Oxford World Classics, 1998, S. 34]

Der angesehene Historiker Christopher Hibbert führt in seinem Buch „Wurzeln des Bösen“ aus, wie die Regierungen das Strafrecht zum Zwecke politischer Verfolgung einsetzen, also genauso wie man es in Russland beim dem Direktor von Jukos tat:

„…Männer und Frauen wurden aus Fanatismus oder Überzeugung in Kriminelle verwandelt, und sie wurden mit aller Grausamkeit verfolgt, da sie eine Bedrohung für die politischen und religiösen Institutionen darstellten.“ (1963, Litte Brown & Co, S. 23)

Der 5. US-Verfassungszusatz, das Recht zu Schweigen, war ein Recht, für dessen Erlangung viele ihr Leben lassen mussten. Im 17. Jahrhundert wurde John Lilburn von der britischen Krone angeklagt, weil er Flugblätter verteilt hatte, in denen er sich gegen die Regierung aussprach. Die Anklage lautete auf Aufruhr und Volksverhetzung.

Lilburn sprang während des Gerichtsprozesses auf und beschämte die korrupten Richter und die gesamte Regierung mit den Worten:

„Ein weiteres grundlegendes Recht, für das ich damals stritt, war, dass das Gewissen keines Menschen durch Eide gepeinigt werden sollte, die es ihm auferlegen, Fragen zu beantworten, welche ihn selbst bezüglich krimineller oder vermeintlich krimineller Angelegenheiten betreffen.“ Miranda vs. Arizona, 384 US 436,459 (1966)

Das traurige an der ganzen Sache ist, dass wir der amerikanischen Presse nicht trauen können, solange es keine wirkliche Freiheit gibt – aber es wird auch keine wirkliche Freiheit geben, bis man der Regierung das Recht entzogen hat, gegen einzelne Personen strafrechtliche Anklagen vorzubringen.

Wenn es wirklich ein Problem gibt, dass strafrechtlich zu klären ist, dann muss das vermeintliche Opfer die Vorwürfe selbst vorbringen. Dann, und nur dann, werden wir auch etwas Freiheit haben, anstatt dass das Strafrecht in den Händen der Regierung ruht, was immer in einer legalen Hetzjagd mündet. Das heißt, dass das Gesetz immer dazu verwendet werden kann, der Presse zu drohen, sie einzuschüchtern und von ihr zu verlangen, dass sie nur über die Seite berichtet, welche die Regierung ihre Bürgern vermitteln will.

Das ist auch der Grund dafür, warum es in der arabischen Welt für die Bevölkerungen keine wirkliche Freiheit gibt – ganz egal, ob sie von nun einer Militärregierung unterdrückt werden oder ob ihnen eine religiöse Führerschaft die Glaubensfreiheit untersagt.

Die US-Regierung steht am Rande des Zusammenbruchs. Da es keinen Ausweg gibt, werden sie solange kämpfen, bis der letzte Tropfen Blut vergossen wurde. Doch wenn das Ganze vorbei ist, wird die Möglichkeit bestehen, eine neue Form der Regierung zu schaffen und dieser vorgeblich republikanischen Regierungsform ein Ende zu bereiten, die in Wirklichkeit nichts weiter als eine exekutive/richterliche Form diktatorischer Oligarchie mit sich bringt.

Es ist für unser Überleben von entscheidender Bedeutung, dass wir begreifen, wie das Gesetz über lange und oftmals verrückte Zeiträume der Geschichte hinweg angewandt worden ist. Zu Zeiten von König Salomon war es die Pflicht des Königs, private Streitigkeiten beizulegen. Wenn also eine Frau, die das Baby einer anderen Frau gestohlen hatte, vor ihm stand, gab die richtige Mutter das Recht an ihrem Kind erst dann auf, wenn der König erklärte, dass er das Kind ansonsten in der Hälfte durchschneiden lassen würde.

Selbst im antiken Athen war es so, dass die einzigen Straftaten, die seitens der Regierung verfolgt werden konnten, Handlungen waren, die sich direkt gegen die Regierung oder die Götter richteten. Wenn jemand eine andere Person umbrachte, dann war die Familie des Opfers verpflichtet eine Anklage vorzubringen, nicht der Staat. Ein solches Prozedere wurde erst im Jahre 1215 durch die Magna Charta in Großbritannien ins Leben gerufen und stellte eine Methode dar, mit welcher der König in der Lage war, Geld zu machen.

Der König nahm damals den Standpunkt ein, dass ein privater Streit zwischen zwei Personen seinen eigenen Frieden stören und ihn somit verletzten würde, was ihm wiederum dazu berechtigt, eine Strafverfolgung einzuleiten und bezüglich des Schadensersatzes für seinen gestörten Frieden Strafzahlungen zu erheben.

Ja und genau hierin liegt auch das Problem. Die US-amerikanische Verurteilungsrate an Bundesgerichten liegt bei 99%, weil man als Angeklagter in Wirklichkeit über keine Rechte verfügt und die Bundesrichter mehr oder weniger einhellig zugunsten der Regierung urteilen. Diese Entwicklung begann in den 80er Jahren – davor lag die Verurteilungsrate bei 72%, und das ist wahrscheinlich sogar als korrekt anzusehen.

Doch wenn die Richter nur zugunsten der Regierung urteilen, dann gibt es auch keinen Anreiz irgendeinem Gesetz Folge zu leisten. Und wenn alle Staatsanwälte und Richter über absolute Immunität verfügen, dann steht dies darüberhinaus auch noch im direkten Widerspruch zur US-Verfassung, in der es heißt, dass die Bundesstaaten der Anwendung des Gesetzes auf ehrliche und redliche Weise Folge zu leisten haben und ihr Mandat nur der Wahrung des Wohlverhaltens dient. Ist dem nicht so, dann grassiert die Korruption.

Die Quote für Schuldeingeständnisse an Bundesgerichten beläuft sich ebenfalls auf 98,5%. Nehmen wir den großen Fall bezüglich des Insiderhandels. Das Wall Street Journal schreibt in aller Offenheit, dass die Regierung nun auch Familienmitglieder verfolgen würde, um ihr Zielobjekt so zu zwingen, die Schuld auf sich zu laden, und jedwede Gerichtsverhandlungen zu vermeiden.

Schuldeingeständnisse sollten verfassungswidrig sein, da durch die Androhung eines doppelt bis 5-fach so hohen Strafmaßes Geständnisse erpresst werden. Wenn man vor ein US-Bundesgericht kommt, ist man also bereits abgeurteilt worden.

Und sollte die Jury dann doch einmal in 1 von 10 Fällen den Angeklagten freisprechen, dann wird der Betroffene immer noch so bestraft, als sei er schuldig. Warum? Weil die Bundesrichter sich sagen, dass alleine der Umstand, von einer Jury freigesprochen worden zu sein, noch lang nicht heißt, dass man auch unschuldig ist. Die Regierung konnte in einem solchen Falle lediglich nicht ohne Ausräumung aller berechtigten Zweifel beweisen, dass man tatsächlich schuldig ist.

Daher kann man in Amerika an einem US-Bundesgericht aktuell auch niemals freigesprochen gesprochen werden, da die Jury überhaupt nicht in der Lage ist darüber zu befinden. Die Jury kann lediglich feststellen, dass man unter den Beweisstandards nicht ausreichend schuldig ist. Somit kann die Regierung niemals falsch liegen – und das ist der traurige Zustand von Amerika.

Das ist es, was Amerikas Zukunft verbaut. Es sorgt dafür, dass die Korruption weiter fortbestehen bleibt und kein Bürger das Recht hat, Klage gegen irgendeinen Regierungsvertreter vorzubringen. Die Richter und Staatsanwälte haben sich somit selbst mit absoluter Immunität gekrönt, während der Bürger kein Recht hat, irgendwelche Anklagepunkte vorzubringen, selbst wenn der Staatsanwalt die Frau eines US-Bürgers vergewaltigt und seinen Hund erschossen hat. Nur wenn die Regierung eine strafrechtliche Verfolgung dieses Staatsanwaltes wünscht, wird es zu einem Verfahren kommen.

Solange in diesem Bereich keine Reform durchgeführt wird, gibt es auch keine Möglichkeit in anderen Bereichen, die für unsere Zukunft von Bedeutung sind, Reformen durchzuführen, da die Regierung genau weiß, dass der gewöhnliche Bürger keinerlei Macht besitzt, um gerichtlich gegen Regierungsvertreter vorzugehen.

Wie soll es denn eine freie Presse geben, solange die Regierung über die Macht verfügt, jeden zu jeder Zeit für allesmögliche strafrechtlich verfolgen zu können?

Die Regierung muss wieder in ihre ursprüngliche Form zurückversetzt werden. Sie muss der wirkliche unparteiliche Schiedsrichter sein, der in der Mitte eines Streits steht und die Probleme löst.

Wenn die Regierung das Strafrecht nutzen kann, um die eigene Korruption zu verschleiern und die Presse davon abzuhalten, über die Wahrheit zu berichten, dann haben wir ein Riesenproblem. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Regierung zu reformieren, da wir ohne eine wirkliche Reform auch keine Zukunft haben werden.

Die Regierung wird sich nicht einfach so von der Macht lossagen, da es immer um ´die Regierung gegen das Volk` und niemals um ´die Regierung des Volkes` geht.

Der Generalinspektor sollte eigentlich die Rolle des alten römischen Tribuns einnehmen, der das Volk verteidigte und jeden in der Regierung anklagen konnte, der nicht seinem Eid folgte, die Verfassung zu verteidigen. Und warum ist dies zum jetzigen Zeitpunkt von derart immenser Bedeutung? Weil wir uns nun in einer Staatschuldenkrise befinden, und die Regierungsvertreter sich darüber im Klaren sind, dass sie strafrechtlich für die Vernichtung unserer Zukunft nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.

Die traurige Wahrheit dieses ganzen Schlamassels ist, dass die Probleme lösbar wären, wenn die Regierung sich auch nur einen Deut um die Zukunft scheren würde. Wir müssen uns mit diesem unsinnigen Versteckspiel befassen, und damit, dass die Regierung umherrennt und irgendwelche Hedge Fonds Manger aufgrund von Insiderinformationen anklagt, was einfach nur lächerlich ist. Selbst in den meisten Handbüchern der Wall Street Banken wird erklärt, dass man lediglich mit Mitarbeitern aus der 3. Reihe zu sprechen braucht und sich den Rest dann selber zusammenreimen kann. Vielmehr sollten wir uns mit den wirklichen Problemen beschäftigen und unser aller Zukunft retten.

Die Netto-Realität

Die Nettorealität bleibt weiterhin unverändert. Wie ich in meinem Buch „Der größte Bullenmarkt in der Geschichte“ anhand der ganzen Staatsbankrotte des Jahres 1931 veranschaulichte, waren die Nettokapitalflüsse zu jener Zeit sehr interessant, um es mal nett auszudrücken.

Die Investments flohen aus allen Regierungsschulden, wozu auch Schulden der US-Regierung, der einzelnen US-Bundesstaaten sowie Gemeindeanleihen gehörten. Die Renditen von Unternehmensanleihen sanken im Verhältnis zu den Renditen von Regierungsschulden, weshalb die Gelder aus dem staatlichen Bereich in private Vermögenswerte flohen. Dies entspricht auch der krassen Realität, mit der wir jetzt konfrontiert sind. Seien Sie bezüglich jeglicher Form von Staatschulden extrem vorsichtig!

Aufgrund dieser aktuellen Entwicklung werden wir auch einen Anstieg am Aktienmarkt und einen Anstieg bei den Rohstoffen erleben.

Die Inflationsauswirkungen mit einer Anhebung oder Senkung des Zinssatzes zu bekämpfen, funktioniert schlichtweg nicht. Bei der Inflation handelt es sich um eine Glockenkurve und empirisch konnte man hier noch nie etwas eindämmen. All der Unsinn bezüglich der Verwaltung einer Wirtschaft und bezüglich der FED, die in der Verantwortung ist, das ist nichts weiter als dummes Gerede.

Unter keinerlei Umständen sind Zinssätze ein fundiertes Werkzeug zur Verwaltung einer Wirtschaft. Die hierzu vorgebrachten Theorien sind einseitig. Nehmen wir Japan. Die Japaner senkten die Zinssätze praktisch auf Null, und dachten sich dabei, dass dies indirekt die Wirtschaft beleben würde. Das Problem bei dieser Theorie ist nur, dass sie vergessen hatten, dass die Älteren das Einkommen aus den Zinssätzen zum Überleben benötigten.

Die älteren Japaner waren die einzige gesellschaftliche Klasse, die in der Rezession noch als Käufer agierte, da diese Menschen keine eine Angst darum haben mussten, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Die Zinssätze auf Null zu senken, hat ihnen schwer geschadet und ihre benötigte Kaufkraft in dieser entscheidenden Phase verringert – ja, das ist ungefähr so, als würde man Leerverkäufe verbieten.

Inmitten einer Panik agieren nur Leerverkäufer am Markt, da sie so Profite einstreichen können. Als der US-Kongress in den 30er Jahren eine Untersuchung der Praktiken bei den Baissespekulationen einleitete, hörten die Leerverkäufe sofort auf, da jeder Angst hatte, strafrechtlich dafür verfolgt zu werden. Das Ergebnis: Der Markt brach ein, weil keine Kaufkraft mehr vorhanden war.

Das einzige, was man mit der Herabsetzung des japanischen Zinssatzes auf Null erreichte, bestand darin, dass nun in Yen Kredite aufgenommen wurden, die man dann in US-Dollars reinvestierte (Yen-Carry-Trade), was bezüglich der Ankurbelung der inländischen Wirtschaft jedoch überhaupt nichts brachte.

Die USA machen nun denselben katastrophalen Fehler. Wenn man die Entwicklung des Zinssatzes und der Aktien graphisch darstellt, fällt einem sofort auf, dass der Zinssatz in Aktien-Bullenmarktphasen ansteigt, diese gemeinsam mit der Wirtschaft nach oben gehen.

Als die Federal Reserve den Zinssatz im Jahre 1981 auf 17% anhob, begriffen sie nicht, dass dieser aus zweierlei Gründen ansteigt.

1. Wenn ein Land in Schwierigkeiten steckt und dann auch noch Ängste im Hinblick auf Zahlungsausfälle hinzukommen. Dies zwingt zu einem höheren Zinssatz, um die Erwartungen einer Abwertung mit einzupreisen. Wir sahen diesen Zinsanstieg in den europäischen Staaten, die als notleidend erachtet wurden.

2. Die Zinsanhebung zur Bekämpfung von Inflation ist für die Regierung unglaublich teuer. Darüberhinaus wird hierdurch eine strukturelle Inflation in Gang gebracht, die bei weitem schlimmer ist, als ein kurzfristiger Anstieg der Preise, wie beispielsweise der damalige von OPEC angefachte Preisanstieg beim Rohöl.

Damals gingen sie davon aus, dass ein niedrigerer Zinssatz die Inflation anheizen würde, obwohl die Regierung in Wirklichkeit Billionen US-Dollars an Staatsschulden eingespart hätte, wäre der Zinssatz einfach unten geblieben. Die ganze Art, wie die Regierung auf ein Problem schaut, ist einfach nur gehirnlos. Sie haben einfach vergessen, dass sie sich selber ebenfalls Geld leihen müssen. Wie dumm muss man sein, um so etwas abzuziehen?

Die Zinssätze sind nun wieder im Steigen befindlich, da wir auf eine weltweit steigende und außer Kontrolle geratende Staatverschuldung blicken. Für das heutige Geld, wir man zum Zeitpunkt, wo die Staatschulden wieder zurückgezahlt werden, nicht mehr denselben Betrag an Waren und Dienstleistungen bekommen – da ist es völlig unerheblich, welche Zahlen der Verbraucherpreisindex ausweist.

Die Bekämpfung der Inflation kann sich in der Tat als sehr schwieriges Unterfangen erweisen. Wir haben ein Problem, wenn eine Zinserhöhung die vermeintliche Nachfrage nach neuen Krediten vermindern soll, diese Zinserhöhung jedoch genauso gut dazu führen kann, dass die Lager- und Unternehmenskosten steigen, was die Inflationsrate dann trotzdem anwachsen lässt.

In Wirklichkeit handelt es sich bei der Manipulation der Zinssätze um eine indirekte Methode, zu versuchen, dass die Wirtschaft etwas anderes tut, als diese eigentlich zu tun gedenkt. Unser Problem ist somit auch recht einfach. Wenn man versucht, die Zinssätze künstlich niedrig zu halten, um so vorzugeben, man würde die Wirtschaft dadurch ankurbeln, könnte dies schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen, und es könnte darüberhinaus dazu führen, dass diejenigen, welche die Zinssätze von Staatsanleihen im Blick haben, zu der Meinung gelangen, das Risiko sei größer als die Rendite, und dann einfach nicht mehr mitbieten. Dann haben wir dasselbe Resultat wie in New Jersey, wo nicht genügend Gebote für die Schuldenauktion eingingen.

Ein anderer subtiler Trend, der darauf hinweist, dass wir in echten Problemen stecken, ist die Tatsache, dass Europa nun damit begonnen hat, Anleihen mit 50-jähriger Laufzeit auf den Markt zu bringen, was die USA wiederum dazu veranlasste, Anleihen mit 100-jähriger Laufzeit aufzulegen. Das machen sie, weil sie Angst haben, Angst, dass sie eines Tages überhaupt keine Bieter mehr finden.

Das ist die Netto-Realität! Wir tanzen mit Gevatter Tod und sein Gefiedel wird schon bald aufhören. Sie verkaufen jetzt besser all Ihre Staatsanleihen!

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