Ist Silber immer noch günstig?

Ist es ratsam, Silber für USD 30 pro Unze zu kaufen?

Jeff Clark, Casey Research, 22.02.2011

Der Silberpreis hat seit dem 28.01.2011 um 27% zugelegt – für schlappe 16 Handelstage ist das ein riesiger Zugewinn. Silber ist in 2010 bereits im Preis explodiert und wurde voriges Jahr noch für unter USD 16 pro Unze gehandelt. Es kam hier also zu einer Preisverdopplung innerhalb der vergangenen 12 Monate. Ist Silber teuer oder sollten wir den Preisanstieg einfach ignorieren und weiter zukaufen?

Ich habe ein paar Artikel gelesen, in denen gesagt wurde, dass man mit einem Rückgang des Silberpreises auf ein Niveau von USD 25 rechnen müsse. Ein Bericht verwies sogar auf die Marke von USD 22. Andere sind natürlich in ihrer Einschätzung bei Weitem optimistischer und gehen davon aus, dass der Kurs auch kurzfristig weiter zulegen wird. Und selbst von denen, die behaupten, Silber würde im Preis fallen, geht der größte Teil davon aus, dass dies nur vorübergehend sei. Nun ja, ein Autor behauptete, der Edelmetallbullenmarkt sei vorbei. Ich glaube das ist so ein Verweigerer der „Gold ist in einer Blase“-Fraktion.

Bezüglich eines kurzfristigen Preisrückgangs könnten diese Autoren durchaus Recht haben, wobei ich mir weniger Sorgen darum mache, was der Preis diesen Monat oder gar die nächsten Monate tun wird. Ich konzentriere mich eher darauf, wie die wahrscheinliche Entwicklung des Silberpreises in den nächsten paar Jahren ausfallen wird.

Warnung: Die nachstehende Grafik könnte Begeisterung auslösen.

Während es eine Menge von Gründen gibt, bezüglich der Entwicklung von Silber positiv gestimmt zu sein, will natürlich in Wirklichkeit jeder wissen, wie hoch der Silberpreis gehen könnte. Hier ist ein kleiner Hinweis, der ausschließlich mit der historischen Preisentwicklung in Zusammenhang steht:

Zum Vergrößern anklicken.

Silber stieg von November 1971, als sich der Preis auf USD 1,32 pro Feinunze belief, bis zu seinem Preishoch von USD 49,45 pro Feinunze im Jahre 1980 um 3.646%. Der aktuelle Silberpreisanstieg beläuft sich mit Stand zum 04.02.2011 auf 596%. Bei einem Silberpreis von USD 30 müsste Silber noch um das Fünffache steigen, um an die Preisentwicklung des letzten großen Bullenmarkts heranzureichen. Sollte dies der Fall sein, würde Silber von seinem Tiefststand von USD 4,30 am 30.03.2001 auf USD 160,89 pro Unze klettern.

Wie aus der Grafik ebenfalls ersichtlich ist, hat Silber Gold in dem früheren und jetzigen Bullenmarkt in der Preisentwicklung überflügelt. Obwohl Silber im Jahre 2008 einen Preisrückgang in Höhe von 26,9% zu verkraften hatten (während Gold um 5% zulegte), hat das weiße Metall seinen gelben Bruder in seiner Gesamtentwicklung seit 2001 um 38,6% überflügelt.

In den 70er Jahren stieg der Goldpreis um 2.333% – aktuell beläuft sich dieser Preisanstieg auf 430%. Sollte die Goldpreisentwicklung des letzten Edelmetallbullenmarkts bei Gold wiederholt werden können, würde man auf einen Höchstpreis von USD 6.227,26 pro Unze erzielen, was einer Rendite von 450% entspräche, würde man heute kaufen.

Alleine aus historischer Preisperspektive legt die oben stehende Grafik nahe, dass Silber und Gold bei ihrer Preisentwicklung noch einen langen Weg vor sich haben. Die Frage ist, ob die zu Grunde liegenden Fundamentaldaten, derartige Preisanstiege überhaupt rechtfertigen. Wenn Sie mir einen gesunden US-Dollar zeigen und darlegen können, dass von der Inflation keine Gefahr ausgeht, können wir gerne hierüber sprechen.

Worauf ich hier eigentlich hinaus will, ist, dass wir also bereits einen Präzedenzfall vorliegen haben, wo die Preise für diese Edelmetalle noch wesentlich stärker gestiegen sind. Darüberhinaus ist es wichtig, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Also ja, ich kaufe Silber für USD 30 pro Unze – was zum Teil auf meine Auffassung zurückzuführen ist, dass die möglichen Zugewinne sehr hoch ausfallen können. Dafür räume ich aber nicht mein gesamtes Bankkonto. Ich bin der Meinung, dass es für Edelmetallinvestoren wichtig ist, dass sie immer am Spiel partizipieren können. Angesichts der Volatilität von Silber und der gefährlichen Natur, welche die meisten Märkte zurzeit aufweisen, gebietet die Vorsicht, dass man sich für später noch etwas Pulver aufhebt.

Sagen wir einmal, dass einer dieser oben aufgeführten Wahrsager Recht hat, und der Silberpreis fällt zwischenzeitlich auf USD 25 zurück. Würde man Silber zu einem Preis von USD 25 kaufen, läge die Rendite am Ende bei 543%, sollte sich die Entwicklung des letzten Edelmetallbullenmarkts in Zukunft wiederholen. Im Gegensatz dazu läge der Zugewinn bei 436%, wenn man Silber bei USD 30 kaufen würde (abzüglich der Aufschläge beim Kauf und der Lagerkosten). Wir sprechen hier also von mehr als 100% des Zugewinns der ursprünglichen Kaufsumme.

Aber wie kann man überhaupt Silber kaufen, wenn man nicht weiß, ob der Preis fallen oder stark steigen wird? Silber könnte beispielsweise vom jetzigen Niveau aus immer weiter ansteigen, so dass der Silberpreis nie wieder zur Marke von USD 30 zurückkehrt, was dazu führt, dass diejenigen, die auf einen Abverkauf des Marktes gewartet haben, mit leeren Händen zurückbleiben. Silber könnte auch auf USD 25 sinken und die Investoren würden es dann bedauern, dass sie nicht auf einen besseren Preis gewartet haben. Silber könnte sich genauso gut auch seitwärts bewegen, sagen wir, bis nächsten Herbst, was die Strategien beider Gruppen auf gewisse Weise obsolet machen würde.

All diese verzwickten Fragen können meiner Meinung nach mit einem einzigen Wort beantwortet werden. Einem Wort, dass alle Probleme aus dem Weg schafft, einem am Markt Teilhaben lässt, während man gleichzeitig die Möglichkeit hat, bei niedrigeren Preisen zu kaufen, sollten diese denn kommen. Es räumt einem die Möglichkeit ein, seine Position immer weiter auszubauen, ohne dass man sich dabei Sorgen machen muss, ob man günstig gekauft hat.

Und dieses Wort ist ein Verb und heißt „anhäufen“ – oder wie es in den 80er Jahren durch die Gemeinde der Finanzplaner unter den Leuten Verbreitung fand auch „Kostendurchschnittsverfahren“.

Mit anderen Worten: Man kauft jetzt ein wenig, nächsten Monat wieder ein wenig usw. bis man eine im Umfang ausreichend große Position hat, um die Inflation bekämpfen zu können oder sich anderen wirtschaftlichen Mühsalen entgegenzustellen, denen wir wahrscheinlich innerhalb der nächsten paar Jahre begegnen werden.

Mein Ratschlag ist daher: Kaufen, halten und das Ganze dann wiederholen. Sollte die aktuelle Kursentwicklung bei Silber am Ende so aussehen wie der linke Balken in der Grafik, könnte es sein, dass Sie es bereuen werden, nicht bei USD 30 gekauft zu haben.

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