Peter Schiff: Silber schlägt Gold

Peter Schiff, Europacmetals.com, 02.03.2011

In der Welt der Edelmetalle verbringt Silber immer eine ganze Weile im Schatten seines großen Bruders Gold.

Gold hat mit seiner hohen Wertdichte und dem charakteristischen gelben Glanz stets einen besonderen Platz in der menschlichen Psyche eingenommen. Für zahlreiche Menschen aller Altersgruppen ist Gold ganz einfach die ultimative Form von Geld – und als langfristiger und stabiler Wertspeicher für die persönlichen Ersparnisse ist Gold, das muss ich zugeben, kaum zu schlagen.

Dennoch bin ich angesichts der seltenen Umstände, die aktuell zusammenkommen, der Meinung, dass Silber als der wahre Sieger aus diesem Bullenmarkt hervorgehen wird.

Was treibt die Edelmetallpreise?

Gold und Silber profitieren beide von einem sich gerade zusammenbrauenden Sturm – einer Verkettung unglücklicher Umstände.

Die Dollarentwertung hat zur Folge, dass ein Großteil der „Zugewinne“, die wir bei Gold und Silber beobachten können, in Wirklichkeit lediglich Verluste von Leuten darstellen, die US-Dollars halten. Mit anderen Worten: Wenn Ihr US-Dollar 50% an Wert verliert, brauchen Sie auch doppelt so viel davon, um sich eine Unze Gold zu kaufen.

Aber für Edelmetallrally gibt es noch mehr Gründe als einfach nur die Inflation. Die Edelmetalle etablieren sich wieder als ultimative Reservebestände. Das bedeutet, dass aktuell bei weitem mehr Menschen Gold und Silber kaufen und halten, als dies zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen 30 Jahren der Fall gewesen ist.

Ein weiterer Faktor, der hierbei eine Rolle spielt, ist der Aufstieg der Schwellenländer und der Niedergang der Industrieländer. Während sich Milliarden armer Asiaten, Afrikaner und Südamerikaner gerade aus ihrer Armut befreien und die Vorzüge der freien Marktwirtschaft zu schätzen lernen, versinken die USA in Armut, da diese Werte hier abgelehnt werden.

Diese Entwicklung führt dazu, dass es für Schmuck, Münzen, Barren und Industrieprodukte, für deren Herstellung man Edelmetalle benötigt, mittlerweile eine atemberaubende Zahl neuer Kunden gibt – und dass die US-Bürger immer weniger in der Lage sind, diese neuen Kunden mit ihren US-Dollars auszustechen.

Silber steigt schneller

Würde die Welt vollständig zur Hölle fahren, so würde ich davon ausgehen, dass sich Gold besser entwickelt als Silber. Da es jedoch ausschließlich die Industrieländer sind, die gerade in die Pleite schlittern – wobei die USA die einzige Nation sind, die vor einer wirklichen Katastrophe stehen – konnten wir auch beobachten, wie sich Silber in den vergangenen 8 Jahren besser entwickelte als Gold.

Obwohl aktuell Unsicherheit vorherrscht, verraten uns die Märkte, dass die Weltwirtschaft auch in den kommenden Jahren weiter wachsen wird. Während Gold den Investor am wirksamsten vor wirtschaftlicher Zerstörung schützt, bietet Silber ein Schutzschild vor monetären Verwerfungen und eröffnet einem zur selben Zeit die Möglichkeit, an dem Wachstum der Märkte teilzuhaben.

Der wichtigste Aspekt: Die industrielle Nachfrage

Das hängt damit zusammen, dass Silber ein Edelmetall wie auch ein Industriemetall ist. Gold ist hauptsächlich ein Edelmetall, Kupfer ist hauptsächlich ein Industriemetall – Silber beeindruckt jedoch durch eine feine Ausbalancierung beider Kategorien. Und es scheint so, als würde dieser geschichtliche Augenblick der Doppelrolle von Silber perfekt entgegenkommen.

Es bestehen also nicht nur die Aussichten auf einen Zusammenbruch der internationalen Geldordnung, sondern wir befinden uns aktuell auch dem langanhaltendsten Industrialisierungsprozess, den die Welt jemals erlebt hat.

Während in vergangenen Epochen Holz, Stahl oder Öl die allerwichtigsten Rohstoffe gewesen sind, ist es heute Silber, das in allen Produkten, die wir schätzen und lieben gelernt haben, Verwendung findet: iPhones, Flachbildfernseher, Batterien, Solaranlagen usw.

Asien – das neue Herz der Weltwirtschaft – häuft gerade Gold an, während es Silber verbraucht. Das macht beide Metallen zu guten Wetten, verleiht Silber jedoch einen gewissen Vorsprung.

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Zukunft von einer fortwährenden Versorgung mit Silber abhängig ist. Diese wachsende Nachfrage spiegelt sich auch in den jüngsten Zahlen: Die weltweite Silbernachfrage liegt aktuell bei 890 Millionen Feinunzen pro Jahr, während sich die aktuelle jährliche Silberminenproduktion auf rund 720 Millionen Feinunzen beläuft. Silber muss gegenwärtig also recycelt werden, um die Differenz ausgleichen zu können.

Im Gegensatz zu Gold, das dazu neigt in Form von Münzen und Schmuck erhalten zu bleiben, landen große Mengen an Silber einfach auf den Müllhalden. Dort geht es im Grunde genommen auf immer verloren.

Solange die Schwellenmärkte ihren marktwirtschaftlichen Entwicklungstrend fortsetzen und die Verbraucher auf der ganzen Welt weiterhin Computer, Elektronik und grüne Technik kaufen, sollte auch Silber immer knapper und somit auch immer wertvoller werden. Ich glaube, dass dies ziemlich sichere Annahmen sind.

Kann die Welt ohne die USA wirtschaftlich prosperieren?

Natürlich kann die Welt auch ohne die USA wirtschaftlich erfolgreich sein, und wenn mir jeder darin zustimmen würde, dann wäre Silber heute bereits hunderte US-Dollar pro Unze wert und es könnten bei Silber überhaupt keine Gewinne mehr realisiert werden. Glücklicherweise gibt es jedoch eine ganze Reihe von Buhmännern in den Finanzmedien, die der Mehrheit der Investoren Angst einjagt und diese von Silberinvestments abhält.

Zunächst einmal sind einige Analysten – gesegnet seien sie – immer noch der Meinung, dass sich die USA gegenwärtig wirklich in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaftserholung aufmachen würden. Nachdem sie bereits von der Dot.com-Blase und später von der Immobilienblase an der Nase herumgeführt wurden, sind sie nun wieder alle an Bord, wenn sich der US-Staatsanleihen-Express in Richtung der nächsten Blase aufmacht.

Bedauerlicherweise ist es aber – genauso wie in den zwei vorangegangen Fällen – so, dass die aktuell niedrigen Zinssätze lediglich eine zu Grunde liegende Wirtschaft verbergen, die heute in weiten Teilen sogar noch stärker verrottet ist, als dies bereits vor zehn Jahren der Fall war. Die US-Arbeitslosenrate ist der entscheidende Hinweisgeber, dass Bernankes Wundermedizin dieses Mal nicht funktionieren wird.

Eine zweite Gruppe geht davon aus, dass die US-Wirtschaft zum Scheitern verdammt ist, glaubt aber immer noch, dass diese den Rest der Welt mit in den Abgrund reißen wird. Das ist die Denkschule, die trotz unserer anhaltenden Leistungsbilanzdefizite und der gigantischen Auslandsverschuldung immer noch der Meinung ist, dass die Weltwirtschaft den US-Verbraucher als treibende Wachstumskraft „brauchen“ würde.

Ich hatte bereits in meinem Buch „Wie eine Wirtschaft wächst und warum sie zusammenbricht“, ausgeführt, dass dies ungefähr so ist, als würde der Sklavenhalter einer Plantage behaupten, die Sklaven bräuchten ihn, um die Früchte ihrer Arbeit genießen zu können, oder weil sie ansonsten nichts anderes mit sich anzufangen wüssten.

Nun ja, die Ergebnisse sprechen für sich: Nach einem anfangs einsetzenden Panikansturm auf in Dollar denominierte Vermögenswerte befinden sich die Schwellenmärkte nun wieder in ihrer starken Wachstumsphase, während die USA immer noch vor sich hindümpelt.

Silber während eines Zusammenbruchs des US-Dollars

Die USA haben ihre Zeit an der Spitze der Welt verbracht, und wie bei einem Hollywood-Star ist uns dieser Status nun zu Kopf gestiegen ist. Und genauso wie es auch bei einem Star der Fall ist, werden uns die Fans ganz schnell vergessen, wenn wir erst einmal aus dem Rampenlicht treten, um uns mit unserer heftigen Sucht nach Party und billigem Geld zu beschäftigen.

Wenn Sie das nächste Jahrzehnt in den USA überleben wollen, dann werden Sie Vermögenswerte brauchen, die weltweit nachgefragt werden und im Inland über kein Ausfallrisiko verfügen.

Ich hatte jüngst ein Interview für eine Doku, in der es um das Leben in Amerika im Jahre 2019 geht. Die Prämisse des Films ist, dass die Inflation ungezügelt grassiert, die Wirtschaft in Trümmern liegt und überall Gruppen entstehen, die all ihre Geschäfte mit Silbermünzen abwickeln. Während ich die zeitliche Einschätzung des Films für durchaus großzügig erachte, dürfte es sich hierbei jedoch um ein ziemlich akkurates Bild handeln, wenn es darum geht zu beschreiben, was uns in Zukunft erwartet.

Es ist also nicht so, dass der Wert von Silber nur aufgrund der Auslandsnachfrage steigt, während es in Ihrem Safe schlummert, sondern Silber liegt auch in Einheiten vor, die für gewöhnliche Handelsgeschäfte einfach ideal sind. Mit drei Unzen Silber kann man sich Lebensmittel kaufen, die für eine Woche reichen. Versuchen Sie im Gegensatz dazu einmal Lebensmittel im Wert von einer Unze Gold zu kaufen und diese aufzubrauchen, bevor sie schlecht werden. Natürlich gibt es auch sehr kleine Goldmünzen und Goldbarren, aber diese werden mit sehr hohen Aufschlägen gehandelt.

Von uns musste bisher niemand über diese Dinge nachdenken, aber in der Geschichte der Menschheit ist dies überhaupt nichts Ungewöhnliches. Schon bald wird das Wissen über Edelmetalle zu den Überlebensfähigkeiten gehören, genauso wie man weiß, wie man ein Rad wechselt.

Der goldene Schnitt

Ich erkläre unseren Investoren immer, dass sie mindestens 5% bis 10% ihres Portfolios in physische Edelmetalle investieren sollten. Wie hoch dabei der Anteil von Silber ausfällt, hängt im Grunde genommen davon ab, wie hoch die Risikobereitschaft des Anlegers ist. Silber neigt dazu, volatiler zu sein als Gold. Silberinvestoren müssen daher die Disziplin mitbringen, ihre Bestände nicht gleich beim ersten Anzeichen einer Korrektur wieder zu veräußern.

Bei einem gewöhnlichen Portfolio empfehle ich in der Regel ein Gold/Silber-Verhältnis von 2:1. Aggressivere Investoren können dieses Verhältnis auch auf 1,5:1 oder noch stärker zugunsten von Silber drücken.

Seit Jahresbeginn ist Silber 5% stärker gestiegen als Gold, und ich rechne damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Es ist wichtig zu begreifen, dass Silber in dieser sich schnell verändernden Welt nicht mehr länger der Zweitplatzierte ist.

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