Eric Sprott: Das Märchen von der Goldblase

Aktuell werden rund 0,7% aller weltweiten Finanzvermögenswerte in Gold gehalten. Und da die Wenigsten in Gold investiert sind, kann auch von einer Blase noch keine Rede sein

Eric Sprott & Andrew Morris, Sprott.com, 13.03.2011

Der fortwährende Aufstieg von Gold innerhalb der letzten 10 Jahre konnte nicht davor schützen, dass das gelbe Metall zum Gegenstand von Kontroversen geworden ist. Obwohl Gold Jahr für Jahr praktisch gegenüber allen Währungen fortwährend Zugewinne verbuchen konnte, stellen einige Marktexperten immer noch die Frage, ob Gold überhaupt als Vermögensklasse erachtet werden kann.

Ja, es ist wahr: Gold zahlt keine Zinsen und ein Großteil des Goldes, das in der Geschichte der Menschheit gefördert wurde, existiert auch heute noch in irgendeiner Form. Aber diese Eigenschaften halten Gold nicht davon ab, als monetärer Vermögenswert zu fungieren. Für Bargeld bekommt man schließlich auch keine Zinsen, und es gibt heutzutage mehr Fiatgeld, als dies je zuvor der Fall gewesen war. Warum aber wird dann ausgerechnet Gold so scharf kritisiert?

Wir glauben, dass ein Großteil dieser Kritik von dem weit verbreiteten Missverständnis herrührt, dass Gold gerade eine Finanzblase aufbauen würde. Dahinter steckt die Auffassung, dass es sich bei Goldkäufern lediglich um tollkühne und vermessene Spekulanten handelt, die einfach kaufen würden, um es in Zukunft einem „noch größeren Trottel“ zu höheren Preisen weiterzuverkaufen. Bei dieser Auffassung wird unterstellt, dass Gold über keinen ihm innewohnenden Wert verfügt, sondern lediglich ein spekulativer Vermögenswert sei, der sich der Phantasie der Investoren bemächtig hat.

Wir nehmen diese Auffassungen über Gold natürlich nicht einfach so auf die leichte Schulter. Wir haben bereits früher Blasen gesehen und sind uns absolut im Klaren darüber, wie Spekulationsblasen enden. Wir sind auch überhaupt nicht daran interessiert, an irgendeiner Art von spekulativem Rausch teilzuhaben – denn hierbei handelt es sich um ein sicheres Rezept, um im Investmentgeschäft zu scheitern.

Dankenswerterweise sind unsere Goldinvestments jedoch frei von derartigen Risiken. Unsere Analyse ergab, dass es sich bei Gold in der Tat um eine Anlageklasse handelt, die von überraschend Wenigen besessen wird. Darüberhinaus ist es eine Anlageklasse, der in den Medien bei weitem mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde, als sie vielleicht verdient hätte.

Obwohl die Preisentwicklung von Gold seit dem Jahre 2000 durchaus beachtlich ist, hat Gold ganz einfach nicht genug Investmentgelder angezogen, um die Ängste bezüglich einer Blase zu rechtfertigen, die offensichtlich gerade unter den Marktexperten und Wirtschaftskommentatoren umhergeht.

Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen ganz einfach noch nicht in Gold investiert sind.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Spekulative Blasen bilden sich dann, wenn der Preis für eine Anlageklasse auf ein Niveau steigt, wo der Preis nicht mehr durch die zu Grunde liegenden Fundamentaldaten gerechtfertigt ist. Damit dies passiert, muss eine stetig anwachsende Menge an Kapital in diese Anlageklasse fließen, so dass sie sich auf unvernünftige Niveaus hochschaukelt.

Gold mag aktuell vielleicht mit Allzeithochs gehandelt werden, schauen wir jedoch auf den Fluss der Investmentgelder, dann stellt sich heraus, dass das gelbe Metall weit davon entfernt ist, überkauft zu sein.

Die CPM Group merkte in ihrem Gold Jahrbuch 2010 an, dass Privatpersonen im Jahre 1968 5% aller weltweiten Vermögenswerte für Investmentzwecke in Gold investiert hatten. Bis 1980 fiel dieser Anteil auf ungefähr 3%. Und bis 1990 war er dann bedeutend auf 0,6% abgestürzt. Im Jahre 2000 wurden dann nur noch 0,2% aller weltweiten Vermögenswerte in Gold gehalten.

Die CPM Group geht davon aus, dass der Anteil gehaltenen Goldes Ende 2009 – also 9 Jahre nach dem Beginn des Goldbullenmarkts – wieder auf 0,6% aller weltweiten Finanzvermögenswerte gestiegen ist. Von einem bedeutenden Anstieg kann hier also nicht die Rede sein. Im letzten Jahr kam es ebenfalls kaum zu Veränderungen. Wir schätzen, dass der Anteil gehaltenen Goldes in 2010 auf 0,7% aller weltweiten Vermögenswerte anstieg.

Die Welt hält also aktuell genauso viel Vermögen in Gold wie vor 20 Jahren, und das trotz der Tatsache, dass das gelbe Metall neue Höchststände zu verzeichnen hatte. Obwohl diese Zahl wahrscheinlich mehr über die Vermehrung von Finanzvermögenswerten innerhalb der vergangenen Jahrzehnte aussagt als über Goldinvestments, so ist es doch überraschend festzustellen, wie bedeutungslos sich die Gold-Eigentümerschaft ausmacht, wenn man sie mit der Menge aller weltweit gehalten Finanzvermögenswerte vergleicht.

Darüberhinaus ist der Anstieg der Gold-Eigentümerschaft von 0,2% im Jahre 2000 auf 0,7% im Jahre 2010 irreführend, wenn man bedenkt, dass die im Jahre 2000 in Anlagegold investierten USD 227 Milliarden, alleine schon aufgrund des Goldpreisanstiegs bis 2010 auf USD 1,18 Billionen angestiegen wären.

Mit anderen Worten: Seit dem Jahre 2000 beläuft sich der tatsächlich neu hinzu gekommene Betrag bei Goldinvestments auf gerade einmal 0,1% (USD 250 Milliarden) aller aktuell gehaltenen globalen Vermögenswerte. Obwohl einem diese Zahl durchaus groß erscheinen kann, sollte man sich noch einmal vergegenwärtigen, dass im selben Zeitraum rund USD 98 Billionen an neuem Kapital in die globalen Finanzvermögenswerte geflossen sind. Die 0,3%, die von diesem Betrag in Gold investiert wurden, sind im Grunde bedeutungslos.

Der Anteil der Gold-Eigentümerschaft in Höhe von 0,7% deutet jedoch auch auf weitere interessante Aspekte im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen hin. Nehmen wir einfach an, Gold würde wieder auf einen vernünftigen Anteil an allen weltweit gehaltenen Vermögenswerten klettern, sagen wir auf das 5%-Niveau des Jahres 1968. In diesem Falle müssten heute über USD 9 Billionen in Gold investiert werden, was beim gegenwärtigen Goldpreis rund 6,5 Milliarden Unzen entspricht. Das wäre mehr als das 1,3-fache von dem, was jemals in der Geschichte der Menschheit an Gold zutage gefördert wurde, und das 4-fache der uns gegenwärtig bekannten noch nicht aus dem Boden geholten Goldreserven.

Es ist also nicht nur so, dass die Öffentlichkeit relativ wenig in Gold investiert ist, sondern darüberhinaus ist es bei den aktuellen Preisen auch garnicht möglich, den Anteil gehaltenen Goldes wieder auf ein vernünftiges Niveau anzuheben.

Diese offenkundige Unterinvestition bei Gold trifft seit dem Jahre 2000 ebenso auf die Goldaktien zu. Laut unseren Quellen konnten die Goldfirmen im Rahmen von Neufinanzierungen innerhalb der vergangenen 11 Jahre rund USD 78 Milliarden an Aktienkapital einsammeln. Um diesen Betrag einmal in Relationen zu setzen, sei hier angemerkt, dass dieser der Gesamtsumme an Aktienkapital entspricht, welche Technologieaktien während der ersten 3 Monate des Jahres 2000 eingesammelt haben.

Um die ausbleibenden Aktivitäten des Kapitalmarkts im Hinblick auf Goldaktien zu veranschaulichen, haben wir die Geldzuflüsse der Goldfirmen im Jahre 2010 mit den Geldzuflüssen der Technologiefirmen im Jahre 2000 vergleichen (Grafik 1). Noch einmal: Wenn wir uns den relativen Betrag der Kapitalmarktaktivitäten bei den Goldaktien anschauen, so können wir keinerlei Hinweise auf eine Blase finden.


Darüberhinaus haben wir Informationen zu Aktienfonds zusammengetragen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stark der Appetit des Privatinvestors nach Goldinvestments ist (Grafik 2). Dabei stellten wir auch in diesem Bereich ganz ähnliche Dinge fest: Obwohl seit dem Jahre 2000 seitens der Aktienfonds USD 2,5 Billionen investiert wurden, flossen den Edelmetallaktien davon gerade einmal USD 12 Milliarden zu. Wenn es Blase bei Goldinvestments gibt, dann ist der gewöhnliche Privatinvestor jedenfalls nicht daran beteiligt.


Um jedoch das wirkliche Ausmaß des Wachstums (oder das Ausbleiben desselbigen) im heutigen Goldmarkt erfassen zu können, ist es hilfreich, wenn man sich die Aktienbewertungen anschaut, da sie auf exzellente Art Auskunft darüber geben, wie die Stimmung der Investoren gegenüber einer bestimmten Anlageklasse ist.

Wenn sich bei Gold eine Blase gebildet hätte, dann würde man dies mit Sicherheit am Aktienmarkt beobachten können, also dort, wo die „noch größeren Trottel“ dank des Spekulationswahns bereits seit Jahrhunderten geschoren werden.

Der beste Gold-Index, den man dafür nehmen kann, ist der Amex Gold Bugs Index (HUI), der seit dem Jahre 2000 um atemberaubende 674% zulegte. Mit Sicherheit handelt es sich herbei um einen Index, den man aufgrund seiner Kursentwicklung fälschlicherweise für eine Blase halten könnte…zumindest solange bis man sich seine relative Entwicklung anschaut.

In Grafik 3 vergleichen wir das Preis/EBITDA-Verhältnis des HUI und des Nasdaq Composite seit 1998. Das Preis/EBITDA-Verhältnis ist eine Bewertungskennzahl, bei welcher der Aktienpreis einer Firma mit ihrem Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände verglichen wird. Die Kennzahl ähnelt dem allgegenwärtigen Kurs/Gewinn-Verhältnis, erlaubt jedoch auch Vergleiche über Zeiträume hinweg, wo die Nettoeinnahmen negativ sind und das Kurs/Gewinn-Verhältnis daher nicht kalkulierbar wäre.


Schauen wir auf das Preis/EBITDA-Verhältnis für den HUI-Index, dann erkennen wir überhaupt keine Hinweise darauf, dass es bei den Goldaktien hoch hergehen würde. Bei dem aktuellen Niveau von 13 liegt der HUI sogar noch unter seinem 15-Jahresschnitt von 14. Darüberhinaus liegen die Bewertungen der Goldaktien aktuell gerade einmal bei einem Drittel des Niveaus des Nasdaq zu Ende des Jahres 1999. Es gibt ganz einfach keine Beweise dafür, dass bei den Goldaktien exzessive Bewertungen vorliegen – also dort, wo man die Exzesse ja mit Sicherheit zuerst sehen würde.

Basierend auf unseren Erkenntnissen ist die Auffassung, es gäbe eine Goldblase einfach nur falsch. Das aktuelle Investmentinteresse bei Gold ist gegenüber anderen Finanzvermögenswerten immer noch überraschend gering und liegt auf dem Niveau von vor 20 Jahren. Darüberhinaus verdeutlichen auch die moderaten Bewertungen der Goldaktien, dass es überhaupt keinen ungezügelten Enthusiasmus der Investoren bei Goldinvestments gibt.

Fakt ist, dass trotz all des Geredes um eine Goldblase, das dem Gold im Vergleich zu anderen Finanzvermögenswerten zufließende Kapital schlichtweg nicht groß genug ist, dass sich daraus irgendeine Form von Spekulationswahn ableiten ließe.

Die Investoren können also beruhigt sein: Sie sind nicht an einer spekulativen Blase beteiligt, wenn sie Gold besitzen, sondern schützen damit lediglich ihr Vermögen.

Weitere Artikel zu diesem Thema