Mitten im Goldrausch? Nein, das dauert noch

Der Goldpreis liegt inflationsbereinigt aktuell immer noch rund USD 1.000 unter seinem Hoch des Jahres 1980. Die Frage ist, ob sich dem Investor in Zukunft noch einmal besonders günstige Kaufgelegenheiten bieten werden, bevor die Manie einsetzt und die Massen den Edelmetallmarkt stürmen

Louis James, Casey Research, 08.04.2011

Verständlicherweise möchten die Leute wissen, in welche Richtung sich der Edelmetallmarkt als nächstes bewegt. Nicht nur, weil große Schwankungen nervig sein können, sondern weil es auch einen bedeutenden Unterschied macht, ob man bereits gestern investierte, oder ob man beispielsweise der Ansicht ist, dass eine große Marktkorrektur bevorsteht, und man daher bezüglich weiterer Zukäufe erst einmal abwartet, um später günstiger zu kaufen – oder auch nicht, dann kauft man sofort, um auf der Welle mitzureiten.

Fakt ist, dass ich Ihnen nicht sagen kann, in welche Richtung der Markt als nächstes gehen wird. Niemand weiß, was als nächstes passieren wird. Deshalb nennt es sich ja auch Spekulation.

Man kann zwar bezüglich des Trends völlig richtig liegen, und trotzdem erwischt es einen, wenn man beim Timing daneben liegt. Daher ist es auch bedeutend einfacher, wenn man lediglich Ausführungen dazu macht, was als nächstes aller Wahrscheinlichkeit nach passieren wird.

Das ist auch der Grund, warum wir bei Casey Research immer noch ein wenig besorgt und unsicher sind, was eine mögliche kurzfristige Korrektur anbelangt, und dass obwohl intern der einhellige Konsens besteht, dass es bei Edelmetallen in den nächsten Jahren zu weiteren Preisanstiegen kommen wird.

Einige Investoren sind es leid, dass wir immer vor einer „möglichen Korrektur“ warnen und zu Vorsicht und Wachsamkeit aufrufen. Einige wünschen sich, dass der Markt endlich damit aufhören würde so herumzueiern und direkt in die Phase eines Goldrauschs, einer Manie eintritt. Oder zumindest wünschen sie sich, dass Casey Research damit aufhört herumzueiern und einfach reihenweise Kaufempfehlungen abgibt.

Die nervöseren Leser scheinen sich hingegen zu wünschen, dass wir einfach eingestehen, dass der Markt nun seinen Höhepunkt erreicht hat, und die Empfehlung abgeben alles abzuverkaufen. So, Zeit abzukassieren und nach Hause zu gehen!

Ich kann das durchaus nachvollziehen, aber der Markt kennt unsere Wünsche nicht, und selbst wenn er sie kennen würde, wären sie ihm schlichtweg egal. Wir würden unseren Abonnenten mit Sicherheit einen Bärendienst erweisen, wenn wir vorgeben würden, dass wir wissen, in welche Richtung sich der Markt als nächstes aufmacht, obwohl wir das überhaupt nicht sagen können. Und jeder, der behauptet, dass er dies wüsste, ist nichts weiter als ein Schwindler.

Daher empfehlen wir seit geraumer Zeit auch einen moderaten Mittelweg. Wir sind nicht aus dem Goldmarkt raus, und zahlreiche unsere jüngsten Empfehlungen haben sich während des neuen nominellen Gold-Allzeithochs in der Tat spektakulär entwickelt. Aber wir setzten nicht alles auf eine Karte.

Schauen wir uns einfach mal eine Grafik unseres bedeutendsten Trends an, dem Goldpreis, und vergleichen wir diese mit dem zweiten Chart, welcher die Goldpreisentwicklung von 1979 bis 1980 darstellt:

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Und, erweckt dies bei Ihnen den Eindruck, als hätten wir aktuell bereits dieselbe Art von Kurshöhepunkt erreicht wie zu Beginn der 80er Jahre? Nein? Bei mir auch nicht.

Selbstverständlich wiederholt sich die Geschichte nur in den seltensten Fällen 1:1, aber es gibt doch gewisse Parallelen. Im Folgenden finden Sie den 10-Jahres Goldchart des aktuellen Bullenmarkts:

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Schaut man sich die Preisentwicklung von Gold seit dem Jahre 2000 an, dann sieht die ganze Sache schon, wenn auch nicht wie ein absoluter Kurshöhepunkt, so doch zumindest wie ein Preishoch aus, das nun durchaus die nächsten 10 Jahre wieder nach unten gehen könnte.

Aber wir sollten nicht den Blick für das große Ganze verlieren: Den inflationsbereinigten Goldpreis, seit Gold im Jahre 1971 durch US-Präsident Nixon vom Dollar abkoppelt wurde.

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Obwohl der Goldpreis seine alten nominellen Höchststände bereits übertroffen hat, muss der reale, inflationsbereinigte Goldpreis noch um einiges Steigen, bevor er an das Hoch des Jahres 1980 heranreicht.

All die wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren, die den Edelmetallbullenmarkt bisher angetrieben haben, sind immer noch voll intakt. Viele dieser Faktoren haben sich sogar noch weiter verschärft.

Sollte erneut eine große und umfängliche Marktkorrektur einsetzen, dürfte es die Edelmetalle und die damit in Zusammenhang stehenden Aktienwerte zusammenhauen, wenn auch nur vorübergehend. Der Crash des Jahres 2008 hat gezeigt, dass ein solcher Einbruch extrem und schmerzhaft verlaufen kann, und zwar selbst für Marktteilnehmer, die diese Entwicklung kommen sahen.

Wenn wir einmal davon ausgehen, dass sie meiner Meinung und dem Konsens bei Casey Research beipflichten, dass der Edelmetallbullenmarkt am Ende zu einem gigantischen Goldrausch, einer Gold-Manie führen wird, dann stellt sich folgende Frage:

Was wäre, wenn der aktuell anhaltende Preisanstieg in Wirklichkeit dem starken Preisanstieg zu Beginn der 70er Jahre entspricht und nicht dem massiven Anstieg, der dann im Jahre 1980 seinen Höhepunkt fand? Wenn dem so wäre und sich die Geschichte wiederholen würde, dann stünde uns vor dem finalen Goldrausch die größte Goldkorrektur noch bevor.

Die Geschichte mag sich vielleicht nicht 1:1 wiederholen, aber denken Sie mal darüber nach:

Wenn Sie während des Kurshöhepunkt im Jahre 1974 gekauft hätten, wären Sie in der Lage gewesen, den danach eintretenden Kursrückgang von 50% zu verkraften und auszusitzen, um danach dann vom finalen Kursausbruch zu profitieren? Wären Sie in der Lage gewesen, die niedrigen Goldpreise der darauffolgenden Jahre einfach zu ignorieren und beiseite zu wischen, und wären Sie damit zufrieden gewesen, dass ihre künftigen Gewinne auf dem Preisniveau des Jahres 1974 beruhen?

Wenn Sie all diese Fragen mit einem Ja beantworten können, und auch nicht auf das Geld angewiesen sind, welches dann für ein oder zwei Jahre investiert ist (ohne Fremdkapitalfinanzierung), dann ist das Leben bedeutend einfacher für Sie. Kaufen Sie nur die allerbesten Firmen und vergessen Sie diese einfach, bis der Goldrausch einsetzt.

Wenn Sie so zuversichtlich sein sollten – oder eine weitere bedeutende Korrektur während des nächsten Wirtschafts-Schocks für unwahrscheinlich halten – dann können Sie sich einfach daran machen, Ihr Portfolio bestmöglich auszugestalten, so dass Sie von der am Ende eintretenden Manie entsprechend profitieren.

Oder würden Sie sich, wenn Sie zum Kurshöhepunkt des Jahres 1974 gekauft hätten, extrem darüber ärgern, zu viel gezahlt zu haben und während der Kursrücksetzer nicht mehr über die Barmittel zu verfügen, um nachzukaufen?

Falls dem so ist, dann sollten Sie sich nur einige Tranchen der allerbesten Titel kaufen und noch eine Menge Munition für die Zeit aufsparen, wo die Wirtschaft das Auge des gigantischsten Sturms in der jüngeren Geschichte wieder verlässt.

Angesichts des Verhältnisses leidvoller gegenüber positiv gestimmter E-Mails, die ich während des Crashs des Jahres 2008 erhalten habe, gehe ich davon aus, dass die meisten Investoren in die letzte Gruppe fallen. In diesem Kontext erfolgen auch die meisten unserer Empfehlungen.

Fall Sie zu dieser grob gefassten Gruppe gehören sollten, dann müssen Sie sich das auch eingestehen, damit klarkommen und Ihre Investments gegenüber den volatilen Schwankungen des Marktes entsprechend absichern.

Wie dem auch sei, für Spekulanten ist es wichtig, dass sie ehrlich zu sich selbst sind, wenn es um die Bewertung der eigenen Stärken und Schwächen geht. Glücklicherweise ist der Vorteil bei beiden Investorengruppen, dass sie sich nur auf die allerbesten Titel konzentrieren. Der Unterschied besteht lediglich darin, was man dafür zu zahlen bereit ist und wann man kauft.

Übrigens, sollte es zu einem weiteren durch einen großen Wirtschafts-Crash verursachten Kursrückgang kommen, so dürfte dieser nach meinem Dafürhalten dann auch der letzte sein, bevor der Goldrausch einsetzt – also die letztmalige Gelegenheit richtig nachzukaufen und sich für spekulative Zugewinne zu positionieren.

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