Silber ist wieder echtes Geld

Für Privatanleger hat Silber seine monetäre Funktion bereits wieder zurückgewonnen. Die Frage, die sich stellt, ist, ob Silber auch bei den Zentralbanken und Regierungen wieder als Geldmetall Bedeutung erlangen wird, denen solides Geld von Natur aus äußerst lästig ist

Julian D. W. Phillips, Gold/Silver Forecaster, 08.04.2011

Wir haben Silber immer als den „langen Schatten“ des Goldes bezeichnet, was mit seiner Kursentwicklung im Vergleich zum Goldpreis zusammenhängt. Wenn der Goldpreis steigt, steigt Silber noch stärker, und fällt Gold, dann stürzt Silber noch tiefer. Und beide Edelmetalle weisen einen synchronen Kursverlauf auf. Aber warum ist das so?

Als die Fotobranche in das digitale Zeitalter eintrat, kam es zu einem enormen Einbruch bei der Silbernachfrage. Dann kamen bei Silber jedoch neue Verwendungszwecke im medizinischen Bereich und bei der Elektrotechnik hinzu, welche die alte Nachfrage am Ende bei weitem überflügeln werden. Die Silberpreisentwicklung verläuft jedoch so, als wäre sie direkt an den Goldpreis gekoppelt. Das heißt, dass der Preis des weißen Metalls nicht einfach nur Kursbewegungen widerspiegelt, die man gewöhnlich mit einem Industrierohstoff in Verbindung bringen würde.

Silber verliert seine Geldfunktion

Die staatlichen Silberverkäufe aus Russland, Indien und China scheinen nun zum Erliegen gekommen zu sein oder gerade zum Erliegen zu kommen, nachdem man jahrzehntelang die eingelagerten Silbermünzen abverkaufte, welche zuvor aus dem Geldkreislauf entfernt wurden.

So gesehen, verfügt Silber hier über eine weitere Gemeinsamkeit mit Gold, da beide Edelmetalle nun nicht mehr länger von den Zentralbanken verkauft werden. Die Zentralbanken kaufen aber auch kein Silber, wohingegen die Goldnachfrage der Zentralbanken massiv und anhaltend ist. Es stellt sich die Frage, ob Silber in Zukunft wieder zu einer wichtigen Reserveanlage wird?

Der Wegfall der weitverbreiteten Verwendung von Edelmetallen als Münzgeld in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte bei den Silbermünzen zur Folge, dass es zu einem dramatischen Auseinanderklaffen des Nennwerts und des tatsächlichen Werts der Münzen kam.

Die Regierungen und ihre Zentralbanken wollten, dass ihre Münzen nur über einen unbedeutenden inhärenten Wert verfügen, so dass der Nennwert, welcher durch Regierungsmaßnahmen und geldpolitische Maßnahmen bestimmt wird, der einzige Wert ist, den die Münzen besitzen. Praktische Erwägungen machen Münzen als Bestandteil der Zahlungsmittel notwendig.

Die Regierungen nutzten dieses „Fiat“-Geldsystem, da der Vorteil für sie darin bestand, dass Geldsystem eigenständig kontrollieren zu können. Dies ging mit damit einher, dass das Geldsystem von den wirklichen internationalen Werten – über welche die Edelmetalle immer verfügen werden – losgelöst wurde. Und nirgends war diese Spaltung zwischen „Wertmaßstab“ und „Tauschmittel“ so bedeutend wie beim Münzgeld.

Den Zentralbanken gelang es dann auch, die volle Kontrolle über die Geldversorgung zu erhalten, ohne befürchten zu müssen, dass der Goldpreis deswegen explodieren würde.

Als Gold und Silber noch Geld waren, beispielsweise 1933 in den USA, waren die Regierungen noch der Auffassung, dass eine Ausweitung der Geldmenge ausschließlich notwendig sei, um sich aus Wirtschaftsdepressionen zu befreien. Zu jener Zeit bestand die einzige Möglichkeit, die Geldmenge zu erhöhen, darin, dass man den Wert von Gold und Silber erhöhte, was es erlaubte, mehr Dollars herauszugeben. Um es zu noch einmal zu verdeutlichen: Der Dollar wertete gegenüber Gold ab, und nicht umgedreht. Zu jener Zeit war Gold eine lästige Angelegenheit, da das meiste Gold nicht von den Zentralbanken gehalten wurde. Daher kam es auch zur Konfiszierung!

Am Ende, als die US-Notenbank erst einmal eine ausreichend große Menge an Gold besaß und den Dollar abgewertet hatte, war das Bankensystem bereits in einer Flut aus Dollars versunken. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, nutzte eine ähnliche Strategie, um die US- und die weltweite Geldmengenversorgung auszudehnen und die Deflation so im Zaum zu halten.

Gold und Silber können jedoch nicht nach Gutdünken geschaffen werden, weshalb den Zentralbanken diese Edelmetalle als „Tauschmittel“ auch lästig sind.

Durch die Einführung von Papiergeld und Münzen aus unedlem Metall wurde die Möglichkeit, Geld als Wertmaßstab zu verwenden, natürlich zunichte gemacht. Der Wert des Geldes hängt jetzt ausschließlich von dem Vertrauen der Bürger in ihre Regierung und Zentralbanker ab.

Wir sprechen hier nicht von inflationären Erwartungen oder Wechselkursen, sondern von dem Vertrauen in und den Glauben an das Geld als solches. Ungeachtet dessen bleibt natürlich zu hoffen, dass der Wechselkurs – vorausgesetzt, dass es keine Manipulationen bei den Wechselkursraten gibt – den fallenden Wert einer Währung widerspiegelt.

Die Regierungen werden die reale Inflation – also den Kaufkraftverlust der Papiergeldwährungen und nicht die Zahlen, die seitens der Regierung ermittelt werden – immer zulassen, völlig ungeachtet des Auftrags der Zentralbanken, für Preisstabilität zu sorgen.

Das entscheidende bei einer gesunden Wirtschaft ist, dass die Menschen auf dem untersten Einkommensniveau in der Lage sind, mit ihren Einkommen eigenständig ihr Leben zu bestreiten. Wenn die Preise für Öl und Nahrungsmittel steigen, braucht man auch ein höheres Einkommen, um seinen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Die reale Inflation oder Deflation hängt mit den Veränderungen der Geldmenge zusammen. Jegliche Versuche, die Inflation oder Veränderungen der Geldmengenversorgung zu verschleiern, funktionieren nur vorübergehend, und zwar solange, bis die wirtschaftlichen Realitäten zum Tragen kommen. In den USA beispielsweise sind dies aktuell die niedrigen Eigenheimpreise, die hohe Arbeitslosigkeit und die augenscheinliche „Stagflation“.

Die Regierungen dieser Welt würden die Preisstabilität gerne über die Kontrolle der Geldmenge erreichen. Durch Maßnahmen wie die quantitative Lockerung, mit denen die Wirtschaft wiederbelebt werden soll, werden die Bemühungen der Preisstabilität jedoch wieder zunichte gemacht. Einfach gesagt, nutzen die Regierungen die Ausdehnung der Geldmenge zur Bekämpfung der Deflation.

Der Nachteil von Gold und Silber als Münzgeld, besteht nun darin, dass ihr realer Wert gegenüber ihrem Nennwert fortwährend steigen wird. Wenn die Regierung die Geldmengenversorgung so stark erhöht, dass die Erhöhung über das Wirtschaftswachstum hinausgeht, würde sie den Bürgern mit den Gold- und Silbermünzen somit einen Schutz gegen den Wertverlust des Geldes in die Hand geben. Dies würde jedoch die Kontrolle der Zentralbanken über die Wirtschaft und das Finanzsystem untergraben.

Es ist daher auch überhaupt nicht überraschend, dass es keinerlei Hinweise gibt, die darauf hindeuten, dass Silber seitens der Zentralbanken wieder auf irgendeine Art als Geld erachtet werden wird.

Im Gegensatz dazu wird Silber von Privatpersonen wieder in zunehmendem Maße als „Wertmaßstab“ gekauft, um das Privatvermögen zu schützen, da Papierwährungen dazu gegenwärtig nicht in der Lage sind.

Vergangenheit und Gegenwart von Silber als Geld

Silber wurde früher zur Herstellung von Münzen verwendet. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden in den meisten Ländern Münzen mit Gold- und Silbergehalt verwendet. Lange bevor die Vereinigten Staaten und der Internationale Währungsfonds die Golddeckung aufgaben, wurde Silber bereits durch unedle Metallmünzen ersetzt.

Ja, schauen Sie sich ruhig einmal Ihr Kleingeld an, dann werden Sie schon auf die ganzen Silber-Doppelgänger stoßen. In der menschlichen Psyche ist im Bezug auf Geld immer noch verankert, dass Münzen auch wertvoll aussehen sollten, selbst wenn wir durch diese Doppelgänger aus unedlen Metallen hereingelegt werden.

Und genau das ist auch der Punkt. Werden wir als naive Menschen darauf reinfallen und glauben, dass das Geld in unserem Portemonnaie einen Wert hat?

Diese Fragestellung müssen wir konkretisieren, indem wir sagen, dass dies natürlich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Gehört man wirtschaftlich der Masse der Bevölkerung an, während das Wirtschaftswachstum gut ist, neigt man auch dazu, das Geld der Masse zu akzeptieren, und zwar in jedweder Form, welche die Regierung auferlegt. Dies vereinfacht den Handel.

Wenn wir einen Blick auf den Zeitraum von 1985 bis 2007 werfen, dann stellen wir fest, dass sich die Welt in einer fortwährenden, glücklichen und zuversichtlichen Wachstumsphase befand. Man vertraute dem Geld in all seinen Formen, da jeder vom System profitierte. Nur wenn die Person, mit der man Handel treibt, sich weigert, das jeweilige Geld als Geld zu akzeptieren, scheitert das Ganze.

Im Gegensatz zu Gold und Silber, deren Geldfunktion global ist und im Verlaufe der gesamten Geschichte der Menschheit anerkannt wurde, verfügen Nationalwährungen nur über einen örtlich begrenzten Wert, nämlich dort, wo sie als gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel festgelegt wurden.

Stellen Sie sich vor, ich würde in ein Geschäft gehen und mit ein paar hundert Dongs (aus Vietnam) oder ein paar Billionen Zimbabwe-Dollars (ja, das ist nicht einmal mehr in Zimbabwe gültig) bezahlen. Was glauben Sie, was der Ladenbesitzer davon halten würde?

Und es ist diese beschränkte Natur des Fiatgeldes, die am Ende auch sein Untergang ist. Wenn der Yuan eines Tages eine globale Reservewährung eines wachsenden Landes mit enormer globaler Präsens ist, dann kann man sich im Geschäft vielleicht entscheiden, ob man mit Yuan oder Dollar bezahlt. Ja und?

Wenn wir eine 1-Unze Silbermünze, einen Silver Eagle, nehmen und diese einem Chinesen anbieten, wird er diese umgehend akzeptieren. Und obwohl der Südafrikanische Rand nur in Südafrika als Währung verwendet wird, kann man einen Krügerrand mit einem Feingoldgehalt von einer Unze überall eintauschen – und zwar zu einem Preis von USD 1.420 und nicht zum Nennwert von USD 0,147. Man erhält dann also das 10.000-fache des Nennwerts der Münze.

Im Verlaufe der Geschichte der Menschheit ist Silber überall in der Welt als Geld akzeptiert worden. Obwohl die Zentralbanken und Regierungen sich weigern, innerhalb ihrer Wirtschaften die Verwendung von Silber als Geld zuzulassen, ist Silber dennoch nicht seines Werts als Währung beraubt wurden. Silber bleibt eine Art offiziell nicht anerkanntes Geld, und das selbst in den Händen von Menschen, die es seit Generationen überhaupt nicht mehr als Geld verwenden.

Ja selbst heute, wo sich die Fiatgeldsysteme im Niedergang befinden, schützt lediglich ein winziges Rinnsal aus Menschen ihr Vermögen, indem sie ihr Papiergeld gegen solides Silber und Gold verkaufen. Wir befinden uns gerade am Anfang eines unaufhaltsamen Trends. Sogar die Zentralbanken haben nun damit begonnen, Gold zu kaufen und ihre Goldverkäufe einzustellen. Das anfängliche Rinnsal wird zu einem Strom werden, wobei Silber sich aber noch nicht in derselben Kategorie wie Gold befindet und in offiziellen Kreisen (noch) nicht als Geld angesehen wird.

Silber wird dem Pfad folgen müssen, der ihm vom Gold freigekämpft wird. Silber wird jedoch erst dann sein Comeback erleben, wenn Gold im globalen Geldsystem wieder verstärkt Verwendung findet. Selbst dann wird Silber immer der Juniorpartner von Gold bleiben.

Alles in allem ist der Silberpreis aktuell viel zu niedrig und die erhältliche Menge an Silber zu gering, als dass Silber für die Rolle, die Gold gegenwärtig als Wertmaßstab einnimmt, geeignet wäre. Aber stellen Sie sich vor, wie es aussähe, wenn Silber USD 200 pro Unze kosten würde. Dies würde die Legitimität von Silber als Geld bedeutend erhöhen. Wenn es dann noch ein Gold/Silberverhältnis von 1:50 gäbe, wären die Investoren sicherlich auch bereit dazu, Silber wie Geld zu behandeln.

Doch ungeachtet dessen fungiert Silber im privaten und institutionellen Bereich bereits als Vermögensschutz. Das sollte auch der zentrale Verwendungszweck von Silber sein. Die Investmentwelt kann Silber und Gold zum Zwecke des Vermögenserhalts nicht mehr länger ignorieren. Das ist eine Tatsache, alleine schon aufgrund der weltweiten Performance der Edelmetalle.

Und, können sich die Regierungen diese Realitäten nun zunutze machen? Werden sie? Wir sind der Meinung, dass sie es nicht tun werden, solange sie nicht dazu gezwungen sind!

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