Gemetzel am Rohstoffmarkt: Silber kann auch einstecken!

Der Edelmetallbullenmarkt kommt auch ohne fremdkapitalfinanzierte Spekulanten aus. Für Investoren, die der Meinung sind, dass sich die Währungskrise weiter fortsetzt, und die mit der starken Volatilität am Silbermarkt leben können, dürften die niedrigen Preise attraktiv sein

John Browne, Euro Pacific Capital, 06.05.2011

Diese Woche erlebten wir eine Art von Volatilität am Edelmetallmarkt, an die man sich noch Jahre zurückerinnern wird. Für die Halter von Gold und speziell für Silber dürften diese Erinnerungen nicht allzu angenehm sein. Obwohl viele mit einer Kurskorrektur bei Silber gerechnet hatten, war die Heftigkeit dieser Korrektur dann doch ziemlich schockierend. Silber hat in weniger als einer Woche ein Drittel seines Werts eingebüßt.

Gold ging im Rahmen des allgemeinen Abverkaufs im Rohstoffmarkt (Öl, Kupfer, Kaffee usw.) ebenfalls zurück, doch musste das gelbe Metall während des Gemetzels nur 6,5% abgeben. Dieser sanfte Rücksetzer erinnert uns noch einmal daran, dass es sich bei Gold nicht bloß um einen Rohstoff handelt, sondern die monetären Qualitäten des Metalls dafür sorgen, dass die Schwankungen weniger stark ausfallen.

Aber wird Silber den brutalen Absturz verkraften?

Zunächst einmal sei hier erwähnt, dass trotz all der legitimen Gründe, die Silber im Zeitalter der fortwährenden quantitativen Lockerung zu einem attraktiven Investment machen, doch deutlich wurde, dass das weiße Metall in den letzten Tagen überkauft war. Bis zum 28.04.2011 stieg der Silberpreis in US-Dollars im Jahresvergleich um mehr als 150%.

An Wall Street ist es so, dass Momentum immer weiteres Momentum anzieht – und im Ergebnis kam es dann zu einem beschleunigten Anstieg im April, wo Silber vom 01.04.2011 bis 28.04.2011 um weitere 31% im Preis zulegen konnte.

Ein „heißer“ Rohstoff neigt dazu, Investoren anzuziehen, die mit Fremdkapital arbeiten. Das hatte zur Folge, dass der jüngste Anstieg von Silber eher technisch begründet war, als dass ihm fundamentale Ursachen zugrunde lagen. Der jüngste Anstieg sollte also genau vor diesem Hintergrund gesehen werden.

Nach einem exponentiellen Anstieg bei Silber, der durch die fremdkapitalfinanzierten Investoren massiv angeheizt wurde, zog das Metall natürlich die Aufmerksamkeit von Leerverkäufern auf sich. Darüberhinaus wurde die Silber-Spekulation an der COMEX immer teurer, da die Eigenkapitalanforderungen bei Silber-Futures innerhalb einer Woche ganze fünf Mal angehoben wurden!

Rechnet man alle Erhöhungen der Eigenkapitalanforderungen bei Silber-Futures zusammen – von denen die letzte am Montag in Kraft trat – so verteuerte sich der Besitz von Silber-Futures seit Anfang Mai 2011 um atemberaubenden 84%.

Warum diese Maßnahmen überhaupt eingeleitet wurden, bedarf natürlich einer eingehenden Untersuchung…doch das werde ich den besser informierten Kolumnisten überlassen. Nichtsdestotrotz fielen die Resultate jedoch vorhersehbar dramatisch aus, da zahlreiche fremdkapitalfinanzierte Akteure gezwungen wurden, ihre Positionen aufzulösen.

Neben diesen technischen Auslösern, gab es jedoch auch noch weitere Faktoren, die für den Rückgang des Silberpreises in dieser Woche ausschlaggebend gewesen sind. Angesichts des wachsenden Drucks seitens europäischer Exporteure, die sich über einen viel zu starken Euro beschweren, gibt es nun Hinweise darauf, dass die EZB ihre Anstrengungen aufgibt, die Inflation im Auge zu behalten.

Dies hat zu Spekulationen geführt, dass sich der US-Dollar für den Rest dieses Jahres wieder erholen könnte, was sich natürlich auch auf die Edelmetallpreise auswirkt. Darüberhinaus steigt gerade die US-Arbeitslosigkeit im Privatsektor, was das Abtauchen der US-Wirtschaft in eine Double-Dip Rezession, also eine zweite Phase der Rezession, wahrscheinlicher macht. Dies würde wiederum das Risiko einer allzu starken Inflation und die industrielle Nachfrage nach Silber abschwächen.

Aber was die langfristigen fundamentalen Sachverhalte rund um die Edelmetalle betrifft, so bleiben diese weiterhin voll intakt. Zunächst einmal ist es so, dass die Investoren – solange die Federal Reserve und andere Zentralbanken auf dem Planeten die Fiatwährungen weiterhin so behandeln, als wären sie Monopoly-Spielgeld – auch in Zukunft nach alternativen Währungen Ausschau halten werden, um sich vor der Inflation zu schützen.

Doch solange die Banken ihre Kreditvergabe an die Verbraucher und Unternehmen nicht dramatisch ausweiten, wird der Großteil der Investoren die Gefahren einer Hyperinflation überhaupt nicht wahrnehmen. Daher wird es bei den Preissteigerungen von Silber immer das Risiko von Panikabverkäufen geben.

Meines Erachtens ist der bedeutendste Grund, warum man Gold und Silber kauft, wahrscheinlich in der Angst vor einem Zusammenbruch des US-Dollars und des Finanzsystems zu suchen. Der Abverkauf bei Silber deutet nun darauf hin, dass sich diese Angst etwas abgeschwächt hat.

Der US-Dollar Index befindet sich zurzeit immer noch im Bereich des 3-Jahrestiefs. Sollten weitere Gerüchte im Markt auftauchen, dass der Dollar seinen Status als Reservewährung verlieren könnte, dürfte der Greenback einbrechen. Wahrscheinlich ist es genau diese Angst, die im vergangenen Jahr für den Großteil der Preisanstiege bei den Edelmetallen verantwortlich gewesen ist.

Darüberhinaus sollte man sich auch noch einmal die grundlegenden Stärken von Gold und Silber vergegenwärtigen, welche die Spekulanten anzogen hatte. Aber es sind keineswegs die Spekulanten, die den Bullenmarkt erschaffen. Ich bin der Meinung, dass der Bullenmarkt auch ohne Spekulanten auskommt.

Während das uns schwebende Damoklesschwert der Rezession und eines erstarkenden US-Dollars die Inflationserwartungen kurzfristig abschwächen dürfte, bleibt das langfristige Risiko, dass sich die Schuldenkrise in eine Währungskrise verwandelt, weiterhin bestehen. In Wirklichkeit ist es sogar so, dass die Risiken einer Währungskrise weiter zunehmen. Für Investoren, die diese Auffassung teilen und die Schwankungen tolerieren können, dürften die gefallenen Silberpreise attraktiv sein.

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