Silber: Minenproduktion kann mit Nachfrage nicht mithalten

Bei Silber gibt es einen Nachfrageüberhang, der auch die nächsten Jahre weiter anhalten dürfte. Über die Hälfte des wertvollen Edelmetalls landet immer noch auf der Müllhalde

Jeff Clark, Casey Research, 16.06.2011

Seit drei Jahren ist Silber einer der besten Anlagewerte überhaupt und hat während dieses Zeitraums sogar seinem großen Bruder, Gold, die Show gestohlen.

Da wir der Meinung sind, dass der Edelmetallbullenmarkt immer noch einen weiten Weg vor sich hat, empfehlen wir Investoren grundsätzlich, Edelmetalle zu halten. Selbst wenn man von den bisherigen Preisanstiegen bei Gold und Silber noch nicht profitiert hat, scheint es in der Tat zielführend, sich das Investmentpotenzial von Silber einmal genauer anzuschauen.

Es gibt natürlich Fragen, mit denen sich jeder Investor in einem Bullenmarkt auseinandersetzt: Soll ich jetzt kaufen, weil ich mit steigenden Preisen rechne? Wie stehen die Chancen, von einer Korrektur erwischt zu werden? Warte ich vielleicht besser auf einen Kursrücksetzer oder verpasse ich dadurch unter Umständen bedeutende Zugewinne? So oder so, diese Risiken sind immer da.

In unserem Bericht „Casey Research Silver Investing Guide 2011“ stellen wir verschiedene Wege vor, wie man in Silber investieren kann, während wir gleichzeitig herausstreichen, wie wichtig Geduld und Disziplin für den Anleger sind.

Als Investor muss man die Ruhe bewahren und vermeiden, dem Silberpreis hinterherzurennen, zu teuer einzukaufen und seine Bargeldbestände vollständig aufzubrauchen. Wir empfehlen vielmehr, vorübergehende Preisrückgänge zu nutzen, um kontinuierlich die besten Silberminenaktien und die bevorzugten Arten des physischen Metalls (Barren, Anlagemünzen usw.) zu erwerben.

Wir gehen davon aus, dass am Ende dieses Edelmetallbullenmarkts all jene reichlich belohnt werden, die Gold und Silber günstig gekauft, einen ordentlichen Anteil ihres Portfolios in Edelmetalle investiert und dann auch bis zum Schluss durchgehalten haben.

Schaut man auf den Silbermarkt, so gibt es jede Menge Daten, die Berücksichtigung finden sollten, doch gibt es im Hinblick auf die Angebots- und Nachfragesituation zwei Punkte, die besonders wichtig sind: Die industrielle Verwendung von Silber und die weltweite Minenproduktion.

Industrielle Verwendung von Silber

In einigen Bereichen stagnierte die Silbernachfrage oder war sogar rückläufig. Bei Haushaltswaren (Silberbesteck, Silberteller, Kerzenständer usw.) ist die Nachfrage die vergangenen 10 Jahre nicht mehr gestiegen. Die Nachfrage seitens der Schmuckproduzenten stieg nur geringfügig, während sie im Bereich der analogen Photographie aufgrund der Umstellung auf Digitalkameras immer weiter zurückgeht. Und trotzdem: Alles in allem steigt die industrielle Silbernachfrage. Und was treibt die Industrienachfrage nun genau?

Seit 1999 ist der Silberverbrauch bei der Herstellung von Elektronikartikeln um 120% gestiegen. Seit die Verwendung von Silber bei der Herstellung von Solaranlagen im Jahre 2000 ihren Anfang nahm, ist der Bedarf um 640% in die Höhe geschossen.

Seit 2002 wird Silber in nennenswerten Mengen als Biozid (antibakteriellen Stoff) eingesetzt, und obschon diese Verwendung nur einen geringen Anteil an der Gesamtnachfrage ausmacht, ist der Verbrauch in diesem Bereich um das 6-fache angestiegen.

Das Entscheidende ist, dass nicht nur die Verwendungsmöglichkeiten für Silber immer weiter zunehmen, sondern auch die benötigten Mengen in jedem einzelnen dieser Bereiche. Das sollte man sich immer vor Augen führen, da die industrielle Komponente des Silbers in der Vergangenheit dafür sorgte, dass der Silberpreis während einer schwachen Wirtschaftsentwicklung ebenfalls nachgab – und Doug Casey geht davon aus, dass wir uns gegenwärtig am Rande einer Großen Depression befinden.

Die zunehmende Nachfrage nach dem weißen Metall dürfte jedoch aller Vorausschau nach dafür sorgen, dass beim Silberpreis in Zukunft eine untere Preisdecke eingezogen wird. Das Silver Institute geht davon aus, dass die Gesamtindustrienachfrage bei Silber in den nächsten 5 Jahren um über 36% auf 666 Millionen Feinunzen pro Jahr steigen wird. Das ist eine ganze Menge Silber – die Industrienachfrage liegt aktuell bei rund 60%, und es sieht nicht so aus, als würde sie in nächster Zeit bedeutend zurückgehen.

Jährliche Silberminenproduktion

Die Silberminenproduktion ist innerhalb der vergangenen 10 Jahre gestiegen, was vornehmlich auf die höheren Preise zurückzuführen ist. Diese erlaubten es den Firmen, die Produktion auszuweiten und mehr Metall auf den Markt zu bringen. Die Minenproduktion ist seit 1999 um 33% gestiegen. Unterdessen steigt auch die Gesamtnachfrage, wie aus der nachstehenden Grafik hervorgeht.

Die Minenbetreiber sind jedoch nicht in der Lage, immer mehr und mehr Silber aus dem Boden zu holen, weshalb die weltweite Minenproduktion nicht ausreicht, um die globale Nachfrage zu befriedigen. Diese Lücke muss dann mit recyceltem Silber aufgefüllt werden.

Beim Silber-Recycling gibt es aber einen Haken. Obwohl recyceltes Silber heutzutage 20% der Gesamtversorgung ausmacht, kann es bei zahlreichen neuen Anwendungen nur schwer wiedergewonnen werden. Bei einigen Anwendungen wird so wenig Silber verwendet, dass es wirtschaftlich nicht rentabel ist, es zu recyceln. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Silber als Biozid oder in der Nanotechnologie eingesetzt wird. Bei anderen Anwendungsbereichen muss man darüberhinaus lange warten, bis das Recycling erfolgen kann. Solaranlagen haben beispielsweise eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren.

Hier kommt auch noch die Tatsache hinzu, dass die Silberrückgewinnung heutzutage immer noch nicht besonders effektiv ist. Beispielsweise landet die Hälfte des in Mobiltelefonen, Fernsehern, Computern und anderen Elektrogeräten verwendeten Silbers immer noch auf den Müllhalden.

Mit anderen Worten: Eine zunehmende Menge an verbrauchtem Silber wird in nächster Zeit nicht wieder im Markt auftauchen.

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