US-Notenbank muss Gelddruckmaßnahmen weiter fortsetzen

Natürlich kann die Federal Reserve die Gelddruckmaßnahmen aussetzen, die Konsequenzen wären jedoch verheerend. Obamas Wiederwahl wäre dann auch erledigt

Paul Craig Roberts, Prisonplanet.com, 28.06.2011

Sollte die US-Notenbank Federal Reserve ihre Maßnahmen der quantitativen Lockerung (QE) aussetzen, würde dadurch das Vertrauen in den US-Dollar gestärkt werden. Es hätte zur Folge, dass Gelder in US-Investments flössen, was wiederum den US-Aktienmarkt stützen und zur Finanzierung des riesigen US-Haushaltsdefizits beitragen würde. Die Preise für Gold und Silber würden sinken.

Der negative Dollarausblick würde angesichts fallender Öl- und Getreidepreise ins Positive umschlagen – obwohl Dürren, Fluten und die Versorgungslage die Getreidepreise natürlich weiterhin beeinflussen würden und die Kriege der US-Regierungen Auswirkungen auf den Ölpreis haben könnten.

Sollte parallel zur Aussetzung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen zusätzlich noch eine weitere Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise hinzukommen, würde der Dollar die Verluste der Vergangenheit gegenüber dem Euro wieder wettmachen können.

Aus dieser Perspektive sollte die US-Notenbank ihre Anleihekäufe natürlich beenden. Die Menschen zögen sich dann aus Edelmetallinvestments und Rohstoffspekulationen zurück.

Aber bei diesen Überlegungen kommen ja auch noch andere Faktoren zum Tragen: Der Zustand der US-Wirtschaft und die immer noch anhaltenden Sorgen bezüglich der Zahlungsunfähigkeit der Finanzinstitutionen. Am 22.06.2011 erklärte der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, auf einer Pressekonferenz:

„Einige der Probleme, die uns Sorgen bereitet hatten, wie die Schwäche der Finanzbranche, die Probleme in der Eigenheimbranche, Bilanz- und Verschuldungsfragen könnten stärker ausfallen, als wir ursprünglich gedacht hatten.“

Trotz der finanziellen Stützung des enormen US-Haushaltsdefizits und Obamas Konjunkturpaket in Höhe von USD 700 Milliarden wird die Wirtschaftsentwicklung in den USA den Erwartungen nicht gerecht.

John Williams von Shadowstats.com sagt, dass das Wirtschaftswachstum sogar bereits im negativen Bereich liegen könnte, würde bei der Ermittlung der Wachstumszahlen die reale Inflation vollumfänglich mitberücksichtigt. Darüberhinaus veranschlagt er die reale Arbeitslosigkeit auf über 22%.

Eine so schwache Wirtschaft ist bezüglich der Entwicklung der Konzerngewinne in den USA oder des Ausblicks bei den Finanzorganisationen jedoch keineswegs förderlich. Die US-Konzerne haben im Ausland massiv in den Produktionsbereich investiert, um die dort gefertigten Waren und Dienstleistungen den US-Verbrauchern zu verkaufen, die aktuell jedoch weder über das Einkommen verfügen, noch die Kredite erhalten, um diese Käufe zu tätigen.

Die US-Bürger, die ohne Arbeit dastehen, und diejenigen, die im inländischen Dienstleistungsbereich nur einen Niedriglohnjob haben – wie Hilfsangestellte im medizinischen Bereich, Barkeeper und Kellner – können sich den Kauf eines Hauses schlichtweg nicht leisten, selbst bei den mittlerweile bereits stark gesunkenen Preisen.

Und solange die Bilanzen der Finanzinstitutionen mit Immobilienwerten überfrachtet sind, ist auch die Finanzkrise noch nicht vorbei. Darüberhinaus ist es unwahrscheinlich, dass sich der Dow Jones auf seinem aktuellen Durchschnittsniveau wird halten können, sollte es in den USA nicht zu einer Zunahme der Beschäftigung und Wirtschaftswachstum kommen.

Die Frage, die bisher noch keiner gestellt und auch keiner beantwortet hat, lautet daher: Kann es sich die FED überhaupt leisten, die Wirtschaftserholung, die Beschäftigungszahlen und Obamas Wiederwahl zu opfern, nur um den Dollar und die Preisstabilität zu retten?

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