Hyperinflationäre Depression: Es gibt kein Zurück mehr

Clive Maund, CliveMaund.com, 26.06.2011

Anhand der Entwicklung an den Finanzmärkten ließ sich ja bereits ableiten, dass es in den USA zwangsläufig zu einer hyperinflationären Depression kommen muss. Real gibt es überhaupt keine Wirtschaftserholung.

In den USA wird zwar über ein Wachstum von 2% bis 3% gesprochen – doch sehen wir der Realität ins Auge: Jeder Idiot wäre angesichts der Größenordnung, mit der die Geldmenge ausgeweitet wurde, in der Lage gewesen, Wachstum zu kreieren. Und die Tatsache, dass das US-Wirtschaftswachstum nicht größer ausgefallen ist – wenn wir den Daten der Regierung einmal Glauben schenken wollen – während immer noch keine neuen Arbeitsplätze entstehen und der Immobilienmarkt weiter vor sich hindümpelt, ist ein ganz deutlicher Hinweis darauf, wie fertig die US-Wirtschaft in Wirklichkeit ist.

Die Art von Austeritätsmaßnahmen, die man nun den Griechen verhängt hat, ist für alle Menschen geplant, während die unteren Schichten und die Mittelklasse aller Länder auf dem Planeten die Rechnung für die Gier und Inkompetenz völlig skrupelloser Banken zahlen sollen, und zwar entweder über Austeritätsmaßnahmen oder über eine zügellose Inflation. Wahrscheinlich wird sogar beides zum Tragen kommen.

Womit die Mächtigen jedoch nicht gerechnet haben – oder vielleicht haben sie es ja doch – ist, dass die Kaufkraft der unteren Schichten und der Mittelklasse dadurch zerstört wird, was dann dazu führt, dass die Profitabilität der Konzerne einbrechen wird, da sich eine Wirtschaft nicht bloß durch die Käufe der Elite-Banker und Wall Street-Finanziers, die zu Ferrari, Gucci, Lobb Schuhen, Versace und ähnlichem greifen, aufrechterhalten lässt.

Das ist der Grund, warum die Aktienmärkte auch den Eindruck erwecken, sie würden vor einem baldigen Einbruch stehen, ganz egal, wie viel Geld die Zentralbanker auch drucken mögen, um es dann den Spekulanten zuzuschustern. Diejenigen, die immer erklären, die Eliten hätten den vollständigen Zusammenbruch geplant, um eine Weltregierung zu implementierten, haben am Ende vielleicht doch Recht…

Lassen Sie uns noch einmal kurz zusammenfassen, warum es keine Möglichkeit mehr gibt, der hyperinflationären Depression noch zu entkommen: Der Punkt, wo man durch eine Behebung des weltweiten Schuldenproblems noch hätte umkehren können, ist bereits vor langer Zeit überschritten worden, so dass jedweder ernsthafte Versuch, jetzt noch eine Lösung herbeizuführen, unvorhergesehene politische und gesellschaftliche Auswirkungen hätte. Und dennoch ist dieser Zusammenbruch unvermeidlich geworden, und umso länger man ihn hinauszögert, desto schlimmer wird er ausfallen.

Der Wirtschaftszusammenbruch wird zu Anarchie und Chaos führen, was die Unternehmen und politischen Führer jedoch nicht durchstehen würden, also machen sie solange weiter, wie es eben geht. Die Redewendung „to kick the can down the road.“ [zu deutsch: etwas hinauszögern] findet sich mittlerweile in zahllosen Artikeln.

Zu den Methoden, die eingesetzt werden, um den Zusammenbruch weiter hinauszuzögern, gehört das fortwährende Drucken immer größerer Geldmengen, so dass das System weiter zusammengehalten werden kann, und die Drückung der Zinssätze, die solange nahe Null gehalten werden, wie dies möglich ist.

Die künstliche Drückung der Zinssätze hat verschiedene nachteilige Konsequenzen. Hierzu zählt auch die Fehlallokation von Kapital, das in die fremdkapitalfinanzierten Spekulationsgeschäfte fließt, wodurch der jüngste Boom an den Rohstoffmärkten ausgelöst wurde. Darüberhinaus sorgen die künstlich niedrigen Zinsen dafür, dass die Sparer keine Anreize mehr haben und die Vermögensbildung zunehmend unattraktiver wird.

Es gibt ja das beliebte Argument, dass die Gelddruckerei in Richtung Hyperinflation und die Drückung der Zinssätze dazu führen, dass die Märkte fortwährend steigen, da immer mehr Geld zu Verfügung steht, mit dem gespielt werden kann, selbst wenn es zunehmend wertloser wird. Wir haben aber bereits am Beispiel USA sehen können, dass dieses Konzept nicht funktioniert.

Obwohl in den vergangenen paar Jahren bereits Billionen an US-Dollars geschaffen wurden, gibt es dennoch keine wirkliche Erholung. Die Immobilienpreise fallen weiter und es gibt praktisch keine neuen Arbeitsplätze. Das neu geschaffene Geld gelangte auch nicht in die Hände des Volks, sondern diente vielmehr dazu, die Banken und Wall Street zu retten, die Taschen der Konzernchefs zu füllen und die fremdkapitalfinanzierte Spekulation anzuheizen.

Und noch gravierender: Ein bedeutender Teil dieser neu geschaffenen Gelder verschwand in schwarzen Löchern, um die untragbaren Defizite und Regierungsausgaben zu finanzieren. Und all das geschah trotz unverschämt niedriger Zinssätze, also alleine aufgrund des Umfangs der Defizite und Ausgaben.

Die Mittelklasse und die unteren Schichten werden immer ärmer. Sie sind in einem Teufelskreis gefangen: Auf der einen Seite drücken die stagnierenden oder sinkenden Gehälter, während auf der anderen Seite die Preise steigen, die aufgrund der sich aufblähenden Geldmengenversorgung immer weiter nach oben getrieben werden.

Die Menschen geben dann weniger aus, was bedeutet, dass die Profitabilität der Unternehmen sinkt. In Anbetracht künftiger Gewinnrückgänge bei den Konzernen, muss der Aktienmarkt ganz einfach fallen. Und wenn der Aktienmarkt fällt, verstärkt sich dadurch die Untergangsstimmung der Verbraucher, die dann noch weniger ausgeben, was die Unternehmensprofite noch weiter einbrechen lässt. Wir haben hier also eine klassische Abwärtsspirale vorliegen.

Die gesamte Welt braucht einen „Neustart“, und den wird sie auch bekommen, völlig unabhängig davon, ob die Mächtigen sich nun dagegen wehren oder nicht. In einer idealen Welt bestünde die beste Methode darin, ganz einfach alle Schulden auf dem Planeten für null und nichtig zu erklären, im Besonderen alle Derivate, und den Dingen dann ihren Lauf zu lassen. Wenn man Kreditor ist, heißt es dann, Pech gehabt, man hätten ja auch nicht so viel verleihen müssen und hat sich darüberhinaus auch des versuchten Wuchers oder des tatsächlichen Wuchers schuldig gemacht.

Diese Schockmethode hätte natürlich ganz klar zur Folge, dass es erst einmal drunter und drüber gehen würde, es also eine Weile Chaos und Anarchie gäbe. Vielleicht würde die Welt auch wieder ins Steinzeitalter zurückfallen. Und das ist auch der Grund dafür, warum die Unternehmensführer und Politiker diesen Lösungsansatz verständlicherweise nicht gutheißen können.

Die einzige Möglichkeit für die politischen Entscheidungsträger, mit den riesigen und völlig außer Kontrolle geratenen Defiziten umzugehen – die mittlerweile so gigantisch sind, dass man ihnen noch einmal mehr mit einer Nullzinspolitik begegnen kann – besteht daher darin, die Defizite durch die Schaffung einer enormen Inflation zu überwältigen, wodurch die Schulden buchstäblich weginflationiert würden.

Und das ist der Weg, der nun eingeschlagen wurde. Die Hyperinflation, die notwendig ist, um diese Entschuldung zu erreichen, wir logischerweise entsetzliche Konsequenzen haben, aber die gigantische Schockwirkung, die mit einer globalen Zahlungsunfähigkeit einherginge, bliebe aus.

Vom gewöhnlichen Bürger wird nun erwartet, dass er sich großzügig an der Bekämpfung der Inflation beteiligt, indem er sich verheerenden Austeritätsmaßnahmen unterwirft, während die ungezügelte Inflation seinen Lebensstandard vernichtet. Es dürfte interessant sein zu beobachten, bis zu welchen Grade die Menschen gewillt sein werden, hier mitzuspielen.

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