Finanzkrise: EU-Pleiteländer werden das Weltfinanzsystem in den Abgrund reißen

Die PIIGS-Länder können nicht gerettet werden, selbst wenn man sich bei der Griechenland-Krise noch etwas Luft verschaffen kann. Spanien und Belgien warten bereits in den Startlöchern. Im zweiten Halbjahr 2011 werden sich die Ereignisse in Europa überschlagen. Die meisten weltweit agierenden Finanzdienstleister werden die nächste Phase der Finanzkrise, die durch die Pleite der PIIGS-Länder ausgelöst wird, nicht überleben

Bob Chapman, The International Forecaster, 29.06.2011

Griechenland und Europa befinden sich immer noch in der Krise, während die europäischen Länder gemeinsam um eine Lösung ringen. Fakt ist, dass Griechenland am Ende in die Pleite abrutschen wird. Die Banken und die anderen Länder der Eurozone hätten niemals zulassen dürfen, dass sich die Situation bis in dieses Stadium entwickelt.

In den vergangenen 13 Jahren haben wir ein ums andere Mal darauf hingewiesen, dass ein einheitlicher Zinssatz für alle Eurozonenländer nicht funktionieren kann, da sich jedes Land in einer unterschiedlichen Entwicklungsphase befindet. Die Schaffung der Europäischen Union und der Eurozone steht auch im Widerspruch zur jahrtausendealten anthropologischen und kulturellen Geschichte der Menschheit.

Die Führer der EU können Griechenland und die anderen 5 sich gerade in ernsten Finanzschwierigkeiten befindenden Länder, den Euro und die Europäischen Union nicht gleichzeitig vor dem Untergang bewahren. Das ist ganz einfach nicht möglich, allein schon deshalb, weil sich die Kosten dafür auf USD 4 Billionen bis USD 6 Billionen belaufen würden.

Am Ende werden alle sechs Pleiteländer aus der Eurozone austreten müssen, wodurch sich die Währungsunion von 17 auf 11 Mitgliedsländer verkleinert, wobei die schwächeren der in der Währungsunion verbleibenden Nationen dann ebenfalls für Schwierigkeiten sorgen werden.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der Euro Geschichte ist. Zumindest wird der Euro nicht als Basis für eine Weltwährung fungieren, und dass die EU zum Fundament der Weltregierung wird, ist dann auch Geschichte.

Sollten die europäischen Banker und Nationen keine kurzfristige Lösung finden, wird Griechenland ganz einfach in den Bankrott abrutschen, den Euro verlassen, die Drachme wiedereinführen und das eigene Haus wieder in Ordnung bringen. Sollte eine kurzfristige Lösung gefunden werden, dürfte man dadurch vielleicht ein Jahr Zeit gewinnen, doch danach würde dasselbe der Situation zugrunde liegende Problem wieder zurückkehren: Die Pleite und der Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone.

Das Problem ist aber nicht nur auf Griechenland beschränkt, sondern es gibt ja auch noch Irland, Portugal, Spanien, Italien und Belgien. Die Finanzsituation dieser Länder ähnelt der griechischen. Bricht Griechenland weg, werden die anderen Länder folgen, was für Großbritannien, die Vereinigten Staaten und den Rest der Welt ebenfalls nachteilige Auswirkungen haben dürfte.

Griechenland und die anderen PIIGS-Länder werden das Weltfinanzsystem höchstwahrscheinlich in den Abgrund reißen.

Als nächstes dürfte Spanien an der Reihe sein, ein Land, das sich aktuell am Rande einer Revolution befindet. Dann kommen Italien und Belgien. Im Mai 2010 sagten wir all diese Ereignisse für das zweite Halbjahr 2011 voraus, und sie stehen nun kurz davor einzutreten.

Man braucht sich ja nur die Videos aus Spanien von vergangener Woche anzusehen, und schon weiß man genau, wo die Reise hingeht und wie die ganze Sache am Ende ausgehen wird. Die vorsätzliche Polizeibrutalität ist krass. Die spanischen Polizisten griffen grundlos Frauen und Kinder an und verletzten sie dabei. In Spanien beläuft sich die Jugendarbeitslosigkeit aktuell auf 43%. Das ist eine explosive Situation und es wird noch bedeutend schlimmer werden.

Selbst China hat mit Problemen zu kämpfen, da sich der Welthandel gegenwärtig abschwächt und die Arbeitslosigkeit steigt. Diese Probleme werden für alle asiatischen Länder von Nachteil sein, und auch Australien und Neuseeland werden darunter zu leiden haben.

Wir haben oft darauf hingewiesen, dass dieser weltweiten deflationären Depression kein Land auf der Erde wird entkommen können, obwohl wir schon der Meinung sind, dass einige Länder besser damit zurechtkommen werden als andere.

Wir gehen davon aus, dass all diese Probleme vorübergehend für einen stärkeren US-Dollar sorgen werden. Der Dollar ist aktuell noch das geringere Übel. Trotz seiner ungewöhnlichen Stärke rechnen wir jedoch damit, dass Gold und Silber auf neue Höchststände klettern und alle anderen Vermögensklassen ausstechen werden, da die Investoren begreifen, dass Gold die einzig wahre Währung ist, während bei dem gelben Metall darüberhinaus die Verwüstungen der Inflation, ja vielleicht sogar der Hyperinflation dementsprechend mit eingepreist werden.

Der Euro wird zusammenbrechen und Anhänger der Neuen Weltordnung werden eine Niederlage erleiden.

Alle Unternehmen, die irgendwie mit internationalen Finanzdienstleistungen zu tun haben, werden eine gefährliche Zeit überstehen müssen. Die meisten dieser Firmen werden nicht überleben. Die nächste Episode wird die Kreditkrise der vergangenen 3 Jahre wie einen Sonntagsspaziergang erscheinen lassen.

Eine der Fragen, mit der sich die Finanzhistoriker aktuell beschäftigen, ist, ob Griechenland der Auslöser der nächsten Kreditkrise werden wird. Wir sind der Meinung, dass dies durchaus möglich ist. Aus unserer Perspektive besteht der einzig sinnvolle Lösungsansatz im Hinblick auf die Griechenland-Krise darin, dass die Banker, die Staaten und der IWF dem Land ein vernünftiges Angebot unterbreiten, ansonsten kommt es zur Pleite.

Das ist das erste Mal seit mehr als 50 Jahren, dass sich ein ganzes Land der Bankengemeinde entgegenstellt hat. Die Weltöffentlichkeit hat nun mitbekommen, wie das verbrecherische Bankensystem arbeitet und wie man mit diesen Leuten umzugehen hat.

Die Austerität schwächt die Länder, da es der Wirtschaft die Fähigkeit raubt zu wachsen. Doch wird ja gerade das Wachstum benötigt, um die Steuereinnahmen zu erhöhen, mit denen dann die Schulden abgezahlt werden sollen. Diese Formel des Internationalen Währungsfonds wird bereits seit dem Jahre 1948 angewendet und dient der Kontrolle und Plünderung von Ländern, die für immer in der Schuldenfalle gefangen sind.

Wir haben ja nun gesehen, dass die Renditen für Anleihen mit niedrigeren Bonitätsnoten immer weiter steigen, was im Laufe der Zeit dafür sorgen wird, dass die besser bewerteten Anleihen ebenfalls höher rentieren müssen. Wir dürfen in diesem Zusammenhang ja auch nicht vergessen, dass Spanien und Belgien bereits als nächste in den Starlöchern warten. Die Staatsverschuldung Italiens, der stärksten Nation unter den Pleiteländern der Eurozone, beläuft sich auf über 120% des BIP.

Wenn die PIIGS-Länder allesamt in die Pleite abrutschen, belaufen sich die Verluste auf USD 4 Billionen bis USD 6 Billionen. Diese Schulden werden dann nicht zurückgezahlt. Die Forderungen der anderen europäischen Länder, Großbritanniens und der USA können dann abgeschrieben werden. Der Schaden, der durch solch eine Pleitewelle angerichtet wird, dürfte das weltweite Bankensystem mit Sicherheit in den Abgrund reißen.

Erschwerend kommen ja auch noch die kurzfristigen Anleihen hinzu, die in den vergangenen 15 Jahren die Hauptstütze der westlichen Länder gewesen sind. Alleine in den USA sind 60% aller Staatsschulden kurzfristige Anleihen. Das bedeutet, dass das US-Finanzministerium Billionen US-Dollars an Krediten überrollen muss, will man verhindern, dass das US-Finanzsystem zusammenbricht. Im besten Falle sind die Aufkäufe von US-Staatsanleihen durch die FED eine vorübergehende Behelfsmaßnahme.

Am Ende wird es dann ein großes Treffen aller Länder geben müssen, wo die Währungen neubewertet und gegeneinander abgewertet werden und man multilateral die Zahlungsunfähigkeit ausruft. Danach wird eine neue Weltreservewährung vereinbart werden, die zu 25% durch Gold gedeckt ist. Es könnte auch ein Index aus Währungen sein, die jedoch allesamt goldgedeckt sind. Auch könnte es sein, dass der Dollar weiterhin diese Rolle innehaben wird…

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Euro-Crash: Die Zeitbombe tickt
  • Ein geordneter Staatsbankrott Griechenlands mit einem gleichzeitigen Austritt aus der Eurozone wäre die beste Strategie … Bedauerlicherweise ist diese Option für die internationalistischen Politiker … und das Bankensystem … jedoch völlig unakzeptabel.
  • Hankel: „16 Länder mit einer gemeinsamen Währung ist Blödsinn“
  • Wenn das Bundesverfassungsgericht zugunsten von Hankels Klage entscheidet, wird die Teilnahme Deutschland am Rettungspaket aufgehalten. Darüberhinaus erklärte Hankel, dass Griechenland gezwungen sein könnte aus der EU auszutreten: „Warum nicht? Ein Land mit einer schwachen Wirtschaft kann keiner Währungsgemeinschaft angehören, die harte Regeln für Stabilität und eine harte Währung hat.“
  • Währungs-Crash: In 3 Jahren haben alle Eurozonenländer ihre nationalen Währungen wieder
  • Die Eurozone bricht auseinander. Der Währungs- und Finanzcrash ist nicht mehr aufzuhalten. Der einzig funktionierende Rettungsmechanismus bestünde in der Hinterlegung und dem Verkauf der französischen und deutschen Goldbestände. Doch erstens würden die Politiker dafür gelyncht werden…
  • Eurokrise 2.0: Devisenmärkte rechnen mit einem Grexit; Aktienmarkt schlummert noch
  • Das ist der Grund, warum Griechenland in Wahrheit eine so große Sache ist – es könnte nämlich zum Präzedenzfall für die nächste Runde der Eurokrise werden. Griechenland selbst stellt gerade einmal rund 2% der EU-Wirtschaft. Spanien, Italien und Frankreich sind aber viel größere Probleme, mit denen man klarkommen muss.
  • EU-Schulden-Debakel: Euro-Titanic hat nicht genügend Rettungsboote
  • Spanien braucht in Wirklichkeit EUR 400 Milliarden und die EZB ist auch bald pleite: Der EU-Parlamentarier Nigel Farage gibt den Zentralplanern Nachhilfe in Sachen Staatsfinanzierung