Staatsschuldendebakel: Monströse Schuldenwelle droht alles mit sich zu reißen

Alleine schon rein rechnerisch gibt es kaum noch etwas, was man tun könnte, um den gigantischen Schuldentsunami der westlichen Industrieländer aufzuhalten. Ohne massive Schuldenerlässe und Haircuts werden die westlichen Länder in einem hyperinflationärem Wirtschafts-Armageddon versinken

Puru Saxena, Puru Saxena Wealth Management, 22.08.2011

Sehen wir der Realität ins Auge: Eine Vielzahl der Industrieländer auf dem Planeten ist pleite, dass ist mittlerweile für jedermann offensichtlich. Entweder verkünden die überschuldeten Länder den Staatsbankrott oder sie entwerten ihre Währungen so stark, bis davon nichts mehr übrig ist.

Was die USA angeht, so verfügt das Land immer noch über das Privileg der Weltreservewährung und eine Zentralbank, die fortwährend weiter Dollars aus dem nichts drucken kann. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die USA jemals die Zahlungsunfähigkeit auf ihre Schulden erklären werden.

Dank der brillanten Erfindung der europäischen Einheitswährung verfügen die europäischen Staaten nicht über den Luxus, ihre Währung drucken oder fortwährend abwerten zu können. Ihnen sind die Hände gebunden, weshalb ihr Wohl und Wehe nun von der Gnade ihrer ausländischen Freunde abhängt.

Täuschen Sie sich nicht – Griechenland, Portugal und Italien verfügen nicht über die Möglichkeit, einfach Drachmen, Escudos oder Lire zu drucken. Sollten ihre Kreditgeber keine bedeutenden Abschläge auf ihre Kredite, einen sogenannten Haircut, akzeptieren, sind Staatspleiten unvermeidlich.

Die Politiker können den lieben langen Tag lügen, so viel sie wollen – die Wahrheit ist, dass die Schulden dieser europäischen Länder im Vergleich zur Größe ihrer Wirtschaften schlichtweg viel zu groß sind.

In Griechenland beläuft sich die Staatsverschuldung mittlerweile auf fast 160% des Bruttoinlandsprodukts, während die durchschnittliche Rendite auf griechische Staatschulden bei rund 15% liegt. Sollte Griechenland seine Schulden ohne Umstrukturierung überrollen müssen, würden sich alleine die Zinsverbindlichkeiten auf 24% des BIP belaufen. Mit anderen Worten: Sollte es keinen Schuldenschnitt geben, müsste fast ein Viertel der gesamten griechischen Wirtschaftsleistung aufgebracht werden, um die Zinsen zu bedienen!

Es reicht bereits, sich solch einfache Rechnungen vor Augen zu führen, um zu begreifen, dass Griechenland innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre den Staatsbankrott verkünden wird, außer die Deutschen oder Franzosen kommen zu Hilfe geeilt.

Aus der nachfolgenden Grafik geht deutlich der riesige Schuldenüberhang Europas hervor. An der Spitze dieser berüchtigten Liste steht Griechenland, während die nächsten 4 Plätze von Italien, Irland, Portugal und Belgien eingenommen werden. Des Weiteren ist interessant, dass es in der Eurozone gerade einmal 5 Mitgliedsländer gibt, die die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspakts in Höhe von 60% des BIP einhalten.

Unseres Erachtens ist die griechische Wirtschaft klein genug, so dass Deutschland und/oder Frankreich in der Tat für die Kosten aufkommen könnten. Wir sind bezüglich einer unmittelbar bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit Griechenlands daher nicht allzu besorgt.

Bedauerlicherweise ist die italienische Wirtschaft bedeutend größer. Die italienische Staatsverschuldung beläuft sich auf atemberaubende EUR 1,9 Billionen (USD 2,7 Billionen). Während wir diese Zeilen schreiben, beläuft sich die Rendite für italienische Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit auf 5,76%. Sollten die Zinsen weiter steigen, kann man alleine aufgrund einfacher mathematischer Erwägungen davon ausgehen, dass Italien ein massives Problem bekommen wird.

Es sollte in diesem Zusammenhang auch Erwähnung finden, dass die jüngsten starken Renditeanstiege bei italienischen Anleihen zu einem Anstieg der Kreditaufnahmekosten führen werden, welche die italienische Regierung gegenwärtig mit EUR 75 Milliarden oder knapp 5% des Bruttoinlandsprodukts veranschlagt.

Sollten die Zinsen auf italienische Staatsanleihen bis 2014 auf 6% ansteigen, ergeben sich gemäß unserer Berechnungen jährliche Finanzierungskosten in Höhe von EUR 110 Milliarden oder fast 7,5% des BIP. Angesichts der schieren Größe der Summen, um die es hier geht, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die deutschen und/oder französischen Bürger es ihren Regierungen erlauben werden, für die Kosten Italiens aufzukommen.

Wir sind daher der Auffassung, dass sich Italien am Ende als ein bedeutend größerer Albtraum erweisen wird als Griechenland. Nichtsdestotrotz gehen wir davon aus, dass es in nächster Zeit keine Zahlungsunfähigkeit eines europäischen Landes geben wird. Die in Schwierigkeiten befindlichen europäischen Staaten werden stattdessen am Ende des nächsten großen Bärenmarkts in die Pleite abrutschen, und dieser scheint noch mehrere Monate weg zu sein.

Wenn wir auf die andere Seite des Atlantiks schauen, stellen wir fest, dass die Staatsverschuldung der weltgrößten Wirtschaft mittlerweile einen Stand von USD 14,34 Billionen erreicht hat, was fast 96% des Bruttoinlandsprodukts entspricht!

Der überwiegende Teil dieser Schulden sind kurzlaufende Anleihen, und dank der Rekordtiefststände bei den Zinssätzen, ist deren Finanzierung zurzeit preiswert. Aufgrund der künstlich unten gehaltenen Zinssätze für kurzfristige Schulden stellt die Finanzierung der US-Schulden also zurzeit noch kein Problem dar.

Sollten die Inflationserwartung jedoch weiter anziehen und die Zinsen bedeutend steigen, werden die US-Schulden zu immer höheren Zinsen refinanziert werden müssen. Wenn das passiert, steigen die durchschnittlichen Kapitalkosten, was die Kreditaufnahmekosten in untragbare Höhen schrauben wird. Zu diesem Zeitpunkt wird man dann einen bedeutend größeren Anteil der amerikanischen Wirtschaftsleistung aufbringen müssen, um die Zinsen bedienen zu können, was für zusätzlichen Druck auf die Wirtschaft sorgt.

Sollten die Zinszahlungen für US-Schulden auf schmerzhafte Niveaus steigen, wird man sich an den Vorsitzenden der Federal Reserve, Ben Bernanke, wenden, damit dieser die Hyperinflation vom Zaum lässt. Wenn wir mit unserer Einschätzung richtig liegen, dürfte die US-Regierung die Laufzeiten für ihre Staatsanleihen zuvor jedoch dramatisch hochschrauben, also noch bevor Bernanke die Gelddruckmaschine bis zum Anschlag aufdreht (etwas anderes haben wir bisher ja nicht zu sehen bekommen). Dadurch, dass die US-Regierung ihre langfristigen Kreditaufnahmekosten noch vor dem Einsetzen der Großen Inflation fixiert, wird sie der aufbrausenden Welle explodierender Zinssätze entkommen.

Schauen Sie – egal wie man es dreht und wendet, alleine rein rechnerisch gibt es heute bereits keine Möglichkeit mehr, hier noch eine Lösung herbeizuführen. Angesichts der gigantischen Schuldenberge und der trägen Wirtschaften in den Industrieländern ist es für uns völlig offenkundig, dass die Schuldenrestrukturierung den einzig noch gangbaren Weg darstellt.

Sollte der Westen beabsichtigen, ein Wirtschafts-Armageddon und/oder die Hyperinflation zu vermeiden, muss es unverzüglich zu Schuldenerlässen kommen. Die Kreditoren und Halter von Anleihen müssen ihre Verluste und die Haircuts auf ihre Kredite akzeptieren, andernfalls werden die Schulden am Ende mit wertlosem Geld zurückgezahlt werden!

Das Problem bei der Schuldenrestrukturierung ist jedoch, dass sie das Kapital der Banken vernichten wird und die Ansteckung dann dazu führt, dass zahlreiche Finanzinstitutionen pleite gehen werden. Darüberhinaus würde die Schuldrestrukturierung oder die Zahlungsunfähigkeit auf Schulden aufgrund der Kreditausfallversicherungen Milliardenzahlungen auslösen – Kreditausfallversicherungen, die ebenfalls von den Banken ausgegeben wurden!

Hieran kann man sehr schön sehen, warum die Bankenelite (gemeinsam mit den Politikern) gegenwärtig händeringend versucht, das Unvermeidliche doch noch irgendwie abzuwenden. Die Wahrheit ist, dass die Bankenelite nicht vorhat, die Verluste zu realisieren, sondern vielmehr plant, den sich ohnehin bereits in Schwierigkeiten befindlichen Staaten noch mehr Schulden aufzuhalsen. Schließlich drucken sie das Geld ja selbst, warum sollte man ihnen dann also keine neuen Kredite geben.

Was die Bankenelite jedoch auf keinen Fall will, ist, dass die Schuldner einfach von ihren Verbindlichkeiten zurücktreten, da ein derartiges Szenario die Banken in die Pleite stürzen würde. In der nachfolgenden Grafik sehen Sie die Verbindlichkeiten der EU-Peripherieländer gegenüber europäischen Banken, und, wie Sie erkennen können, ist es kein schöner Anblick:

Wertpapiere von EU-Peripherieländern in Millionen Euros

Darüberhinaus haben wir festgestellt, dass „Austerität“ ein Wort ist, das gerade in Mode zu kommen scheint. Zahlreiche Politiker sprechen jetzt darüber, dass sie ihre Haushaltsdefizite verringern wollen. Wir halten dies jedoch lediglich für politische Maßhalteappelle – in Wirklichkeit wird man gar nichts unternehmen, um die tief verwurzelten strukturellen Probleme anzugehen. Und solange die Regierungen nicht über die Macht verfügen, ihre eigenen Währungen herauszugeben, sondern dieses Recht vielmehr bei den Zentralbanken liegt, können und werden die Schuldensorgen der Welt nicht weggehen.

Wir freuen uns festzustellen, dass wir nicht die einzigen Skeptiker sind. Selbst die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) sind der Auffassung, dass die Schuldenniveaus auch in Zukunft weiter außer Kontrolle geraten werden.

In der nachfolgenden Grafik sehen Sie die Prognosen des BIS, welcher BIP-Anteil von den jeweiligen Ländern zur Bedienung der Zinszahlungen auf Staatsschulden aufzubringen ist. Wie Sie sehen, ist die BIS nicht besonders optimistisch und geht davon aus, dass die Zinszahlungen der von ihr aufgeführten Länder im Verhältnis zum BIP explodieren werden:

Die BIS geht davon aus, dass die Zinszahlungen Großbritanniens bis zum Jahre 2040 auf 27% des BIP ansteigen werden! In den USA sollen es dann 23% des BIP sein! Obschon wir der Meinung sind, dass derart weit in die Zukunft reichende Prognosen nicht korrekt sein können, sind wir dennoch davon überzeugt, dass der Schuldenüberhang die Wirtschaften der Industrieländer vernichten wird.

In Anbetracht des gigantischen Schuldenbergs, der riesigen Haushaltsdefizite und der steigenden Finanzierungskosten ist es keineswegs überraschend, dass wir im Hinblick auf die Entwicklungen in den Industrieländern weiterhin pessimistisch bleiben. Unseres Erachtens ist die Zeit des Westens abgelaufen. Das nächste Jahrzehnt wird die zahlreichen Risse dieser Gesellschaft aufzeigen.

Und obwohl wir bezüglich der US-Wirtschaft pessimistisch sind, gehen wir davon aus, dass die Fähigkeit der Federal Reserve, die Geldmenge auszuweiten, die USA vor einem direkten Staatsbankrott bewahren wird. Im Hinblick auf Europa sind wir jedoch nicht so zuversichtlich und gehen davon aus, dass dort innerhalb der nächsten paar Jahre ein oder zwei EU-Mitgliedsstaaten den Staatsbankrott verkünden könnten.

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