Martin Armstrong: Euro crasht noch vor dem US-Dollar

Eine Finanz- und Währungskrise, auch eine globale, beginnt immer an den Rändern des Systems, weshalb es den Euro auch früher umhauen wird als die Weltreservewährung, so der Finanzmarktexperte Martin Armstrong

King World News, 30.09.2011

Während sich die weltweiten Märkte weiter in einem Zustand des Chaos befinden, interviewte King World News den allseits bekannten Martin Armstrong, Gründer und einstigen Chef von Princeton Economics International Ltd.

Armstrongs Firma befand sich auf dem Weg, zur vielleicht größten multinationalen Beratungsfirma der Welt aufzusteigen. 1997 wurde Armstrong aufgrund der Währungskrise in Asien von den Chinesen eingeladen und nach Peking geflogen, um die chinesische Zentralbank zu beraten.

Was viele nicht wissen, ist, dass sich selbst der US-Kongress an Armstrong wandte und ihn um Hilfe bat, als ihnen im Jahre 2008 im Rahmen des Finanzzusammenbruchs alles um die Ohren flog. Als King World News Armstrong fragte, was der Kongress damals von ihm wollte, erklärte er:

„Eine Frage [vom Kongress] war, ´Wie kann über Nacht alles derart in sich zusammenbrechen?` Die Sache war sehr einfach – es waren die hypothekarisch besicherten Wertpapiere, die sie nutzten und die mit AAA bewertet wurden. Das ist auch der Grund, warum gerade gegen S&P und andere ermittelt wird. Denn hat man sie erst einmal mit AAA bewertet, kann man sie in Märkten mit Rückkaufsvereinbarung, im Repomarkt platzieren.

Wenn man die Papiere im Repomarkt platziert, bekommt man Geld dafür und am nächsten Tag muss man es dann wieder zurückzahlen. Es ist also ein 24-Stundenmarkt. Nun, wenn man diese mit AAA bewerteten Zeitbomben besitzt – und sie müssen mit AAA bewertet sein, um am Repomarkt platziert werden zu können – und die Papier platzen, muss man das Geld innerhalb von 24 Stunden zusammenbekommen.

Wären es hingegen keine AAA-Papiere, sondern wären sie nur AA und würden platzen, würden sie lediglich in den Büchern der Banken auftauchen. Dies muss dann quartalsmäßig berichtet werden und man verfügt über einen zeitlichen Rahmen, um das Problem anzugehen, die Abschreibungen oder was auch immer vorzunehmen. Lehman hätte überlebt, die meisten anderen Firmen hätten überlebt.

Und das ist es, was viele Menschen nicht begreifen. Das ist auch der Grund, warum viele Leute [Kongressvertreter] letztendlich an mich herangetreten sind, weil ich diese Märkte verstehe und weiß, wie sie geschaffen werden. Ich war dabei, als man sie schuf.“

Bezüglich der Frage, welche Währung als erstes zusammenbricht, erklärte Armstrong:

„Die Amerikaner neigen dazu, sich ausschließlich auf die Vereinigten Staaten zu konzentrieren. Unter den westlichen Ländern sind die USA in Wirklichkeit das Land, das in der besten Verfassung ist. Europa wird mit Sicherheit zuerst großflächig zusammenbrechen.

Was man bezüglich des Dollars begreifen muss, ist, dass der Dollar die Reservewährung ist. Das bedeutet, dass rund 40% aller Zinsen, die wir entrichten, ins Ausland gehen. All die ausländischen Zentralbanken halten in Wirklichkeit US-Staatsanleihen, und keine physischen Dollars.

In Wirklichkeit halten sie also die Anleihen als Reserve. Die Reservewährung ist also nicht irgendetwas, das zuerst auseinanderbricht. Dass muss man begreifen, weil, wäre der Dollar das erste, was zusammenbricht, würde der Rest der Welt mit in den Abgrund stürzen.

In Europa, ja übertragen wir es einfach einmal auf Amerika: Stellen Sie sich vor, jeder [US-Bundes]Staat hätte das Recht Dollars zu drucken, es wäre das totale Chaos. Und das ist es, was Europa macht [dadurch, dass jedes Land der Eurozone seine eigenen Anleihen herausgibt], und das ist auch der Grund, warum ich sie gewarnt habe, dass sie untergehen würden.

Aber die Politiker wollten das schon vor 10 Jahren nicht hören. Sie waren vielmehr daran interessiert, einen Euro zu schaffen, als ein [langfristig funktionierendes] System…Daher befindet sich dort auch das Bankensystem in Schwierigkeiten. Sie [die europäischen Führer] versuchen, so lange durchzuhalten als möglich.“

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