Preiseinbruch bei Gold & Silber – Kein Grund zur Panik

John Browne, Euro Pacific Capital, 29.09.2011

Offiziell begann der Herbst am 21.09., doch sind es dieses Jahr nicht nur die Blätter, die fallen. In den wenigen Markttagen der neuen Jahreszeit erlebten wir bei den Edelmetallpreisen bedeutende Rückgänge – rund 11% bei Gold und 31% bei Silber. Während dieser Abwärtsbewegung schoss Gold durch die Stützungslinien bei USD 1.750, USD 1.700 und USD 1.645 pro Unze.

Einige Leser sind diesbezüglich sicherlich etwas besorgt, schließlich hatte Gold bis zu seinem jüngsten Preishoch am 22.08. alleine in 2011 bereits eine atemberaubende Verteuerung in Höhe von 44% hinlegen können. Und selbst nach den jüngsten Preisrückgängen notiert das gelbe Metall immer noch 22% höher als im Vergleich zum bisherigen Jahrestief vom 27.01, weshalb einige auch der Auffassung sind, dass Gold noch weiter fallen wird und der Einbruch drastisch ausfallen könnte.

Angesichts all dieser Befürchtungen dürfte es hilfreich sein, noch einmal einige der Faktoren aufzuzeigen, die nach unserem Dafürhalten die Preisbildung beeinflussen. Gerade in der Finanzwelt neigen die Emotionen dazu, besonders überwältigend auszufallen, und es ist angesichts dessen recht leicht, während der Phasen von Unsicherheit den Blick für das Wesentliche zu verlieren.

Um zu einer rationalen Einschätzung zu gelangen, wie man in der heutigen irrationalen Zeit Gewinne machen kann, werden wir uns im Folgenden anschauen, warum die Edelmetalle so massive Preiskorrekturen durchgemacht haben:

Markttechnik

Angesichts des rasanten Preisanstiegs von Gold und Silber während des ersten Halbjahrs 2011 war eine Korrektur an den Edelmetallmärkten ohnehin fällig, speziell nach den parabolischen Preisanstiegen, die wir im August beobachten konnten. Märkte steigen nie in einer gleichförmigen Linie nach oben, und oftmals sind es gerade Bullenmärkte, wo die größten Abwärtsschwünge auftreten.

Bei Gold sind derartige Kursbewegungen völlig normal, speziell während kurzer Phasen einer Finanzpanik. So fiel Gold beispielsweise während der zweiten Hälfte des Jahres 2008 um mehr als 25% und fast 15% von Februar bis April 2009. Und dennoch: Nachdem sich der Staub dieser Korrekturen wieder gelegt hatte, setzte Gold seinen Aufwärtsmarsch weiter fort, und zwar mit noch mehr Elan als zuvor.

Die schrittweisen Erhöhungen der Hinterlegungspflichten sind ein weiter technischer Faktor, der auf Gold und Silber lastet. In den letzten Monaten haben zahlreiche Börsen, die für Edelmetallfutures Einschusskonten anbieten, es bedeutend teurer gemacht, diese Future-Bestände bis zur Endfälligkeit zu halten.

Das hatte Liquidierungen zur Folge, die einen Abwärtsdruck auf die Preise ausübten. Viele spekulierten sogar, dass diese dramatischen Veränderungen bei den Hinterlegungspflichten absichtsvoll geplant worden seien, um das Vertrauen in Gold als sicheren Hafen zu untergraben.

Rezessionsrisiko

In jüngster Zeit ist immer mehr Menschen klargeworden, dass sich die Wirtschaft nicht erholt. Erst letzte Woche erlebten wir, wie der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, seinen düstersten Wirtschaftsausblick seit 2009 abgab. Viele Menschen haben jedoch begriffen, dass der FED-Vorsitzende die Wahrheit trotzdem immer noch massiv schönt und die wirtschaftliche Situation in Wirklichkeit sogar noch schlimmer ist.

Einige sind sogar der Meinung, dass wir uns gerade auf direktem Wege in eine vollumfängliche Depression befinden. In einem derartigen Umfeld gelten Bargeldbestände typischerweise als höchstes Gut, während die Rohstoffpreise fallen. In diesem Zusammenhang kann man auch davon ausgehen, dass Silber – das industriell stärkere Verwendung findet als Gold – kurzfristig schneller im Preis fällt.

Aber unter diesen Umständen kann auch von Gold angenommen werden, dass es im Preis fällt, speziell wenn die offiziellen Inflationszahlen relativ moderat ausfallen. Was die Märkte bedauerlicherweise erst noch verinnerlichen müssen, ist, dass die Rezession dieses Mal wahrscheinlich mit einer hohen Inflation sowie dem Risiko eines Währungszusammenbruchs einhergehen wird. Für Investoren, die diese Logik begriffen haben, sind Edelmetalle nach wie vor hochattraktiv.

Liquidierungen

Es gab Gerüchte, dass einige Großinvestoren, darunter auch Hedge Fonds, in den letzten Wochen ihre großen Edelmetallbestände aufgelöst haben. Viele dieser Investoren saßen bei Gold und Silber wahrscheinlich auf großen Zugewinnen, doch als es die Aktienmärkte umhaute, dürften sie sich dafür entschieden haben, die Gewinne bei Gold zu realisieren, um die Verluste bei anderen Anlagepositionen auszugleichen.

Und da sich die Probleme in der Politik und im Bankenwesen in letzter Zeit immer weiter vergrößert haben, hat sich die Liquidität in einen der entscheidenden Faktoren bei den Investmentscheidungen verwandelt. Mit anderen Worten: Die Großinvestoren versuchen einfach nur ihre Schulden zu bedienen, anstatt langfristig zu investieren.

Der Rettungsplan für Griechenland

Viele Investoren scheinen auf den jüngst verkündeten Rettungsplan für Griechenland große Hoffnungen gesetzt zu haben, mit dem die Staatsschuldenkrise der Griechen bekämpft werden soll, was ihren Appetit auf Gold als langfristigem Rettungsanker abschwächte. Diese Auffassung ist aber viel zu optimistisch.

Es wird keinen geordneten griechischen Staatsbankrott geben. Der deutsche Plan ist nichts weiter als eine billige Kopie der FED-Strategie, die Dinge immer weiter auf die lange Bank zu schieben und die Anleger zu täuschen – eine Strategie, welche die Basis für das TARP-Rettungspaket bildete, das auch unter dem Begriff „Banken-Bailouts“ bekannt ist.

Es ist wahrscheinlich, dass, sollten die Märkte erst einmal auf die krassen Mängel dieses Planes stoßen, die Ängste bezüglich einer Währungskrise wieder aufkochen werden, was bei Gold zu entsprechenden Aufwertungen führt.

Die Stärke des US-Dollars

Wie so oft in der Vergangenheit, hat der Dollar auch dieses Mal in den ersten Tagen einer Wirtschaftsabschwächung erneut an Stärke gewonnen, was bei Gold und Silber für einen Abwärtsdruck sorgte. Wir gehen davon aus, dass diese Dollarstärke lediglich ein vorübergehendes Phänomen ist, aus Gründen, die unseren Lesern bestens bekannt sind.

Zentralbankinterventionen

Den Zentralbankern ist der Goldpreis schon lange ein Dorn im Auge, da er ihre betrügerischen Währungsentwertungen offenbart. Seit Jahren haben sich die Zentralbanken der großen Schuldnerstaaten mithilfe des Internationalen Währungsfonds und der Goldabkommen I und II darum bemüht, die normalen Marktschwankungen bei Gold zu verstärken, um so die Auffassung zu untergraben, dass es sich bei Edelmetallen um den sichersten Vermögensspeicher handelt. Und obwohl die Zentralbanken der Länder mit Leistungsbilanzüberschuss gegenwärtig Gold kaufen, ist es durchaus denkbar, dass der IWF gegenwärtig immer noch versucht, die Goldpreisschwankungen zu verstärken.

Ungeachtet des Umstandes, dass einige oder alle der oben genannten Faktoren einen Anteil an den jüngsten Preisrückgängen bei den Edelmetallen haben, sehen sich die Investoren auch weiterhin der Gefahr einer Währungskrise gegenüber, die zu einer Preisexplosion bei Gold und Silber führen wird. Selbst bei einem Preis von USD 1.600 pro Unze liegt Gold immer noch bei gerade einmal 64% seines inflationsbereinigten Allzeithochs von 1980. Die Anleger sollten diese Faktoren in ihre Überlegungen mit einbeziehen, bevor sie ihre Edelmetallbestände abverkaufen und ihr Vermögen der Vernichtung durch die Zentralbanken anheimstellen.

Wie stark die Edelmetalle noch im Preis fallen werden, kann nur die Zeit sagen. Doch sollten wir richtig liegen und Gold einen Preis von zigtausenden von Dollars pro Unze erreichen, wird es uns später im Rückblick völlig egal sein, ob wir nun zum absoluten Tiefstpreis gekauft haben oder nicht. Vielmehr werden wird dann einfach nur beruhigt sein, überhaupt gekauft zu haben.

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