Gold: Der einzige Schutz vorm Papiergeld-Tsunami

Auch nach den jüngsten Rückgängen beim Goldpreis hat sich an den Fundamentaldaten nichts geändert. Die weltweiten Zentralbanken kennen auf alle Probleme nur eine Lösung: Gelddrucken bis die Druckerpressen rauchen

Peter Schiff, Euro Pacific Capital, 01.10.2011

In den vergangenen Wochen konnten wir bei den Rohstoffen und Aktien starke Kursrückgänge beobachten. Gold machte einen starken Rücksetzer, nachdem es zuvor seinen Kurshöhepunkt erreichte und kurzzeitig über die Marke von USD 1.900 pro Unze kletterte. Die Volatilität der Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte ist in jüngster Zeit außerordentlich hoch gewesen, und diese kurzfristigen Preisbewegungen versetzten die Experten an Wall Street in Aufruhr.

Während der Goldpreis stark stieg, empfahlen viele Berater, in das gelbe Metall zu investieren, und verwiesen dabei auf „Nachahmungseffekte“. Steigende Preise, so argumentierten sie, deuten auf eine veränderte Stimmung und somit auf weitere Preissteigerungen. Für diejenigen, die genau aus diesem Grund kauften, sind steigende Preise natürlich ein schlechtes Omen.

Darüberhinaus stieg der Goldpreis eine Zeitlang, während die Aktienpreise fielen. Das führte dazu, dass einige Investoren Gold kauften, um sich vor den Risiken am Aktienmarkt abzusichern. Als Gold dann schließlich den niedrigeren Aktienpreisen folgte, wurden diese Geschäfte wieder rückabgewickelt.

Meine Leser wissen aber, dass der Masse zu folgen, noch nie ein guter Grund gewesen ist, um Gold zu kaufen. Schließlich hätte man mit derselben Logik vor 5 Jahren genauso gut empfehlen können, in Phoenix ein Haus zu kaufen. Und da die Fundamentaldaten immer noch für die langfristige Stärke von Gold sprechen, klingelten unsere Telefone dann auch ohne Unterlass, weil die Kunden den Preisrückgang schlauerweise zum Kauf nutzten.

An den Fundamentaldaten hat sich nichts geändert

Es ist wichtig zu verstehen, warum man Gold besitzen sollte. Die Gründe dafür haben nach wie vor unverändert Bestand. Die US-Regierung ergeht sich seit Jahrzehnten in verschwenderischen Ausgabeprogrammen historischen Ausmaßes, während die US-Notenbank Federal Reserve wie wild Geld druckt, um die aus dieser Verschwendungssucht resultierenden Schulden zu finanzieren.

Und da praktisch jeder Zentralbankchef auf der Welt von der keynesianischen Wirtschaftsphilosophie vereinnahmt zu sein scheint, drucken die ausländischen Zentralbanken alle gleichzeitig Euros, Yen, Franken, Yuan und Pfund, um die Dinge am Laufen zu halten. Natürlich schießen sich die Länder mit diesem Abwertungswettlauf selbst in den Fuß.

Rechnen Sie besser nicht damit, dass es hier in Zukunft zu irgendwelchen Veränderungen kommen wird. An der Philosophie der Federal Reserve – ein entschiedener Glaube an Zentralplanung und Abwertung – hat sich seit dem Rücktritt des FED-Vorsitzenden Paul Volcker im Jahre 1987 nichts geändert.

Anstatt dass man einen Richtungswechsel in Erwägung zieht, dürften sich die Gouverneure der Federal Reserve eher fragen:


Sie denken vielleicht, ich mache Witze, aber das meine ich durchaus ernst. Während die Geldpolitik unter Greenspan bereits schlecht war, hat Ben Bernanke buchstäblich ein revolutionäres Abwertungsprogramm des Dollars implementiert. Und Gold ist das einzige Mittel, wie man sich vor dieser Guillotine schützen kann.

Der wahre Wert und der Kassapreis

Wir sollten uns auch noch einmal in Erinnerung rufen, dass es der fundamentale Wert einer Anlage ist, der langfristig ihren Marktpreis bestimmt. Dieser Zusammenhang scheint in den Augen einiger Investoren aber genau andersherum zu sein – sie verwenden den kurzfristigen Marktpreis, um damit dann den fundamentalen Wert eines Vermögenswerts zu ermitteln. Nehmen wir beispielsweise ein Auto, das von einem Autohaus zum Verkauf angeboten wird: Sinkt der Preis am nächsten Tag, wird das Auto auf einmal zum Schnäppchen. Steigt der Preis, ist das Auto weniger attraktiv.

Und dieses Prinzip gilt auch für Langzeitinvestments. Ich gehe davon aus, dass der dem Gold zugrunde liegende Wert weit höher ist als USD 1.600 pro Unze und auch weit höher ist als USD 2.000 pro Unze. Während es für einige Goldbesitzer durchaus unangenehm sein kann, mitzuerleben, wie Gold nun kurzfristig Preisrückgänge verzeichnet, sollten wir den grundlegenden Wert einer Anlage im Auge behalten, und nicht den aktuellen Kassapreis des jeweiligen Handelstags.

Und, ist der fundamentale Wert von Gold in den vergangenen zwei Wochen gefallen? Nein, das Gegenteil ist der Fall.

Ein überschuldetes Kartenhaus

Die US-Notenbank versucht immer noch, Wege zu finden, wie sie den Anleihenmarkt manipulieren kann, und verkündete jüngst „Operation Twist“. Das ist ein weiterer Plan, um die Renditen unten zu halten, die Ausgaben anzuheizen (als wären die zu geringen Ausgaben Amerikas Problem) und die untragbaren Zinsen, die über Washington thronen, zu übertünchen.

Der manipulierte US-Anleihenmarkt ist wohlmöglich die größte Blase überhaupt. Weitere Manipulationsmaßnahmen machen diese Blase langfristig nur noch instabiler, und wenn sie platzt, dürfte Gold im Preis explodieren.

Underdessen frisst sich die europäische Schuldenkrise schnell bis nach Italien durch. Am 28.09.2011 verkaufte Italien Anleihen zu Zinssätzen, die doppelt so hoch waren wie bei der vorangegangenen Auktion zu Anfang dieses Jahres. Die EZB mag vielleicht in der Lage sein, Griechenland über Wasser zu halten, aber Italien ist das drittgrößte Mitglied der Eurozone. Italien ist eine Nummer zu groß für die EZB.

Und das gilt erst recht vor dem Hintergrund der kürzlich durchgeführten Herabstufung von zwei der größten französischen Banken durch die Ratingagentur Moody´s – Société Générale und Credit Agricole. Wie das Wall Street Journal meldete, erklärte die Kreditratingagentur, dass bei

„ihrer Entscheidung zur Herabstufung der Banken auch die Annahme einer Schuldenrestrukturierung mit einbezogen wurde, die die Investoren bis zu 60% auf griechische Staatsschulden, 50% auf portugiesische und irische Schulden, 10% auf spanische Schulden und 7% auf italienische Schulden kosten würde.“

Mit anderen Worten, ist das westliche Finanzsystem nichts weiter als ein überschuldetes Kartenhaus. Das ist auch die Ursache für die aktuelle Marktpanik. Schwerer zu erklären ist hingegen, warum die Investoren darauf mit dem Abverkauf von Gold und dem Kauf von Dollars und Euros reagieren. Nun ja, mir hat man immer gesagt: Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.

Ruhe bewahren

Man sollte sich weder von der Überschwänglichkeit noch vom Pessimismus kurzfristiger Kursbewegungen anstecken lassen, selbst wenn sie massiv ausfallen. Behalten Sie auch weiterhin die Fundamentaldaten im Auge – die Ereignisse in Europa, die heraufziehende Haushaltskatastrophe in den USA, die fortwährende Strategie der Währungsentwertung der Zentralbanker und die anhaltende Diversifikation der Schwellenmärkte in Richtung Edelmetalle. Das sind die Haupttriebkräfte für den langfristigen Goldpreisanstieg.

All jenen, die die Edelmetalle vielleicht kurz vor dem Kursrücksetzer gekauft haben, sei gesagt, dass Ihre Bedenken natürlich nachvollziehbar sind. Dennoch glaube ich, dass dieser Bullenmarkt noch einen langen Weg vor sich hat, und ausgehend von den gegenwärtigen Preisniveaus sieht der vor uns liegende Aufstieg noch steiler aus.

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