Grottenschlechte Meldungen aus der Finanzwirtschaft reißen nicht ab – 14 Fakten, die Sie in Angst und Schrecken versetzen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 04.10.2011

Hören die schlechten Meldungen eigentlich mal wieder auf? Viele Menschen auf der ganzen Welt hoffen gegenwärtig darauf, dass die Finanzwelt ein bedeutend besseres viertes Quartal hinlegen wird, nachdem das dritte Quartal absolut desaströs gewesen ist.

Nun ja, falls der Montag dieser Woche irgendein Hinweis auf die künftige Entwicklung sein kann, dann dürfte sich der Oktober für die Finanzmärkte am Ende als ziemlich ungemütlicher Monat herausstellen. Aktuell flattern derart viele schlechte Finanzmeldungen herein, dass es unglaublich schwer ist, hier überhaupt noch den Überblick zu behalten.

Griechenland schlingert weiter am Rande des Staatsbankrotts, während es mittlerweile den Anschein macht, als sei Deutschland nicht bereit, mehr als die bereits zugesagten Gelder bereitzustellen. Auf beiden Seiten des Atlantiks stehen Großbanken am Rande des Zusammenbruchs, während die weltweiten Investoren Angst haben, dass es schon bald ein neuen „Lehman-Brothers-Moment“ geben könnte. Die Aktien der Fluggesellschaft American Airlines brachen am Montag um atemberaubende 33% ein, nachdem Gerüchte die Runde machten, dass der Konzern schon bald die Insolvenz anmelden könnte.

Ja, langsam scheint es in der Tat richtig interessant zu werden. Damals im Jahre 2008 waren die Regierungen der westlichen Welt noch in der Lage, dass Finanzsystem mit gigantischen und in ihrem Umfang bisher beispiellosen Rettungspaketen zu retten. Sollte das Finanzsystem innerhalb der kommenden Wochen und Monate erneut gegen die Wand fahren, stellt sich die Frage, ob dann überhaupt noch der politische Wille für weitere Rettungsmaßnahmen vorhanden ist. Wenn nicht, was passiert dann mit dem Bankensystem?

Beiderseits des Atlantiks arbeiten die Banken mit riesigen Kredithebeln und verfügen nur über eine sehr geringe Eigenkapitaldecke. Sie haben sich gigantische Mengen an Risiken aufgebürdet und verfügen darüberhinaus über riesige Bestände an Finanzderivaten. Es scheint tatsächlich so zu sein, als hätte aus der Finanzkrise des Jahres 2008 niemand auch nur irgendetwas gelernt.

Sollte es wieder dazu kommen, dass eine Reihe von Finanzdominos stürzt, könnte dies durchaus dutzende weiterer wankender Dominosteine zu Boden reißen.

Am Montag kam es zu einigen ziemlich bedeutsamen Ereignissen, doch haben sich die Medien mittlerweile derart an all die schlechten Meldungen bezüglich der enormen Finanzinstabilität gewöhnt, dass ein Großteil dieser Ereignisse einfach beiseite gewischt wurde.

Fakt ist aber, dass sich gegenwärtig wirklich sehr bedeutsame Dinge abspielen. Im Folgenden finden Sie 14 Fakten, die Sie durchaus in Angst und Schrecken versetzen könnten:

1. Am Montag fiel der Dow Jones um 258 Punkte. In jüngster Zeit scheint der Dow Jones praktisch jeden Tag gleich um mehrere hundert Punkte nach unten oder oben zu gehen. Eine derart hohe Volatilität ist mit Sicherheit kein gutes Zeichen, was die Gesundheit des Finanzsystems anbelangt.

2. Die Aktien des Wall Street Giganten Morgan Stanley fielen am Montag um weitere 8%. Die Aktien von Morgan Stanley sind seit Februar dieses Jahres bereits um über 50% im Preis zurückgegangen.

3. Der Aktienpreis von Bank of Amerika brach am Montag auf USD 5,53 ein. Noch vor wenigen Wochen kostete dieselbe Aktie mehr als USD 50.

4. Es gibt Meldungen, die besagen, dass Goldman Sachs im dritten Quartal 2011 sogar einen Verlust ausweisen und die Jahresboni der Angestellten praktisch auf null setzen könnte. Es wird mit Sicherheit nicht allzu viele Menschen geben, die mit Goldman Sachs sympathisieren, aber diese Meldungen zeigen, wie massiv sich die Situation für die Wall Street Banken bereits verschlechtert hat.

5. Normalerweise ist Goldman Sachs immer ziemlich optimistisch, was den Marktausblick anbelangt, in jüngster Zeit gab es jedoch einige Berichte der Bank, die wirklich ziemlich beängstigend sind. Beispielsweise gibt es nun einen neuen Bericht von Goldman Sachs, wo die Autoren erklären, dass zurzeit eine 40%ige Chance darauf besteht, dass eine „Große Stagnation“ einsetzt.

6. Die Aktien des europäischen Bankgiganten Dexia brachen am Montag um rund 10% ein, da Gerüchte die Runde machten, dass das Finanzinstitut schon bald ein bedeutendes Rettungspaket benötigen könnte. Die Aktien großer europäischer Banken hatte es innerhalb der letzten Wochen ohnehin bereits schwer erwischt.

7. Aktien von American Airlines brachen am Montag um 33% ein, da Gerüchte die Runde machten, der Konzern stünde kurz vor dem Bankrott. Erstaunlicherweise wurde der Handel der Aktie am Montag ganze siebenmal ausgesetzt.

8. Es wurde darüber berichtet, dass bei American Airlines alleine in den vergangenen 2 Monaten 240 Piloten in den Ruhestand traten. All diese Piloten traten deshalb in den Ruhestand, um ihre Rentensparpläne auf diese Art vor einem Insolvenzverfahren zu schützen.

9. Am Montag erwischte es praktisch die gesamte US-amerikanische Luftfahrtbranche, und zwar heftig. Die Aktien von United Continental, U.S. Airways und Delta brachen alle um über 10% ein.

10. Der Wert von US-Aktien ist im dritten Quartal 2011 insgesamt um 14% eingebrochen, und nun zeichnet sich ab, dass auch das vierte Quartal einen ziemlich holprigen Start erlebt.

11. Der designierte Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat öffentlich eingeräumt, dass die europäischen Großbanken zurzeit mit „Finanzierungsproblemen“ zu kämpfen hätten. Genauso wie in 2008 eilen wir nun mit Riesenschritten einer erneuten Kreditverknappung entgegen.

12. Eine schockierende Bloomberg-Umfrage brachte zutage, dass ungefähr jeder dritte internationale Investor innerhalb der nächsten 12 Monate mit einem „globalen Wirtschaftszusammenbruch“ rechnet, während 70% aller befragten Investoren der Meinung sind, dass sich die Weltwirtschaft weiter verschlechtert. Vielleicht haben diese Investoren zu viele meiner Artikel gelesen.

13. Auch in Europa kam es am Montag zu Erschütterungen an den Finanzmärkten, da ans Licht kam, dass Griechenland nicht in der Lage sein wird, die für das Land festgelegten Ziele zur Reduzierung des Haushaltsdefizits zu erreichen – und zwar weder in diesem noch im nächsten Jahr, und das trotz all der harten Austeritätsmaßnahmen, die bereits implementiert wurden. Diese Meldung wird vielen europäischen Finanzbehörden natürlich überhaupt nicht gefallen.

14. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte öffentlich, dass Deutschland in Zukunft keine weiteren Gelder für den europäischen Rettungsfonds bereitstellen wird.

Fakt ist, dass der politische Wille, weitere Rettungsgelder bereitzustellen, in Deutschland gerade zum Erliegen kommt. Die jüngste Zustimmung im Bundestag für den Euro-Rettungsschirm sollte nicht fehlinterpretiert werden. Mit dieser Abstimmung wurde lediglich Geld freigegeben, auf das man sich bereits zwei Monate zuvor verständigt hatte.

Viel wichtiger ist, was viele der deutschen Politiker nach der Abstimmung sagten. Im Grunde besteht ein überwältigender Konsens, dass Deutschland keine weiteren Gelder mehr bereitstellen wird. Sollten die Gelder aus dem Rettungsfonds eines Tages aufgebraucht sein – der Rettungsfonds reicht nicht einmal im Ansatz für die tatsächlichen Rettungskosten der Pleiteländer – gibt es aus Deutschland kein Geld mehr.

Das bedeutet also, dass sich die europäischen Rettungsmaßnahmen langsam ihrem Ende neigen. Der Finanzjournalist Ambrose Evans-Pritchard beschrieb die Situation in Deutschland mit den Worten:

„Die aufgebrachte Debatte über die Aushöhlung der fiskalischen Souveränität und der Demokratie in Deutschland – ebenso wie über die eskalierenden Kosten der EU-Rettungsmaschinerie – hat unmissverständlich offengelegt, dass der Bundestag die Ruinen der Währungsunion in Zukunft nicht mehr länger stützen wird. Der Chef der CSU, Horst Seehofer, erklärte, seine Partei gehe ´bis hierher und nicht weiter`.“

Was heißt das? Im Grunde spiegelt die Aussage von Seehofer die Auffassung der deutschen Politiker wider, die sich sagen, dass Deutschland nun alles getan hat, was es bezüglich der Rettungsmaßnahmen tun wird. Die Implikationen dieses Sachverhalts sind riesig.

In seiner jüngsten Kolumne weist Ambrose Evans-Pritchard deutlich auf diesen Sachverhalt hin. Der gewöhnlich recht reservierte Journalist verwendete dabei sogar sechs Sätze in Folge ausschließlich Großbuchstaben und ziemlich unzweideutige Formulierungen, was für ihn eigentlich nicht charakteristisch ist:

„Sprechen Sie mir nach:

ES WIRD KEINE FISKALUNION GEBEN.
ES WIRD KEINE EUROBONDS GEBEN.
ES WIRD KEINE ZUSAMMENLEGUNG DER SCHULDEN GEBEN.
ES WIRD KEIN EU-FINANZMINISTERIUM GEBEN.
ES WIRD KEINE EWIG ANHALTENDEN FINANZTRANSFERS GEBEN.
ES WIRD EINE STABILITÄTSUNION GEBEN – ODER GAR KEINE WÄHRUNGSUNION.

Gewöhnen Sie sich dran. Das ist die politische Realität Europas, da ohne Deutschland nichts von Bedeutung getan werden kann. Alles andere ist Wunschdenken und das Greifen nach Strohhalmen, Ausflüchte. Wenn es bedeutet, dass der Euro ein paar seiner Mitgliedsländer verliert oder auseinanderbricht – was so gut wie sicher ist – ja dann muss sich der Rest der Welt halt auf diesen Tag einstellen.“

Im Grunde sagt Evans-Pritchard hier nichts anderes, als dass das europäische Finanzsystem dem Untergang geweiht ist. Wenn Sie die früheren Arbeiten von Evans-Pritchard bereits kennen, dürfte Ihnen bekannt sein, dass er einer der angesehensten Finanzjournalisten der Welt ist und man ihm mit Sicherheit nicht vorwerfen kann, sich ständig in Schwarzmalerei zu ergehen. Das er derart deutlich wurde, ist daher schon ziemlich bemerkenswert.

Doch selbst wenn es in Europa überhaupt keine Probleme gäbe, würden die USA dennoch mit aller Wahrscheinlichkeit in eine weitere Rezession abtauchen. Die US-Wirtschaft befindet sich zurzeit in einem völlig desolaten Zustand – mittlerweile drängeln sich bereits alle möglichen Leute ins Rampenlicht und versuchen ihre Reputation aufzubessern, indem sie die bevorstehende Rezession vorhersagen.

Einige dieser Prognosen sind so krass, dass man normalerweise davon ausgehen würde, sie seien von irgendeinem halbverrückten Blogger verfasst wurden. Nehmen wir nur das nachfolgende Zitat des Economic Cycle Research Institute: „Hier ist, was die Rezessionsvorhersage des ECRI wirklich besagt: Wenn Sie der Meinung sind, dass die Wirtschaft heute bereits schlecht läuft, haben Sie noch überhaupt nichts gesehen.“

Aber brauchen die Amerikaner wirklich irgendwelche Experten, die ihnen erklären, dass sich die US-Wirtschaft auf dem Weg in eine neue Rezession befindet?

Das amerikanische Volk weiß ganz genau, was vor sich geht. Laut einer jüngst durchgeführten Umfrage gehen 90% der US-Bürger davon aus, dass die wirtschaftliche Situation in den USA „armselig“ ist. Laut einer anderen Umfrage, glauben 80% aller Amerikaner, dass sich die USA in Wirklichkeit bereits in einer Rezession befinden.

Vielleicht ist das amerikanische Volk den meisten der sogenannten Experten in Wahrheit sogar schon einen Schritt voraus.

Wie dem aus sei, die wirtschaftliche Situation in den USA verschlechtert sich zusehends. Der amerikanischen Durchschnittsfamilie fällt es zunehmend schwerer, mit ihrem Geld bis Ende des Monats zu reichen. Laut einer Umfrage von Harris Interactive, die Ende letzten Jahres durchgeführt wurde, leben zurzeit 77% aller US-Bürger von Gehaltscheck zu Gehaltscheck. In 2007 lag diese Zahl noch bei 43%.

Wenigstens erklärt der US-Präsident jetzt nicht mehr, dass wir uns in einer „Wirtschaftserholung“ befänden. Als man ihn kürzlich fragte, ob es den Amerikanern heute besser geht als vor vier Jahren, sagte Obama: „Nun ja, ich denke nicht, dass sie heute besser dran sind als vor vier Jahren.“

Hey, endlich gibt es mal etwas, wo Amerikaner mit Obama einer Meinung sein können, doch bedauerlicherweise scheint sich die Situation weiter zu verschärfen.

Sie sollten auch künftig all die schlechten Finanzmeldungen im Auge behalten. Genauso wie in 2008 braut sich etwas ziemlich großes zusammen. Wenn die jetzigen Rettungsgelder in Europa in ein paar Monaten aufgebraucht sein werden, könnte es zu einem großen Knall kommen.

Sollte Griechenland (oder irgendein anderes Eurozonenland) den Staatsbankrott verkünden, dürfte dies eine Kettenreaktion zur Folge haben, bei der die unterschiedlichen Finanzereignisse so desaströs ausfallen könnten, dass sie alle von uns in Angst und Schrecken versetzen.

Wollen wir das Beste hoffen – vorbereiten sollten Sie sich jedoch besser auf den Ernstfall. Die Finanzwelt ist bereits von einer unglaublichen Angst und Panik erfasst worden, während die grundlegenden Probleme, die diese Krise ausgelöst haben, auch in nächster Zeit nicht gelöst werden. Sie sollten sich daher besser gut festhalten, denn wir bewegen uns hier in völlig unbekannte Gefilde.

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