Euro-Crash: Die Zeitbombe tickt

Der Euro zerbricht so oder so. Die Internationalisten und Banker wollen das aber nicht wahr haben, und ergehen sich weiter in hoffnungslosen Rettungsorgien – auf Kosten des deutschen Steuerzahlers

John Browne, Euro Pacific Capital, 07.10.2011

Vergangene Woche vertagten die europäischen Finanzminister abermals die schwierigsten Entscheidungen bezüglich der griechischen Schuldenkrise. Die Minister hätten eine geordnete griechische Staatspleite erzwingen oder Maßnahmen ergreifen können, um Griechenland aus der Eurozone zu drängen. Stattdessen haben sie sich lediglich etwas mehr Zeit verschafft, und zwar solange, bis der nächste große Schwung an griechischen Staatsschulden übergerollt werden muss. Dies ist im November der Fall. Ich erwarte mir von dieser kurzen Verschnaufpause aber nicht allzu viel.

Ein Großteil dieser Ausflüchte kann der politischen Unzufriedenheit in Deutschland zugeschrieben werden, wo einige die aktuelle Krise nicht nur als ein Mittel sehen, die europäische Union weiter zu verfestigen, sondern auch als Möglichkeit, den Einfluss Deutschlands in Europa weiter auszubauen. Andere Deutsche, speziell im Süden des Landes, sehen die Krise als Mittel, um die fehlerhaften Strukturen der Eurozone wieder zurückzubauen. Die aus diesem Spannungsfeld resultierende Unschlüssigkeit sorgt dafür, dass sich in aller Ruhe ungünstige Stimmungen aufbauen können, die auf den Euro wie eine Zeitbombe wirken.

Die Wahrheit ist, dass in Europa keine Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung besteht, solange man keine klare Vorstellung darüber hat, wie die Region in ein paar Jahren aussieht. Aktuell wartet man jedenfalls händeringend auf eine gewaltige und wegweisende Entscheidung aus Deutschland.

Sie können sich sicher sein, dass sich die vorgenannten Probleme nicht so einfach unter den Teppich kehren lassen.

Griechenlands Schulden/BSP-Verhältnis liegt mittlerweile bei 173%. Einfach gesagt: Das Land ist hoffnungslos pleite. Die „Troika“, bestehend aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, verlangt von den Griechen, dass sie im Gegenzug für weitere Finanzmittel noch mehr Austeritätsmaßnahmen akzeptieren.

Aber die Austeritäts-Medizin für Griechenland schafft auch für Italien und Spanien ähnliche Probleme, doch sind diese Länder bedeutend größer. Spanien hat doppelt so viele ausstehende Schulden wie Griechenland, Irland und Portugal zusammengenommen. Italien verfügt über das Fünffache der Verschuldung der drei kleinen PIIGS-Länder. Die für die Rettung von Italien und Spanien benötigten Gelder würden sogar Deutschland in die Insolvenz treiben.

Der Euro stürzt mittlerweile sogar gegenüber dem extrem schwachen US-Dollar ab. Meines Erachtens gibt es nur drei mögliche Ausgänge, die die Krise in Europa nehmen kann.

Jedes der drei vorgenannten Ausgänge ist dem aktuellen Status Quo vorzuziehen, wobei ein geordneter Staatsbankrott Griechenlands mit einem gleichzeitigen Austritt aus der Eurozone die beste Strategie wäre, um weiter fortzufahren. Bedauerlicherweise ist diese Option für die internationalistischen Politiker, die ihre paneuropäische Regierung aufrechterhalten wollen, und das Bankensystem, das buchstäblich an seinen Staatsschulden erstickt, völlig unakzeptabel.

Wenn es zur Staatspleite Griechenlands kommt, ist die große Frage, wie viele Kreditoren dann infolge eines Haircuts Verluste einfahren werden. Jüngst wurde deutlich, dass der 21%ige Haircut für private Halter griechischer Schulden, auf den man sich im Juli dieses Jahres geeinigt hatte, wohlmöglich auf 40% oder sogar 50% ausgeweitet werden muss.

Derartige Kalkulationen müssten natürlich daran festgemacht werden, wie viele Verluste die Banken überhaupt verkraften können, ohne dass die Pleite dieser Banken dann auch noch die Solvenz ihrer eigenen Länder bedroht. Nur sehr wenige Beobachter können überhaupt sagen, wie viele schlechte Schulden in den Bilanzen der großen europäischen Banken versteckt sind. Alleine diese Frage droht weitere und noch dramatischere Ansteckungseffekte zur Folge zu haben.

Die Regierungen der Eurozone, speziell Deutschland, Frankreich und Belgien, haben ihre Banken über viele Jahre hinweg davon „überzeugt“, sich mit Staatsschulden der PIIGS-Länder vollzusaugen, weshalb eine Pleite der PIIGS-Länder nun logischerweise auch eine Gefahr für deutsche, französische und belgische Banken darstellt.

Frankreich hat einige der größten Banken, von denen keiner genau sagen kann, wie viel sie von diesen Giftmüllpapieren nun eigentlich halten. BNP, Credit Agricole und Société Générale sitzen alleine schon auf Vermögenswerten (aus allen Bereichen) in Höhe von rund USD 7 Billionen.

Diese atemberaubende Summe entspricht rund der Hälfte der gigantischen Gesamtverschuldung des US-Finanzministeriums, während die französische Wirtschaft gerade einmal ein Fünftel der Größe der US-Wirtschaft hat. Sollten mit schlechten Staatsschulden in Zusammenhang stehende Verluste eine dieser Banken in die Pleite treiben, hätte dies für Frankreich schreckliche Konsequenzen.

Die unmittelbare wirtschaftliche Zukunft der Welt steht und fällt mit einer schnellen Entscheidung Deutschlands. Deutschland sollte seine imperialen Träumereien aufgeben und die Finanzierung der PIIGS-Länder beenden. Durch einen solchen Schritt, würde man die Deutschen vor unbegrenzten Rettungs-Anfragen schützen und die Menschen in den PIIGS-Ländern vor unnötig harten Austeritätsmaßnahmen bewahren. Dem Euro und den anderen internationalen Fiatwährungen würde dadurch ebenfalls eine Verschnaufpause eingeräumt.

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