Kernschmelze des Finanzsystems: Westliche Länder versinken in einem Meer aus Schulden

Michael Snyder, The Economic Collapse, 18.10.2011

Das gesamte westliche Finanzsystem ist im Grunde wie eine Schuldenspirale aufgebaut, wo die Gesamtmenge des Geldes und die Gesamtmenge der Schulden fortwährend weiter erhöht werden muss. Aktuell stecken wir bis zum Hals in Schulden und es scheint, als würde nun praktisch jeder über Fremdkapitalabbau und die Reduzierung von Staatsschulden sprechen.

Doch in einer Welt, wo das gesamte Finanzsystem auf Schulden basiert, gibt es da überhaupt irgendeine Möglichkeit, einen umfassenden Fremdkapitalabbau zu bewerkstelligen, ohne dass wir dadurch allesamt in eine entsetzliche globale Rezession abrutschen?

Die Regierungen der westlichen Welt hatten jede Menge Spaß dabei, dass Geld zum Fenster rauszuwerfen, so als gäbe es kein Morgen mehr. Nun ja, der Morgen ist mittlerweile da, und all die Schulden sind nun im Begriff, uns mit Riesenschritten einzuholen.

In Europa und den Vereinigten Staaten rennen die Politiker wild umher und versuchen mit einem „Plan“ aufzuwarten – aber in Wirklichkeit gibt es keinen „Plan“, wie das gegenwärtige schuldenbasierte Finanzsystem noch zu retten wäre. In den kommenden Jahren werden wir die Ernte für das einfahren, was wir über all die Jahre gesät haben.

Die US-Regierung weist für das Fiskaljahr 2011 ein Haushaltsdefizit von knapp USD 1,3 Billionen aus. Das war bereits das dritte Jahr in Folge, wo das US-Haushaltsdefizit über USD 1 Billion lag. Und bedauerlicherweise, haben die meisten Amerikaner überhaupt keine Vorstellung davon, wie viel Geld USD 1 Billionen überhaupt ist.

Vielleicht hilft ja dieses Beispiel: Wenn man am Tage der Geburt von Jesus damit begonnen hätte, jeden Tag USD 1 Million auszugeben, wäre man bis heute immer noch nicht bei USD 1 Billion angelangt. Ja, so viel Geld ist das.

Wenn Sie heute damit anfangen würden, jede Sekunde einen Dollar auszugeben, bräuchten Sie über 31.000 Jahre, bis Sie USD 1 Billionen ausgegeben hätten.

Einige Leute haben erklärt, dass die Probleme durch die Besteuerung der Reichen zu lösen seien. Nun ja, würde Bill Gates all sein Vermögen an die US-Regierung transferieren, könnte man damit gerade einmal das US-Haushaltsdefizit der nächsten 15 Tage finanzieren.

Nein, die Wahrheit ist, dass die USA ein massives Ausgabenproblem haben. Die US-Bundesregierung gibt viel zu viel Geld aus. Die Staatsverschuldung der USA wird schon bald die Marke von USD 15 Billionen durchbrechen.

In Amerika hat man den größten Schuldenberg in der Geschichte der Menschheit angehäuft und trotzdem wird weitergemacht wie bisher. Dem bestehenden Schuldenberg werden in atemberaubender Geschwindigkeit immer neue Schulden hinzugefügt.

Würde die US-Regierung in diesem Augenblick damit beginnen, die Schulden der USA mit einer Rate von USD 1 pro Sekunde zurückzuzahlen, bräuchte sie über 440.000 Jahre, um die Staatsschulden zu tilgen. Bedauerlicherweise tilgen die USA zurzeit jedoch überhaupt keine Schulden, stattdessen wird noch ordentlich obendrauf gepackt.

Anfang der 80er Jahre erklärte Ronald Reagan, dass die Staatsverschuldung eine nationale Krise sei. Nun ja, heute ist die US-Staatsverschuldung 14-Mal höher, als zu dem Zeitpunkt, wo Reagan sein Präsidentschaftsamt antrat. Irgendetwas läuft hier richtig schief.

Die Ausgaben der US-Regierung stellen aktuell 24% des Bruttosozialprodukts. Im Jahre 2011 lag diese Zahl noch bei 18%. Die Ausgaben gehen in eine völlig verkehrte Richtung, wobei hier noch anzumerken ist, dass der überwiegende Teil der Staatsausgaben direkt in die Taschen von US-Bürgern fließt.

59% aller US-Bürger erhalten nun in irgendeiner Form Gelder von der Bundesregierung. Es gibt mittlerweile zig Millionen Amerikaner, die vollständig von diesen Regierungsgeldern abhängig gemacht wurden.

Aber hatte die „Tea-Party-Bewegung“ eigentlich nicht vor, etwas gegen all diese völlig durchgeknallten Regierungsausgaben zu unternehmen? Bedauerlicherweise ist die Tea Party in diesem Punkt gescheitert. Und während die Massenmedien über „Austeritätsmaßnahmen“ der US-Regierung fabulieren, erhöht diese die Ausgaben alleine in diesem Jahr um weitere 5%.

Wir rasen hier gerade auf eine „Schuldenwand“ zu, während sich der Eindruck zu erhärten scheint, dass die Bremsen nicht funktionieren.

Und auch Europa hat zurzeit jede Menge Schuldenprobleme. So ist es sogar recht wahrscheinlich, dass die Finanzkernschmelze zuerst in Europa einsetzt, bevor sie die Vereinigten Staaten erreicht.

Griechenland, Portugal, Irland und Italien verfügen allesamt über ein Schulden/BSP-Verhältnis, das weit über der Marke von 100% liegt. Aktuell schulden Griechenland, Portugal, Irland, Italien und Spanien dem Rest der Welt zusammengenommen rund USD 3 Billionen.

Griechenland steht kurz vor dem Staatsbankrott, welche Form er auch immer annehmen wird, und Italien und Portugal scheinen ebenfalls nicht allzu weit davon entfernt zu sein.

Und während sich die Finanzwelt auf einen Zahlungsausfall Griechenlands vorbereitet, spielen die griechischen Staatsanleihen komplett verrückt. Die zweijährige griechische Staatsanleihe rentiert aktuell mit über 70%. Die Rendite für die 1-jährige griechische Staatsanliehe liegt bei über 170%.

Und auch die portugiesischen Staatsanleihen scheinen nun bedauerlicherweise denselben Weg eingeschlagen zu haben. So liegt die Rendite für die zweijährige portugiesische Staatsanleihe aktuell bei über 17%. Vor einem Jahr rentierte dasselbe Papier noch mit rund 4%.

Die europäischen Banken versinken ebenfalls in einem Meer aus Schulden. Laut dem renommierten Finanzjournalisten Ambrose Evans-Pritchard müssten die europäischen Banken ihre Kreditvergabe um rund USD 7 Billionen zurückfahren, um wieder zu gesunden:

„Europas Banken sehen sich einer Kreditreduzierung in Höhe von USD 7 Billionen gegenüber, um ihre Bilanzen an die Niveaus der USA und Japan anzupassen, was droht, die gesamte Region in einer Kreditverknappung und jahrzehntelangen chronischen Depression gefangen zu halten.“

Doch können die Banken das überhaupt? Kann diese Kreditreduzierung überhaupt realisiert werden, ohne dass Europa in einem Finanz-Albtraum versinkt? Evans-Pritchard ist da skeptisch:

„Das Risiko besteht in der ´Japanisierung` ohne die Vorteile, die Japan davon hatte; ohne eine einheitliche Regierung oder einen superhohen Handelsüberschuss, oder Schuldenkosten in Höhe von 1% oder einem einzigartigen gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Die Finanzkrise hat die Arbeitslosigkeit in Europa bereits heute auf beängstigende Niveaus geschraubt. Was wird also passieren, wenn hier noch ein massiver Fremdkapitalabbau hinzukommt? Evans-Pritchard ist diesbezüglich sehr besorgt, speziell im Hinblick auf die schwachen Eurozonenländer, die mit den meisten Problemen zu kämpfen haben:

„Selbst heute liegt die Arbeitslosenrate bei Jugendlichen in Japan immer noch bei fast 10%. In Spanien sind es bereits 46%, 34% in Griechenland, 32% in Irland und 27% in Italien. Wir werden früh genug herausfinden, was der Fremdkapitalabbau in diesen Ländern anrichten wird.“

Die größten europäischen Banken haben nicht nur viel zu viele Kredite in ihren Büchern stehen, sie haben sich auch selbst viel zu viel Geld geliehen. Fakt ist, dass die meisten europäischen Großbanken völlig überschuldet sind und mit den Staatsschulden, die sie halten, auch noch gigantische Risiken in den Büchern stehen haben.

Bevor Lehman Brothers Pleite ging, lag die Quote der Fremdkapitalfinanzierung der Bank bei 31:1. Heute arbeiten die bedeutendsten deutschen Banken mit einem Kredithebel von 32:1, während es sich bei ihnen auch um genau die Banken handelt, die Unmengen an europäischen Staatsschulden halten.

Summa summarum lässt sich festhalten, dass uns hier noch richtig schlimme Dinge bevorstehen.

Die weltweiten Regierungen versinken in Schulden. Laut der Einschätzung von Ökonomen beläuft sich die weltweite Gesamtverschuldung der Staaten auf über USD 40 Billionen, wobei hier nur direkte Staatsschulden berücksichtigt wurden, während künftige Verbindlichkeiten wie Pensionszahlungen, die die Regierungen in Zukunft ebenfalls noch zu entrichten haben, außen vor blieben.

Man läuft hier also kaum Gefahr, die Krise aufzubauschen, so gewaltig ist sie.

Und genauso wie beim Zusammenbruch der Subprime-Hypotheken vor ein paar Jahren gibt es auch aktuell eine Reihe gerissener Investoren und Ökonomen, die erkennen, was hier auf uns zukommt.

Nehmen wir beispielsweise den texanischen Investor Kyle Bass. Bass hat zig Millionen Dollars gemacht, indem er gegen die Subprime-Hypotheken wettete. Er warnt davor, dass wir jetzt vor einer bedeutend größeren Krise stünden als dem Zusammenbruch der Immobilienkredite vor ein paar Jahren.

Bass geht davon aus, dass die europäische Schuldenkrise in nächster Zeit explodieren wird, weshalb er sein Geld auch in Investments gesteckt hat, die im Falle eines Zusammenbruchs griechischer Schulden enorme Gewinne abwerfen würden. Aber das ist nicht alles, was Bass so treibt. Er kauft Gold, Waffen und 5-Cent-Stücke, sogenannte Nickels, 20 Millionen dieser nickelhaltigen Münzen, um genau zu sein.

Es scheint, als hätte sich Bass auf den kommenden Wirtschaftszusammenbruch gut vorbereitet. Im Das Folgende schrieb ein Autor, der in seiner 4.000 Quadratmeter große „Festungsanlage“ zu Besuch war:

„Wir sprangen in seinen Hummer, der mit Aufklebern dekoriert war (Gott segne unsere Truppen, besonders unsere Scharfschützen) und die maximale Ausstattung mit Dingen aufwies, die einem Fahrer Freude bereiten könnten. Beispielsweise könnte er einen Knopf drücken und die Straße würde hinter ihm in James-Bond-Manier mit riesigen Reißnägeln bedeckt werden.

Wir fuhren in das Hügelland von Texas, wo sich Kyle Bass mit dem Vermögen, das er während der Subprime-Krise gemacht hatte, etwas gekauft hat, das mehr oder weniger einer Festung entsprach: Ein 4.000 Quadratmeter großes Landhaus mitten im Nirgendwo, mit eigener Wasserversorgung und einem Arsenal an Automatikwaffen, Scharfschützengewehren und kleinen Sprengstoffladungen, mit dem man ein ganzes Bataillon ausrüsten könnte.“

Ja wenn nur der Rest von uns auch so gut vorbereitet wäre! Also wenn das die Art von Maßnahmen ist, die die „Finanzexperten“ zurzeit ergreifen, ja was sagt uns das? Es sagt uns, dass hier gerade ein gewaltiger Sturm aufzieht, während die meisten Amerikaner überhaupt nicht darauf vorbereitet sind.

Und es ist ja nun nicht so, als wäre die Situation nicht bereits schlimm genug. Laut der Internetseite Shadow Government Statistics bewegt sich die „reale“ US-Arbeitslosenquote gegenwärtig bereits in Richtung lähmender 25%. Was wird erst passieren, sollte eine weltweite Depression einsetzen?

Die kommenden Jahre dürften jedenfalls noch recht spannend werden.

Ein bedeutender Teil der Amerikaner hat das Vertrauen in das System bereits verloren. Laut einer neuen Gallup-Umfrage sind 44% aller US-Bürger der Meinung, dass das Wirtschaftssystem ihnen gegenüber „ungerecht“ ist. Bedauerlicherweise haben die meisten Amerikaner keine Ahnung von der Funktionsweise des US-Finanzsystems, weshalb sie auch die Ursache nicht kennen können, warum das System nun eigentlich so unfair ist.

Das ist auch der Grund, warum wir all unsere Anstrengungen daran setzen müssen, das amerikanische Volk über die US-Notenbank Federal Reserve aufzuklären. Das Federal Reserve System befindet sich im Zentrum unseres Finanzsystems und wurde geschaffen, um die US-Regierung in ewiger Schuldenknechtschaft zu halten.

Die jetzige US-Staatsverschuldung ist bereits über 4.700-Mal höher als im Jahre 1913, wo die US-Notenbank geschaffen wurde. Es scheint, als hätten die Gründer der Federal Reserve ihr Ziel erreicht.

Die oben stehende Karikatur wurde 1912, ein Jahr vor der Schaffung der Federal Reserve, veröffentlicht und ist eine Kritik an dem „Aldrich-Plan“, dem Vorgängerplan zur Schaffung der US-Notenbank.

Wie Sie sehen, hatte der Karikaturist eine ziemliche gute Vorstellung davon, was passieren würde, wenn man den Plan des Senators Nelson Aldrich aus Rhode Island umsetzten würde. Heutzutage wird das US-Finanzsystem vollumfänglich durch die Federal Reserve beherrscht – es ist also genau das eingetreten, was laut der Warnung des Karikaturisten passiert, wenn man einer Zentralbank die Kontrolle über das Geld gibt.

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