Endspiel in der Eurozone: Vier Tatsachen, die beweisen, dass der Euro-Rettungsschirm völlig irrelevant ist

Und es ist auch völlig unerheblich, was Sarkozy und Merkel zu sagen haben oder mit was für einem Kredithebel man den EFSF ausstattet. Europa ist am Ende. Was in 2008 geschah, war buchstäblich die Aufwärmphase. Die maßgeblichen Ereignisse werden sich in den kommenden 14 Monaten abspielen

Graham Summer, Phoenix Capital Research, 20.10.2011

Ich denke, es ist nun an der Zeit, die Debatte rund um das europäische Bankensystem zu beenden. Ja ich weiß, die Massenmedien berichten über die kommenden Rettungsrunden oder die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF immer noch so, als hätten diese Rettungsmaßnahmen irgendeine Relevanz – die Realität ist aber, dass der Euro-Rettungsschirm keinerlei Bedeutung hat.

Europas Probleme gehen weit über die Schuldenprobleme Griechenlands hinaus. Das gesamte europäische Bankensystem ist dazu verdammt, in einem systemischen Kollaps unterzugehen. Betrachten wir die folgenden vier Tatsachen:

1. Europas gesamtes Bankensystem arbeitet mit einem Kredithebel von 25:1

Die Fremdkapitalfinanzierung europäischer Banken ist damit fast doppelt so hoch wie die US-amerikanischer Banken. Bei einem derart hohen Kredithebel müssen die Vermögenswerte lediglich um 4% fallen, um das gesamte Eigenkapital der Bank auszulöschen. Der Hebel, mit dem die europäischen Banken arbeiten, befindet sich also buchstäblich auf Lehman-Kollaps-Niveau (30:1 bei Zusammenbruch).

Und wir sollten nicht vergessen, dass sich dieses Niveau der Fremdkapitalfinanzierung aus den Bewertungsmethoden der Banken ergibt, die die Bewertung der von ihn gehaltenen Anlagen ja als korrekt erachten. Da diese Vermögenswerte aber viel weniger wert sind, als die Institute behaupten, ist der Kredithebel, mit dem sie arbeiten, in Wirklichkeit bedeutend höher.

BOOOOM!

2. Europäische Finanzkonzerne sitzen auf Schulden, die 148% des BSP der EU entsprechen

Ja, das Schuldenniveau der europäischen Finanzfirmen übersteigt das gesamte Bruttosozialprodukt Europas. Und wir sprechen hier nur von den Finanzfirmen – gewöhnliche Konzernschulden, Schulden privater Haushalte, Staatsschulden usw. sind hier noch garnicht mit berücksichtigt worden.

In diesem Zusammenhang sollte man auch bedenken, dass die Europäische Union mit einem BSP von über USD 16 Billionen der größte Wirtschaftsraum der Welt ist. Wir sprechen hier also von über USD 23 Billionen an Schulden in den Bilanzen europäischer Finanzfirmen.

Und selbstverständlich beziehen sich diese Daten nur auf Schulden, die sich auch in den Bilanzen der Banken wiederfinden. Schulden, die nicht in der Bilanz auftauchen, wie Finanzderivate und ähnliches, werden dabei ebenfalls nicht berücksichtigt. Die Schulden der Finanzkonzerne sind also in Wirklichkeit noch bedeutend höher.

BOOOOM!

3. Europäische Banken müssen bis Ende 2012 zwischen 15% und 50% ihrer Schulden überrollen

Ja richtig, die europäischen Banken müssen bis Ende 2012 riesige Mengen an Schulden überrollen, und wir sprechen hier nur über endfällige Schulden. Neue Kredite oder frisches Eigenkapital für die Banken wurden hierbei noch garnicht mitberücksichtigt.

Selbst die „grundsoliden“ deutschen Banken brauchen über USD 140 Milliarden an frischem Eigenkapital. Es geht hier also um Unmengen an von den europäischen Banken in den nächsten 14 Monaten neu auszugebenden Schulden – und das alles inmitten eines Umfelds, das sich durch Aufstände, Bank-Runs und gescheiterte Anleihe-Auktionen (Deutschland hatte erst gestern eine gescheiterte Anleihe-Auktion) beschreiben lässt.

BOOOOM!

4. Nichtfinanzierte laufende Verbindlichkeiten der EU-Staaten sind nicht zu bewältigen

Um die aktuell anfallenden nichtfinanzierten Verbindlichkeiten wie Renten, Gesundheitskosten usw. finanzieren zu können – ohne dabei in die Zahlungsunfähigkeit abzurutschen oder diese Leistungen zu kürzen – müsste ein durchschnittliches EU-Land über 400% seines jetzigen BSP auf zinstragenden Bankkonten gelagert haben.

Auf diese Tatsache stieß Jagadeesh Gokhale, ein leitender Mitarbeiter des Cato-Institute, ehemaliger Berater des US-Finanzministeriums und leitender Wirtschaftsberater der Federal Reserve Bank of Cleveland. Dieser Typ hat diese Aspekte – bereits im Januar 2009! – als Insider eingehend untersucht, was diese Tatsache besonders beunruhigend macht.

Europa ist am Ende

Der EFSF, die Rettungspakete, Chinas Euro-Rettung … all dieses Zeug ist 100%iger Käse, wenn man sich das große Ganze anschaut. Europas gesamtes Bankensystem ist (mit wenigen Ausnahmen) pleite. Ja selbst zahlreiche europäische Länder sind pleite. Und die „grundsoliden“ Länder wie Deutschland (das Europa ja angeblich retten soll) verfügen ebenfalls über reale Schulden/BSP-Verhältnisse von über 200%, während sie ihre Banken bis heute noch nicht rekapitalisiert haben.

Und es ist auch völlig unerheblich, was Sarkozy und Merkel zu sagen haben. Es ist völlig irrelevant, mit was für einen Kredithebel man den EFSF ausstattet. Europa ist am Ende. Ende der Geschichte. Und die Investoren, die sich zu dem Gedanken hinreißen lassen, dass dieses Chaos am Ende gut ausgehen wird, dürften aller Vorausschau nach alles verlieren.

Die Auswirkungen dieser Katastrophe werden das Krisenjahr 2008 wie einen Witz anmuten lassen. Die Europäische Union ist der größte Wirtschaftsraum der Welt. Wenn das europäische Bankensystem kollabiert (und das wird es), sehen wir uns einer vollumfänglichen globalen Finanz-Kernschmelze gegenüber (vor der ja sogar der Internationale Währungsfonds bereits gewarnt hat).

So sieht die aktuelle Situation in Wirklichkeit aus. Ich weiß, öffentlich zugeben will das keiner, es ist aber so.

Was im Jahre 2008 geschah, war buchstäblich die Aufwärmphase. Die maßgeblichen Ereignisse werden sich in den kommenden 14 Monaten abspielen – viele von Konzerne, Finanzinstitute und Staaten werden in die Pleite abrutschen.

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