Papiergeldschock & Schuldenkollaps: Die wahren Goldpreistreiber

Scott Silva, The Gold Speculator, 14.11.2011

Die Eurozone als Preistreiber

Es steht außer Frage, dass die weltweiten Finanzmärkte in jüngster Zeit von der europäischen Staatsschuldenkrise maßgeblich beeinflusst worden sind. Die unmittelbar bevorstehende Staatspleite Griechenlands und der schwindende Glaube daran, dass Italien sich den Ansteckungseffekten sowie seiner eigenen schwerwiegenden Schuldenkrise entziehen kann, haben beide Regierungen zu Fall gebracht und den stärkeren Regierungen der Eurozone den Weg für weitere Rettungsmaßnahmen und schlussendlich die Monetisierung (dem Drucken von Billionen an Euros) bereitet.

Mit diesen Maßnahmen mag man vielleicht in der Lage sein, eine unmittelbar bevorstehende Katastrophe abzuwenden, doch werden für Europa dadurch andere bedeutende Wirtschaftsprobleme wie Inflation, Rezession oder beides gleichzeitig (Stagflation) geschaffen.

Die Eurozonen-Krise hat die weltweiten Aktienmärkte auf eine Berg- und Talfahrt geschickt, als das Drama mit dem Rücktritt des Premierministers George Papandreou seinen Lauf nahm und später mit dem Sturz von Italiens Silvio Berlusconi, der am Wochenende zurück trat, seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

Der Anleihenmarkt prognostiziert eine Kapitulation Italiens, worauf wir bereits in der letzten Ausgabe des Gold Speculator hingewiesen hatten. Die Anleihe-Spekulanten haben die 10-jährige italienische Staatsanleihe unter Beschuss genommen, was zur Folge hatte, dass ihre Rendite auf über 7% kletterte – die Marke, von der viele annehmen, dass sie der Hinweisgeber auf das bevorstehende Ende ist. Portugal musste ebenfalls um Rettungsgelder bitten, als seine Anleihe mit 7%, also mit 400 Basispunkten über den deutschen Anleihen, rentierte.

Es wird davon ausgegangen, dass die neuen Regierungen in Griechenland und Italien harte Austeritätsmaßnahmen einleiten werden, um im Gegenzug Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF zu erhalten. Der EFSF ist ein Investmentfonds der EZB, der Eurozone und des IWF, der bei den Investoren darum wirbt, EUR 1 Billion bereitzustellen, um ein weiteres Ausufern der Krise zu verhindern.

Und hier liegt auch das Problem. Die Griechen haben bereits mit Aufständen gegen die massiven Einschnitte bei ihren staatlichen Zuwendungen protestiert. Die Italiener könnten im Rahmen eines Generalstreiks ebenfalls auf die Straße gehen und essentielle öffentliche Leistungen einstellen.

Italien sieht sich nun gezwungen, einen Großteil der Programme zu beschneiden, die mit der Versorgung der italienischen Bevölkerung in Zusammenhang stehen – und das zu einer Zeit, wo die Wirtschaft stagniert. Es ist eine klassische Todesspirale. Überdies ist noch völlig ungewiss, ob irgendeine Schulden-Restrukturierung die zu Grunde liegenden Probleme des im Sterben liegenden Wohlfahrtsstaats überhaupt wird beheben können.

Die US-Märkte scheinen ihren Blick gegenwärtig darauf zu konzentrieren, wie sich die Europäer im Rahmen der Eurozonen-Krise abrackern. Im Hinblick auf italienische Schulden sind die US-Banken nur relativ geringen direkten Risiken (USD 47 Milliarden) ausgesetzt – zumindest wenn man sie mit den Banken anderer Länder vergleicht. Frankreich hält beispielsweise USD 416,4 Milliarden an italienischen Staatsschulden.

Es könnte aber durchaus sein, dass die US-amerikanischen Großbanken bezüglich der sich in Schwierigkeiten befindenden europäischen Wirtschaften in Wirklichkeit bedeutend größeren Risiken ausgesetzt sind, da die von ihnen ausgegebenen Kreditausfallversicherungen (CDSs) laut dem jüngsten Zahlenwerk der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Stand zum Juni dieses Jahres dreimal so hoch gewesen sind wie die von ihnen direkt gehaltenen europäischen Staatsschulden (USD 181 Milliarden).

Wir kommen hier bei den US-Banken also mit CDS-Derivaten auf ein europäisches Gesamtrisiko in Höhe von USD 767 Milliarden, was dann doch sehr stark an den Zusammenbruch der hypothekarisch besicherten Wertpapiere (MBSs) erinnert.

Eine Folge der anhaltenden Unsicherheiten in der Eurozone ist die Flucht in Richtung sicherer Häfen. Wir können dies am Goldpreis erkennen, der jüngst wieder versuchte, die Marke von USD 1.800 pro Unze zu durchstoßen.

US-Schuldenpolitik als Preistreiber

Die Angst vor den aus der EU-Schuldenkrise resultierenden Ansteckungseffekten ist aber nicht der einzige marktrelevante Faktor. Es gibt noch ein weiteres bedeutendes Ereignis, das für die US-Wirtschaft nun am Horizont erscheint, namentlich das entscheidende Kräftemessen des neuen Super-Ausschusses.

Obwohl die Frist, eine Vereinbarung über die Reduzierung von Schulden in Höhe von USD 1,5 Billionen zu erzielen, nur noch 9 Tage entfernt ist, scheint es, als wären die Gesetzgeber des Super-Ausschuss noch nicht besonders weit damit vorangekommen. Fakt ist, dass die Gespräche vergangene Woche sogar zusammengebrochen sind, als die Demokraten die Gesprächsrunde einfach verließen, ohne sich die jüngsten Vorschläge der Republikaner auch nur anzusehen.

Der Kampf um den US-Bundeshaushalt dürfte also innerhalb der nächsten 10 Tage wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Sollten die Gespräche in eine Sackgasse geraten, dürfte es die Märkte erneut in Aufruhr versetzen.

Die Kreditratingagenturen könnten sogar noch vor Ende der Frist des Super-Ausschusses agieren. Viele Analysten halten eine weitere Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA für wahrscheinlich. Und anstatt dass der US-Präsident an diesem entscheidenden Punkt Führungsqualitäten zeigt, reist er lieber nach Hawaii und Asien.

Es wird immer offenkundiger, dass die amtierende US-Regierung am liebsten gar keine Schuldenvereinbarung erzielen würde, um so ein weiteres „die Opposition weigert sich“-Beispiel vorweisen zu können. In unserem Land war es einmal so, dass die Politiker das Wohl des Landes dem Wohl ihrer eigenen politischen Interessen vorangestellt haben. Das waren noch Zeiten …

Sie sollten sich besser anschnallen … wir haben eine ungemütliche Fahrt vor uns. Der Aktienmarkt wird extrem schwankungsfreudig bleiben, mit täglichen Kursausschlägen im Bereich von hunderten von Punkten. Der Anleihenmarkt bietet keine Fluchtmöglichkeit. Die Preise für US-Staatsanleihen werden nach oben getrieben, da die Geldströme aus Europa in Richtung „sichere“ US-Staatspapiere abfließen – und das trotz negativer Realzinsen und weiterer Wertverluste, wenn die Gelder der Investoren dann wieder in die höher rentierenden Aktien zurückfluten. Jeder Handel, jede erneute Umschichtung geht mit einem Kapitalverlust einher (das ist wie eine Besteuerung).

Angesichts dessen braucht man sich dann auch nicht mehr zu wundern, wenn der vernünftige Investor sich wieder einmal Gold, dem einzig wahren sicheren Hafen, zuwendet.

Eilt die US-Notenbank zur Rettung?

Dass die US-Notenbank zur Rettung eilt, ist unvermeidlich. Die Fed wird weitere Maßnahmen der quantitativen Lockerung (QE) implementieren, da es sich hierbei um ihre Ultima Ratio zur Wiederbelebung der Wirtschaft handelt. Der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, hatte dies vergangene Woche vor einer Zuhörerschaft auf einem texanischen Militärstützpunkt im Grunde auch erneut bekräftig, als er darauf hinwies, dass die Wirtschaft durchaus „ein klein wenig mehr Inflation vertragen“ könnte.

Mit dieser Aussage bezog er sich auf den alten Glauben der Keynesianer, dass zwischen Inflation und Beschäftigung ein Zusammenhang bestünde, so wie es aus der Phillips-Kurve hervorgeht. Die Theorie der Phillips-Kurve reicht bis in das Jahr 1958 zurück und besagt, dass höhere Beschäftigung mit einer höheren Inflation einhergeht.

Niemand bestreitet ernstlich, dass die aktuelle US-Arbeitslosenquote (U-1) in Höhe von 9% Unsinn ist. Die wirkliche Messlatte ist die Arbeitslosenquote U-6, die im Oktober bei 16,2% lag. Der Chef der Fed erklärte die US-Arbeitslosigkeit dann auch zu einer „nationalen Krise“, während er die Inflation mit 2% als „zahm“ bezeichnete.

Angesichts der Tatsache, dass es das Mandat der Fed ist, die Vollbeschäftigung sicherzustellen, wäre es für die US-Notenbank ein Leichtes, mehr Inflation zu rechtfertigen. Mehr Inflation erreicht man durch das Drucken von noch mehr Geld, so wie es unter QE1 und QE2 bereits getan wurde. Legt man hierfür die Phillips-Kurve zu Grunde, müsste sich QE3 auf rund USD 1 Billion belaufen, um die Arbeitslosenquote auf 6% abzusenken.

Das Problem bei dieser Logik ist nur, dass QE1 und Q2 in den vergangenen drei Jahren dabei scheiterten, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das nächste Problem ist, dass bei der Theorie der Phillips-Kurve Wirtschaftszustände wie hohe Inflation bei gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit – so wie es während der Stagflation in den 70er Jahren unter der Carter-Administration beobachtet werden konnte – einfach übergangen werden.

Aber Fakten haben den Vorsitzenden der FED noch nie davon abhalten können, die von ihm bevorzugte politische Strategie zu verfolgen. Darüber hinaus wäre QE3 gut für Wall Street.

Inflation und Geldmengenversorgung

Dank des Nobelpreisträgers Milton Friedman wissen wir, dass es sich bei der Inflation stets und ständig um ein geldpolitisches Phänomen handelt. Wir wissen auch, dass die Rohstoffpreise ein guter Inflationsindikator sind. Höhere Rohstoffpreise spiegeln eine höhere Inflation wider. Wir können also den Rohstoffindex der Geldmengenversorgung gegenüberstellen und nach Übereinstimmungen Ausschau halten.

Dabei stellen wir fest, dass die Rohstoffpreise nach dem Zusammenbruch des Jahres 2008 durch QE1 zu Beginn des Jahres 2009 und dann später in 2010 durch QE2 in die Höhe getrieben wurden. Die Rohstoffpreise begannen dann wieder zu sinken, als das Ende von QE2 bekanntgegeben wurde.

Darüber hinaus sehen wir, dass die Fed die Geldbasis dramatisch ausgeweitet hat. Im Rahmen von QE1 und QE2 hat die US-Notenbank ihre Bilanz durch Anleiheaufkäufe um fast USD 2 Billionen erhöht. QE3 (sowie QE4 und QE5) wird die Inflation auf Rekordniveaus jagen.

Welche Folgen werden die Schuldenkrisen in Europa und den USA auf den Goldpreis haben? Gold wird weiter im Preis steigen, weil die Investoren auch in Zukunft weiter nach Alternativen Ausschau halten werden, um sich vor den relativ volatilen Finanzmärkten und der anhaltenden, durch Zentralbankinterventionen verursachten Entwertung der Fiatwährungen zu schützen.

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