Chinesische Ratingagentur: Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit so gut wie sicher

Die chinesische Ratingagentur Dagong hält eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA für wahrscheinlich. Damit läge sie nur noch eine Stufe über „Junk“, also dem Rating, das „Müll“-Anleihen zuteil wird. S&P warnte ebenfalls vor einer erneuten Herabstufung. Und dabei haben die USA noch Glück: Würden die Ratingagenturen dieselben Maßstäbe anlegen wie bei Unternehmensanleihen, hätten die USA überhaupt kein Rating

Bob Adelmann, The New American, 14.11.2011

Vor einem Jahr senkte die chinesische Ratingagentur „Dagong Global Credit Rating“ die Kreditwürdigkeit von Schuldenpapieren der Vereinigten Staaten von AA auf A+. Im August senkte die Agentur die Kreditwürdigkeit von US-Staatsschulden um eine weitere Stufe auf A.

Am Samstag erklärte der Vorsitzende von Dagong, Guan Jianzhong, während eines Interviews, dass eine weitere Abstufung von US-amerikanischen Staatsschulden „fast unausweichlich“ sei:

„Wir beobachten das Ganze weiterhin sehr aufmerksam. Zunächst einmal müssen wir uns das diesjährige Wirtschaftswachstum [der USA] anschauen und dann die Trends fürs nächste Jahr prognostizieren. Sollten die Prognosen für 2012 nicht besonders gut ausfallen, also die Einnahmequellen … schlecht sein, es zu keinerlei Veränderungen kommen oder die Situation sich weiter verschlechtern, werden wir die Kreditwürdigkeit erneut absenken.“

Eine erneute Herabstufung würde bedeuten, dass die chinesische Ratingagentur die US-Staatsschulden dann mit BBB bewertet – dieses sogenannte „mittelhohe Rating“ liegt gerade einmal eine Stufe über den „Müll“-Anleihen.

Als die Ratingagentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit von US-Staatsschulden im August dieses Jahres von AAA auf AA+ absenkte, lieferte sie einen düsteren Ausblick, was sie damit begründete, dass die US-Regierung zwar den Budget Control Act zur Erhöhung der Schuldenobergrenze verabschiedet hatte, im Gegenzug jedoch so gut wie nichts unternommen habe, um die völlig außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung anzugehen:

„Dem vom Kongress und der Regierung jüngst verabschiedeten Konsolidierungsplan fehlt es nach unserer Auffassung an den notwendigen Mitteln, um die mittelfristige Schuldendynamik der Regierung zu stabilisieren … der … fiskalische Konsolidierungsplan ist vom Umfang her nicht ausreichend, um die allgemeine Schuldenlast bis Mitte des Jahrzehnts zu stabilisieren. Unseres Erachtens lässt die daraus resultierende Vereinbarung ein umfassendes fiskalisches Konsolidierungsprogramm vermissen… während umfassendere Maßnahmen an den Sonderausschuss [den sogenannten Super-Ausschuss] delegiert werden.“

 Standard & Poor´s gab sich wenig optimistisch im Hinblick auf die Fähigkeit der US-Regierung, ihr Schuldenproblem anzugehen, und warnte: „Wir könnten das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf AA absenken.“

Doch selbst wenn der Super-Ausschuss in der Lage sein sollte, bis nächste Woche Mittwoch eine Vereinbarung zu den geforderten Haushaltseinsparungen vorzuweisen – die Einsparungen sollen über die nächsten 10 Jahre USD 1,2 Billionen betragen – würde dies laut S&P am Schuldenproblem der USA kaum etwas ändern. Ungeachtet einer erfolgreichen Vereinbarung des Ausschusses würde sich die US-Staatsverschuldung von den Schuldenlasten anderer Leidensgenossen wie Kanada, Frankreich, Deutschland oder Großbritannien „immer weiter absetzen“.

Die chinesische Ratingagentur übt sich diesbezüglich in Zurückhaltung. Laut Lew Rockwell ist es aber so, dass, würde die Bonität der USA den Bewertungsmaßstäben unterliegen, die von den Ratingagenturen bei der Bewertung von Gemeinde- oder Unternehmensanleihen verwendet werden, keine Agentur auch nur daran denken würde, diese Schuldenpapiere überhaupt einer Bewertung zu unterziehen:

 „Stellen Sie sich vor, die US-Notenbank Federal Reserve wäre nicht in der Lage, jeden – vom Sozialhilfeempfänger bis hin zum Bankster – mit neu geschaffenem Geld zu bezahlen. Unter derartigen Marktbedingungen hätten die Bundesschulden auch nicht die Note AA+, vielmehr läge das Rating noch unter dem von Müll-Anleihen.

In Wirklichkeit würden sich die Schuldenpapiere der US-Regierung noch nicht einmal für ein Kreditrating qualifizieren, da sie hoffnungslos wertlos wären, und für die Institution, die ein solches Rating abliefern würde, wäre es ebenso eine Bankrotterklärung – ja der ganze verrottete Staatsapparat würde durch und durch und in jedweder Hinsicht als bankrott erachtet werden.“

Befreit man die Aussagen von Dagong und Standard & Poor’s ihrer rhetorischen Ausschmückungen, bleibt bei dem Beobachter das Gefühl zurück, dass es sich hierbei um nichts weiter als ein Affentheater handelt, Nebelkerzen, die den Anschein erwecken sollen, als würde man sich ernsthaft mit der Kreditwürdigkeit der USA auseinandersetzen.

Der im August durch den US-Kongress und den Präsidenten verabschiedete Budget Control Act konnte nicht verhindern, dass die Staatsverschuldung für das Bruttosozialprodukt der USA zu einer immer größeren Last wird. Darüber hinaus ist Fakt, dass es zurzeit noch nicht einmal Hinweise auf eine Besserung der Schuldenkrise gibt.

Schaut man sich die wirkliche Natur und den tatsächlichen Umfang der seitens der Regierung geschaffenen Verbindlichkeiten an, wird schnell deutlich, dass die Ratingagenturen hier ungeachtet ihrer Drohungen, in Zukunft weitere Herabstufungen vorzunehmen, in Wirklichkeit ein Spiel spielen: Sie geben vor, dass die Staatsschulden der USA irgendetwas mit der Schuldenqualität gemein hätten, auf welche die aktuellen Kreditratings normalerweise schließen ließen.

Lew Rockwell meint dazu: „Dann sollen sich S&P und all die anderen mit ihnen im Wettbewerb stehenden Ratingagenturen doch ins Zeug legen und die US-Staatsanleihen genau so bewerten, wie sie jede andere Anleihe im privaten Sektor, ja sogar im öffentlichen Sektor bewerten, die nicht durch die Druckerpresse gedeckt ist. Sollen sie doch die Wahrheit sagen und es uns wissen lassen.“

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