Völlig unterbewertet: Wo der Goldpreis und der Silberpreis eigentlich liegen müssten

Zurzeit fließt nur jeder 229. neu geschaffene Dollar und nur jeder 2.571 in US-Banken gehaltene Dollar in Gold und Silber: Der Prozentsatz der Menschen, die sich zurzeit mit Gold & Silber vor Inflation schützen, ist verschwindend gering. Sollten sich die realen Gefahren des jetzigen Finanzsystems in das Bewusstsein der Menschen einfressen, könnte sich die Einstellung gegenüber Edelmetallen und der Inflation dramatisch ändern

Jason Hommel, Silver Stock Report, 16.11.2011

In der Finanzpresse kommen immer wieder verschiedene Finanzexperten zu Wort, die der Meinung sind, der Goldpreis „sollte“ zwischen USD 2.000 und USD 3.000 pro Unze, ja manchmal auch ein wenig höher liegen. Doch was uns die meisten dieser Experten niemals verraten, ist, wie sie eigentlich zu diesen Zahlen gelangen und welche Annahmen diesen Zahlen zu Grunde liegen.

Die Wahrheit ist, dass der Goldpreis vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen zurzeit genau dort liegt, wo er liegen sollte. Doch diese Bedingungen werden sich aller Vorausschau nach dramatisch ändern, was überdies ziemlich schnell vonstatten gehen kann. Darüber hinaus werden die sich verändernden Rahmenbedingungen auch die Einstellung der Menschen gegenüber den Gefahren der räuberischen Inflation verändern.

Die US-Bundesregierung gibt gegenwärtig jedes Jahr USD 1,6 Billionen mehr aus, als sie über Steuern einnimmt. Wir sprechen hier von USD 1.600 Milliarden oder USD 1.600.000 Millionen, also USD 1.600.000.000.000! In den Medien wurde nun gemeldet, dass die US-Staatsverschuldung alleine innerhalb der vergangenen drei Monate um USD 400 Milliarden zunahm, was die vorgenannte Zahl bestätigt.

Die US-Regierung dürfte wahrscheinlich nicht in der Lage sein, hier in nächster Zeit Abhilfe zu schaffen. In Wirklichkeit ließe sich das Schuldenproblem noch nicht einmal dann lösen, wenn man alle US-Einkommen mit 100% besteuern würde. Die benötigten Gelder werden daher zum überwiegenden Teil einfach gedruckt werden, was zu Inflation führt, und das bedeutet, dass es in praktisch allen Bereichen zu Preisanstiegen kommen wird – besonders bei Gold und Silber.

Aktuell begreifen nur die wenigsten US-Bürger, dass sie Gold und Silber brauchen, und genau das wird sich dramatisch ändern. Historisch gesehen, geht ein solcher Bewusstseinswandel recht schnell vonstatten, was logischerweise sehr plötzliche Preisschübe bei Gold und Silber zur Folge hat.

In den USA werden zurzeit nur rund USD 3,5 Milliarden jährlich für Silber (geschätzte 100 Millionen Unzen à USD 35) und nur USD 3,4 Milliarden jährlich für physisches Gold (geschätzte 2 Millionen Unzen à USD 1.700) ausgegeben.

Die US-Bürger geben also jährlich gerade einmal USD 7 Milliarden pro Jahr aus, um sich mithilfe von Edelmetallen vor der Inflation zu schützen.

Die USA verfügen aber über Bargeldreserven in Höhe von USD 18 Billionen. Bei diesen Geldreserven handelt es sich um Ansparungen, Bargeldbestände sowie kurzlaufende US-Staatsanleihen, die zurzeit im Bankensystem gehalten werden. Wir sprechen hier also von USD 18.000 Milliarden, USD 18.000.000 Millionen oder USD 18.000.000.000.000!

Aus mathematischer Sicht ließe sich sagen, dass, stellt man die US-amerikanischen Geldeinlagen in Höhe von USD 18 Billionen den rund USD 1,6 Billionen an neu geschaffenem Geld gegenüber, dies einer Geldmengenausweitung von fast 9% entspricht, während gerade einmal USD 7 Milliarden oder 0,4% dieser neuen USD 1,6 Billionen in Edelmetalle fließen.

Oder anders gesagt: Nur jeder 229. neu geschaffene Dollar und nur jeder 2.571 in US-Banken gehaltende Dollar fließt in Gold und Silber.

Im Vergleich zu der Geldlawine, die alljährlich in den Konsum fließt, geht also praktisch so gut wie nichts in Richtung Gold und Silber. Wir könnten uns in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen stellen:

1. Was würde mit dem Goldpreis geschehen, wenn pro Jahr 1% allen Geldes in den USA in Gold und Silber fließen würden?
2. Was wäre, wenn pro Jahr 10% des Geldes in den USA in Gold und Silber fließen würden?
3. Was wäre, wenn pro Jahr 10% des weltweiten Geldes in Gold und Silber fließen würden?
4. Was wäre, wenn pro Jahr 100% der gesamten US-amerikanischen Papiergeldbestände in Gold und Silber fließen würden?
5. Was wäre, wenn die gesamten US-Papiergeldbestände zu 100% durch die gesamten offiziellen Goldreserven der USA gedeckt würden?
6. Was wäre, wenn 100% der US-Papiergeldbestände durch die gesamten Goldreserven der USA gedeckt würden, die der US-Regierung wahrscheinlich noch verblieben sind?

 Wie wir im Folgenden sehen werden, wäre der Goldpreis natürlich – je nachdem, welche Annahmen wir zu Grunde legen – immer ein völlig anderer.

Frage 1: Was würde mit dem Goldpreis geschehen, wenn pro Jahr 1% allen Geldes in den USA in Gold und Silber fließen würden?

1% sind USD 180 Milliarden. Das ist das 26-fache dessen, was in den USA gegenwärtig tatsächlich für Gold und Silber ausgegeben wird (USD 7 Milliarden). Die gesamte weltweite Jahresproduktion liegt bei rund 75 Millionen Unzen. Die USA kaufen zurzeit gerade einmal 2 Millionen Unzen Gold pro Jahr.

Die Hälfte der in den USA in Edelmetalle investierten Gelder geht in Richtung Silber, die andere Hälfte wird in Gold investiert. Was wäre, würde sich dieser Trend weiter fortsetzen?

Würden die USA bei einem Goldpreis von USD 1.700 pro Unze USD 90 Milliarden pro Jahr in Gold investieren, entspräche dies 53 Millionen Unzen. Es ist völlig offenkundig, dass eine derart starke Nachfrage den Preis nach oben treiben würde. Wahrscheinlich käme es zu einer Preisverdreifachung. Der Goldpreis würde dann also bei über USD 5.000 pro Unze liegen.

Bei Silber würde man, ausgehend von einem Silberpreis in Höhe von USD 35 pro Unze, für USD 90 Milliarden rund 2,6 Milliarden Unzen bekommen. Hier gibt es aber ein kleines Problem. Die jährliche Weltsilberproduktion liegt gerade einmal bei 700 Millionen Unzen.

Darüber hinaus gibt es keine bedeutenden Lagerbestände, da der überwiegende Teil der physischen Silberbestände im Laufe der Zeit durch die Industrie verkonsumiert wurde. Die Industrie zeichnet heute bereits für den überwiegenden Teil des jährlichen Silberverbrauchs verantwortlich. Die Menge des für Investoren verfügbaren physischen Silbers ist entsprechend gering – wir sprechen hier von rund 150 Millionen Unzen Silber.

Aber nehmen wir einmal an, dass die Investorennachfrage einen Teil der Industrienachfrage verdrängen würde und für die Investoren, die bereit sind, USD 90 Milliarden in Silber zu investieren, 300 Millionen Unzen zur Verfügung stünden: USD 90 Milliarden/300 Millionen – macht einen Silberpreis von USD 300 pro Unze.

Diese Zahlen sind aber völlig unrealistisch. Warum soll lediglich 1% des Geldes für Gold und Silber ausgegeben werden? Dieser Prozentsatz dürfte in Zukunft wahrscheinlich bedeutend höher sein.

Der Inflations-Trend ändert sich ja nur dann, wenn die Zinsen steigen, und zwar über die jährlichen Zuwachsraten von Gold und Silber. Warum soll man sich denn mit einer Anleiherendite von 1% begnügen, wenn die Zugewinne bei Gold bei 20% liegen!

Frage 2: Was wäre, wenn pro Jahr 10% des Geldes in den USA in Gold und Silber fließen würden?

10% sind USD 1.8 Billionen. Die Hälfte davon (USD 900 Milliarden) würde in Gold gehen. Die jährliche Goldproduktion beläuft sich unterdessen auf 75 Millionen Unzen. Würden die USA die Hälfte der jährlichen Goldproduktion aufkaufen, also lediglich 37,5 Millionen Unzen, kämen wir auf einen Goldpreis von USD 24.000 pro Unze (USD 900 Milliarden/37,5 Millionen Unzen). Würden USD 900 Milliarden ausgegeben, um damit die Hälfte der jährlichen Silberproduktion (350 Millionen Unzen) zu kaufen, käme man auf einen Silberpreis in Höhe von USD 2.571 pro Unze.

Frage 3: Was wäre, wenn pro Jahr 10% des weltweiten Geldes in Gold und Silber fließen würden?

Die weltweite Geldmenge beläuft sich auf rund USD 60 Billionen. 10% wären USD 6 Billionen. Würde die Hälfte davon in die jährliche weltweite Goldproduktion investiert – also USD 3 Billionen für 75 Millionen Unzen Gold – kämen wir auf einen Goldpreis von USD 40.000 pro Unze. Würden USD 3 Billionen zum Kauf der jährlichen Silberproduktion in Höhe von 700 Millionen Unzen aufgewendet, läge der Silberpreis bei USD 4.286 pro Unze.

Das Interessante an steigenden Preisen als solches ist, dass sie dazu tendieren, weitere Gelder anzuziehen, da jeder auf den Zug aufspringen will. Leute, die Silber heute bei einem Preis von USD 35 pro Unze für zu teuer halten, werden sich dann, wenn der Silberpreis unaufhörlich nach oben schießt, darum drängeln, Silber zu kaufen.

Und zwar aus zwei Gründen: Zunächst einmal werden sie feststellen, dass der Dollar ähnlich dem Zeitungspapier nichts weiter ist als benutztes Papier, und sie werden, sofern sie Dollars halten, Angst haben, wenn der Wert des Dollars schnell nach unten geht. Zweitens werden sie reich werden wollen, was mit der Erkenntnis einhergehen wird, dass die einzige Möglichkeit, dies zu tun, darin besteht, wirkliches Vermögen in Form von Gold und Silber zu besitzen.

Das führt uns dann zu Frage 4: Was passiert, wenn die gesamten US-Papiergeldbestände über einen relativ moderaten Zeitraum von einem Jahr in Gold und Silber fließen würden. Das wäre immer noch lange vor der Hyperinflation – lange vor dem Zeitpunkt, wo die Menschen ihr gesamtes Einkommen sofort nach Erhalt in Gold und Silber stecken; wo die Regierung damit anfängt, neues Geld mit einer schier endlosen Zahlenreihe aus Nullen zu drucken.

Frage 4: Was wäre, wenn pro Jahr 100% der gesamten US-amerikanischen Papiergeldbestände in Gold und Silber fließen würden?

Das wären USD 18 Billionen. Die Hälfte davon, USD 9 Billionen, würde in, sagen wir, zwei Drittel der jährlichen Goldproduktion, also in 50 Millionen Unzen investiert. Wir kämen hier auf einen Goldpreis in Höhe von USD 180.000 pro Unze. Sollten USD 9 Billionen in zwei Drittel der jährlichen Silberproduktion, also in 467 Millionen Unzen investiert werden, kämen wir auf einen Silberpreis von USD 19.272 pro Unze.

Frage 5: Was wäre, wenn die gesamten US-Papiergeldbestände zu 100% durch die gesamten offiziellen Goldreserven der USA gedeckt würden?

Nehmen wir einfach einmal an, dass die US-Regierung versucht, die oben beschriebene Fluchtbewegung in Gold und Silber zu verhindern. Glauben wir für einen Moment einfach einmal, die Regierung wäre schlau genug, die US-Währung zu 100% mit ihren offiziellen Goldreserven zu decken. (Ja ich weiß, es ist ziemlich verrückt, zu glauben, dass die Regierung clever agieren würde, aber nehmen wir es trotzdem einmal an.)

Wir schauen uns die nachfolgenden Zahlen deshalb an, weil die US-Regierung mithilfe einer 100%igen Golddeckung der US-Währung sowie eines ausgeglichenen Haushalts theoretisch tatsächlich über die Mittel verfügen würde, eine außer Kontrolle geratene Inflation zu stoppen – auch wenn dies angesichts des aktuellen politischen Klimas unwahrscheinlich ist.

Nehmen wir einfach an, dass die Tea Party in beiden Häusern des US-Kongresses Unmengen an Sitzen hinzugewinnt und Ron Paul der nächste US-Präsident wird, und gehen wir davon aus, dass Paul, anstatt zum Goldstandard zurückzukehren, einfach nur versucht, eine außer Kontrolle geratene Inflation zu verhindern, indem 100% aller auf US-Konten befindlichen Gelder mit Gold gedeckt werden.

Das ist eine sehr einfache Rechnung: USD 18 Billionen/261 Millionen Unzen an offiziellen US-Goldreserven. Damit kämen wir auf einen Goldpreis von USD 68.966 pro Unze. Würde das Gold/Silber-Verhältnis zu diesem Zeitpunkt bei 1:10 liegen, kämen wir auf einen Silberpreis in Höhe von USD 7.000 pro Unze.

Das sind die Gold- und Silberpreise, die wir zurzeit angesichts aller Gegebenheiten und der Versprechen des US-Einlagensicherungsfonds FDIC gegenüber den Inhabern von Konten bei US-amerikanischen Banken eigentlich vorfinden müssten.

Frage 6: Was wäre, wenn 100% der US-Papiergeldbestände durch die gesamten der US-Regierung wahrscheinlich noch verbliebenen Goldreserven gedeckt würden?

Viele Beobachter gehen aus gutem Grund davon aus, dass die USA bereits einen bedeutenden Teil ihrer offiziellen Goldreserven verkauft haben, um den Dollar zu verteidigen und den Goldpreis unten zu halten. Ein derartiges Vorgehen würde mit den Realitäten der US-Regierung, ihrer Dummheit und den steigenden Goldpreisen eher im Einklang steht als alles andere.

Sollte ein bedeutender Teil der offiziellen Goldreserven der USA tatsächlich nicht mehr da sein, wäre der US-Dollar stehend KO – dem bevorstehenden, völlig unkontrollierten Goldpreisanstieg könnte in diesem Falle nichts entgegen gesetzt werden.

Physisches Gold und physisches Silber sollten im Bereich der jetzigen Preisniveaus gekauft werden, solange noch Zeit dafür bleibt. Die Fundamentaldaten deuten für die nächsten Jahrzehnte auf steigende Preise, während es jederzeit zu plötzlichen und substantiellen Preisschüben kommen kann.

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