Rettungs-Schock: Wer rettet eigentlich die US-Notenbank?

Die im Privatbesitz befindliche US-Notenbank ist pleite. Würde ein Unternehmenschef mit den Buchhaltungstricks der Fed arbeiten, käme er dafür ins Gefängnis. Am Ende dürfte selbst die Bonität des US-Finanzministeriums in Frage gestellt werden, was es wahrscheinlich macht, dass man sich letztlich auf die Nuklearoption, den Goldstandard, zurückziehen wird – mit massiven Auswirkungen auf die Goldpreisentwicklung

Jim Rickards, King World News, 23.11.2011

Sei es nun bei der Occupy Wall Street Bewegung oder in den Hallen des US-Kongresses, überall herrscht Wut über die orchestrierten Rettungsmaßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve. Diese Rettungspakete blieben nicht nur auf Banken beschränkt, sondern erstreckten sich auch auf Handelshäuser, Geldmarktfonds und ausländische Konzerne.

Nur widerwillig hat die Fed Details zu diesen Rettungspaketen bekanntgegeben, einige dieser Offenlegungen wurden sogar mithilfe des neuen Dodd-Frank-Gesetzes erzwungen. Stück für Stück kamen die Rettungsmaßnahmen so ans Licht, so als hätte man langsam einen Vorhang beiseite geschoben, der jetzt den Blick auf ein feingliedriges Mosaik freigibt.

Die Rettungspakete der Fed haben Aktienhalter, Anleihehalter und Konzernchefs bereichert, während die Arbeitslosigkeit in den USA weiter auf Depressionsniveau verharrt und 46 Millionen Amerikaner auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, um zu überleben.

Aber was wäre, wenn die Fed selbst einer Rettung bedürfte? Die Fed mag zwar eine Zentralbank sein, aber sie ist immer noch eine Bank mit einer Bilanz und Grundkapital. Eine Bilanz besteht immer aus zwei Seiten, aus Aktiva und Passiva; aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

Die Vermögenswerte der Fed bestehen zum überwiegenden Teil aus von ihr erworbenen US-Staatsanleihen, während ihre Verbindlichkeiten hauptsächlich aus dem Geld bestehen, das sie für die Käufe dieser Papiere druckt. Ihr Kapital ergibt sich aus den Vermögenswerten abzüglich der Verbindlichkeiten.

Die Fed verfügt zurzeit über ein Kapital in Höhe von USD 60 Milliarden, während die Vermögensbestände bei knapp USD 3 Billionen liegen. Sollten die Vermögensbestände der Fed im Wert um 2% fallen, würde dies, bezogen auf die von ihr gehaltenen USD 3 Billionen an Vermögenswerten, einen Verlust von USD 60 Milliarden zur Folge haben. Dies wäre also bereits ausreichend, um das gesamte Kapital der Fed auszulöschen. Ein 2%iger Wertverlust ist im heutigen Marktumfeld jedoch überhaupt nichts Ungewöhnliches.

Und die Fed ist sich über dieses Problem völlig im Klaren. Im Jahre 2008 trat die US-Notenbank an den US-Kongress mit der Bitte heran, ihre eigenen Anleihen ausgeben zu dürfen, um auf diese Art die Bilanz zu stützen, was zurzeit ja durch das US-Finanzministerium erledigt wird.

Bekäme die Federal Reserve vom US-Kongress die Erlaubnis, neue Fed-Anleihen auszugeben, wäre sie – wenn die Zeit dafür gekommen ist – in der Lage, geldpolitische Straffungsmaßnahmen durchzuführen, ohne die in ihren Büchern stehenden Anleihen verkaufen oder Verluste realisieren zu müssen.

Die Verkäufe neuer Fed-Anleihen würden dann bei der Reduzierung der Geldmenge als Ersatz für die alten Anleihen des US-Finanzministeriums dienen, wodurch die Verluste bei den alten Anleihen des US-Finanzministeriums verborgen blieben.

Im Jahre 2009 ging Janet Yellen, die mittlerweile Vizepräsidentin des Federal Reserve Board ist, während einer Rede in New York mit genau dieser Forderung an die Öffentlichkeit. Im Hinblick darauf, der Fed das Recht einzuräumen, neue Fed-Anleihen auszugeben, sagte Yellen: „Ich wäre glücklicher, wenn wir das jetzt hätten.“

Yellen schien stark daran interessiert zu sein, dieses Programm durchzusetzen, und zwar aus gutem Grund: Die sich abzeichnende Insolvenz der Fed wurde Tag für Tag immer augenscheinlicher, da die Bank gegenüber ihrem Grundkapital einen immer höheren Kredithebel zum Einsatz brachte.

Dieser Anleihe-Betrug wurde auf dem Kapitol jedoch vom Tisch gewischt, und als der Vorschlag erst einmal erledigt war, benötigte die Fed schnell eine andere Lösung. Die Lösung bestand in einer Vereinbarung zwischen dem US-Finanzministerium und der Fed, die nicht der Zustimmung des Kongresses bedurfte.

Dank der von ihr gehaltenen US-Staatsanleihen realisiert die Fed jedes Jahr riesige Zinsgewinne. Normalerweise gehen diese Gewinne zurück an das US-Finanzministerium. Die Fed und das US-Finanzministerium hatten sich nun aber hinter verschlossenen Türen dahingehend verständigt, dass die Fed diese Rückzahlungen aussetzen und die Gelder zurückhalten darf. Der Betrag, den die Fed normalerweise an das US-Finanzministerium zahlen würde, wird stattdessen in einen Schuldschein umgewandelt.

Wenn es bei künftigen Anleiheverkäufen nun zu Verlusten kommt, wird das Kapital der Fed nicht reduziert, so wie es eigentlich der Fall sein würde, sondern es erhöht sich stattdessen einfach nur die Menge der Schuldscheine, die die Fed an das US-Finanzministerium weiterreicht.

Im Grunde gibt die Fed private Schuldscheine an das US-Finanzministerium aus, während sie die Zinsgewinne nutzt, um den Eindruck zu erwecken, dass sie solvent sein würde. Solange die Fed in der Lage ist, dem Finanzministerium Schuldscheine zu übermitteln, wird ihr Kapital auch nicht ausgelöscht werden, wenn es zu Anleiheverlusten kommt. Wenn Unternehmenschefs derartige Buchhaltungstricks nutzen würden, kämen sie dafür ins Gefängnis.

Es könnte durchaus sein, dass die Amerikaner ziemlich wütend werden, wenn sie erfahren, dass das US-Finanzministerium eine staatliche Institution ist, während sich die Fed im Privatbesitz von Banken befindet – weshalb diese Machenschaften auch nichts anderes als ein weiteres Beispiel dafür sind, wie die Steuerzahler geprellt werden, um die Banken zu bereichern.

Die Vereinigten Staaten verfügen aktuell über ein System, wo das US-Finanzministerium riesige Defizite aufweist und Anleihen verkaufen muss, um seine Zahlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten, während die Fed Geld druckt, um diese Anleihen zu kaufen, und Geld verliert, weil es diese Anleihen hält. Und dann nimmt das US-Finanzministerium von der Fed Schuldscheine entgegen, damit die US-Notenbank nicht in die Pleite abrutscht. Das ist so, als würden sich zwei Betrunkene gegenseitig abstützen, damit keiner von beiden zu Boden geht.

Die Fed arbeitet heute mit einem Kredithebel von 50:1 und investiert unterdessen in schwankungsfreudige Wertpapiere. Die US-Notenbank macht zurzeit eher den Eindruck eines schlecht geführten Hedge-Fonds als einer Zentralbank.

Aber selbst diese Rettungsleine des US-Finanzministeriums könnte sich langfristig als unzureichend herausstellen. Sollte die Fed mit einer neuen Runde des Gelddruckens beginnen und das US-Finanzministerium weiterhin seine billionenschweren Defizite aufrechterhalten, könnte der Tag kommen, wo die Bonität des US-Finanzministeriums und der US-Notenbank in Frage gestellt wird und der Gelddruck-Zirkus plötzlich zum Erliegen kommt.

An diesem Punkt könnte die Fed beim Internationalen Währungsfonds „einen Freund anrufen“ und sich mit dem IWF-Spielgeld namens „Sonderziehungsrechte“ (SDRs) retten lassen. Die Fed könnte sich auch für die Nuklearoption entscheiden und den Goldstandard wieder einführen, wofür das Gold in Fort Knox zum Einsatz kommen müsste.

Angesichts einer begrenzten Goldmenge und der riesigen Papiergeldmenge läge der neue Goldpreis bei USD 7.000 pro Unze oder noch höher. Derartige Kursprünge beim Goldpreis konnten bereits während früherer Währungskrisen – in den 30er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts – beobachtet werden. Diese beiden Krisen lagen 40 Jahre auseinander und die letzte ist mittlerweile auch schon wieder 40 Jahre her – so gesehen, käme eine neue unmittelbar bevorstehende Krise sogar ziemlich pünktlich.

Weitere Artikel zu diesem Thema