Hyperinflationärer Dollar-Crash: Gold & Silber bleiben erste Wahl

Der renommierte Ökonom John Williams geht davon aus, dass es in den USA 2014, wenn nicht gar noch früher zu einem massiven systemischen Zusammenbruch und einer Hyperinflation kommen wird. Sparern und Anlegern empfiehlt er physisches Gold und physisches Silber und erklärt, dass sich nach dem bevorstehenden Finanz- und Wirtschafts-Crash aller Vorausschau nach herausragende Investmentmöglichkeiten bieten werden

The Gold Report, 28.11.2011
John Williams von Shadowstats.com im Gespräch mit The Gold Report

The Gold Report: Als wir uns im Mai das letzte Mal unterhielten, sagten Sie voraus, dass es bereits in 2014 zu einer Hyperinflation kommen könnte, ein Sachverhalt, der in Ihrem „Hyperinflation Special Report“ detailliert beschrieben wird. Hat sich innerhalb der letzten sechs Monate angesichts der Euroschuldenkrise, der Revolten im Nahen Osten und der Herabstufung von US-Staatsanleihen an Ihrer Einschätzung irgendetwas geändert?

John Williams: Nein, kein bisschen. Es scheint, als würden wir uns immer noch auf diesem Kurs befinden und als würde in Kürze der Bruch in Richtung Hyperinflation kommen. Das Wichtigste, was seit unserem letzten Gespräch passiert ist, war die weltweite Reaktion auf die Verhandlungen der US-Gesetzgeber über die Schuldenobergrenze und die Haushaltsprobleme.

Keiner von denen, die im Weißen Haus oder im Kongress das Sagen haben, geht die langfristigen Solvenz-Probleme ernsthaft an. Das hat zu einem Panikabverkauf des Dollars gegen andere Währungen wie dem Schweizer Franken und natürlich auch Gold geführt, weshalb es beim Goldpreis ja auch zu dieser massiven Rally kam.

TGR: Haben die Politiker irgendetwas aus diesen „Verhandlungen“, wie Sie es nennen, gelernt?

JW: Nein, überhaupt nicht. Ich behaupte, dass sich alles, was seit diesem Zeitpunkt geschehen ist, letztlich als eine weitere Episode des vollständigen Zusammenbruchs des Vertrauens in den Dollar erweisen wird. Dass sich auf einmal alle auf die Krise in der Eurozone konzentrieren, lenkt die Märkte zurzeit lediglich vom Dollar ab.

Nach dieser entsetzlichen Leistung des Kongresses und des Weißen Hauses zeichnete sich ein bedeutender Vertrauensverlust in den Dollar ab. Ich glaube, dass dieser Vertrauensverlust jetzt da ist. Der Dollar ist letztlich dazu verdammt, seinen Status als Reservewährung zu verlieren. Die Situation kann jetzt aufgrund der aktuellen Defizitverhandlungen jederzeit wieder hochkochen.

TGR: Welche Entwicklungen gehen mit dem Verlust des Status des US-Dollars als Reservewährung einher?

Das Entscheidende wäre wahrscheinlich ein massiver Verkaufsdruck beim US-Dollar, der zu einem erheblichen Kursanstieg der stärkeren Währungen wie dem Schweizer Franken führen wird. Umso stärker der Verkaufsdruck beim US-Dollar ausfällt, desto teurer und zerstörerischer wird es für die Schweizer Nationalbank werden, den Euro zu stützen. Daher gehe ich auch nicht davon aus, dass die Intervention der Schweizer Nationalbank allzu lange anhalten wird.

Neben einem massiven Abverkauf des Dollars zu Gunsten des Schweizer Franken, des kanadischen Dollars und des australischen Dollars sowie einer Goldpreisrally werden wir auch erleben, dass sich all jene, die vom Dollar abhängig sind, die OPEC-Länder beispielsweise, dafür stark machen werden, dass der Ölpreis nicht mehr in US-Dollar ausgewiesen wird. Das Ganze wird mit einer Bewegung einhergehen, den Status des Dollars als Reservewährung zu ändern.

TGR: Wenn andere Länder damit beginnen, die Zahlung in alternativen Währungen zu verlangen, wie können sich Investoren dann vor dieser Abkehr vom Dollarstandard schützen?

JW: Ich kann natürlich nicht genau sagen, wann das der Fall sein wird. Meine Prognose ist nach wie vor unverändert: Wir befinden uns zurzeit auf dem Weg in eine US-Dollar-Hyperinflation, wo die Kaufkraft des US-Dollar, so wie wir sie kennen, im Grunde verschwinden wird. Wer in der US-Dollar denominierten Welt leben, sollte keinesfalls Dollars halten, sondern stattdessen Maßnahmen ergreifen, um seine Kaufkraft und sein Vermögen entsprechend schützen.

Das sage ich jetzt speziell im Hinblick auf physisches Gold, wobei Goldmünzen vorzuziehen sind, und im Hinblick auf Silber und andere Vermögenswerte, die nichts mit dem US-Dollar zu tun haben. Was Währungen anbelangt, so mag ich den Schweizer Franken, den australischen Dollar und den kanadischen Dollar am meisten.

Das sind Maßnahmen, die man für das langfristige Überleben ergreifen kann, da wir in nächster Zeit wahrscheinlich alle möglichen Arten von Turbulenzen erleben werden.

Doch ist man erst einmal durch diesen Sturm hindurch, ist man erst einmal in der Lage gewesen, die Kaufkraft seines Vermögens zu schützen und die Liquidität aufrecht zu erhalten – was einem physisches Gold und die Währungen ermöglichen – wird man am Ende auch in der Lage sein, durch die Krise zu kommen. Überdies werden sich einem einige außerordentliche Investitionsmöglichkeiten bieten, die sich nach den uns bevorstehenden Verwerfungen aller Vorausschau nach ergeben werden.

Das ist hier kein mittelfristiger Ausblick, ich sage also nicht, was der Dollar nun nächste Woche tun wird oder auch nicht. Ich spreche hier von einer langfristigen Schutzstrategie, einer Versicherungspolice gegen die Hyperinflation, die aufgrund der tiefgreifenden Insolvenz der USA meines Erachtens unvermeidlich stattfinden wird.

TGR: Kann diese Pleite der USA vermieden werden?

JW: Die massive Beschneidung der Wohlfahrtsprogramme wie die staatlichen Rentenzahlungen (Social Security) und die staatliche Krankenversicherung (Medicare) wären die einzige Möglichkeit, wie dies vermieden werden könnte. Ich habe kein Problem mit dem staatlichen Rentensystem oder der staatlichen Krankenkasse, aber wenn man diese Themen nicht angeht, wird man die Sache auch nicht in den Griff bekommen.

Schaut man sich das jährliche Haushaltsdefizit der USA auf Basis der GAAP-Regularien an – also den allgemein anerkannten internationalen Buchhaltungsstandards – mit den alljährlichen Veränderungen und dem gegenwärtigen Nettowert der nichtfinanzierten Verbindlichkeiten bei den Rentenzahlungen und der staatlichen Krankenkasse und so weiter, kommt man auf ein jährliches US-Haushaltsdefizit von über USD 5 Billionen.

Um diese Zahl einmal zu verdeutlichen: Selbst wenn man die Einkommen der US-Bürger mit 100% besteuern würde, würde die Regierung trotzdem immer noch ein Haushaltsdefizit ausweisen. Würde man bis auf die staatlichen Rentenzahlungen und die staatlichen Krankenkassenleistungen alle anderen Staatsausgaben streichen, hätten die USA immer noch ein Defizit.

Der letztlich einsetzenden Hyperinflation kann man nicht entkommen, wenn diese Programme nicht angegangen werden. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass die Hyperinflation am Ende dieser Dekade einsetzen würde. Mittlerweile liegt meine Prognose für diese Entwicklung bei 2014, ja es könnte sogar noch früher dazu kommen. Ich glaube, dass wir uns gegenwärtig bereits im frühen Stadium einer Entwicklung befinden, die durchlaufen werden muss, bevor es zu diesem Bruch kommt.

TGR: Aber würden die Politiker derartige Sozialausgaben in einem Wahljahr überhaupt anrühren?

JW: Nein, das will keiner. Die Bundesregierung und die US-Notenbank Federal Reserve haben uns hier in eine Ecke getrieben, von wo aus es kein Entrinnen mehr gibt. Es gibt keinen politischen Willen, dieses weitreichende Insolvenzproblem anzugehen. Daher versuchen sie auch Zeit zu gewinnen. Das taten sie bereits in 2008. Sie hatten damals alles in ihrer Macht stehende getan, um einen systemischen Zusammenbruch zu verhindern, indem sie so viel Geld ausgaben, wie sich auftreiben ließ, und Garantien verteilten.

Und wir gelangen jetzt erneut an einen Punkt, wo wir mit dem Risiko eines systemischen Zusammenbruchs konfrontiert werden, weshalb es wahrscheinlich zu einer weiteren Runde der quantitativen Lockerung (QE) kommen wird. Das könnte der Auslöser für einen massiven Dollarabverkauf sein, was die Inflation bedeutend anheizen wird. Diese Entwicklung wird die Endphase einleiten.

TGR: In einem Ihrer letzten Rundbriefe haben Sie gezeigt, dass die jährliche „Kerninflation“ seit dem Auslaufen von QE2 mittlerweile den zwölften Monat in Folge gestiegen ist. Was würde bei den von Ihnen beobachteten Indikatoren und mit Gold, Silber und den Rohstoffen passieren, wenn es zu QE3 kommt?

JW: Gold neigt dazu, die Inflationsprobleme vorweg zu nehmen. Alle Arten von Faktoren schlagen auf den Goldpreis ein und sorgen dadurch für eine unglaublich hohe Volatilität, aber gewöhnlich bewegt sich der Kurs weiter in die Höhe, wenn sich die Krise verschärft. Und wenn wir in die Phase der hohen Inflation eintreten, wird sich Gold extrem stark verteuern.

Die Menschen sollten in diesem Zusammenhang auch immer im Hinterkopf behalten, dass sie lediglich ihre Dollarkaufkraft erhalten, wenn sie in Gold investieren. Sollte Gold zu Beginn der Hyperinflation auf USD 100.000 pro Unze steigen, während man es zuvor für USD 2.000 pro Unze gekauft hat, hat man ja nicht USD 98.000 pro Unze Gewinn gemacht. Stattdessen war man lediglich in der Lage, die Kaufkraft der in Gold investierten Dollars zu retten. Und all die Dollars, die man nicht in Gold oder andere harte Vermögenswerte investiert hat, haben dann unterdessen ihre Kaufkraft verloren.

Das ist eine Investment-Perspektive, die sich von der Auffassung der meisten Menschen stark unterscheidet, aber wir haben es hier auch nicht mit einem normalen Investitions-Umfeld zu tun.

Noch einmal: Wir haben es hier mit einer Situation zu tun, wo man besser in Deckung geht und versucht, sein Vermögen zu schützen. Es geht hier nicht darum, am Markt Tagesgewinne einzufahren. Zunächst muss man sich erst einmal um die grundlegenden Dinge kümmern, bevor man sein Spielgeld ins Wall-Street-Casino bringt.

Bezüglich der Kerninflation ist es so, dass die US-Notenbank bei ihren Berechnungen gerne die Energie- und Lebensmittelpreise außen vorlässt, was sie mit der Behauptung rechtfertigt, dass diese Preise zu starken und auch nur kurzfristigen Schwankungen ausgesetzt seien …

Als Reaktion auf QE2 verteuerte sich Gold gegenüber dem Dollar, während sich der Dollar auch gegenüber anderen Währungen abschwächte. Der schwächere Dollar sorgte im Gegenzug für einen Anstieg beim Ölpreis. Der höhere Ölpreis sorgte wiederum für einen Anstieg des Benzinpreises und der allgemeinen Inflation, was die US-Inflation auch heute noch weiter anheizt.

Bei der nächsten Runde quantitativer Lockerungsmaßnahmen durch die Fed werden sich die Dollarprobleme erneut intensivieren. Das wird bei den Öl- und Benzinpreisen für einen Aufwärtsdruck sorgen und den allgemeinen Inflationsdruck bei den Verbrauchsgütern und Dienstleistungen weiter anheizen.

Die Fed wurde von der Regierung mit der Aufgabe betraut, zu versuchen, ein vernünftiges Maß an Wirtschaftswachstum zu gewährleisten und die Inflation im Zaum zu halten. Aus Sicht der Fed sind diese Aufgaben jedoch nicht so wichtig, wie die Zahlungsfähigkeit des Bankensystems aufrecht zu erhalten. Bezüglich des allgemeinen Systemausblicks hat sich seit 2008 nichts geändert, was von Bedeutung wäre.

Das Bankensystem befindet sich immer noch in einer Solvenz-Krise, die Wirtschaft verschlechtert sich weiter und eine echte Wirtschaftserholung hatten wir auch nicht. Durch die Notmaßnahmen zur Verhinderung des Systemzusammenbruchs wurde überhaupt nichts erreicht, außer dass die Krise ein klein wenig weiter in die Zukunft verlagert wurde, und jetzt befinden wir uns wieder auf dem Weg in Richtung des nächsten Krisenhöhepunkts.

TGR: Sie haben wiederholt erklärt, dass die Weltwirtschaftskrise nicht Europas Fehler sei, sondern vielmehr Teil eines sich abzeichnenden systemischen Zusammenbruchs, der durch die Manipulation der US-Finanzmärkte seinen Anfang nahm. Welche Länder oder Branchen werden unter der Krise am meisten zu leiden haben?

JW: Umso stärker eine Branche vom Dollar abhängig ist, desto größer werden die Inflationsauswirkungen sein, doch die unkontrollierte Inflation, von der ich hier spreche, wird sich vornehmlich in den USA und bei Menschen abspielen, die in der US-Dollar denominierten Welt leben.

Diese Entwicklung wird extrem negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben, und die Probleme der US-Wirtschaft werden natürlich globale Folgen haben. Die USA haben immer noch die größte Wirtschaft der Welt, und man kann sie nicht noch stärker in die Rezession treiben, ohne dass das außerhalb der USA ohne Folgen vonstatten ginge.

Doch während sich die weltweiten Probleme immer weiter zuspitzen werden, ist das System dort in der Lage, schlechte Wirtschaftsphasen einfach auszusitzen und abzuarbeiten. Die USA können die Hyperinflation aber nicht aussitzen, weil unsere Währung zur selben Zeit wertlos werden wird. Das ist die ultimative Krise, die letztlich zu einem Systemneustart führt.

TGR: Können Europa und China irgendetwas tun, um den Ereignissen in den USA entgegenzuwirken?

JW: Sie können den Dollar über Bord werfen. China muss sich vom US-Dollar abkoppeln, ja es wird sogar gezwungen sein, dies zu tun. Zurzeit importieren die Chinesen Inflation. Wenn China dieses Inflationsproblem nicht haben will, muss es alle Verbindungen zum Dollar durchtrennen, und auch Öl wird dann ganz plötzlich wesentlich billiger werden.

TGR: Aber ist es für China praktisch überhaupt machbar, seine US-Dollars und US-Staatsanleihen abzuverkaufen?

JW: Wenn sich China vor der US-Inflation schützen will, muss das Land seine Währung vom US-Dollar abkoppeln, was übrigens auch für alle anderen Währungen gilt. Der Schweizer Franken wird gegenwärtig künstlich an den Euro gekoppelt, doch aufgrund der allgemeinen Dollarschwäche stützen sie dadurch ironischerweise auch den Dollar gegenüber dem Euro.

Immer dann, wenn sich einer der bedeutenden Halter von US-Dollars dafür entscheidet, seine Bestände zu verkaufen, entscheidet sich auch, wie hoch der Wertverlust für die US-Währung ausfällt.

TGR: Wird der Euro überleben?

JW: Also ich würde nicht darauf wetten, dass der Euro langfristig überleben wird, aber ich glaube, dass er die gegenwärtige Krise übersteht – und zwar genau solange, wie das Überleben des Euros notwendig ist, um einen systemischen Zusammenbruch des US-Dollars zu verhindern. Die Fed wird alles Notwendige tun, um zu verhindern, dass die Probleme in Europa zu einem Zusammenbruch des US-Bankensystems führen. Um dies zu tun, ist die Fed in der Lage, so viel Geld zu schaffen, wie sie für richtig hält.

Ich gehe davon aus, dass der Euro in seiner heutigen Form langfristig nicht überleben wird. Der Verlust des Dollars wird am Ende zu einer erneuten Überprüfung der gesamten weltweiten Währungs-Struktur führen. Das könnte der Zeitpunkt sein, wo andere Währungs-Ungleichgewichte wieder gerade gerückt werden und es zum Auseinanderbrechen des Euros kommt.

Die Vorstellung, dass alle Länder innerhalb des Euros in der Lage sein würden, ihre Wirtschaften und ihre jeweilige Haushaltspolitik dergestalt anzupassen, dass das Ganze zusammenhält, ist völlig realitätsfern. Der Euro war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

TGR: Schauen wir noch einmal auf Gold. Laut Ihrer Daten lag das Goldhoch von USD 1.895 pro Unze im September 2011 inflationsbereinigt immer noch unter seinem historischen Hoch des Jahres 1980, wo das gelbe Metall mit USD 850 pro Unze gehandelt wurde.

Der Preis von USD 850 pro Unze würde heute gemäß dem US-Verbraucherpreisindex (CPIU) bei USD 2.479 pro Unze und gemäß dem alternativen VPI von Shadow Government Statistics (SGS) bei USD 8.677 pro Unze liegen. Ist Gold vor diesem Hintergrund nicht unterbewertet?

JW: So gesehen, ist das richtig. Das ist ja davon abhängig, wie man es misst. In meinem Hyperinflations-Bericht haben wir uns angeschaut, was mit dem Dollar über einen längeren Zeitraum geschehen ist. Seit US-Präsident Roosevelt im Jahre 1933 den Inlands-Goldstandard abgeschafft hat, hat der Dollar zwischen 98% und 99% seiner Kaufkraft eingebüßt. Die Leute vergessen das oft.

Schaut man sich aber die Goldpreisentwicklung seit 1933 an, dann ist es in der Tat so, dass sich der Goldpreis nur geringfügig stärker verteuert hat als die offizielle Inflationsrate. Anhand meiner Berechnungen zur Inflation – die ausweisen, wo die Inflation läge, hätte man die VPI-Berechnungen nicht verändert – wird deutlich, dass der Kaufkraftverlust des US-Dollars gegenüber Gold der Inflationsrate entspricht.

Wenn man längere Zeiträume betrachtet – das gilt sogar für Jahrtausende – neigt Gold dazu, die Kaufkraft zu schützen, was bedeutet, dass der Nettowert der Inflation immer mit eingepreist ist. Nun ist ja nicht so, dass man ein Stück Gold auf ein so kleines Stück herunterbrechen würde, dass man sich damit einen Laib Brot kaufen könnte, doch würde man es tun, hätte man sich dafür bereits im antiken Rom ein Laib Brot kaufen können.

TGR: Für dieselbe Menge an Gold.

JW: Für dieselbe Menge an Gold. Gold verfügt als Vermögensschutz über eine sehr lange Tradition. Das ist auch der Grund, warum das gelbe Metall von der ganzen Welt als Vermögensspeicher erachtet wird. Nur in den US-Medien wurde es schlecht gemacht, weil der Privatbesitz unter Roosevelt verboten wurde. Nachdem Nixon den internationalen Goldstandard aufgab, war es den Amerikanern dann wieder erlaubt, Gold zu besitzen.

Und selbst heute rät einem Wall Street immer noch von Investments in physisches Gold ab, was vornehmlich darauf zurückzuführen ist, dass sie daran nichts verdienen, so wie dies bei Aktien und Anleihen der Fall ist.

Blickt man auf die Zeit nach dem Goldverbot von 1933, dann war es so, dass alle jene US-Bürger, die Gold kaufen wollten, sich auf einmal den Goldminenaktien zuwandten. Aufgrund dieser Ereignisse in den 30er Jahren – das ist nun rund zwei Generationen her – hat Gold als Investment und als Vermögensschutz viel von seinem Renommee eingebüßt, das es einst in den USA hatte. Außerhalb der USA ist es so, dass Gold praktisch von jedem als traditioneller Vermögensschutz erachtet wird.

TGR: Das betrifft ja physisches Gold. Was ist mit den börsennotierten Goldfonds (ETFs) und den Junior-Goldminenaktien, wird man mit diesen Investments ebenfalls in der Lage sein, sein Vermögen zu schützen?

JW: Also ich würde nicht darauf wetten, dass das Finanzsystem in Zukunft so funktioniert, wie es eigentlich sollte. Mein Fokus richtet sich daher eher auf physisches Gold, am besten staatliche Münzen, und zwar nicht nur als einen Vermögensspeicher, sondern auch zum Zwecke der Liquidität.

Goldminenaktien dürften das Vermögen über lange Zeiträume hinweg eigentlich ebenfalls erhalten, aber ich würde sie wirklich nur als langfristige Investitionen sehen. Es könnte Phasen des systemischen Zusammenbruchs geben, die mit einer zwischenzeitlichen Liquiditätskrise einhergehen.

TGR: Sie sprachen davon, dass die Hyperinflation bereits 2014 zum Tragen kommen könnte, ja vielleicht sogar früher. Aber 2012 ist jetzt nur noch wenige Wochen entfernt. Worauf sollten sich die Menschen in 2012 einstellen? Worauf deuten die von Ihnen erhobenen Daten im Vergleich zu den seitens der Regierung verlautbarten Statistiken?

JW: Ich kann Ihnen sagen, dass die Wirtschaft schwächer ist und schwächer bleiben wird, als es von der Regierung kommuniziert wird. Eine Wirtschaftserholung hat nicht stattgefunden und es scheint, dass wir eine stärkere Inflation bekommen werden.

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