Lehman Brothers 2.0 – US-Notenbank leitet weltweite Lockerungsmaßnahmen ein

Anstatt wie in 2008, wo die weltweiten Finanzmärkte erst nach dem Zusammenbruch einer Großbank geflutet wurden, schaffen die US-Notenbank Federal Reserve und andere große Zentralbanken nun bereits präventiv Geld aus dem nichts, um das Bankensystem vor dem Untergang zu bewahren. Einige Beobachter gehen davon aus, dass mit der jüngsten Intervention der Zentralbanken eine europäische Großbank gerettet wurde, während zu befürchten steht, dass die US-Geldmenge wieder massiv in die Höhe schießen wird

Michael Snyder, The Economic Collapse, 01.12.2011

Die weltweiten Zentralbanken führen sich zurzeit so auf, als befänden wir uns wieder im Jahre 2008. Hoffnungslose Zeiten haben desperate Maßnahmen zur Folge, was auch der Grund dafür ist, dass die Zentralbanker nun alle Bedenken vom Tisch wischen.

Die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank, die Bank of England, die Bank of Canada und die japanische sowie die schweizerische Notenbank gaben gestern einen konzertierten Plan bekannt, mit dem sie dem weltweiten Finanzsystem Liquidität zur Verfügung stellen wollen.

Laut diesem Plan wird die US-Notenbank die Zinsen, die sie der Europäischen Zentralbank für Dollarkredite in Rechnung stellt, substantiell absenken. Die EZB ist dadurch in der Lage, diese Dollars zu wesentlich günstigeren Zinssätzen an europäische Geschäftsbanken weiterzureichen. Die Zentralbanker hoffen, dass sie die Kreditklemme, die das europäische Finanzsystem zurzeit fest im Griff hat, mithilfe dieser Maßnahme abschwächen können.

Und wo bekommt die US-Notenbank nun eigentlich all die Dollars her, die sie zu sehr niedrigen Zinsen weiterverleiht? Ja richtig – die Fed schafft das Geld einfach aus dem nichts. Der US-Dollar wird entwertet, damit Europa geholfen werden kann.

Bedauerlicherweise sind die Wirkungen dieser Maßnahme aber vornehmlich „psychologischer“ Natur, da die der europäischen Krise zu Grunde liegenden Probleme dadurch überhaupt nicht angegangen werden. Diese Probleme zu lösen, ist Sache Europas, doch lassen sich bisher keinerlei Hinweise erkennen, dass die Europäer dazu überhaupt in der Lage sind.

Die bedeutendsten Zentralbanken der Welt haben verkündet, dass sie „ihre Fähigkeit, Liquidität bereit zu stellen, um das weltweite Finanzsystem zu stützen“, weiter ausbauen wollen. Im Grunde geschieht hier nichts anderes, als dass die US-Notenbank riesige Mengen an Dollars aus dem nichts schafft, um diese Gelder dann extrem billig an die EZB weiterzureichen. Man könnte auch sagen, dass es sich hierbei um eine Art „quantitativer Lockerung“ globalen Ausmaßes handelt.

Die Entscheidung wurde angeblich Montagmorgen durch die Federal Reserve getroffen. Und aktuell scheint die Maßnahme das europäische Finanzsystem in der Tat beruhigt zu haben. Es ist also ziemlich unwahrscheinlich, dass diese Woche eine europäische Großbank untergehen wird.

Doch wie eingangs bereits erwähnt, ist dadurch keines der sehr ernsten Finanzprobleme Europas gelöst worden. Diese Intervention der Zentralbanken ist lediglich eine kleine Unebenheit auf dem Weg in Richtung Finanz-Nirwana.

Die meisten Amerikaner haben keine Ahnung, was die Zentralbanken dieser Welt hier eigentlich treiben, obwohl es an sich nicht allzu kompliziert ist. Der leitende CNN-Wirtschaftskorrespondent Ali Velshi führte diesbezüglich aus:

„In einem Versuch, die Folgen eines Zusammenbruchs der weltweiten Kreditversorgung abzuwenden, hat die Federal Reserve gemeinsam mit anderen großen Zentralbanken eine Kreditlinie geschaffen, auf die diese Zentralbanken nun zugreifen können. Dadurch ist es ihnen möglich, die Dollars zu einem verringerten Zinssatz über einen Zeitraum von drei Monaten auszuleihen.

Die Zentralbanken können das Geld im Gegenzug an Privatbanken in ihren jeweiligen Ländern weiterverleihen. Es zielt darauf ab, die Kosten für die kurzfristige Kreditaufnahme der in Schwierigkeiten befindlichen europäischen Banken zu reduzieren und ihnen direkten Zugang zu US-Dollars einzuräumen.

Dies wurde auch umgehend nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers getan, um die Folgen abzuwenden, die daraus resultierten, dass die Banken größtenteils nicht gewillt waren, anderen Banken Geld zu leihen, nicht einmal für kurze Zeit, aus Angst, dass die kreditnehmende Bank Pleite gehen könnte.“

Okay – die US-Notenbank verleiht jetzt also gigantische Berge billigen Geldes an die Europäische Zentralbank. Und wo kommt das Geld nun eigentlich her? In einem CNBC-Artikel wurde jüngst noch einmal darauf hingewiesen, dass das ganze Geld von der Federal Reserve einfach aus dem nichts geschaffen wird:

„Weder die Dollars noch die Euros stammen von irgendwoher. Sie werden nicht bewegt oder von irgendwo abgebucht. Sie werden direkt an Ort und Stelle mithilfe von ein paar Tastatureingaben geschaffen. Und das ist alles. Es gibt keine Druckerpresse, die angeworfen werden müsste, um neue Euros oder Dollars zu schaffen. Das wird manchmal auch ´Fiat-Geld` genannt. Aber das klingt so, als würde ein Souverän bestimmen, dass Geld geschaffen wird. In Wahrheit ist es eher ´Tastatur-Geld`, da es mithilfe ein paar weniger Dateneingaben am Computer geschaffen wird.“

Hört sich das bizarr für Sie an? Ja, das sollte es auch! Aber das ist nun einmal die Art, wie das weltweite Finanzsystem in Wirklichkeit funktioniert. Wir leben in der Tat in einer sehr verrückten Welt.

Und was halten eigentlich die weltweiten Finanzmärkte von diesem Schritt der US-Notenbank? Nun ja, sie lieben es! Der Dow Jones stieg um 490 Punkte und konnte somit den besten Tagesgewinn im bisherigen Jahresverlauf verbuchen.

Doch bedauerlicherweise wird auch diese Aktienmarktrally nicht ewig anhalten. Fall Sie heutzutage immer noch in Aktien investiert sein sollten, dann genießen Sie es besser, solange Sie noch können, denn am Ende wird das Ganze mit ziemlichen Verwerfungen einhergehen.

Noch einmal: Kein einziges Problem ist gelöst worden. Europa hat immer noch mit einem gigantischen Berg an Problemen zu kämpfen. Nichtsdestotrotz sorgte die Ankündigung dafür, dass sich auf einmal alle gleich besser fühlten, zumindest für einen Tag.

Michelle Girard, der leitende Ökonom bei RBS Securities erklärte bezüglich dieser Intervention: „Die Auswirkung ist eher psychologisch als alles andere.“

Also so etwas wie „Nervennahrung“ für die Finanzmärkte. Auf alle Fälle war es eine desperate Maßnahme. Einige Beobachter gehen sogar davon aus, dass dieser Schritt nur deshalb eingeleitet wurde, weil eine große europäische Bank kurz vor der Pleite stand. Jim Cramer von CNBC schrieb diesbezüglich auf seinem Twitter-Account:

„Hätte die Fed nicht gehandelt, hätte es dieses Wochenende meines Erachtens die größte Bankenpleite aller Zeiten gegeben. Die Maßnahmen, die die Regierungen heute ergriffen haben, zeigen, dass am Wochenende mit Sicherheit eine Großbank Pleite gegangen wäre. Das ist sehr beunruhigend … Ich glaube, dass dieses Wochenende eine große europäische Bank Pleite gegangen wäre. Das ist der Grund, warum sie es taten.“

Und auch in einem Forbes-Artikel wird darüber spekuliert, ob diese Maßnahme in Wirklichkeit nicht eher darauf abzielte, eine europäische Großbank vor einem unmittelbar bevorstehenden Bankrott zu bewahren:

„Stand vergangene Nacht eine große europäische Bank kurz vorm Zusammenbruch? Die europäischen Banken, speziell die französischen Banken sind in starkem Maße auf die Finanzierung über den Interbankengeldmarkt angewiesen. Angesichts der Maßnahmen der weltgrößten Zentralbanken vergangene Nacht stellt sich die Frage, ob eine Großbank Probleme hatte ihren unmittelbaren Liquiditätsbedarf zu finanzieren.“

Wer weiß, ob wir jemals die Wahrheit darüber erfahren werden – Fakt ist aber, dass die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank eine derart konzertierte Maßnahme nie eingeleitet hätten, wären sie nicht zu der Auffassung gelangt, dass es irgendeine Art von unmittelbarer Gefahr für das Weltfinanzsystem gibt.

Und diese jüngste Maßnahme wird bedauerlicherweise auch ein paar Nebenwirkungen haben. Der Vizepräsident von Pimco, Tony Crescenzi, erklärte, dass diese ganze „Liquidität“ zu einer massiven Ausdehnung der US-Geldmenge führen würde:

„Wir sollten immer daran denken, dass jedweder Einsatz von Swap-Fazilitäten der Fed die Geldmenge der Fed erhöht. Alle Dollars, ganz egal wo sie hinterlegt sind, sei es nun in Kasachstan, Japan oder Mexiko, landen irgendwann wieder bei einer amerikanischen Bank. Und es bedeutet, dass jedes Mal, wenn eine ausländische Zentralbank mit der Federal Reserve ein Swap-Geschäft eingeht, die Fed neues Geld schafft, um diesen Swap durchzuführen.

Ende 2008 war die Nutzung von Liquiditäts-Swaps der Fed die Hauptursache für den starken Anstieg der Geldmenge der Fed. Diese Swap-Linie erreichte im Dezember 2008 mit rund USD 600 Milliarden ihren Höhepunkt. Einige Beobachter behaupten daher, dass es sich bei der Swap-Linie um eine Möglichkeit handelt, um durch die Hintertür quantitative Lockerungsmaßnahmen durchzuführen.“

Und wenn immer mehr Geld derselben Menge an Gütern und Dienstleistungen hinterherjagt, steigen die Preise. Wird es aufgrund der jüngsten Zentralbankintervention in den USA am Ende zu einer höheren Inflation kommen? Nun ja, zumindest befürchten das Einige.

Unterdessen gelingt es den europäischen Politikern nicht, mit einem Plan aufzuwarten, wie die europäische Krise ernsthaft angegangen werden könnte. Das Ganze wir dann auch noch als „Aufschub“ bezeichnet, obwohl es eigentlich „Scheitern“ heißen müsste. USA Today schreibt dazu:

„Die Minister haben ihre Maßnahmen bezüglich großer Finanzfragen aufgeschoben – dasselbe gilt für das Konzept einer engeren fiskalischen Union, das mehr Haushaltsdisziplin garantieren würde – bis sich die Regierungschefs nächste Woche in Brüssel einfinden.“

Und, werden die europäischen Politiker nächste Woche in Brüssel mit einem echten Plan aufwarten können? Das scheint doch eher unwahrscheinlich.

Die Wahrheit ist doch, dass die jüngste Maßnahme der großen Zentralbanken nichts an der Tatsache geändert hat, dass Europa zurzeit mit enormen Schwierigkeiten konfrontiert ist und dort aller Vorausschau nach ein sehr schmerzvoller Finanz-Crash stattfinden wird.

Ein weiterer Aspekt, auf den durch die jüngste Aktion der Zentralbanken ein Schlaglicht geworfen wird, ist die Tatsache, dass wir überhaupt keine Kontrolle darüber haben, was die Zentralbanker eigentlich treiben.

All diese Zentralbanken werden von nichtgewählten Bürokraten angeführt, die niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig sind. Die Entscheidungen, die diese Zentralbanker treffen, haben auf unser Leben aber einen maßgeblichen Einfluss, und dennoch haben wir bezüglich dieser Entscheidungen überhaupt nichts zu sagen.

Der überwiegende Teil der Entscheidungen dieser Zentralbanker scheint dem Wohle der Banken und der großen Finanzinstitutionen zu dienen. Sie behaupten zwar immer, dass die Vorteile bis zu uns nach unten durchsickern würden, doch was in der Mehrzahl aller Fälle tatsächlich nach unten durchsickert, ist das wirtschaftliche Elend, das auf ihre schlechten Entscheidungen zurückzuführen ist.

Ich habe in der Vergangenheit oft darüber geschrieben, dass diese Zentralbanken abgeschafft werden müssen. Das amerikanische Volk muss vom Kongress verlangen, dass die Federal Reserve dicht gemacht und stattdessen schuldenfreie US-Währung ausgegeben wird.

Wir brauchen keine nichtgewählten Zentralbanker, die „zentral“ die US-Wirtschaft oder die Weltwirtschaft planen. Umso mehr diese Zentralbanker sich einmischen, desto schlimmer fällt das Chaos am Ende aus.

Ja, die jüngste Zentralbankintervention hat die Situation vorerst stabilisiert, aber die wirklichen Probleme für das globale Finanzsystem ziehen bereits am Horizont auf, da können Sie sich sicher sein …

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