Silber: USD 1.000 pro Unze durchaus möglich

Der Edelmetallbullenmarkt in den 70er Jahren war spektakulär. Doch diesmal ist einiges anders: 90% der weltweiten Silberbestände wurden innerhalb des vergangenen Jahrhunderts aufgebraucht und die industrielle Verwendung von Silber ist in den letzten Jahrzehnten noch einmal rapide angewachsen. Der weltweite Kampf zwischen Investoren und Wirtschaft um die geringen Silberbestände hat bereits begonnen

G. I. Metals, 03.01.2012

Für Silberinvestoren war 2011 ein erstaunliches wie auch enttäuschendes Jahr. Am meisten enttäuscht dürften all jene gewesen sein, die während der Höchststände im April vergangen Jahres gekauft hatten, als Silber nahe der Marke von USD 50 pro Unze notierte.

Diese Investoren sollten sich jedoch noch einmal vergegenwärtigen, dass sich die Leute noch vor nicht all zu langer Zeit wegen Preisschwankungen im 10-Cent Bereich schwarz ärgerten. Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern, bis man den Unterschied zwischen USD 29 und USD 50 pro als geringe Preisschwankung erachten wird.

Schaut man auf die Fundamentaldaten des Silbermarkts, wird einem klar, warum das von G. I. Metals gehaltene Silber seinen großen Bruder Gold am Ende ausstechen wird und mit welchen Arten von Höchstständen im Rahmen eines inflationären Umfelds letztendlich zu rechnen ist.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Zentralbankinterventionen, die darauf abzielen, die Staatsschuldenprobleme in den Griff zu bekommen, gehen wir davon aus, dass es in der ersten Hälfte des Jahres 2012 zu einer sich fortsetzenden wirtschaftlichen Eintrübung kommen wird, der eine weitere Welle des Gelddruckens folgt. Die ganze Gelddruckerei wird eine Zunahme bei der Inflation und am Ende eine Hyperinflation zur Folge haben.

Das Einzige, was hierfür noch geschehen muss, ist, dass sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht und das Vertrauen in die Weltreservewährung wegbricht – womit wir rechnen, sobald die Anleihespekulanten ihre Aufmerksamkeit von Europa wieder abwenden.

Eine erneute Überprüfung der Fundamentaldaten des Silbermarkts hilft uns auch zu verstehen, warum der Besitz physischen Silbers nicht als kurzfristiges Investment, sondern vielmehr als eine Form des mittelfristigen Vermögenserhalts und Vermögensaufbaus erachtet werden sollte. In diesem Artikel werden wir einige Szenarien vorstellen, die wir innerhalb der nächsten drei Jahre für wahrscheinlich halten.

Silber als Hebel und Vermögensmultiplikator

Genauso wie Gold wird auch Silber als echtes Geld und Vermögensspeicher geschätzt, doch sind die Zuwachschancen bei Silber stärker ausgeprägt als bei Gold, da dem weißen Metall in der Vergangenheit noch nicht dieselbe Medienaufmerksamkeit zuteil wurde wie Gold und weniger Investoren über Silber Bescheid wissen. Das ändert sich gerade. Trotzdem steht Silber im Vergleich zu Gold immer noch ganz am Anfang seines Bullenmarkts.

Der Silber-Kassapreis wird zum überwiegenden Teil durch den Handel derivatebasierter Finanzinstrumente (börsennotierte Rohstofffonds, Future-Kontrakte und Optionsscheine etc.) bestimmt. Diese Finanzinstrumenten sind extrem stark gehebelt und überhaupt nicht in der Lage, den wahren Wert von Silber entsprechend nachzuvollziehen.

Kurzum: Am Silbermarkt wird jede Menge Papier gehandelt gehandelt, während von den Institutionen, die für die Emission dieser Papierversprechen verantwortlich zeichnen, real nur wenig physisches Silber gehalten wird.

Die Angebotsverknappung bei Silber wird am Ende für massive Zugewinne sorgen

Aufgrund der durch die derivatebasierten Finanzinstrumente verursachten Silberpreisdrückung ist es den Investoren zurzeit möglich, zu äußerst niedrigen Preisen große Mengen an Silber zu erwerben. Das hat zur Folge, dass sich die ohnehin bereits geringen weltweiten physischen Silberbestände mit alarmierender Geschwindigkeit verringern.

Die Tatsache, dass Silber immer noch stark unterbewertet ist – und das trotz der Backwardation an den Futures-Märkten und dem Auftreten erster Versorgungsengpässe in bestimmten Regionen – veranschaulicht deutlich, dass zwischen dem physischen Silbermarkt und dem Papiermarkt eine erhebliche Lücke klafft. Wir gehen davon aus, dass es hier künftig zu einem noch größeren Missverhältnis kommen wird, bis am Ende der Punkt erreicht ist, wo eine Flucht in physisches Silber und der Niedergang des Papiersilbermarkts einsetzen.

Außer starken Investorenhänden gibt es aber noch weitere Gründe, warum weltweit immer mehr physisches Silber vom Markt verschwindet. Gold wird gehortet, aber Silber wird als Geldmetall nicht bloß gehortet, sondern als Industriemetall wird es zusätzlich auch noch verkonsumiert.

Silber der beste elektrische Leiter unter allen Metallen, und es gibt buchstäblich zigtausende elektronische und industrielle Anwendungen, wo das weiße Metall zurzeit zum Einsatz kommt. Da Silber das Metall mit der höchsten Lichtreflexion ist und antibakterielle Eigenschaften aufweist, wird Silber nicht nur in der Elektrobranche, sondern auch in einer Vielzahl weiterer industrieller Bereiche verwendet.

Die Menge an Silber, die bei der Herstellung eines einzelnen Produkts benötigt wird, ist jedoch so gering, dass es praktisch unmöglich ist, das Silber mithilfe von Recycling später im großen Stil wiederzugewinnen. Wenn ein Computer, ein Mobiltelefon oder eine CD auf der Müllhalde landen, ist der darin enthaltene Silberanteil für immer verloren. Auf diese Wiese wurden alleine im vergangenen Jahrhundert rund 90% aller weltweiten Silberbestände vernichtet.

Zurzeit belaufen sich die weltweiten Bestände reinen physischen Silbers ungefähr auf 1 Milliarde Unzen. Die weltweiten Investoren und Industrien haben bereits damit begonnen, dieses Silber aufzukaufen – der Kampf um die Silberbestände hat bereits eingesetzt.

In den vergangenen 60 Jahren gingen die weltweiten Silberbestände immer schneller zurück. Hier kommt noch der Umstand hinzu, dass der überwiegende Teil des direkt unter der Erdoberfläche liegenden und somit leicht abbaubaren Silbers durch die Minenbetriebe schon abgebaut worden ist.

Die weltweite Industrienachfrage nach Silber steigt jährlich um rund 18%, da immer neue industrielle Anwendungen hinzukommen, während die Investorennachfrage, speziell in den Schwellenländern mit atemberaubender Rate zulegt.

Aufgrund der industriellen Verwendung von Silber sind heute also nur noch rund 10% der einstigen weltweiten Silberbestände vorhanden. Alle weltweiten Regierungen und Zentralbanken haben ihre Silberbestände in den letzten 70 Jahren auf den Markt geworfen, wobei der überwiegende Teil dieses Silbers verbraucht wurde. Und obwohl die Zentralbanken immer noch Gold horten, gibt es unseres Wissens keine Regierung mehr, die heutzutage noch Silber hält.

Die Silbernachfrage übersteigt das Angebot oder wird es bald übersteigen – je nachdem, welche Daten man sich anschaut. Dieses Missverhältnis wird über den Silberpreis geregelt werden müssen, speziell wenn man bedenkt, dass nur noch 1 Milliarde Unzen reinen physischen Silbers übrig sind.

Bei den heutigen Preisen müssten lediglich ein paar Milliardäre in den Markt einsteigen und die verbleibenden Silberbestände aufkaufen, um den Preis in astronomische Höhen zu jagen.

Womit wir in Zukunft rechnen können

Schaut man sich die Zyklen des Silberbullenmarkts an, beispielsweise den letzten Bullenmarkt, der im Jahre 1980 seinen Höhepunkt fand, bekommt man ein Verständnis dafür, womit wir in Zukunft rechnen können:

1966 wurde Silber mit USD 1,29 pro Unze gehandelt. Bis Januar 1980 stieg der Silberpreis dann auf USD 48,70 pro Unze. Wir sprechen hier also von einem massiven Preisanstieg in Höhe von 3.675%.

Doch ein Vergleich des Bullenmarkts der 70er Jahre mit den aktuellen Entwicklungen lässt nur beschränkt Rückschlüsse auf den künftigen Silbermarkt zu. Im Gegensatz zu 1980 ist dieser Markt heutzutage nicht mehr länger nur auf Westeuropa und Nordamerika beschränkt. Überdies verfügt die Weltbevölkerung heute über viel mehr Menschen, die wie Investoren agieren, als dies noch im Jahre 1970 der Fall gewesen ist. Aus diesem Grund gibt es heute auch bedeutend mehr Millionäre und Milliardäre als zum damaligen Zeitpunkt.

Die Geldmenge der Weltreservewährung ist seit den 70er Jahren ungefähr um das Zehnfache angestiegen, ein Aspekt der bei der künftigen Silberpreisfindung ebenfalls eine maßgebliche Rolle spielen wird, genauso wie die Tatsache, dass der Preis des weißen Metalls über einen so langen Zeitraum gedrückt worden ist.

Was bei der künftigen Silberpreisfindung jedoch die maßgeblichste Rolle spielen dürfte, ist die Tatsache, dass ein Großteil des Silbers, das in den 70er Jahren noch existierte, mittlerweile verkonsumiert wurde. Im Verlaufe von Jahrzehnten ist das Silber nach seiner industriellen, medizinischen und elektronischen Verwendung einfach auf den Müllhalden gelandet – und es wird höchstwahrscheinlich nie wieder auftauchen.

Der kommende Angebots- und Nachfrage-Schock

Die Industrie hat so viel Silber verbraucht, dass es heutzutage mehr Gold als Silber auf der Welt gibt. Das ist in der Tat atemberaubend, wenn man bedenkt, dass auf jede Unze Gold, die in der Erdkruste zu finden ist, zwölf Unzen Silber kommen, was auch als das „natürliche Verhältnis“ zwischen Gold und Silber bezeichnet wird. Das historische monetäre Gold/Silber-Verhältnis (GSV) liegt bei rund 1:16.

Die mit Angebot und Nachfrage in Zusammenhang stehenden ökonomischen Gesetze würden es normalerweise unmöglich machen, dass ein derartiges Missverhältnis über längere Zeit anhält. Und dem ist auch so. Die ersten Anfänge der Marktkorrektur können wir heute bereits beobachten.

Aktuell beläuft sich das Gold/Silber-Verhältnis auf ungefähr 1:50, was bedeutet, dass man sich mit einer Unze Gold rund 50 Unzen Silber kaufen kann, und das obwohl den Investoren zurzeit mehr Gold als Silber zur Verfügung steht. Es wird davon ausgegangen, dass dieses Verhältnis wieder auf seinen historischen Wert von rund 1:16 absinken wird.

Und da es aufgrund der industriellen Verwendung von Silber weltweit mehr Gold als Silber gibt, wäre es durchaus möglich, dass Silber sogar überschießt und das GSV auf 1:10, 1:9, 1:8 oder gar auf 1:1 absinkt. In der Vergangenheit gab es stets zwischen 12- und 16-mal so viel Silber wie Gold – heute ist das nicht mehr der Fall. Diese Tatsache würde sogar das extreme Argument stützen, dass Silber eines Tages wertvoller sein könnte als Gold – dafür müsste es unter den Investoren zuvor jedoch zu einem massiven Paradigmenwechsel kommen.

Mögliche Silberpreishochs

In der nachfolgenden Grafik sehen Sie eine Reihe der realistischeren Preishochs, die Silber am Ende erzielen könnte:

Der erste Balken weist das nominelle Hoch des Jahres 1980 in Höhe von USD 48,70 pro Unze aus. Der zweite Balken zeigt das inflationsbereinigte Hoch des Jahres 1980, wobei hier der offizielle Verbraucherpreisindex der US-Regierung zu Grunde gelegt wurde. Demnach läge das Preishoch des Jahres 1980 heute inflationsbereinigt bei USD 142 pro Unze, was bedeutet, dass Silber noch einen langen Weg vor sich hat, bevor wir überhaupt von neuen Rekordhöchstständen sprechen können.

Beim offiziellen US-Verbraucherpreisindex gibt es aber ein kleines Problem. Seit 1980 haben die US-Administrationen die VPI-Berechnungsmethoden sukzessive verändert, so dass die Inflationsniveaus geringer und somit akzeptabler erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind.

Aus diesem Grund weist der dritte Balken der Grafik auch das wirkliche inflationsbereinigte Silberpreishoch des Jahres 1980 aus, das rund dreimal höher ist als das Hoch, welches mit dem offiziellen US-VPI ermittelt wurde. Die VPI-Berechnungsmethode des dritten Balkens ist jene, die auch unter US-Präsident Jimmy Carter und seinen Vorgängern Anwendung fand.

Die letzten beiden Balken weisen Silberhöchststände aus, bei denen ein finaler Goldpreis von USD 10.000 pro Unze und eine Absenkung des GSV zu Grunde gelegt wird. Sollte Gold seine traditionelle Rolle als Gradmesser der Geldmenge zurückgewinnen, ist unseres Erachtens mit einem Goldpreis von mindestens USD 10.000 pro Unze zu rechnen, bevor der Bullenmarkt vorbei ist.

Und obwohl wir in Wirklichkeit mit einem bedeutend höheren Goldpreis rechnen – da davon auszugehen ist, dass das weltweite Vermögen in den Edelmetallmarkt rauschen wird, während sich die Fiatgeldmenge weiter ausdehnt – bleiben wir bei der Zahl von USD 10.000 pro Unze, da sie durch aktuelle wie auch historische Daten und Erfahrungswerte nachvollziehbar ist (das Verhältnis zwischen Geldmenge und Goldreserven der Zentralbanken in den Jahren 1934 und 1980 beispielsweise).

Wie wir eingangs erklärten, rechnen wir mit einem Absinken des GSV auf den historischen Stand von 1:16. Im vierten Balken der Grafik zeigen wir, wo Silber bei einem Gold/Silber-Verhältnis von 1:16 und einem Goldpreis von USD 10.000 pro Unze läge. Silber würde in diesem Fall mit USD 625 pro Unze notieren.

Ferner halten wir es für durchaus möglich, dass Silber überschießt. Das wäre nichts ungewöhnliches, gerade wenn die Ungleichgewichte über derart lange Zeiträume bestehen und das Pendel dann wieder zurück schwingt. Sollte das GSV auf 1:10 fallen, so wie es dies bereits zu verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte der Fall war, könnten wir, wie im fünften Balken der Grafik festgehalten wurde, durchaus einen Silberpreis in Höhe von USD 1.000 pro Unze sehen.

Real lässt sich natürlich nicht vorhersagen, wie stark Gold und Silber letztendlich steigen werden, aber eins ist Fakt: Gold und Silber sind im Vergleich zu allen anderen weltweiten Vermögenswerten immer noch unterbewertet, und Silber ist wiederum im Vergleich zu Gold unterbewertet. Im Januar 2008 stieg Gold auf sein nominelles Allzeithoch, das im Januar 1980 erzielt wurde, während Silber erst im Frühling des Jahres 2011 bis auf sein Preishoch von 1980 kletterte.

Es ist völlig offenkundig, dass die Metalle unterbewertet und die weltweiten Anleger immer noch unterinvestiert sind, wobei dieses Missverhältnis bei Silber noch extremer ausfällt als bei Gold. Und obwohl wir davon ausgehen, dass Silber Gold bei den Wertzuwächsen auf lange Sicht ausstechen wird, ist dieses spekulative und schwankungsfreudige Metall natürlich nicht jedermanns Sache. Wer jedoch mit der Volatilität von Silber leben kann, sollte es halten, um so von den bemerkenswerten – zurzeit aber noch weitgehend unbeachteten – Fundamentaldaten des Silbermarkts profitieren zu können.

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