BMG Bullion: Steigende Schuldenniveaus werden Goldpreis auf USD 10.000 pro Unze jagen

Rede von Nick Barisheff von BMG Bullion während des 18. Investment-Ausblicks des kanadischen Empire Clubs

Nick Barisheff, BMG Bullion, 05.01.2012

Heute würde ich mein Augenmerk gerne auf einen sehr wichtigen Aspekt legen: Die direkte Beziehung zwischen dem steigenden Goldpreis und den steigenden Staatsschuldenniveaus, die zur Währungsentwertung führen. Da wir die Performance von Investments in Währungen bemessen, ist es nur folgerichtig, das der Ausblick für die Entwicklung der Währungen von entscheidender Bedeutung ist.

Und um die Beziehung zwischen den Schuldenniveaus und Gold zu begreifen, müssen wir zunächst erst einmal verinnerlichen, dass Gold Geld ist. Gold ist nicht einfach nur ein industrieller Rohstoff wie Kupfer oder Zink, sondern wird bei den meisten Großbanken in ihren Währungsabteilungen und eben nicht in deren Rohstoffabteilungen gehandelt.

Die Umsätze der Londoner Edelmetallbörse LBMA belaufen sich auf über USD 37 Milliarden am Tag, während das gesamte tägliche Goldhandelsvolumen mit dem Fünf- bis Siebenfachen dieses Betrags veranschlagt wird – wir haben es hier also ganz eindeutig nicht bloß mit der Schmucknachfrage zu tun.

Die weltweiten Zentralbanken wissen ganz genau, dass Gold Geld ist: Nach jahrzehntelangen moderaten Goldverkäufen haben sich die Zentralbanken seit 2009 wieder in Nettokäufer verwandelt. Dieser Trend verstärkte sich in 2010 weiter und gewann in 2011 sogar noch zusätzlich an Fahrt. Sie kaufen Gold, um damit ein Gegengewicht zu ihren abwertenden Währungen zu schaffen.

Die nachfolgende Grafik zeigt deutlich, dass die US-Staatsverschuldung (violett) und der Goldpreis mittlerweile eine synchrone Kursentwicklung aufweisen. Diese Beziehung dürfte höchstwahrscheinlich auf absehbare Zeit bestehen bleiben. Die rote Linie zeigt, dass die US-Regierung im Rahmen ihrer Haushaltspolitik fortwährend gegen die gesetzlich festgeschriebene Schuldengrenze stößt.

In offiziellen Schätzungen wird davon ausgegangen, dass die Verschuldung der USA im Jahre 2015 USD 23 Billionen erreichen wird, und sollte die Beziehung zwischen Gold und der Staatsverschuldung weiter aufrecht erhalten werden, würde dies einen Goldpreis von USD 2.600 pro Unze bedeuten. Blicken wir jedoch auf die Geschichte und nehmen sie als Hinweisgeber, dann ist so gut wie sicher, dass die tatsächlichen Regierungsausgaben die ursprünglichen Schätzungen am Ende bei Weitem übersteigen werden, wodurch der Goldpreis natürlich ebenfalls bedeutend stärker stiege.

Und es geht ja hier nicht nur um die USA. Der Mehrzahl der westlichen Länder hat mittlerweile völlig unhaltbare Schuldenniveaus erreicht, deren Abbau schlichtweg unmöglich ist. Hier sollte vielleicht noch angemerkt werden, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank in der Lage ist, ohne jedwede Beschränkungen neues Geld zu schaffen und in Umlauf zu bringen.

Seit über 50 Jahren fungiert der US-Dollar mittlerweile als Weltreservewährung, während die restlichen weltweiten Währungen im Grunde nichts weiter als Derivate des US-Dollars sind. Es ist völlig egal, ob die Schulden auf Euro oder Sonderziehungsrechte des IWF lauten – die US-Notenbank und somit der US-Steuerzahler dürften am Ende immer als Kreditgeber der letzten Instanz fungieren.

Zur Schuldenreduzierung stehen den Regierungen vier Möglichkeiten zur Verfügung:

Die meisten Politiker werden sich für die letztgenannte Möglichkeit entscheiden, da nur wenige unter ihnen überhaupt über den politischen Willen verfügen, Austeritätsmaßnahmen einzuleiten, Einsparungen durchzuführen und schwache Unternehmen einfach pleite gehen zu lassen. Dadurch entscheiden sie sich so gut wie immer dafür, das Problem weiter in die Zukunft zu verlagern und es jemand anderem zu überlassen, der sich dessen dann irgendwann annehmen muss.

Im August 2011 konnte die Welt mitverfolgen, wie die US-Regierung damit zu kämpfen hatte, eine Vereinbarung bezüglich der Anhebung der Schuldenobergrenze zu erzielen, und sich am Ende gezwungen sah, die endgültige Entscheidung darüber an einen „Super-Ausschuss“ zu delegieren. Dieser mangelnde politische Wille brachte den USA eine Herabstufung ihrer Bonität durch die Ratingagentur S&P ein. Im Anschluss daran scheiterte der eilig einberufene „Super-Ausschuss“ dabei, sich auf eine Lösung zu einigen.

In Europa sind die Probleme sogar noch gravierender. Griechenland versuchte, die Hälfte seiner Schulden abzuschreiben, aber Deutschland und Frankreich erinnerten die Griechen daran, dass, sollten sie dies tatsächlich tun, ihre Anleihen von niemand mehr gekauft würden.

Die britische und die irische Regierung implementierten unterdessen Austeritätsmaßnahmen, die steigende Arbeitslosenraten und eine Absenkung des BSP mit sich brachten, was am Ende natürlich zu noch höheren Haushaltsdefiziten führt. Die Italiener mussten dabei zusehen, wie ihre Anleiherenditen auf 7% kletterten.

Und während die Tsunami-Katastrophe und er Atomunfall in Japan zur Folge hatten, dass die Aufmerksamkeit gegenüber der Finanzsituation der Japaner erst einmal nachließ, dürfte dieser Zustand jedoch nur von vorübergehender Natur sein, da die japanische Regierung über das höchste Schulden/BSP-Verhältnis unter den Industrieländern verfügt.

Um dem schwachen und langsamen Wachstum entgegen zu wirken, versuchten die Regierungen, ihre Währungen zu entwerten, was ihre Exportwettbewerbsfähigkeit erhöht. Das kann jedoch zu einem weltweiten Währungskrieg führen, wie der Autor und Wall Street/Washington-Insider James Rickards in seinem neuen Beststeller „Currency Wars“ beschreibt. Und genau dieser Währungskrieg ist heute bereits voll im Gang.

In einem kürzlich von der Haushaltsbehörde des US-Kongresses veröffentlichten Bericht wurde prognostiziert, dass das Verschuldungsniveau der US-Bundesregierung im Jahre 2012 untragbare 101% des US-amerikanischen BSP erreichen wird. Die offizielle US-Staatsverschuldung beläuft sich zurzeit auf USD 15 Billionen, wobei es sich hierbei nur um aktuelle Schulden handelt.

Würde die US-Regierung dieselben Buchhaltungsstandards verwenden, denen auch Aktiengesellschaften unterworfen sind, beliefe sich die Staatsverschuldung der USA aufgrund ihrer nichtfinanzierten Verbindlichkeiten wie der staatlichen Renten- und Krankenversicherung auf über USD 120 Billionen. Wir sprechen hier also über Verbindlichkeiten von über USD 1 Million pro US-amerikanischen Steuerzahler – eine Summe, die ganz offenkundig nicht zurückgezahlt werden kann.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Regierungen praktisch in jedem einzelnen Fall, wo es zu einer Hyperinflation kam – also zu dem Punkt, wo die Inflation im Monatsvergleich um über 50% zulegt – versucht haben, ein schwaches Wirtschaftswachstum durch massive Gelddruckmaßnahmen zu kompensieren. Und genau diese Entwicklung lässt sich heutzutage ebenfalls wieder beobachten.

Das ist auch der Grund dafür, warum mein neues Buch, das dieses Jahr veröffentlicht wird, den Titel „10.000 Gold“ trägt. In dem Buch werden zahlreiche Trends zusammengetragen und zusammengeführt, die innerhalb der nächsten fünf Jahre unmittelbar wie auch mittelbar zu steigenden Schuldenniveaus und einem steigenden Goldpreis führen werden.

Erschwerend kommen hier noch die unumkehrbaren Makrotrends hinzu, die ich Ihnen bereits im vergangenen Jahr vorstellte und die gegenwärtig immer noch voll intakt sind. Hierzu gehören die zusätzlichen Kosten, die aufgrund der in Rente gehenden Baby-Boomer Generation anfallen, die systemische Arbeitslosigkeit, die sich durch die im Rahmen der Globalisierung stattfindenden Auslagerung von Arbeitsplätzen begründet, sowie die aufgrund des Ölfördermaximums steigenden Ölpreise.

Diese unumkehrbaren Trends sorgen für weitere Anstiege bei der Arbeitslosenrate, sinkende BSPs, fallende Steuereinnahmen und steigende Haushaltsdefizite, was die Regierungen dazu zwingt, immer größere Mengen an Schulden aufzunehmen.

Die Regierungen finden sich also buchstäblich in einer ausweglosen Situation wieder, da selbst Austeritätsmaßnahmen dazu tendieren, das BSP nachteilig zu beeinflussen. Und wenn das BSP fällt und das Schuldenniveau steigt, kommt es zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Länder, was zu steigenden Anleihezinsen führt, die dann wiederum noch größere Haushaltsdefizite zur Folge haben. Wir haben es hier also mit einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale zu tun.

Der Kaufkraftverlust der Währungen hat sich gegenüber Gold auch in 2011 unvermindert weiter fortgesetzt. Der US-Dollar und das britische Pfund haben gegenüber dem gelben Metall allein im letzten Jahrzehnt über 80% ihrer Kaufkraft eingebüßt. Beim Yen, Euro und kanadischen Dollar lag dieser Kaufkraftverlust bei über 70%.

Wir erinnern unsere Kunden immer wieder an die Tatsache, dass es sich bei Gold nicht um einen typischen Bullenmarkt handelt, da in Wirklichkeit nicht der Wert des Goldes steigt, sondern die Kaufkraft der Währungen abnimmt, weshalb das Metall auch genau so stark im Preis zulegen kann, wie die Währungen fallen. Und da sich die aktuelle Währungsentwertung durch die steigenden Schuldenniveaus begründet, kann Gold genauso stark steigen, wie die Regierungen in der Lage sind, neue Schulden aufzunehmen.

Den Staatsfonds und den konservativeren Zentralbanken wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als verstärkt in Gold zu investieren, um so die negativen Folgen der Währungsentwertung abzuschwächen. Das ist auch der Grund, warum die Zentralbanken, speziell die chinesische und indische, die Goldkäufe in 2011, das dritte Jahr in Folge, weiter ausgeweitet haben und auf fast 500 Tonnen erhöhten, was rund 20% der jährlichen Minenproduktion entspricht.

Und obwohl sich die Zentralbanken seit 2009 in Nettogoldkäufer verwandelt haben, wird der maßgebliche Paradigmenwechsel durch die Pensions- und Versicherungsfonds eingeleitet werden, die zurzeit gerade einmal 0,3% ihrer gigantischen Vermögenswerte in Gold und Goldminenaktien halten.

Die anhaltenden Verluste und die wachsenden Defizite bei den Pensionen werden sie letztendlich dazu zwingen, Gold zu akkumulieren – eine Vermögensklasse, die in einem negativen Verhältnis zu Finanzvermögenswerten wie Aktien und Anleihen steht. Wenn das passiert, wird es zu einer massiven Verschiebung von über USD 200 Billionen an weltweiten Finanzvermögenswerten in Richtung von weniger als USD 2 Billionen an privat gehaltenem Gold geben.

Im Hinblick auf die Fragestellung, wo Gold Ende des Jahres 2012 liegen wird, habe ich mir noch einmal meine erste Rede vor dem Empire Club in 2005 angeschaut. Ich sagte damals, dass es eigentlich völlig unerheblich wäre, ob Gold Ende des Jahres 2005 mit USD 400 oder USD 500 pro Unze aus dem Handel geht, da die Trends darauf hindeuten, dass es in Zukunft noch zu wesentlich massiveren Preisanstiegen kommen wird.

Heute, sieben Jahre später, lässt sich immer noch dieselbe Feststellung treffen. Es ist völlig unerheblich, ob Gold Ende 2012 bei USD 2.000 oder USD 2.500 pro Unze liegt, da das finale Preisziel des Metalls das heutige Preisniveau ohnehin in den Schatten stellen wird.

Ja, die heutige Zeit kann in der Tat recht beängstigend sein, aber Gold bietet Hoffnung. Wir mögen vielleicht nicht in der Lage sein, die durch die Staatverschuldung verursachten globalen Wirtschaftsprobleme zu lösen, doch ist es dem Einzelnen durch das Halten von Gold möglich, sein Vermögen zu schützen oder gar zu vermehren.

Der Besitz physischen Golds – wir sprechen hier jetzt also ausdrücklich nicht von Minenaktien, börsennotierten Goldfonds oder anderen Stellvertretermethoden des physischen Goldbesitzes – ist eine Versicherungspolice gegen eine sich beschleunigende Währungsentwertung. Wir bedienen uns diesbezüglich gerne der nachfolgenden Analogie: Wenn es brennt – hätten Sie dann gerne einen Feuerlöscher oder ein Foto, auf dem ein Feuerlöscher abgebildet ist!

In jüngster Zeit ist eine ganze Reihe von Personen an mich herangetreten, die sich gewünscht hätten, bereits früher auf mich gehört zu haben. Sie haben das Gefühl, dass der Zug bereits abgefahren ist und es nun zu spät sei, um Gold zu kaufen. All den Menschen, die dieser Auffassung sind, sei ein chinesisches Sprichwort, auf das ich im vergangenen Jahr gestoßen bin, mit auf den Weg gegeben: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist heute.“

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