Papiergeld-Tsunami: US-Notenbank treibt Goldpreis in die Höhe

„Das einzige, was uns noch vor dem Wirtschafts-Armageddon bewahrt, sind Zinssätze von null Prozent.“

Alex Newman, The New American, 26.01.2012

Aufgrund einer Reihe verschiedener Faktoren, zu denen auch der Wertverfall des US-Dollars sowie die jüngste Erklärung der US-Notenbank Federal Reserve gehören, die Zinssätze bis Ende 2014 bei null zu halten, kletterten der Gold- und der Silberpreis auf neue Zwischenhochs.

Die Analysten gehen davon aus, dass sich der Aufwärtstrend bei Gold und Silber weiter fortsetzen wird, da die Papierwährungen bedrohlich wanken und düstere Meldungen die Schlagzeilen der Wirtschaftsnachrichten beherrschen.

Der Goldpreis lag am 26.01.2011 bei rund USD 1.725 pro Unze, nachdem es am Vortag bereits zu einem Preissprung von USD 60 gekommen war. Das gelbe Metall liegt somit 30% über seinem Vorjahrespreis. Der 7,5%ige Preisanstieg der vergangenen 30 Tage hatte zur Folge, dass der Goldpreis erstmals seit sechs Wochen wieder über der Marke von USD 1.700 pro Unze notierte.

Goldpreisentwicklung auf Dollarbasis - Zum Vergrößern anklicken.

„Zurzeit deutet alles auf noch höhere Preise hin, wenn man sich den starken Appetit, die bessere Stimmung unter den Marktakteuren, die starken Aktienmärkte und den schwachen Dollar anschaut“, so Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann im Hinblick auf die Goldpreisentwicklung gegenüber Reuters.

Die Analysten sind der Auffassung, dass die Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve der maßgebliche Grund für diese starke Goldrally sind. Am Mittwoch erklärte die im Privatbesitz befindliche Zentralbank, dass sie die Zinsen bis Ende 2014 auf extrem niedrigen Niveaus halten würde. Ursprünglich sollten die Zinssätze nur bis Mitte 2013 bei null Prozent gehalten werden – diese Zusage wurde nun jedoch um anderthalb Jahre verlängert.

Seitens der US-Notenbank kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der für den Goldpreis von Vorteil und den Wert des US-Dollars von Nachteil ist: Der Chef der Fed, „Helikopter“-Bernanke, drohte versteckt damit, weitere sogenannte „quantitative Lockerungsmaßnahmen“ durchzuführen, was übersetzt nichts anderes heißt, als neues „Geld“ aus dem nichts zu schaffen, um es dann über Anleihekäufe in die Wirtschaft zu pumpen.

Diese Meldungen hatten zur Folge, dass der Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen umgehend an Wert verlor.

„Die Rahmenbedingungen machen völlig deutlich, dass wir über Mittel und Wege nachdenken müssen, um weitere Belebungsmaßnahmen bereitzustellen, sollte es bei der Geschwindigkeit der Erholung und der Normalisierung der Inflation keine Verbesserungen geben“,

sagte Bernanke während der Quartals-Pressekonferenz der Fed, die im Anschluss an die Veröffentlichung des Quartalsberichts folgte.

Die Analysten und Zentralbankkritiker, denen die bereits durchgeführten enormen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der letzten Jahre schon genug Sorgen bereiten, bestreiten jedoch das Konzept, dass sich die wirtschaftlichen Probleme, die die USA zurzeit plagen, durch die Schaffung neuen Geldes beheben ließen.

„Wenn die Federal Reserve der Auffassung ist, die Wirtschaft würde sich verbessern, dann bräuchte man sie ja nicht künstlich aufzupäppeln, um sie über Wasser zu halten“, so Peter Schiff, Chef von Euro Pacific Capital, der überdies anmerkte, dass die wilden Gelddruckmaßnahmen der Fed einen entscheidenden Beitrag leisten würden, um die US-Wirtschaft immer stärker an den Rande des Abgrunds zu treiben. „Der Präsident und die Federal Reserve haben sich nun verschworen, eine bedeutend größere Krise zu schaffen.“

Die Fed behauptet, ihr Inflationsziel für 2012 läge bei einer Rate von 2%. Fakt ist aber, dass die wenigsten Analysten den offiziellen Verbraucherpreisindex der US-Regierung (VPI) als Gradmesser für die Inflation ernst nehmen, speziell angesichts der Tatsache, dass bei der Kerninflation – der am meisten zitierten Inflationskennziffer – Preisanstiege bei Lebensmitteln und Energie keine Berücksichtigung finden.

Laut Schiff ist die Behauptung der Regierung, die US-Inflation hätte in 2011 bei 3% gelegen, kompletter Schwachsinn. Schiff geht davon aus, dass die wirkliche Inflation bedeutend über den 3% gelegen habe und die Beamten falsche Zahlenwerke wie den offiziellen VPI absichtsvoll dazu nutzen würden, um die tatsächliche Inflationsrate zu verschleiern:

„Der Grund, warum sie [die Zinssätze] so niedrig halten, ist, um die dahinsiechende Wirtschaft künstlich zu stützen. Hier steht uns eine Wirtschaftskatastrophe bevor – und das einzige, was uns noch vor dem Wirtschafts-Armageddon bewahrt, sind Zinssätze von null Prozent.“

Man wird die Zinsen aber nicht auf immer und ewig auf diesem Niveau halten können. Und umso länger man die Zinssätze bei null hält, desto schlimmer wird die herannahende Krise am Ende werden. Schiff, der selbst im Gold- und Silberhandel aktiv ist, rät den Investoren, ihr Vermögen durch den Kauf physischer Edelmetalle zu schützen, „bevor die Preise  wieder steigen“.

Bloomberg veröffentlichte am Mittwoch eine Analyse aus der hervorgeht, dass Gold, das nunmehr seit über einem Jahrzehnt jedes Jahr Zugewinne verbuchen konnte, volatilitätsbereinigt das beste Investment der vergangenen fünf Jahre gewesen ist.

Schwergewichte unter den Finanzfirmen, die in dem Artikel zitiert werden und zu denen auch Goldman Sachs und Morgan Stanley gehören, gehen davon aus, dass der Goldpreis in 2012 oder 2013 auf rund USD 2.000 pro Unze steigen wird.

Jochen Hitzfeld von UniCredit – der in den letzten zwei Jahren in der von Bloomberg beobachteten Gruppe von Marktbeobachtern der Analyst gewesen ist, der bei den Edelmetallpreisprognosen die genauste Trefferquote aufwies – sagte: „Die Menschen sind bei Gold immer noch sehr stark unterinvestiert, weshalb es bei diesem Anstieg noch sehr viel Raum gibt.“

Andere Experten erklärten, dass Gold in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen völlig zu Recht als sicherer Hafen erachtet wird.

Und während der Goldpreis in 2011 in der Tat außerordentlich schwankungsfreudig war – so lag der Kassapreis im September noch bei USD 1.923 pro Unze, bevor er bis Ende 2011 auf USD 1.523 pro Unze einbrach – ist die Goldrally der vergangenen zehn Jahre eigentlich relativ gleichmäßig verlaufen. Vor zehn Jahren notierte Gold noch mit einem Preis von unter USD 300 pro Unze.

Silber, das ebenfalls massive Preisschwankungen durchmachen musste, kostete vor zehn Jahren noch weniger als USD 5 pro Unze. In 2011 explodierte der Silberpreis auf knapp USD 50 pro Unze, während das weiße Metall zurzeit mit rund USD 33,50 pro Unze notiert.

Silberpreisentwicklung auf Dollarbasis - Zum Vergrößern anklicken.

Im Vergleich dazu, hat sich der US-Dollar nicht so gut entwickelt – auch wenn man ihn nur den anderen entwertenden Papierwährungen gegenüberstellt.

Und selbst der Milliardär und Investor George Soros – der die Edelmetallinvestoren aufschreckte, als er im ersten Quartal 2011 99% seiner Goldbestände veräußerte – ist jetzt wieder in den Markt eingestiegen. Wie Bloomberg meldete, belief sich der Anteil des Hege-Fonds-Managers am SPDR Gold Trust, einem börsennotierten Goldfonds, laut Daten der US-Börsenaufsicht SEC am 30.09.2011 auf fast 50.000 Aktien.

Die weltweiten Zentralbanken kaufen physisches Gold unterdessen gleich tonnenweise, wie jüngste Daten belegen, während es keine Hinweise darauf gibt, dass sich dieser Trend in nächster Zeit abschwächt.

In anderen für den Goldpreis positiven, wenn auch unbestätigten Meldungen hieß es, dass Indien iranisches Öl künftig mit Gold anstatt mit US-Dollars bezahlen wird und man davon ausgeht, dass China diesem Schritt nachfolgt. Der Edelmetall- und Währungstrader Simit Patel merkte dazu auf der Analyseseite Seeking Alpha an:

„Das zeigt, dass die Flucht aus dem Dollar an Fahrt aufnimmt. Und da die größten Wirtschaften der Welt alleine in diesem Jahr mit fälligen Anleihezahlungen in Höhe von USD 7,6 Billionen konfrontiert sind, gehe ich davon aus, dass die entscheidende Trendwende für eine Abkehr vom US-Dollar hin zu einem neuen goldgedeckten Geldsystem nicht mehr so weit weg sein dürfte, wie es den Anschein macht.“

Angesichts der drastischen Preisrückgänge bei Gold und Silber, die in den letzten Monaten des Jahres 2011 zu beobachten waren, zögerten einige Analysten und Händler, wieder in den Edelmetallmarkt zurückzukehren, solange nicht eine deutliche Bodenbildung bei den Kursen stattgefunden hat. Die Großbanken und angesehenen Analysten gehen nun jedoch davon aus, dass es bei Gold und Silber auch in 2012 zu massiven Zugewinnen kommen dürfte, sollte sich an den Fundamentaldaten –namentlich der völlig außer Kontrolle geratene Gelddruckerei, der Staatsschuldenkrise, den wilden Staatsausgaben usw. – nichts ändern.

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