Irankonflikt: Warum weiterhin mit einem hohen Ölpreis zu rechnen ist

Die Situation im Nahen Osten ist ein einziges Chaos. Die Militäraktionen im Irak und in Afghanistan sind ein absoluter Reinfall, Pakistan steht am Rande des Zusammenbruchs und der Iran wird immer streitsüchtiger. Die Möglichkeit, dass es zu einem Krieg kommt, ist angesichts einer unter Umständen engen US-Präsidentschaftswahl nicht von der Hand zu weisen

John Browne, Euro Pacific Capital, 25.01.2012

In jüngster Zeit wandten sich die Investoren mit ihren Ängsten von den 5-vor-12-Verhandlungen in Griechenland ab und richteten ihren Blick weiter südwestwärts auf die Straße von Hormus, wo ein zunehmend streitsüchtigerer Iran damit droht, die Weltwirtschaft in Verwirrung zu stürzen und einen der bedeutendsten Energiekorridore der Welt zu schließen.

Ein katastrophales Scheitern in Athen oder dem Persischen Golf würde die Welt in eine ernste Rezession wenn nicht gar Depression treiben, und da wir die Eurozone in der Vergangenheit bereits umfänglich erörtert haben, werden wir uns im Folgenden mit den vom Iran ausgehenden Gefahren auseinandersetzen.

Rund 20% der weltweiten Ölversorgung passiert die zwischen der iranischen Provinz Hormozgan und dem nördlichen Oman liegende Straße von Hormus. Die Straße von Hormus wird vornehmlich von einem 370 Kilometer langen, militärisch massiv gesicherten iranischen Küstenstreifen und der iranischen Marinebasis in Bandar Abbas beherrscht.

Und obwohl die USA und ihre Verbündeten eine Vielzahl an Marineschiffen in der Region stationiert haben, stellt die Möglichkeit eines Massenangriffs kleiner mit Raketen ausgestatteter iranischer Marineboote in der Tat eine ernsthafte Bedrohung dar. Selbst durch den Einsatz ferngesteuerter Seeminen aus russischer Fertigung wäre der Iran bereits in der Lage, die Straße von Hormus für Wochen wenn nicht gar Monate lahmzulegen.

In einer derartigen Situation wäre es durchaus denkbar, dass der Ölpreis explodiert, was für eine ruckelnde Weltwirtschaft eine zusätzliche Belastung darstellen würde.

Der Iran hat gegenwärtig mit immer stärkeren und schmerzhaften internationalen Sanktionen zu kämpfen, die sich durch einen nahezu einhelligen Widerstand gegen seine Nuklearambitionen begründen. Und da diese Situation auch die Gefahr eines israelischen Angriffs auf Anlagen birgt, in denen Atomwaffenentwicklungen vermutet werden, sucht der Iran händeringend nach Ausgleichsmaßnahmen, um seine Feinde im Zaum halten zu können.

Höchstwahrscheinlich erachtet der Iran seine Kontrolle über die Straße von Hormus als eine Art wirtschaftliches Erpressungswerkzeug. Die Tragik für den Iran besteht aber darin, dass sie, selbst wenn es den Iranern gelänge, der Marine der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten Widerstand zu leisten, durch eine solche Blockade ihrer eigenen Wirtschaft wesentlich stärker schaden würden als ihren Gegnern.

Darüber hinaus ist von Bedeutung, dass, sollte es zu einer Konfrontation kommen, die Wahrscheinlichkeit eines israelischen Angriffs bedeutend steigen würde. Ein solcher Angriff, bei dem wohlmöglich auch atomar bestückte Waffen zu Einsatz kämen, würde weltweit für einen Aufschrei sorgen. Und selbst wenn Washington einen derartigen Angriff mit den harschesten Worten verurteilte, würde die arabische Welt trotzdem davon ausgehen, dass die Israelis mit voller Unterstützung der Vereinigten Staaten agierten – und damit dürften sie dann wahrscheinlich sogar richtig liegen.

Diese ganze trostlose Situation ruft einem natürlich sofort den fehlgeleiteten und extrem teuren Präventivangriff auf den Irak in 2003 sowie die arrogante Ausweitung des Afghanistan-Kriegs, der einst gegen Al-Qaeda geführt wurde, auf die Taliban in Erinnerung. Ein weiterer westlicher Angriff auf ein muslimisches Land, würde die Dschihadisten auf der ganzen Welt noch mehr stärken.

Amerika und seine Verbündeten ziehen sich gerade aus dem Irak und Afghanistan zurück, ohne dass die ursprünglichen strategischen Ziele erfüllt worden wären. Genauer betrachtet, ist die Situation an beiden Fronten heute sogar noch schlimmer, als vor den Invasionen. So böse Saddam auch gewesen sein mag, zumindest galt er als starker Mann des Nahen Ostens und hielt den Iran im Schach.

Heute ist es der Iran, der die chaotische Situation im Irak beherrscht. Überdies hat der Iran auch in weiten Teilen von Afghanistan das Sagen, wo die Kriegskampagne der Alliierten dabei scheiterte, den Sieg davon zu tragen. Stattdessen hat der Einsatz des Westens dem Iran die Tür nach Afghanistan überhaupt erst richtig aufgestoßen und dafür gesorgt, dass die Spannungen innerhalb Pakistans mittlerweile so stark angestiegen sind, dass ein schrecklicher Zusammenbruch nach unserem Abzug aus der Region jetzt bedeutend wahrscheinlicher ist.

Diese strategischen Rückschläge östlich und westlich des Irans haben die Position Washingtons gegenüber Teheran massiv eingeschränkt und die Ayatollahs dazu ermutigt, eine konfrontativere Haltung einzunehmen.

Erst letzten Monat organisierte die iranische Regierung (mithilfe schlecht getarnter Stellvertreter) einen sinnlosen Angriff auf die britische Botschaft, der in einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen der beiden Länder mündete. Es ist durchaus möglich, dass der Iran mit diesen Maßnahmen darauf abzielte, den Eindruck zu verstärken, rücksichtslos und unberechenbar zu agieren.

Und während aus den USA harte Töne zu vernehmen sind, scheint die wirkliche Sorge der Amerikaner zu sein, dass der Iran tatsächlich völlig unkontrollierbar wird. Zurzeit machen Gerüchte die Runde, dass Präsident Obama jetzt bereit sei, direkte Gespräche mit Teheran aufzunehmen – eine Bereitschaft, die andere antiiranische Verbündete wie die Türkei und Saudi-Arabien durchaus verärgern könnte.

Sollten die Saudis das Gefühl bekommen, dass sie hintenangestellt werden oder sich die USA in einen unzuverlässigen Sicherheitsgaranten für den Frieden im Nahen Osten verwandeln, könnten sie sich durchaus dafür entscheiden, ihre langjährige Unterstützung der politischen Interessen Amerikas aufzugeben.

Aufgrund dieses diplomatischen Chaos sollten die Investoren davon ausgehen, dass es im Persischen Golf erneut zu einem erneuten Waffenkonflikt kommen könnte. Auch angesichts einer möglicherweise engen US-Präsidentschaftswahl ist eine weitere Eskalation oder ein Krieg nicht auszuschließen.

Ein Krieg oder eine weitere Eskalation der Spannungen könnten der entscheidende Faktor sein, der es dem amtierenden Präsidenten erlaubt, weiter im Amt zu bleiben. Ein amtierender Präsident würde politisch maßgeblich davon profitieren, im Geheimen einen Konflikt anzuheizen, während er sich mit friedlicher Rhetorik an die Öffentlichkeit wendet. Und obwohl Obama bei Amtsantritt Veränderungen versprach, gibt es auch in der Politik Dinge, die sich nie ändern werden.

Angesichts dieser anhaltenden Sorgen – sowie der jüngsten Erklärung der OPEC-Länder, dass ein Ölpreis von USD 100 pro Barrel keine Gefahr für die Weltwirtschaft darstellen würde – sollten sich Investoren besser nicht der Illusion hingeben, dass der in jüngster Zeit gestiegene Ölpreise bald wieder bzw. überhaupt wieder zurückgehen wird. Investments in nicht aus dem Nahen Osten stammendes Rohöl sollten bevorzugt werden.

Weitere Artikel zu diesem Thema