Der Club: Wie eine New Yorker Banken-Kabale die Rohstoff- und Derivatemärkte manipuliert

Martin Armstrong, Martinarmstrong.org, 04.03.2012

Die meisten Menschen haben zwar keine Ahnung davon, aber es gibt ein Rohstoff-Imperium, das sich in der Kontrolle der größten New Yorker Geschäfts- und Investmentbanken befindet. Diese Banken kämpfen fortwährend mit der US-Notenbank Federal Reserve um das Recht, ihre Macht über ihr Rohstoff-Handelsimperium zu behalten.

Sie kontrollieren die Lagerhäuser, Lagertanks und Silos. Alles in allem geht es um physische Vermögenswerte von zig Milliarden US-Dollars. Und es beschert den Banken Insider-Informationen bezüglich der Lagerbestände. Sie verfügen über die Fähigkeit, die Preise zu manipulieren, indem sie die Lagerbestände einfach hin und her schieben, beispielsweise in nicht erfasste Läger in London.

Im Kern ging es bei diesem Machtkampf immer um die Problematik des Eigenhandels der Banken, der ihnen im Rahmen der relativ neuen US-amerikanischen Derivate-Gesetzgebung eingeräumt wurde. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2008 haben sich Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley dafür stark gemacht, ihre wertvollen physischen Rohstoffgeschäfte aufrechtzuerhalten und auszudehnen – es ist ein tobender Machtkampf, der sich hinter den Schlagzeilen der Massenmedien verbirgt.

Dieser Machtkampf spitzt sich gegenwärtig immer weiter zu, und die Fed wird den Banken bei ihren physischen Rohstoffinvestments aller Vorausschau nach sogar weit mehr Freiheit einräumen, als dies bereits vor 2008 der Fall gewesen ist. Ja sicher, die Fed könnte anordnen, dass sie all ihre physischen Vermögensbestände abverkaufen, die sie dazu nutzen, ihre Fähigkeiten zum Insiderhandel zu optimieren. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Fed derartige Geschäftspraktiken untersagen wird.

Goldman hat in der Vergangenheit immer argumentiert, dass sie über das Recht verfügen, in diesem Marktsegment zu bleiben, da sie bereits vor 2008 von derartigen Beschränkungen ausgenommen waren und dies auch ein Teil ihrer „Handelsbank“-Investments darstellt. Dafür sagten sie zu, derartige Geschäfte nicht zum Eigenhandel zu nutzen. Sicher!

Das Problem mit den New Yorker Banken ist ganz einfach, dass sie unglaublich gierig sind. Sie sind nicht damit zufrieden, einfach nur Banken zu sein, weshalb sie in den 80er Jahren sukzessive damit begannen, mit Rohstofffirmen zu verschmelzen. Sie fingen an zu spekulieren und im Nachgang die damit einhergehenden Risiken zu reduzieren. Sie schufen den „Club“ und begannen, die Regierung zu infiltrieren, um die staatlichen Auflagen zu steuern.

Wenn diese Banken Verluste machen, werden sie immer gerettet, und wenn sie Gewinne einfahren, werden diese einbehalten. Die Regulierungsbehörden und US-Gesetzgeber haben es zugelassen, dass sie tun und lassen können, was sie wollen. Da die US-Regierung sich jedes Jahr Geld leihen muss, fürchtet sie sich zu Tode, diese Banken – abgesehen von einer bombastischen Polit-Show – wirklich zu regulieren.

Theoretisch stehen die Banken unter Druck, da sie die Risiken in ihren Bilanzen minimieren müssten. Das würde nahelegen, dass sie aus dem Rohstoffgeschäft aussteigen. Morgan Stanley ist die einzige der drei Banken, die überhaupt irgendwelche Wurzeln in diesem Geschäftssegment vorweisen kann. Es sind Investmentbanken mit Echtzeithandelsoperationen.

Goldman bietet Broker-Dienstleistungen für institutionelle Kunden an, hauptsächlich um so Zugang zu Insider-Informationen zu erhalten. Es ist eine Firma, die nicht allein auf die USA beschränkt ist und während der Krise auch zu einer der Banken wurde, die über das Recht verfügen, sich direkt von der US-Notenbank Gelder zu leihen.

Und während die Fed natürlich versucht, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, als würde sie das Ganze auch noch unterstützen, werden die Politiker erst dann reagieren, wenn die Probleme erneut richtig hochkochen. Wie soll es auch anders sein, die meisten dieser Politiker hoffen ja darauf, dass sie später mal von Goldman angestellt werden!

Und bezüglich der Auffassung, dass die Politiker in Washington darauf aus seien, die Risiken des Finanzsystems zu minimieren, sollten wir der Wahrheit ins Gesicht schauen: Der überwiegende Teil des US-Kongresses hat nicht die leiseste Ahnung davon, was Risiken überhaupt sind.

Obwohl das Drama nun zusehends breitgetreten wird und die Politik vorgibt, die Banken könnten ihre Macht im Rohstoffsektor verlieren, ist es höchst unwahrscheinlich, dass dies jemals der Fall sein wird. Das ist eine reine Politik-Show, ohne dass dem irgendetwas Handfestes zu Grunde läge.

Derivate: Kreditausfallversicherungen stellen sich als wertlos heraus

Mit gezinkten Karten zu spielen, ist stets der Modus Operandi der New Yorker Banken gewesen. Natürlich stellt sich die Frage, warum überhaupt jemand Kreditausfallversicherungen (CDSs) kauft. Solche Käufe sind ein unzweideutiger Hinweis darauf, dass die Hoffnung über die praktischen Erfahrungswerte triumphiert.

Genauso gut könnte man auch darauf wetten, dass die USA einen ausgeglichen Haushalt vorweisen und all ihre Schulden zurückzahlen werden. Und wie zu erwarten war, haben die jüngsten Vorbereitungsmaßnahmen zur Umschuldung Griechenlands nicht dafür gesorgt, dass die Kreditausfallversicherungen schlagend werden und ausgezahlt werden müssen. Entschieden hat das die voreingenommene International Swaps and Derivatives Association (ISDA). Ja und raten Sie mal, aus welche Mitgliedern die sich zusammensetzt!

Die Entscheidung der ISDA bedeutet, dass die Halter dieser fingierten griechischen „Versicherungs“-Kontrakte mit einem Nettowert von USD 3,25 Milliarden zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Gelder ausgezahlt bekommen.

All jene, die bezüglich der ausstehenden Verbindlichkeiten der CDS-Märkte Untergangsprognosen abgegeben haben, unterstellten dabei, dass es sich beim Derivatemarkt um einen ehrlichen Markt handeln würde. Was dabei übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Derivate-Emittenten zu jedem Zeitpunkt in der Lage sind, die Definitionen zu ändern und sich so aus den Verbindlichkeiten herauszuwinden.

Die ISDA hat entscheiden, dass die Resultate der jüngsten griechischen Gesetzgebung – die alle Anleihehalter dazu zwingen könnte, die Verluste zu akzeptieren, nachdem die Europäische Zentralbank Schritte ergriffen hat, um von derartigen Verlusten ausgenommen zu werden – nicht die Bedingungen für ein sogenanntes „Kreditereignis“ erfüllen.

Niemand in der Regierung wird diesbezüglich jemals die Wahrheit sagen, weshalb es für die Anleihehalter auch keine Möglichkeit gibt, zu beweisen, dass sie sich bei der Auszahlung der Anleihen hinter der EZB einreihen müssen. Der CDS-Markt ist in Wirklichkeit kein freier Markt.

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