Goldbullenmarkt: Hier platzt nur eine Blase … die von Warren Buffett!

Peter Schiff, Europacmetals.com, 06.03.2012

Die Gold-Untergangspropheten haben ihren Champion bekanntermaßen ja in dem Lieblings-Finanzberater der Medien und einem der reichsten Männer des Planeten gefunden. Warren Buffett, der einst den Spitznamen „das Orakel von Omaha“ erhielt, hat in der Öffentlichkeit wiederholt zum Besten gegeben, dass es sich bei Gold nicht um ein Investment handelt und Goldkäufer „Spekulanten“ und Menschen seien, „die fast alle anderen Vermögensklassen fürchten.“

Buffett behauptet sogar, dass der Preisanstieg bei Gold dieselben Charakteristika aufweisen würde wie die US-Eigenheimblase oder die Dot.com-Blase und es nur eine Frage der Zeit sei, bevor der Umkehrtrend einsetzt.

Wir sollten hier nicht vergessen, dass Buffett damit nicht meint, der Goldpreis würde etwa wegen Austeritätsmaßnahmen der Regierungen oder den Zinssätzen in freien Märkten zurückgehen – nein, er geht vielmehr davon aus, dass der Goldpreis einbrechen wird, weil sich der Markt in einer Blase befindet, die ganz zwangsläufig wird platzen müssen.

Die Finanzwelt erachtet Buffett im großen Ganzen als objektiven Marktbeobachter, als einen der seltenen Investoren, die, wenn sie sprechen, auch noch das Gemeinwohl im Blick haben. Jedes Jahr gibt es ein Riesenbrimborium um seinen Brief, den er den Anteilseignern von Berkshire Hathaway schreibt. Wenn Buffett irgendeine Behauptung aufstellt, wird sie von der Finanzwelt geschluckt und unhinterfragt nachgeplappert.

Ja ich räume ein, dass Buffett in der Tat ein talentierter Investor ist und überdies auch über großartige Kommunikationsfähigkeiten verfügt. Er kann zweifellos auf bedeutende Erfolge verweisen und hat in diesem Zusammenhang auch viel zu bieten. Doch das sollte niemanden zu der Meinung veranlassen, dass es sich bei Buffett nun um einen vertrauenswürdigen und unabhängigen Marktbeobachter handeln würde.

Buffett ist ein Vertreter der Vetternwirtschaft, der die Wahrheit solange verdreht, bis sie seinen eigenen ideologischen Vorstellungen eines überbordenden, überfürsorglichen Staates entspricht.

Zu Beginn der Finanzkrise, als ich mein erstes Buch mit dem Titel „Crash Proof“ schrieb und bewarb, um die Investoren auf die bevorstehenden Schwierigkeiten hinzuweisen, kaufte Buffett Aktien von Firmen wie Goldman Sachs, Wells Fargo, Bank of America und General Electric auf. Ich wusste, dass diese Firmen pleite waren, weshalb ich sie nicht einmal mit der Kneifzange angefasst hätte.

Als dann die Kreditmärkte zusammenbrachen, arbeitete Buffett hinter den Kulissen und in der Öffentlichkeit daran, sicherzustellen, dass jede seiner Lieblingsfirmen mit Steuerzahlergeldern gerettet würde. Das war natürlich kein Zufall. Buffett erklärte im September 2008, dass er ohne die implizite Zusicherung staatlicher Hilfsgelder nicht in Goldman Sachs investiert hätte.

Im Ergebnis profitierte er auf Kosten der Steuerzahler zu einer Zeit, wo sie ihre Ersparnisse in den Märkten verloren. Unterdessen kauften zahlreiche „Insider“-Politiker auf dem Höhepunkt der Krise Aktien von Berkshire und profitierten so von ihrem eigenen Abstimmungsverhalten. Und sie schufen dadurch nur noch mehr Gründe für die Buffett-Verehrung.

Buffett hat einmal gesagt, dass, würde die Regierung Pleiteunternehmen nicht retten, sein „Thanksgiving-Essen bei McDonald´s anstatt als großes Festmahl bei … [seinen] Töchtern“ stattfinden würde. Nun ja, das scheint in der Tat ein grandioses Festmahl geworden zu sein!

Wäre Buffett ein echter Kapitalist, würde er sich für Gold aussprechen. Buffett erklärte, dass der Wert des Dollars seit seiner Übernahme von Berkshire Hathaway im Jahre 1965 86% an Wert eingebüßt hat. In seinem jüngsten Schreiben an seine Anteilseigner erklärte er sogar, dass die Investoren „richtig liegen, wenn sie Angst vor Papiergeld haben.“

Nichtsdestotrotz wettert er fortwährend gegen Gold. Es scheint, dass die einzige Abrechnungseinheit, die von Buffett akzeptiert wird, die Aktien seiner eigenen Firma sind!

Gold als unabhängigen Gradmesser von Werten heranzuziehen, birgt für Buffett zwei Probleme: Zunächst einmal würden seine nominellen Profite seiner dollarbasierten Investmentstrategie zurückgehen und darüber hinaus würde auch Washington in seiner Fähigkeit eingeschränkt, das Finanzsystem zu seinen Gunsten anzukurbeln.

Im 19. Jahrhundert, als Gold und Silber gesetzliche Zahlungsmittel waren, wäre es bedeutend schwerer gewesen, die enormen Gewinne, an die sich Buffett so gewöhnt hat, zu erwirtschaften. Die meisten Menschen hielten ihr Geld damals in physischer Form oder auf Einlagekonten – wofür sie eine reale Kapitalverzinsung erhielten.

Unter dem aktuellen Fiatgeldsystem werden die Menschen dazu gezwungen, in die komplizierte Welt der Aktieninvestments einzusteigen. Dadurch kann man zwar auch reale Zugewinne erwirtschaften, doch handelt es sich bei der Aktienwelt gerade für Unerfahrene um ein extrem schwieriges Terrain.

Ferner wird durch das Fiatgeldsystem die ganze Finanzdienstleistungsbranche enorm aufgebläht. Im 19. Jahrhundert waren es in der Regel Unternehmer die ein Vermögen machten und nicht die Aktieneigner. Die Menschen wurden damals also dafür belohnt, dass sie eine produktive Dienstleistung anboten, und nicht dafür, dass sie direkten Zugang zur den Kreditprogrammen der US-Notenbank haben.

Die Performance von Berkshire Hathaway im Vergleich zu Gold seit dem Beginn der Kreditkrise erklärt hinlänglich, warum Buffett so eine extreme Abneigung gegenüber dem gelben Metall verspürt:

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Buffetts mangelnde Glaubwürdigkeit erschöpft sich jedoch nicht in seinen geldpolitischen Anschauungen. Vergangenen August machte er in der Presse mit der Behauptung Schlagzeilen, dass er weniger Steuern als seine Sekretärin zahlt. Er forderte den US-Kongress auf, die „Buffett-Regel“ zu implementieren, wonach die Einkommen von Millionären mit mindestens 30% besteuert würden.

Die natürliche Antwort darauf wäre: „Ja wenn Sie mehr Steuern zahlen wollen, nur zu!“ Aber Buffett hat ja bereits erklärt, dass es für ihn nicht genug sei, einfach nur mit gutem Beispiel voranzugehen – nein, er verlangt, dass alle wohlhabenden Amerikaner die Bürde von Washingtons rücksichtsloser Schuldenorgie mittragen.

Das Problem bei Buffetts Argument ist, dass es komplett auf einem Schwindel beruht.

Buffett gilt als drittreichster Mann der Welt, da er zurzeit fast USD 393 Milliarden an Vermögenswerten verwaltet. Er wird jedoch nicht müde zu betonen, dass er gerade einmal 17,4% Einkommenssteuer zahlt. Das hängt aber damit zusammen, dass er weniger als 1% seiner jährlichen Einkünfte aus Gehältern bezieht, während er 99% seines Vermögens dadurch macht, dass er der größte Anteilseigner von Berkshire Hathaway ist.

Buffett behauptet, seine Berkshire-Anteile würden in diese Rechnung garnicht mit einfließen, da er plant, sie nach seinem Tode wohltätigen Stiftungszwecken zu widmen. Da haben wir es also: Nicht die Steuern sind so niedrig, nein, Buffett plant 99% seines Vermögens zu verschenken.

Aber selbst wenn wir diesen Buchhaltungstrick mal durchgehen lassen, dann untertreibt Buffett bei seiner eigenen Steuerlast immer noch maßlos. Er besitzt ungefähr ein Drittel aller Aktien von Berkshire Hathaway, ein Unternehmen, das einer Unternehmenssteuer von 29% unterliegt. Im letzten Jahr zahlte die Firma USD 5,6 Milliarden an Steuern und die US-Steuerbehörde IRS erklärte bereits, dass eine weitere Milliarde immer noch ausstehen würde!

Und hier kommt noch eine Kapitalertragssteuer in Höhe von 15% auf die Zugewinne bei seinen Aktien hinzu, wenn diese veräußert werden, ganz zu schweigen von der später anfallenden Erbschaftssteuer. Alles in allem dürfte seine Steuerlast also mit Sicherheit höher sein als die seiner Sekretärin.

Aber man muss sich schon fragen, was Buffett damit bezweckt, wenn er seine eigene Steuerlast massiv nach unten manipuliert. Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, den ideologischen Hintergrund von Buffett zu verstehen. Sein Vater, Howard Buffett, war ein US-Kongressmitglied und bekannt für seine entschiedenen libertären Wirtschaftsauffassungen.

Warren Buffetts Biographen weisen darauf hin, dass er es seinem Vater übel nahm, dass er Omaha verlassen und nach Washington D.C. ziehen musste, und sich von seinem stoischen Vater entfremdete. In der Folge verschrieb sich Buffett vollumfänglich der Idee eines überfürsorglichen und überbordenden Staates.

Ich hatte aber eingangs bereits darauf hingewiesen, dass Buffett persönlich von dem gegenwärtigen korrupten Zustand des Staates profitiert. Er gewinnt an Ansehen, wenn seine Aktien nominelle Zugewinne ausweisen, und erhält staatliche Rettungsgelder, die das Überleben der insolventen Unternehmen garantieren, in die er investiert. Ja selbst die Erbschaftssteuer, die auch bei Buffett in dem Moment anfällt, wo er stirbt, erlaubt es ihm zurzeit weitere Unternehmen zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen.

Genauso wenig, wie es jemanden überraschen sollte, dass der bescheidene Howard Buffett ein entschiedener Befürworter von Gold und Silber als Geld gewesen ist, sollte man sich darüber wundern, dass Warren Buffett Edelmetalle als „nutzlos“ geißelt.

Die Finanzmedien haben Warren Buffett zu einem Halbgott stilisiert. Ein Kerl aus Nebraska, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich gegen die Schlangenbrut an Wall Street zur Wehr setzen kann.

In Wirklichkeit ist er aber nichts weiter als ein Mann, der über das Talent verfügt, Geld zu machen. Es gibt keinen Grund, warum seine Motive nicht hinterfragt werden sollten. Spricht er sich etwa deshalb für Rettungsmaßnahmen auf Kosten der Steuerzahler aus, weil seine Unternehmen davon profitieren können? Ist er ehrlich, wenn er darüber referiert, was Geld ist? Hat er überhaut verstanden, was Wirtschaftszyklen sind?

Der Goldpreis wird erst dann sinken, wenn die Regierungen einen Richtungswechsel einleiten und bedeutende Sparmaßnahmen durchführen. Solange ist Gold in keiner Blase. Gold ist die einzige Methode, wie man sein Vermögen schützen kann, und angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es zu noch bedeutend stärkeren Anstiegen verdammt.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich Buffett die weisen Worte seines Vaters zu Herzen nimmt: „Wenn die Freiheit der Menschen in Amerika überleben soll, müssen wir den Kampf zur Wiederherstellung ehrlichen Geldes gewinnen.“

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