Zombiebanken: Wenn die Zinsen steigen, ist das Spiel vorbei

Der jüngste Bankenstresstest der US-Notenbank ist ein Witz, da davon ausgegangen wird, dass die Zinssätze auf immer und ewig nahe null bleiben. Der historische Schnitt der Zinssätze liegt jedoch bei 6%, einem Niveau, das jede US-amerikanische Großbank sofort in den Ruin treiben würde. Beim nächsten Crash werden nicht nur die Aktien- und Anleihehalter ihr Geld verlieren, nein, das nächste Mal wird es auch die Bankkonten der Sparer treffen

Peter Schiff, Europac.net, 14.03.2012

Die US-Notenbank Federal Reserve hat bei den großen amerikanischen Finanzinstitutionen einen weiteren „Stress-Test“ durchgeführt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass 15 der 19 getesteten Banken sicher sind, selbst wenn man die extremsten Marktbedingungen zu Grunde legen würde: Eine Arbeitslosenrate von 13%, einen 50%igen Einbruch des Aktienmarkts und einen weiteren 21%igen Einbruch bei den Eigenheimpreisen.

Das Problem ist nur, dass der wichtigste und für die langfristige Überlebensfähigkeit dieser Banken maßgebliche Faktor absichtsvoll ausgeblendet wurde: Die Zinssätze.

Die Fed nahm sich der Probleme der Kreditkrise an, indem sie die Hypotheken mit variablen Zinssätzen im Grunde komplett neu ausgestaltete, was dadurch erreicht wurde, dass sie dem gesamten Land ein Lockzinsangebot zur Verfügung stellte. Und genauso wie sich die Eigenheimbesitzer ihr Eigenheim in Wirklichkeit überhaupt nicht leisten können, sieht auch unsere Bilanz nur solange toll aus, wie man nicht von steigenden Zinssätzen ausgeht.

Der jüngste Bankenstresstest geht davon aus, dass die Zinssätze weiterhin auf niedrigem Niveau, der Leitzins der Fed nahe null und die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen bei unter 2% bleiben werden. Aber warum sollen diese Annahmen denn als gesichert gelten! Der historische Durchschnitt der Zinssätze liegt bei rund 6% – einem Niveau, bei dem heutzutage jede einzelne US-Großbank in die Pleite abrutschen würde!

Die Wahrheit ist, dass steigende Zinssätze die größte Gefahr sind, mit der das Bankensystem konfrontiert ist, und die Fed ist sich völlig im Klaren darüber. Diese Finanzinstitutionen sind bis zum Anschlag verschuldet und auf kurzfristige Finanzierungsmittel angewiesen, um sich über Wasser zu halten. Und während die amerikanischen Familien damit aufhören mussten, die Schulden einer Kreditkarte mit einer anderen Kreditkarte auszugleichen, wird dieses Verhalten an Wall Street nach wie vor weiter fortgesetzt.

Und damit wären wir bereits beim Kern der Frage, warum die Fed die Zinssätze überhaupt so weit unten hält. Obwohl sie die ganze Zeit ihre gefälschten Wirtschaftsdaten verbreitet, die eine US-Wirtschaftserholung ausweisen, ist sich die Fed natürlich im Klaren darüber, dass die amerikanische Wirtschaft überhaupt nicht in der Lage wäre weiter voranzuschreiten, würde sie nicht durch die Nullzins-Krücken auf den Beinen gehalten werden.

Ben Bernanke versucht alles in seiner Macht stehende, um die Zinssätze auf immer und ewig nahe null zu halten, was auch der Grund dafür ist, dass diese Variable beim Stresstest absichtsvoll außen vor gelassen wurde.

Bedauerlicherweise werden die Zinssätze mithilfe des Gelddruckens bei null gehalten – und genau diese Gelder fangen jetzt damit an, die Verbraucherpreise immer stärker aufzublähen. Der Chef der Fed hat ja bereits eingeräumt, dass der Ölpreis steigt, beteuerte aber ohne jede Begründung, dass er davon ausgeht, dass der Preis wieder sinken wird. Das zeigt, dass Bernanke entweder keine Ahnung hat oder ihm die wahre Ursache hinter dem Ölpreisanstieg, namentlich die Inflation, nicht im Geringsten schert.

McDonald´s verabschiedet sich unterdessen schon mal von seinem zunehmend unprofitabler werdenden Ein-Dollar-Menü. Mit einem Dollar kann man sich also ganz offenkundig nicht einmal mehr eine kleine Packung Pommes kaufen.

Letztlich wird die Fed dazu gezwungen sein, den Leitzins wieder steigen zu lassen – außer sie geht tatsächlich davon aus, dass wir mit immer stärker steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen leben werden. Lässt sie die Zinsen jedoch steigen, ruiniert sie damit in kürzester Zeit das US-Finanzministerium, das Bankensystem und jeden Amerikaner, der heutzutage noch variabel verzinste Schulden hat.

Das ist der Grund, warum die Fed bezüglich der Inflation garnicht anders kann, als zu lügen. Würde die US-Notenbank einräumen, dass die Inflation bereits da ist, würde nämlich Druck auf sie ausgeübt werden, dem ein Ende zu bereiten. Stoppt die Fed die Inflation, kommt es jedoch zum echten Crash, vor dem ich bereits seit über zehn Jahren warne.

Und genauso, wie die Antwort der Fed auf die Krise des Jahres 2001 direkt die Krise des Jahres 2008 zur Folge hatte, führt die Antwort der Fed auf die Krise des Jahres 2008 unvermeidlich in eine Phase massiver Austerität oder in eine Währungskrise.

Stellen wir uns doch einfach mal das folgende Szenario vor:

Sollten die Banken aufgrund steigender Zinsen pleite gehen, rutscht auch der US-Einlagensicherungsfonds FDIC in die Pleite ab. Ohne Zugang zu Krediten ist das US-Finanzministerium nicht mehr in der Lage, den Einlagensicherungsfonds zu retten – der aktuell gerade einmal USD 9,2 Milliarden ausweist. Das nächste Mal werden also nicht nur Aktien- und Anleihehalter ihr Geld verlieren, sondern auch die Sparer!

Die Amerikaner sind heutzutage bedeutend weniger autark, als dies noch während der Großen Depression der Fall gewesen ist. Man braucht nur nach Griechenland zu schauen, um zu sehen, wie eine Dienstleistungsgesellschaft mit dieser Art von Wirtschaftszusammenbruch umgeht – Kriminalität, Aufstände, Vandalismus und Streiks.

Der Regierung stehen aber noch ein paar Mittel zur Verfügung, die als Gegenmaßnahmen zum Einsatz kommen könnten. Hierzu gehört beispielsweise der Abverkauf der staatlichen Goldreserven. Aber irgendwann kommt ein Punkt, wo das Affentheater nicht mehr länger aufrecht erhalten werden kann.

Die massive Ausweitung unseres Handelsbilanzdefizits, die sich zurzeit beobachten lässt, zeigt deutlich, dass wir zunehmend stärker auf Importe, die wir uns überhaupt nicht leisten können, angewiesen sind. Und genauso wie es den Eigenheimbesitzern nicht mehr länger möglich ist, ihre überbewerteten Immobilien als Kreditsicherheiten zu nutzen, werden auch Washington und Wall Street bald feststellen, dass das Spiel vorbei ist. Und dann wird es niemanden mehr geben, der ihnen dabei hilft, das von ihnen angerichtete Chaos zu bereinigen.

Ich möchte hier eine neue Faustregel vorschlagen: Solange bis irgendwann in ferner Zukunft wieder reales Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist, sollte der Leitzins der Fed auch als „Fed-Glaubwürdigkeitsrate“ Verwendung finden. Wir können hierfür den Maßstab von 1 – 20 zu Grunde legen, wobei 20 ungefähr dem Zinshöhepunkt unter Fed-Chef Paul Volcker entspricht, als er das Vertrauen in den US-Dollar wieder herstellte.

Bis zum Ende dieser Krise würde somit gelten: Wenn der Leitzins der Fed nahe null liegt, sollte der Glaubwürdigkeit der Fed im Hinblick auf ihre Aussagen, Prognosen und Stresstests ebenfalls nur eine Null gegeben werden. Liegt der Leitzins der Fed bei 5%, kann man davon ausgehen, dass 25% der Aussagen der Fed glaubwürdig sind. Und wenn der Leitzins die Marke von 20% erreicht, dann hätten wir eine US-Notenbank, deren Aussagen absolut aussagekräftig und glaubwürdig sind – nur Geschäftsbanken dürfte es dann nicht mehr allzu viele geben.

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