Europa in Flammen: Ab Sommer knallt´s richtig

Bob Chapman, The International Forecaster, 04.04.2012

Wie erschafft man sich eigentlich seine eigenen Monster? In den vergangen Monaten haben uns die USA und Europa ja erklärt, dass man sich auf den Verkauf der strategischen Ölreserven geeinigt hat, um den Ölpreis zu senken. Ja worauf warten die eigentlich! Es wird davon ausgegangen, dass der hohe Ölpreis zu bedeutenden Verwerfungen führt, und trotzdem wird nichts unternommen. Übrigens: In den Massenmedien gibt es keinerlei Eingeständnisse oder Kommentare dazu, dass die westlichen Industrieländer die Hauptverantwortung dafür tragen, dass der Rohölpreis zurzeit bei USD 107 pro Barrel liegt.

Im März haben China und Indien die Ölsanktionen gegen den Iran umgangen, indem sie Vereinbarungen getroffen haben, die Geschäfte einfach über lokale Währungen, Rohstoffe und verschiedene Verbrauchsgüter abzuwickeln. Dieser Trend setzt sich weiter fort, mit dem Nachteil, dass der Iran nicht mehr über so viele Devisenbestände verfügt …

Der eingesetzte griechische Premierminister Papademos informierte die Europäer letzte Woche, dass man ein drittes Rettungspaket nicht ausschließen könne. Das ist genau das, was wir vorhergesagt haben. Diese Subventionen werden kein Ende nehmen. Das ist ja das Konzept: Griechenland auf immer und ewig ausbluten zu lassen.

Vergangenen Freitag forderten die europäischen Regierungen die Schaffung eines größeren Euro-Rettungsfonds – eine zusätzliche Brandmauer, mit der die schwächsten Länder der Eurozone verteidigt werden sollen. Die Brandmauer soll sich auf USD 1,1 Billionen belaufen. Davon sind rund USD 320 Milliarden für die Gründung des ESM-Rettungsfonds vorgesehen, der Anfang Juli seinen Betrieb aufnehmen soll.

Wir erklären bereits seit Monaten, dass man alleine zwischen USD 4 Billionen und USD 6 Billionen braucht, nur um Spanien und Italien zu retten. Diese Brandmauer-Gelder sollen angeblich die Staatsschulden von insgesamt sechs Euroländern schützen – mit USD 1,3 Billionen ist das jedoch nicht zu bewerkstelligen. Sie werden mindestens das Vierfache brauchen.

Wie Sie sehen, ist das ganze Programm nichts weiter als ein Täuschungsversuch. Die Subventionen für die schwachen Euroländer – sollten sie auch in Zukunft weiter erfolgen – sorgen lediglich dafür, dass die Steuerzahler Nordeuropas auf Jahre hin die Rechnung zahlen müssen. Man scheint allen Ernstes davon auszugehen, dass sich Europa nie aus der Umklammerung der Weltregierung befreien wird.

Vielleicht haben Sie ja die jüngsten Demonstrationen mit all der Gewalt und den Verhaftungen in Spanien mitbekommen. Die Sache scheint zu eskalieren. Den Staatshaushalt in einer solchen Situation um ein Drittel zusammenzustreichen, ist einfach nur idiotisch. Das entspricht einer Reduzierung des Haushaltsdefizits der spanischen Regierung von 8,5% auf 5,3% des BSP.

Die Griechen sind weder in der Lage noch willens, die ihnen auferlegten Finanzbedingungen zu erfüllen. Am 29.04.2012 sollen in Griechenland Neuwahlen stattfinden. Glaubt man den Umfragen, wird es zahlreiche Splitterparteien geben. Die zwei großen Parteien kämen demnach insgesamt auf rund 35% aller Sitze. Das bedeutet politische Instabilität und vielleicht sogar soziales und politisches Chaos, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurde. Das passiert nun mal, wenn man den Menschen all ihre Hoffnungen raubt – ganz egal in welchem Land.

Im Mai und Juni wird Chaos herrschen. Überdies werden die Austeritäts- und Rettungs-Vereinbarungen für Griechenland platzen. Griechenland rutscht dann direkt in die Zahlungsunfähigkeit ab, etwas, das bereits vor drei Jahren hätte eingeleitet werden müssen, dann wäre wenigstens ein Teil der jetzigen Probleme vermieden worden.

Bei den Wahlen in Griechenland, die aller Vorausschau nach am 29.04., 06.05. oder 13.05. stattfinden werden, dürften, wie wir bereits erwähnten, die sozialdemokratische Pasok und die liberal-konservative Nea Dimokratia gemeinsam gerade einmal auf 35% aller Stimmen kommen. Sollten diese beiden großen Parteien die Wahlen tatsächlich verlieren, wird es auch keine Parteien mehr geben, die weitere Haushaltseinsparungen unterstützen.

Das bedeutet, dass eine gespaltene Regierung das Haushaltsdefizit nicht wie gefordert auf 5,5% des BSP absenken und auch keine weiteren Rettungspakete erhalten würde. Derartige Einschnitte würden der griechischen Wirtschaft gänzlich den Gar ausmachen. Unterdessen liegen die griechischen Staatsschulden immer noch bei über 100% des BSP oder rund USD 440 Milliarden.

In Spanien brauchte der neue Ministerpräsident Mariano Rajoy gerade einmal drei Monate, um die Unterstützung von Millionen von Spaniern zu verlieren, die stattdessen auf die Straße gehen. Und auch in den andalusischen Wahlen, die vor wenigen Tagen stattfanden, verfehlten die Konservativen die absolute Mehrheit. Rajoy steckt also in echten Schwierigkeiten.

Sollte man die Wahlen in Griechenland einfach ausfallen lassen, würde die Situation noch schlimmer. So wie es aktuell aussieht, wird Griechenland im Chaos versinken, und sollte das passieren, könnten Spanien und andere Länder folgen, was ganz Europa in Unruhe versetzen würde.

Vergangene Woche haben die EU-Mitgliedsländer weiteren Rettungsmaßnahmen den Weg bereitet. Es dürfte recht interessant sein zu beobachten, wo all die Gelder am Ende herkommen werden, um die entsprechenden Ziele auch umzusetzen. Viele Beobachter sind nicht überzeugt davon, dass in Griechenland alles reibungslos vonstatten gehen wird. Dasselbe gilt für Irland, Portugal, Italien und Spanien. Viele sind der Auffassung, dass die weltweiten Regierungen zurzeit eine riesige Finanzblase ausbilden.

Schauen wir der Wahrheit ins Auge: Die Risiken sind enorm, da alle Regierungen und der Finanzsektor den Weg der expansiven Geld- und Kreditpolitik eingeschlagen haben und es am Ende zum Platzen dieser Blase kommen wird.

Und genauso wie bei den von der Fed geschaffenen Währungsswaps (illegale Kredite) handelt es sich auch bei den von der Europäischen Zentralbank bereitgestellten Geldern um nichts weiter als eine Art von Sozialhilfezahlungen, von denen man ganz genau weiß, dass sie höchstens kurzfristig funktionieren werden. Im Grunde handelt es sich dabei um kostenloses Geld für die alles kontrollierenden Banken. Natürlich ist das Ganze völlig risikofrei, da die Banker ja angeblich wissen, was sie tun. Und so haben sie uns überhaupt erst in die Situation manövriert, in der wir uns nun wiederfinden.

Diese aus dem Nichts geschaffenen Zentralbankgelder haben weder wirtschaftlichte Güter und Dienstleistungen noch irgendeine Art von Erholung hervorbringen können, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass sich die 800 europäischen Banken, die durch das LTRO-Programm der EZB Kredite erhielten, weigern, diese Gelder an Unternehmen für Investitionen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen weiterzureichen. Es ist buchstäblich kostenloses Geld – Sozialhilfe für die Finanzbranche sozusagen.

Eine weitere Papiergeldorgie: Wie jüngst bekannt wurde, hat die FED in 2011 61% aller vom US-Finanzministerium ausgegebenen Staatsanleihen gekauft. Wir berichteten ja bereits in einer früheren Ausgabe darüber, dass Operation Twist eine einzige Katastrophe gewesen ist. Noch einmal: Die Fed hat hier gegen die Interessen ihre eigenen Verbündeten agiert, und mit diesen Maßnahmen konnte die Wirtschaft, genauso wie in 2010, gerade so über Wasser gehalten werden.

Sollte der Gesetzentwurf des US-Repräsentantenhauses HR-4180, der vom republikanischen Abgeordneten Kevin Brady aus Texas eingebracht wurde, tatsächlich beschlossen werden, würde die US-Notenbank eine ihrer zwei Hauptaufgaben verlieren. Die Fed wäre dann nicht mehr länger dafür verantwortlich, Vollbeschäftigung zu erreichen. Ihr Mandat bestünde dann nur noch in der Wahrung der Preisstabilität. Die einzige Möglichkeit, das System wieder auf die Füße zu stellen, besteht darin, die Fed abzuschaffen.

Ungeachtet der Geschichte flutet die Fed jeden Winkel der Erde mit Geld und Kredit, angeblich um einer Vielzahl von Währungen Stabilität zu verleihen. Wenn es notwendig erscheint, wird sie sogar noch mehr Geld bereitstellen, alles in der Hoffnung, dass die vergebenen Kredite irgendwann wieder zurückgezahlt werden, was natürlich nicht passieren wird. Die Zentralbanken sind der Auffassung, dass die Schuldenausdehnung auf immer und ewig fortgesetzt werden kann – logisch, dass diese Vorstellung einfach nur lächerlich ist.

Und dann gab es beim G20-Treffen in Kopenhagen ja auch noch die Erklärung, dass man unter den Ratingagenturen angeblich den Wettbewerb stärken wolle und die europäischen Agenturen stärker einbezogen werden sollen. Dieser Schritt zielt darauf ab, die Herabstufungen der Kreditwürdigkeit der Staaten einzudämmen, um die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen.

Für die Banken und Großkonzerne stehen zurzeit Unmengen an Geld zur Verfügung. Einen Teil dieser Gelder haben sie in westliche Aktienmärkte investiert, weshalb diese Märkte nun auch nahe neuer Höchststände notieren. Die meisten Wirtschaften der Industrieländer dümpeln vor sich hin, weshalb sich die Investoren fragen, wie es sein kann, dass die Märkte steigen. Die Märkte steigen zwar, aber kaum einer partizipiert am Aktienmarkt, während die Handelsvolumen gering sind.

Das heißt, dass es nur einen eingeschränkten Käufermarkt gibt. Die Käufer sind schlicht nicht da, weshalb die Banken auf den Aktien hocken. 70% des Handelsvolumens geht auf vollautomatische Handelsprogramme zurück, die für einen Trade weniger als 8 Nanosekunden brauchen. So erhalten die Märkte ihre Liquidität. Es gibt keinen Einzelhandel mehr, wo man dem Anleger diese Aktien noch andrehen könnte.

Nachdem die G20-Länder nun beschlossen haben, wie groß ihre Geldspenden für den EFSF und den ESM ausfallen werden, verlangen sie weitere USD 500 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds. 19% der IWF-Kredite sind vom US-Steuerzahler bereitzustellen. Der überwiegende Teil der restlichen IWF-Gelder würde aus den Schwellenmärkten kommen. Die BRICS-Länder haben aber bereits erklärt, dass sie nicht bereit sind, sich an den Rettungsmaßnahmen zu beteiligen, sollten ihnen beim IWF nicht mehr Stimmrechte eingeräumt werden.

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